Gefallene Engel an der Börse: Warum 12-Monats-Tiefs bei Blue Chips die besten Chancen bieten

An der Wall Street regiert oft die Hektik der Quartalszahlen. Verfehlt ein Weltkonzern die kurzfristigen Erwartungen der Analysten um ein paar Cent oder senkt die Prognose für das nächste Halbjahr leicht ab, werfen hektische Fondsmanager die Papiere scharenweise aus den Depots. So ist heute zum Beispiel der Sportfachhändler Dick’s Sporting Goods um schmerzhafte 30 % abgestürzt, weil er enttäuschende Zahlen vorgelegt hatte. Autsch!

Die Kurse brechen ein, die Schlagzeilen werden düster – und genau in diesem Moment entstehen für antizyklische Buy-and-Hold-Anleger die lukrativsten Einstiegsmöglichkeiten.

Aktien von altbewährten Marktführern, die auf ein 12-Monats-Tief oder gar auf ein Mehrjahrestief fallen, nennt man an der Börse gerne „gefallene Engel“. Es sind Qualitätsunternehmen mit etablierten Geschäftsmodellen, starken Marken und soliden Bilanzen, die temporär in stürmisches Fahrwasser geraten sind.

Welche Blue Chips unter Druck stehen

  • Nike: Der weltgrößte Sportartikelhersteller geriet nach vorsichtigen Umsatzprognosen und Umstrukturierungen im Streetwear-Segment unter Druck und markierte Kursstände unter der 40-Dollar-Marke – ein Bereich, der Erinnerungen an Tiefstände vergangener Jahre weckt. Um massive 76% schrumpfte der Kurs in nur 5 Jahren. Die Marke, das globale Vertriebsnetz und das Sponsoring-Imperium bleiben jedoch intakt. Ich kaufe das US-Papier weiter zu, besitze aber daneben Adidas.
  • Nestlé + Starbucks: Einige der weltweit dominantesten Konsumgüter- und Gastronomie-Riesen kämpfen mit der Preissensitivität der Kunden, Währungseffekten und veränderten Konsumgewohnheiten. Das Ergebnis sind gedrückte Bewertungen bei gleichzeitig stabilen Barmitteleinnahmen. Starbucks bietet immerhin 2,3% Dividendenrendite.
  • Pfizer + globale Pharma-Urgesteine: Nach dem Abflauen der Sonderkonjunktur aus den Pandemie-Jahren und angesichts anstehender Patentabläufe notieren einige Pharma-Giganten auf Jahrestiefs. Sie bieten historische Dividendenrenditen für Anleger, die den Atem für die nächste Medikamenten-Pipeline haben. Pfizer hat ein vorausschauendes KGV von 9 und eine Dividendenrendite von 6,15%. Vielleicht ist auch die abgestürzte dänische Novo Nordisk einen Blick wert.
  • Zyklische DAX-Schwergewichte (z. B. Automobil- und Chemieaktien): Deutsche Industriegrößen werden bei Konjunktursorgen regelmäßig an die Wand gedrückt. Wenn die Panik am größten ist, liegen die KGV-Bewertungen oft im einstelligen Bereich. VW, BASF und andere sind heftige Beispiele. BASF bietet 4,4% Dividende. Das ist Deep-Value-Investing – natürlich ist das nie ohne Risiken.

Was Value-Investoren tun müssen

Wer ein dauerhaftes Vermögen aufbauen möchte, sollte sich von den alltäglichen Kursschwankungen nicht aus der Ruhe bringen lassen. Auch spielen die Tagesnachrichten nicht die zentrale Rolle. Warren Buffett brachte es treffend auf den Punkt: „Wir versuchen einfach, besorgt zu sein, wenn andere gierig sind, und gierig zu sein, wenn andere besorgt sind.“

Beim Blick auf gefallene Engel gelten drei einfache Grundregeln:

  1. Burggraben überprüfen: Hat das Unternehmen seinen Wettbewerbsvorteil verloren oder handelt es sich um ein vorübergehendes Problem (z. B. Lageraufbau, Managementwechsel, allgemeine Flaute)? Wenn das Produkt und die Marke weiterhin gefragt sind, ist der Abschlag eine Kaufgelegenheit.
  2. Dividenden als Ertragsbooster nutzen: Sinkt der Aktienkurs eines gesunden Unternehmens, steigt die Dividendenrendite auf das eingesetzte Kapital. Das Reinvestieren dieser Ausschüttungen beschleunigt den Zinseszins-Effekt enorm.
  3. Schrittweise und stur nachkaufen: Niemand kennt den exakten Boden einer Aktie. Anstatt zu versuchen, den tiefsten Punkt auf den Cent genau zu treffen, was eh nie gelingen dürfte, lohnt es sich, bei Qualitätswerten in Tranchen einzusteigen oder Sparpläne konsequent weiterlaufen zu lassen.

Geduld und Sparsamkeit schlagen an der Börse fast immer den hektischen Handel. Wer den Mut hat, Qualitätsaktien dann zu kaufen, wenn die Masse sie meidet, legt das Fundament für finanzielle Unabhängigkeit über Jahrzehnte hinweg. Ich habe auf Mehr-Jahres-Tiefs Wells Fargo, Carnival, United Airlines, Nike, Netflix, Bank of America, Commerzbank, Target, Estée Lauder, General Electric, Boeing und andere Aktien gekauft. Und in den meisten Fällen habe ich es nicht bereut.

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4 Kommentare
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I want to believe
10 Tage vor

Tim,
Du hast IT SAP nach dem .com crash gekauft glaube ich.
Du hast Banken BAC, WFC, Commerz + Deusche Bank, nach der Kernschmelze 7/8 gekauft.
Du hast Öl Chevron genau wie auch unser Vorbild WB in der Wirtschaftskrise aufgebaut.
Du hast Tourismus Carnival, MGM gekauft im weltweiten Lockdown 20.

Damit warst du sehr erfolgreich.
Aber das sind für mich keine gefallenen Engel, denn es gab global Probleme. Gefallene Engel bei Einzelunternehmen sind deutlich schwieriger. Hier finde ich Deine Bilanz, nimms mir bitte nicht krumm, eher durchwachsen. Beziegungsweise nicht besser aus ein Dartpfeilwerfer. Turnarounds sind einfach schwierig und ich würde generell abraten. Du hast die größten Erfolge nicht mit gefallenen Engeln gemacht sondern mit eher kleinen stark wachsenden Zukunftsunternehmen mit Burggraben NFLX, CTS und wie gesagt mit Käufen guter Unternehmen in Baisse-Sondersituationen.

Für mich ganz persönlich: Von deinen Käufen seit 2023 finde ich nur Celsius interessant.
Die beiden Wald-REITS, RH, Toll Brothers, Advance Auto, CarMax, CalMaine, UNH, Est. Lauder, den beiden Fluglinien oder Boing kann ich nichts abgewinnen. Nur KKR finde ich noch ganz gut aber zu zinsabhängig. So ist jeder verschieden.

Oldman
9 Tage vor

Gefallene Engel die ich eingesammelt habe dieser Tage waren : Omnicom 74€, UPS 86€, Pernod Ricard heute bei 62€!

Tom
2 Tage vor

Wieso sind Dividenden denn ein Ertragsbooster? An Tag der Ausschüttung fällt der Aktienkurs um die Dividende. Es ist also linke Tasche, rechte Tasche. Und wenn ich das Geld nicht brauche, muss ich es wieder anlegen, damit ich das compounding nicht unterbreche. Wo ist da der Booster?

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