Die KI-Blase 2026: Warum ich trotzdem nicht verkaufe – und was du jetzt tun solltest

Von New York aus beobachte ich das Treiben an der Wall Street nun schon seit Jahrzehnten. In Frankfurt habe ich die Dotcom-Blase kommen und gehen sehen. In New York habe ich die Finanzkrise 2008 durchgestanden und den Corona-Crash überlebt. Und jetzt? Jetzt stecken wir mittendrin im KI-Rausch. Die Bewertungen bei Nvidia, Alphabet, Microsoft und Co. haben Regionen erreicht, die selbst Optimisten schwindelig werden lassen. Ist die Blase bald am Platzen? Vielleicht. Aber als smarter Aktionär bleibe ich gelassen.

Ich habe auch die meisten großen Tech-Titel im Depot, sie bleiben dort. Der legendäre Milliardär und Investor Paul Tudor Jones glaubt, dass der KI-Boom noch ein bis zwei Jahre weiter gehen wird, bevor die Blase platzen wird. Aber genau weiss das niemand.

Die Geschichte der Hypes und die nackte Realität: Eisenbahnen, Radio, Internet, KI

Es ist immer das gleiche Muster: Eine bahnbrechende Technologie verändert die Welt. Wie in den 1990er Jahren das Internet. Oder das Radio und Auto in den 1920er Jahren. In den 1870er Jahren war es die Eisenbahn-Manie. Und jedes Mal drehte die Börse völlig durch. Künstliche Intelligenz ist real, sie steigert die Produktivität und wird bleiben. Aber die Kurse sind der Realität weit vorausgeeilt. Wenn Unternehmen mit dem 50- oder 100-fachen ihres Jahresgewinns bewertet werden, ist keine Luft mehr für Fehler da, glaube ich. Deshalb warnt auch der legendäre Investor Michael Berry, der einst die Hauspreisblase vorhergesehen hat, vor einem Crash (aber klar, er warnt schon länger vor dem Zusammenbruch).

Die Gefahr ist offensichtlich: Sobald die ersten Giganten ihre astronomischen Gewinnversprechen nicht auf den Cent genau erfüllen, ziehen die Spekulanten den Stecker. Wir sehen das gerade bei den massiven Kurskorrekturen der „Magnificent Seven“. Hunderte Milliarden an Börsenwert lösen sich in Luft auf. Das tut weh, wenn man erst im letzten Jahr auf den Zug aufgesprungen ist. Microsoft hat schon beachtliche Summen des Börsenwerts verloren.

Die drei größten Gefahren der Blase

  1. Die psychologische Falle: Viele Anleger haben „FOMO“ (Fear of Missing Out) und kauften bei Höchstpreisen. Irgendwann, wenn die Kurse bröckeln, schlägt die Gier in Panik um.
  2. Abhängigkeit von wenigen Titeln: Wer sein Depot nur mit KI-Werten vollgestopft hat, erlebt womöglich sein blaues Wunder. Klumpenrisiken sind der größte Feind des langfristigen Vermögensaufbaus.
  3. Investitionen auf Pump: Das Gefährlichste überhaupt. Wer Aktien auf Kredit gekauft hat, wird bei einem Crash zwangsliquidiert. Das ist der sicherste Weg in den Ruin. Man spricht vom Margin-Call. Der schwäbische Milliardär Adolf Merckle hat im Jahr 2009 mit Aktien gezockt und ist dabei auf die Nase gefallen. Es ist sehr traurig.

Wie du dich jetzt als Aktionär verhältst

Was mache ich also hier in Manhattan? Ich laufe nicht panisch zum nächsten Terminal, um meine Bestände zu liquidieren. Im Gegenteil. Hier ist mein Fahrplan für dich:

  • Ruhe bewahren und Füße stillhalten: Wenn du Qualitätsaktien hältst, die echte Gewinne machen und Dividenden zahlen, dann lass sie liegen. Die Welt geht nicht unter, nur weil eine Bewertung von „extrem teuer“ auf „fair“ zurückfällt. Ich behalte selbstverständlich meine Microsoft- und anderen Technologie-Aktien als Langfristanleger.
  • Die Sparquote ist dein Schutzschild: Ich lebe sparsam. Ich kaufe meine Kleidung Second-Hand und fahre mit der U-Bahn statt mit dem Uber. Warum? Weil ich so jeden Monat frisches Kapital habe. Wenn die KI-Blase platzt und die Kurse um 30 % oder 50 % einbrechen sollten, sehe ich das nicht als Katastrophe, sondern als Schlussverkauf.
  • Diversifikation ist Pflicht: Schau dir langweilige Value-Titel an. Konsumgüter, Lebensmittel, Versicherungen, Banken, Energie. Während die Tech-Werte Achterbahn fahren, liefern diese Firmen stetige Cashflows.
  • Keine Panikverkäufe: Wer im Tal verkauft, zementiert seine Verluste. Erinnere dich an Warren Buffett: „Sei ängstlich, wenn andere gierig sind, und sei gierig, wenn andere ängstlich sind.“ Momentan beginnt die Angst, um sich zu greifen – das ist die Zeit, in der die Millionäre von morgen gemacht werden. Sofern eine Krise entstehen sollte, nutzte die schlechte Stimmung, um auf Shoppigtour an der Börse zu gehen.

Fazit: Der Zinseszins braucht Zeit

Die KI-Revolution wird die Welt verändern, genau wie das Internet. Aber die Börse ist keine Einbahnstraße. Wer wie ich auf Buy-and-Hold setzt, kann über solche Korrekturen nur lächeln. Mein Depot hat schon viele Stürme gesehen und steht heute höher als je zuvor.

Bleib diszipliniert, konsumiere weniger als du verdienst und investiere den Rest stur in solide Unternehmen oder einen simplen Welt-ETF. Die Zeit ist dein bester Freund – nicht der nächste Hype-Zyklus.

Herzliche Grüße aus New York,

Dein Tim

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15 Kommentare
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Christian
1 Monat vor

Hallo Tim,
ein schöner Artikel der wieder an das Wesentliche erinnert. Die Bewertungen sind teilweise irre geworden, es gibt viele Gewinner am 52-Wochen-Hoch wie z.B. Alphabet, Apple, CAT, Intel

Qualität gibt es teilweise zum 52-Wochen-Tief: Accenture, Danaher, McDonalds, Münchner Rück, Otis, Zoetis.

Das veranschaulicht: am Besten als Privatanleger breit gestreut in die „Welt-AG“ über sehr breite ETFs investieren. Deshalb freue ich mich auch schon auf das Interview mit Thomas von Finanzfluss. Die perfekte Symbiose: Langfrsitiges Buy & Hold in Verbindung mit breiter Diversifikation.

Felix
1 Monat vor

Die Bewertungen bei Nvidia, Alphabet, Microsoft und Co. haben Regionen erreicht, die selbst Optimisten schwindelig werden lassen.“

Forward KGVs:

  • Nvidia (NVDA): ca. 26–27
  • Alphabet (GOOG): ca. 28–29
  • Microsoft (MSFT): ca. around 25

So richtig außer der Reihe tanzt eigentlich nur Tesla, aber zählt die Story.

Captn Obvious
1 Monat vor
Antwort auf  Felix

Ich weiß auch nicht, wo hier hohe Bewertungen und eine Blase sein sollen. Wenn Microsoft das gleiche KGV hat wie Nike ist für mich ganz klar wer von beiden kaufenswert ist.
Und der Gewinn von NVIDIA soll nicht nur nach oben schnellen, er wird es auch. Die hohen Marketcaps sind also durch Umsätze und Gewinne gestützt. Aber es ist wohl dramatischer ständig auf einer „Blase“ rumzureiten.

Susanne
1 Monat vor

Schade, dass Du in der letzten Zeit kaum noch Post beantwortest Tim.

Susanne
1 Monat vor
Antwort auf  Tim Schäfer

Danke Tim für die Rückmeldung. Dann steigt meine Vorfreude.

Dachte ich nerve Dich !

WIe geht es Eurem Sohn ?

Sven
1 Monat vor
Antwort auf  Susanne

Du nervst aber schon irgendwie mit deiner Nachfragerei und Gefühlsduselei ständig. Kommentiere doch zum Artikelthema. Das ist kein Chatraum.

Basti
1 Monat vor
Antwort auf  Sven

Du entscheidest doch, ob Du genervt bist.
Jeder kann doch posten was er möchte.

Susanne
1 Monat vor
Antwort auf  Sven

Ich kommentiere fast immer zum Titelthema.
Du hast jetzt auch diesen Artikel genutzt, um mich – abseits vom Artikelthema – zu belehren.

Liebe Grüße

1 Monat vor

Man sollte wirklich lieber von KI-Revolution, als von KI-Blase sprechen. Mag sein, dass in einigen Fällen (Flashspeicher, Umbennenung von Geschäftsname und -zweck Richtung KI) die Börse frei dreht.

Aber die sogenannten Hyperscaler und auch Nvidia, ASML, TSMC verdienen Geld wie Heu. Die Umsätze explodieren, Cash kommt in Strömen rein. Die Bewertungen sind ambitioniert aber nicht irre. Die digitale Transformation ist in vollem Gange.

Es ist gar nicht absehbar, welche Geschäftsfelder noch entstehen werden (personalisierte Medizin, Verkehr, Bau, Wohnen, Assistenz, Verwaltung, etc.). Überall verdienen die Infrastrukturgiganten mit. Nvidia wird schon noch reichlich Chips verkaufen.

Aber Tim gibt auch hier sein Mantra dazu: Wer die Titanen hat, lässt sie einfach stur liegen.

Peter FR
1 Monat vor

Sehe ich genauso.

Die Gewinnschätzungen vieler Firmen sind gigantisch.
Man sehe sich auch die „Zulieferer“ an: Lam Research, Vertiv, Comfort Sytems,…….
Oder Frimen wie Monotlithic, Micron………………..

Leonie
1 Monat vor

Hab mal paar Münchner Rück gekauft.
KGV unter 10 , Dividendenrendite über 5%
Wird schon schief gehen.

Susanne
1 Monat vor
Antwort auf  Leonie

Die Versicherungen haben mir diesen Monat schon versüßt. Heute Allianz, gestern Hannover Rück und vor ca. einer Woche hat Münchner Rück ihre Dividende überwiesen.
Diese Werte sind ein stabiler Anker in meinem Depot.

Finde aber auch Werte rund um das Thema KI/AI interessant. Besonders auch aus der zweiten Reihe: Vertiv/Applied/Powell/Ametek…………………
Meiner Meinung nach kann man KI nicht mit der Dotcom Blase gleich setzen.
Bin da eher der Ansicht von Simont Betschinger von TraderFox.

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