Wer an der Börse langfristig erfolgreich sein will, muss oft genau dann kaufen, wenn die Stimmung am Boden liegt und die kurzfristigen Nachrichten schlecht sind. Ein perfektes Beispiel dafür ist aktuell der größte Eierproduzent der USA: Cal-Maine Foods (Tickersymbol: CALM). Ich besitze die Aktie bereits in meinem Depot und nutze die derzeitige Schwächephase ganz gezielt, um weiter zuzukaufen. Angesichts der aktuellen Probleme halte ich das Papier für schlichtweg unterbewertet.
Der Grund für den aktuellen Pessimismus der Wall Street ist offensichtlich: Die Eierpreise sind nach den extremen Hochs der Vorjahre massiv eingebrochen. Aber genau hier liegt unsere Chance als Value-Investoren. Ich bin fest davon überzeugt, dass sich die Preise wieder erholen werden – und das Unternehmen bereitet sich im Hintergrund strategisch exzellent auf die Zukunft vor. Es macht Übernahmen und vergrößert das Sortiment insbesondere mit Fertigprodukten, mit denen sich höhere Margen erzielen lassen.
Und in den besten Jahren verdiente der US-Marktführer über 1 Milliarde Dollar nach Steuern, während der Börsenwert nur wenige Milliarden Dollar betragen.
Die nackten Zahlen: Ein historisches Tief als Stresstest
Werfen wir einen Blick auf die neuesten Zahlen für das vierte Quartal und das gesamte Geschäftsjahr 2026, die der Vorstand kürzlich präsentiert hat. Es war ein extrem herausforderndes Umfeld. Die Branche leidet unter einem enormen Überangebot, was die Großhandelspreise für Eier inflationsbereinigt auf ein historisches Tief drückte.
Der durchschnittliche Verkaufspreis pro Dutzend Eier stürzte im vierten Quartal um drastische 70,9 % ab (auf das Gesamtjahr gesehen um 50,9 %). Solche Zahlen schlagen viele kurzfristig orientierte Investoren in die Flucht. Das Verkaufsvolumen selbst stieg im vierten Quartal sogar um 3,1 %, was klar zeigt: Die Nachfrage der Verbraucher ist völlig intakt, das Problem liegt rein auf der Angebotsseite. Doch dieses Überangebot ist eine typische zyklische Bewegung in der Landwirtschaft – auf Jahre der Knappheit (und Rekordpreise) folgen Jahre des Überflusses. Der Markt bereinigt sich immer wieder von selbst.
Der clevere Wandel: Weg von der reinen Rohstoff-Abhängigkeit
Was mich an Cal-Maine Foods optimistisch stimmt, ist nicht nur die pure Erwartung steigender Eierpreise. Viel wichtiger ist die strategische Neuausrichtung, die CEO Sherman Miller konsequent vorantreibt. Das Unternehmen ruht sich nicht auf dem Geschäft mit gewöhnlichen Eiern aus, sondern investiert massiv in margenstärkere, weniger zyklische Bereiche.
Das Zauberwort heißt Diversifikation. Cal-Maine fokussiert sich stark auf „Specialty Shell Eggs“ (Bio, Freiland, weidegehalten etc.) und „Prepared Foods“ (Fertigprodukte wie vorgekochte Eier, Omeletts, Pfannkuchen und Wraps).
Die Ergebnisse dieser Strategie sind bereits jetzt eindrucksvoll:
- Über die Hälfte des Umsatzes: Im vierten Quartal machten diese beiden Spezialbereiche kombiniert bereits 53,0 % des Nettoumsatzes aus! Das Unternehmen ist längst kein reiner Rohstofflieferant mehr.
- Massive Investitionen: Cal-Maine hat eine neue Investition in Höhe von 54 Millionen Dollar angekündigt, um die Produktionskapazität im Bereich „Prepared Foods“ bis zum ersten Halbjahr 2028 um weitere 30 % zu erhöhen. Zählt man frühere Investitionen und Übernahmen dazu, wird die Kapazität in diesem Segment bis 2028 um über 60 % wachsen.
- Smarte Zukäufe: Das Management hat geschickt Kapital alloziert – unter anderem durch den Kauf der Frühstücksmarke Van’s (Waffeln, Pfannkuchen etc.), den Erwerb von Anlagen von Creighton Brothers und die lukrative Ausweitung des Eggland’s Best-Franchise im bevölkerungsreichen Nordosten der USA. Allein diese Franchise-Erweiterung soll das Volumen der Spezial-Eier jährlich um 5 % steigern.
Diese Schritte machen die Unternehmensgewinne in Zukunft widerstandsfähiger, berechenbarer und deutlich unabhängiger vom tagesaktuellen Eierpreis.
Die Trendwende bei den Preisen ist bereits in Sicht
Wer antizyklisch investiert, braucht oft einen langen Atem. Doch bei Cal-Maine gibt es bereits erste handfeste Lichtblicke. Laut dem Branchendienst Urner Barry lagen die Großhandelspreise in den ersten fünf Wochen des neuen Quartals zwar noch bei niedrigen 0,72 Dollar. In den letzten Wochen sind diese Preise jedoch bereits wieder um über 90 % nach oben geschossen. Angebot und Nachfrage pendeln sich gerade wieder aus. Der Herbst, traditionell eine saisonal stärkere Phase für den Eierkonsum, steht zudem vor der Tür.
Dass Cal-Maine über eine grundsolide Bilanz verfügt, um solche Schwächephasen problemlos zu überstehen, macht die Investment-These umso sicherer. Auch der Vorstand ist von der Unterbewertung des eigenen Unternehmens offenbar voll überzeugt: Allein im vierten Quartal kaufte Cal-Maine fast 400.000 eigene Aktien für gut 30,1 Millionen Dollar zurück. Für weitere Aktienrückkäufe stehen im aktuellen Programm noch satte 320 Millionen Dollar zur Verfügung. Weil die Bilanz praktisch schuldenfrei ist und im Geld schwimmt, ist reichlich Knete vorhanden.
Mein Fazit
Cal-Maine Foods ist für mich ein klassisches Zykliker-Investment, gepaart mit einer hervorragenden Wachstums- und Transformationsstrategie. Ich habe vor einigen Dekaden den deutschen Tiefkühlkostanbieter Frosta gekauft und bin hellauf begeistert von dem Investment. Frosta hat sich für mich fürstlich ausgezahlt, ich habe 300 Stück, ursprünglich für einen Apel und ein Ei gekauft. Die Börse straft die Cal-Maine-Aktie für das derzeitige Tief im Schweinezyklus der Eierpreise ab, ignoriert aber den langfristigen Wandel hin zu einem diversifizierten, margenstarken Lebensmittelkonzern, so wie es Frosta mit seinem „Reinheitsgebot“ geschafft hat. Und nicht zu vergessen: Die Eierpreise werden steigen. Und Cal-Maine will nachhaltiger, ökologischer, tierfreundlicher werden. Auch das wird die Margen heben.
Deshalb bleibe ich stur, halte an meinen Cal-Maine-Stücken fest und kaufe zu diesen Kursen weiter zu. Ich habe 257 Cal-Maine-Aktien. Wenn die Eierpreise wieder auf ein Normalniveau zurückkehren und die neuen, renditestarken Kapazitäten im Fertigkost-Segment greifen, wird der Markt erkennen, was dieses Unternehmen wirklich wert ist. Wer jetzt kauft, positioniert sich genau richtig für den nächsten Aufschwung. Auch ist die Aktie des Bioeier-Anbieters Vital Farms attraktiv auf dem geringen Niveau meiner Meinung nach. Ich konzentriere mich aber auf den US-Marktführer Cal-Maine. Mein Motto: Buy low, sell never.
Ich übernehme natürlich keine Garantien für diesen Artikel hier. Mach deine eigene Recherche, bevor du Aktien kaufst. Und denke ans Streuen.
Eier sind für mich ein Superfood, denn sie enthalten alle Aminosäuren und helfen somit den Bedarf an Proteinen zu decken. Leider hat die DGE die Empfehlung auf ein Ei die Woche gesenkt, nicht wegen gesundheitlichen Bedenken sondern wegen dem Umweltschutz. Ich kann das nicht nachvollziehen, schließlich gibt es flächendeckend Möglichkeiten sich vor Ort von den Haltungsbedingungen der Hühner zu überzeugen. Eier werden zudem oft direkt vermarktet, s. d. Transportkosten entfallen. Amerikanische Einzelaktien kaufe ich nicht, die decke ich mit meinem ETF ab aber Frosta habe ich mir vorgemerkt, danke für die Erinnerung. Die Tiefkühlprodukte kaufe ich öfters. Klar wäre es besser ich würde frisch geerntete Gemüse verwenden, aber die Realität sieht halt anders aus, wenn man voll berufstätig ist. Daher wünsche ich jedem viel Erfolg dabei, die finanzielle Unabhängigkeit zu erreichen.
Eier sind die Menstruation der Hennen. Auf jeden Fall Superfood.
Der Ticker heisst ja CALM, Ruhe bewahren und behalten. Es gibt immer wieder Sektoren, die im Hype nicht mitgehen, neben Nahrungsmitteln aktuell Sportartikelhersteller, fast durchs Band. Auch die würden in einem Crash nicht überfliegen, aber die Substanz bleibt.
„Ich habe vor einigen Dekaden … Frosta gekauft und bin hellauf begeistert“.
Frosta (IPO 1988) stand in dem Zeitraum 1995 – 2005 bei circa 13 Euro.
Bis 2015 konnte man sie für 20€ kaufen.
Inflationsbereinigt die es aktuell, nach Dekaden (!), gerade mal <300% Gewinn.
Aber so denken Einzelaktienbesitzer – sie sind begeistert wenn die Aktie mal im plus ist und ignorieren die Zeit gewichtete und Risiko gewichtete Rendite bzw Opportunitätskosten.
Bei „einigen Dekaden“ Haltedauer ist die Performance nicht gut.
Verglichen mit einem viel weniger volatilem und sicherem All-World ETF sogar schlecht.
Froata hat seit 2000 750% gemacht ähnlich dem S&P 500. Also stimmt dein Argumentation irgendwie nicht.
Plus es ist die Vergangenheit. Also Investor interessiert mich doch aber nur die Zukunft, zumindest wenn man jetzt kaufen möchte.
Nik, Tim freut sich doch gerade über die die Performance der Vergangenheit. Er freut sich nicht über Syzygy oder Solarworld oder MLP die er vermutlich in etwa gleichzeitig kaufte.
Anders als beim S&P500 mit LURO Eigenschaften kommt es bei Frosta extrem stark auf das timing für Kauf und Verkauf an.
Frosta Kurs 2000 bei 12,40€,
dann runter bis 2004 bis 5,45€,
dann rauf bis zur Finanzbubble 2007 hoch bis 25,20€,
dann ab- weitwärts bis 2013 14,40€ – 16,40€,
dann bis 80€,
dann 53€,
dann bis 94€,
dann bis 48€,
dann 2 Jahre 2023+2024 seitwärts bei 60.
dann seit 18 Monaten bullrun auf 106€.
Viel Spaß damit.
Kaufe ich mir lieber einen LURO Chart wie S&P500 oder All-World.
Der Vorteil ist auch ich muss nicht mein Geld liegen lassen bis ich einen Kaufzeitpunkt auspendle sondern kann automatisiert immer voll rein und ich brauche keine Zeit & Arbeit für Überlegungen und habe kein mental load deswegen.
Das es risikoadjustiert sowieso besser ist brauch man ja gar nicht erwähnen.
@Tim: Danke für Deinen Beitrag und deinen Blog.
Ist irgendetwas mit Deinem Blog nicht in Ordung ?
Ich darf keine Post bewerten. Wie kann das ?
Ich kümmere mich darum, danke Mareike.
Danke Tim. Es funktioniert wieder !“
Ich bin immer froh um jeden Hinweis bzw. Kritik.