Jahrelang war Porsche der absolute Vorzeigekonzern der deutschen Autoindustrie und die verlässliche Cash-Cow für den Mutterkonzern Volkswagen. Glänzende Gewinne, hohe Margen und ein scheinbar endloses Wachstum im Reich der Mitte machten die Stuttgarter zum Liebling der Börsianer. Doch diese Zeiten sind vorerst vorbei. Der Sportwagenbauer muss sich radikal neu erfinden – und das wird schmerzhaft.
Die nackten Zahlen sprechen Bände: Die operative Gewinnmarge ist im vergangenen Jahr von stolzen 18 Prozent auf magere 1,1 Prozent regelrecht implodiert. Für einen Premiumhersteller ist das ein absolutes Alarmsignal. Es ist ein Desaster.

Was ist passiert?
Drei Faktoren haben Porsche massiv in die Zange genommen:
- China-Schwäche: Einst der wichtigste Wachstumsmarkt, in dem früher mehr als ein Drittel der Autos verkauft wurden. Doch die Nachfrage nach Luxuskarossen schwächelt dort massiv, während der lokale Wettbewerb gnadenlos aufholt. Im ersten Halbjahr brachen die Auslieferungen um fast ein Drittel ein. Bis 2030 erwartet Porsche, dass nur noch jedes zehnte Auto nach China geht.
- US-Zölle: Da Porsche im Gegensatz zur Konkurrenz nicht in den USA produziert, haben die von Präsident Donald Trump verhängten Strafzölle den Konzern aus Stuttgart im letzten Jahr satte 700 Millionen Euro gekostet.
- Kostenfalle E-Mobilität: Die Transformation und die kostspielige Kehrtwende in der Elektro-Strategie haben enorme Summen verschlungen.
Klasse statt Masse: Die neue Strategie
Das Management unter Michael Leiters (55) – einem Mann mit reichlich Ferrari- und McLaren-Erfahrung – zieht nun die Reißleine. Die Devise lautet künftig: Qualität und Exklusivität vor schierer Masse. Porsche will sich noch stärker im ultimativen Luxussegment positionieren, ganz nach dem Vorbild der Italiener (Ferrari). Seine neue Strategie hat Leiters den Medien gerade auf einem Kapitalmarkttag vorgestellt. Er nennt sein Umbauprogramm „Sportwagenschmiede 2035„.
Die Preise für die Topmodelle sollen um rund 20 Prozent auf durchschnittlich 330.000 Euro (ca. 370.000 US-Dollar) steigen. Boa! Das ist richtig viel Geld. Gleichzeitig wird der Gürtel massiv enger geschnallt: Ein Viertel der Belegschaft, das sind rund 9.000 Mitarbeiter, muss gehen. Intern wird sogar erwartet, dass die Kürzungen am Ende bis zu 30 Prozent betragen könnten. Zudem sollen die Entwicklungskosten um ein Fünftel gedrückt werden.
Volkswagen spürt den Schmerz
Für den VW-Konzern, dem 75 Prozent an Porsche gehören, ist das ein herber Schlag. Ohne die üppigen Gewinnabführungen aus Stuttgart fehlt in Wolfsburg das Geld an allen Ecken und Enden. Allein im letzten Monat musste VW wegen der Porsche-Misere 6 Milliarden Euro abschreiben und rechnet nun auf Konzernebene mit einer operativen Marge von höchstens 1 Prozent. Das ist eine Katastrophe.
Mein Fazit für Anleger
Die Strategie „Weniger Volumen, höhere Preise“ kann hochprofitabel sein – Ferrari beweist an der Börse eindrucksvoll, wie so ein Burggraben funktioniert. Aber der Weg dorthin ist steinig. Wie der Branchenexperte Ferdinand Dudenhöffer richtig anmerkt: Wenn man weniger Autos verkauft und gleichzeitig die Entwicklungskosten massiv zusammenstreicht, könnte die Innovationskraft auf der Strecke bleiben. Genau das ist gefährlich, wenn die Konkurrenz in China weiter aufs Gaspedal drückt.
Für Value-Investoren mit einem langen Atem könnte die Situation spannend werden, denn Turnarounds bieten oft Chancen. Ihr wisst, ich greife bevorzugt in Krisen ein. In der Finanzkrise staubte ich wie ein Irrer Bankaktien ab. Während Corona riss ich mir das Kreuzfahrt-Unternehmen Carnival und ein paar Airlines unter den Nagel.
Wer bei Porsche einsteigt, braucht eiserne Nerven und muss darauf vertrauen, dass die historische Strahlkraft der Marke 911 stark genug ist, um die drastischen Preiserhöhungen bei den wohlhabenden Kunden auch wirklich durchzusetzen. Kaufen und liegenlassen gilt hier nur, wenn der Vorstand wirklich liefert. Ich glaube, die kriegen das hin. Aber ich kann es nicht garantieren.
Die Porsche-Vorzüge sind auf 42 Euro eingebrochen. In der Spitze war der Kurs schon bei 120 Euro. Christian Röhl kauft die Porsche-Aktien auch, das hat er mir im Interview verraten.
Hier findest du zwei Nischen, in denen derzeit Geld wie Heu verdient wird:
Mit diesen Aktien kannst du richtig viel Geld verdienen, bislang zumindest. Es spricht einiges dafür, dass der Trend anhält.