Wer bist du: Ein Schuldenmacher, Konsumclown oder Sparer?


New York, 27. April 2019

Konsum ist wie ein Herdentrieb. Die meisten Menschen sind auf diesem Trip.

Ich habe gestern mein Index-Papier VOO von Vanguard aufgestockt, es bildet den S&P-500-Index nach. Die Gebühren sind mit 0,03% mini. In Deutschland gibt es ähnliche Produkte, die ich zum langfristigen Vermögensaufbau empfehle. Du brauchst keine einzelnen Aktien zu kaufen, du kannst den ganzen Börsenmarkt im Korb erwerben.

Bist du ein Börsenneuling, hast du zahlreiche kostenlose Quellen im Web für das passive Investieren zur Verfügung: Blogs, Podcasts und Videos auf YouTube. Aber einer bringt das am besten auf den Punkt. Es ist John Bogle, der Gründer von Vanguard. Ich hab ihn schon ein paar mal getroffen und interviewt. Am besten finde ich dieses von ihm unterstützte Buch: „The Bogleheads. Guide to Investing„. Die Autoren schreiben, grob übersetzt:

Nimm 100 junge Amerikaner im Alter von 25 Jahren. Mit 65 wird einer reich sein. Vier werden finanziell unabhängig sein. Die restlichen 95 werden im traditionellen Rentenalter nicht in der Lage sein, den Lebensstil fortzusetzen, an den sie sich gewöhnt haben. Ohne die Unterstützung von staatlichen Programmen wie Social Security, Medicare oder Medicaid würden viele buchstäblich verhungern. Wer Hilfe der Regierung in Anspruch nimmt, der lebt ziemlich mickrig. „Obwohl die Regierung dich nicht hungern lässt, ist sie nicht verpflichtet, deine goldenen Jahre golden zu machen. Das liegt an dir. Ein Lebensstil, der auf staatlichen Gaben basiert, war im besten Fall immer unangenehm“, heißt es in dem Buch.

In Deutschland ist das ähnlich. Viele Menschen leben in den Tag hinein und planen ihre Finanzen nicht. Sie nähern sich dem Ruhestand mit zu wenig Substanz. Die steigende Lebenserwartung macht die finanzielle Lage noch schlimmer. Wir Deutsche, Amerikaner, Österreicher und Schweizer leben in einem der reichsten Länder der Welt. Unser Reichtum ist enorm und wächst. Doch nur fünf Prozent von uns schaffen es, mit 65 Jahren wirklich finanziell unabhängig zu werden, um ein Leben zu leben, ohne Abstriche machen zu müssen, sagt das Buch (zumindest mit Blick auf die Amerikaner).

Warum ist das so? Es liegt daran, wie wir mit Geld umgehen. Unser Lebensstil entscheidet über unsere Zukunft. Die Autoren beschreiben drei gängige finanzielle Lebensstile, die von drei verschiedenen Paaren geführt werden. Jeder Lebensstil wird dich an Personen in deinem Umfeld erinnern.

Der Schuldenmacher
„Vergiss das Morgen, lass uns für heute leben. Ich kann ja Morgen schon tot sein.“ Das ist das Motto vieler Deutscher. Es ist ein finanzieller Lebensstil, der buchstäblich auf einem Kartenhaus aufgebaut ist – Hypotheken, Konsumkredite, Autofinanzierungen, Ratenkredite, Girokonto überzogen… Sie fahren die neuesten und besten Autos, sie tragen die neueste Mode. Sie wohnen in einem sehr großen Haus. Das alles ist mit enormen Schulden finanziert. Das Haus wurde mit wenig oder keinem Eigenkapital gekauft. In ähnlicher Weise werden die Autos mit Krediten finanziert. Es ist ziemlich rücksichtslos.

Es gibt genug Leute, die gehen auf eine Luxuskreuzfahrt auf Pump. Schuldenberater warnen vor einem solchen Leben. Wenn Konsumsüchtige keine drastischen Änderungen vornehmen, ist ihre finanzielle Zukunft unsicher. Sie endet oft im Desaster. Zehn Prozent der Deutschen sind überschuldet.

Sie schaffen es nicht, Wohlstand aufzubauen. Sie bauen stattdessen negativen Wohlstand auf, besser bekannt als Schulden. Ein Arbeitsplatzverlust kann das Kartenhaus zum Einsturz bringen. Ebenfalls ein Unfall oder eine Krankheit.

Die Konsumenten
Der typische Konsument hat eine Gehaltsmentalität, sagen die Autoren. Paare geben ihr gesamtes Nettoeinkommen aus. Sie kaufen so viel ein, wie sie sich gerade so leisten können. Größere Anschaffungen wie ein Eigenheim können sie sich aber nicht leisten. Für große Anschaffungen etwas anzusparen, das interessiert sie nicht. Sie haben auch keine ausreichende Altersvorsorge. Sparen und investieren sind Fremdworte für sie.

Eigentlich möchten sie ja sparen. Leider gibt es im Moment zu viele Dinge, die sie gerade brauchen: ein neues Handy, ein neues Auto, ein Großbild-TV, ein iPad, eine Digitalkamera, eine Massage, ein Friseurbesuch einmal die Woche, ein lange Reise…

Das einzig Gute, was man über ihren finanziellen Lebensstil sagen kann: Sie meiden wenigstens das Schuldenmachen. Sie geben nur aus, was als Gehalt reinkommt. Mit anderen Worten geben sie 100 Prozent des Nettoeinkommens aus. Der Schuldenmacher gibt 110 oder 120 Prozent dessen aus. Bis eines Tages das Kartenhaus in sich zusammen fällt. Aber ohne Notgroschen und langfristiger Planung ist ihr Leben ebenfalls eine Misere.

Der Sparer
Während die meisten Menschen Konsumkredite aufnehmen oder ihr gesamtes Gehalt rausballern, gibt es eine dritte Gruppe: Die Sparer. Sie sind weise. Sie wissen: Konsumschulden sind gefährlich. Menschen, die es in die finanzielle Freiheit schaffen, konzentrieren sich auf die Anhäufung von Assets, die Geld abwerfen wie Aktien, Indexfonds oder Renditeobjekte im Immobilienbereich. Die Sparer haben kein höheres Einkommen als die Kreditsammler oder Konsumfans. Sie können sogar weniger verdienen. Im Laufe ihres Lebens werden sie aber weitaus mehr Geld ausgeben und mehr arbeitsfreie Jahre haben. Sie werden ihre Freiheit genießen. Mehr als die beiden anderen „Gattungen“.

Der Sparer investiert ein Minimum von 10 Prozent des Nettogehalts. Besser sind 20 oder 30 Prozent. In der Hoffnung eines Tages reich zu sein, werden sie aber nie leiden. Sie genießen ihr Leben in vollen Zügen. Sie sind froh mit dem, was sie besitzen. Sie leben bescheiden. Sie tragen trotzdem ordentliche Kleidung, wohnen in einem schönen Zuhause, speisen in Restaurants, nehmen Urlaub. Sie genießen viele der guten Dinge, die man mit Geld kaufen kann. Aber sie limitieren es. Sie gehen keine langfristigen Verpflichtungen über Schulden ein, die sie sich eigentlich nicht leisten können.


tim schaefer (Author)

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thoughts on “Wer bist du: Ein Schuldenmacher, Konsumclown oder Sparer?

  1. AvatarSandra

    Lieber Tim, liebe Leser,
    Weiß jemand ob man in Deutschland den VOO von Vanguard kaufen kann? Ich habe bereits recherchiert, erfolglos. Nach meinem Wissensstand ist es leider nicht möglich…
    Bzw was empfehlt ihr in Deutschland für ETFs mit ähnlich niedrigen TER?

    Mit geringem Kosten von 0,0xxx sieht es wohl eng aus in D. (Für breite ETFs wie World oder SP500)…?

  2. AvatarTom

    @Sandra

    Ich habe den
    iShares Core S&P 500 UCITS ETF USD – ACC ETF, WKN A0YEDG mit 0,07%.
    Ich habe ihn bei der Comdirect.

     

  3. AvatarTim Andermann

    in Deutschland ist ein ähnlich aufgelegter ETF zu haben, Kosten 0,07%

    Vanguard S&P 500 UCITS ETF
    WKN: A1JX53

    ich finde persönlich die Philosophie von Vanguard sympathischer als von BlackRock.

    Die haben aber auch gute Produkte, wenn man zum Beispiel eine Branche abdecken will. Da habe ich bei Vanguard nicht viel entdeckt.
    iShares Automation & Robotics UCITS ETF
    WKN: A2ANH0
    Kosten: 0,4%

  4. AvatarWohnung mit Domblick

    Von meinen Investitionen am Kapitalmarkt gehen ab Mai 1/3 auf Berkshire Hathaway und 2/3 auf verschiedene ETF, bzw. bisher 40% zu 60%. Die Mischung machts und beides performed gut. Also warum nur entweder – oder?

  5. AvatarDaniel

    Mit geringem Kosten von 0,0xxx sieht es wohl eng aus in D. (Für breite ETFs wie World oder SP500)…?

    Das würde ich auch lassen. Soweit ich weiss wird Vanguard in den USA wie eine Art Genossenschaft geführt, das Vanguard was wir hier in Deutschland haben funktioniert anders. Und ehrlich gesagt wäre mir das auch lieber, denn die Vermögen die hierzulande in den Vanguard ETF stecken sind hier Sondervermögen. Ganz ehrlich, wer sich hierzulande noch über die 0,2% Gebühren (Tendenz fallend) aufregt ist wohl noch nicht allzulang dabei und hat noch nicht die Jahre davor mit aktiven Fonds und TERs weit über 2,5% erlebt.

    Zum Artikel:

    Ich würde den letzten Abschnitt, insbesondere in Deutschland nochmal Aufteilen wollen. Den Sparer und den Investor.

    Der Deutsche ist dann, wenn er Geld weglegt, eher der Sparer, er verzichtet auf Konsum, legt Geld beiseite, ist aber extrem risikoavers und merkt nicht, dass ihm der aktuelle Konsumverzicht und das Sparen auf dem Tagesgeld nur schleichend einen stetigen Verlust beschert. Ihm stehen in knapp 10 Jahren dieses Gebahrens praktisch 20-30% Kaufkraftverlust im Raum ohne das er es merkt. Dabei hat er alles dafür getan Risiko zu vermeiden. Nunja, er hat risikolos Geld verloren.

    Der Investor ist in Deutschland ein sehr seltenes Geschöpf. Er hat erkannt das der aktuelle Konsumverzicht nur etwas bringt, wenn er langfristig daraus einen Gewinn erzielt und das erreicht er nur, wenn er oberhalb der üblichen Inflationsraten von 2-3% anlegt. Er hat auch begriffen das es mal volatil und hektisch an der Börse zugeht, oder aber das er für den Erwerb zum Vermieten von Häusern/Wohnungen gewisse Risiken eingehen und ertragen muss, die ihm aber häufig entlohnt werden.

    Ich habe bei dem verregneten Tag nun das schöne Buch “ Das kleine Handbuch des vernünftigen Investierens von John Bogle“ zuende gelesen. Seine Aussage ist eigentlich unmissverständlich. Greife zum Indexprodukt, dieses ist in Deutschland aber nahezu nicht existent, und wenn du doch einen ETF willst (vielen bleibt nur das), dann hast du nur etwas davon, wenn er günstig, marktbreit und lange gehalten wird. Ein weiser Mann. Das Buch ist schön geschrieben und gar nicht mal teuer. Kann es nur weiterempfehlen.

  6. AvatarMichael

    Nun ist TER leider nur ein Teil der Gebühren. Zumindest hier in Deutschland. Die ganzen Gebühren wollen die Anbieter nicht Preis geben!!!

  7. AvatarSkywalker

    Ich bin Schuldenmacher:

     

    Hoher sechsstelliger Eurobetrag für Eigenheim, mehrere vermietete Wohnungen und das eigene Unternehmen.

     

    Ich bin Konsumclown:

    Fahre ein ganz nettes Auto, mache tolle Urlaube, trage gerne neuere Kleidung, habe schöne Möbel, gehe gerne aus

     

    Ich bin Sparer/Investor:

    Sparquote weit über  50 %, alles in Aktien und ETFs bis auf Sondertilgungen zum Teil

  8. PeterPeter

    @Skywalker

    Ha ha, das habe ich mir auch eben für mich gedacht. Bin auch ein Mischtyp.

    Nur die Immobilien sind fast komplett lastenfrei.

  9. KievKiev

    @ Tim

    Mir gefällt der Artikel heute. Hier wird es noch etwas auageführt:

    https://www.heise.de/amp/tp/features/Die-Umverteilung-von-Arm-nach-Reich-durch-Zinsen-4399964.html

    Achtung an die streng gläubigen Investoren. Zinsarten werden hier beschrieben aber allgemein zusammengefasst. Hier wird nicht zwischen Zinsen und Unternehmensgewinnen, Dividenden usw. getrennt. Macht für mich eigentlich auch Sinn. Ob ich Zinsen auf bereitgestelltes Kapital für z.B. ein MFH erhalte, oder bei Vonovia investiere ist kein so großer Unterschied.

    @Sky

    Du hast ein erfolgreiches Business aufgebaut. Genieße dies eine Zeit und dann kannst Du ja überlegen wie Du langfristig vorgehst. Jedes Jahr einen neuen Bentley macht Dich auch nicht glücklich. Falls Du bereits 95% und mehr Zinsen einnimmst sind Deine Ausgaben ja zu vernachlässigen.

  10. AvatarSkywalker

    @Peter: Ich habe erst die letzten paar Jahre die Immobilien gekauft und bin hier noch am Anfang. Sollte schon werden… Glückwunsch dir! Fühlt sich bestimmt super an, die Kredite abbezahlt zu haben!

    @Kiev: Keine Bentleys, haha 🙂 ein bisschen timschäfer steckt auch in mir, das Auto ist einige nummern kleiner. Mittlerweile denke ich öfters darüber nach, schon in ein paar Jahren deutlich weniger zu arbeiten. Einen Stellvertreter einstellen (ggf. mit Umsatzbeteiligung) der für gute Arbeit gut bezahlt wird ist Teil des Plans. Man hat noch die Kontrolle und auch Verantwortung, ist aber wesentlich freier, was die Zeiteinteilung angeht. Man muss nur den/die richtige finden.

     

  11. AvatarHannes

    @Sandra

    Der Vanguard FTSE All-World hat eine Tracking Differenz von 0,0%, das heißt, die Gebühren (TER = 0,25%) werden durch sonstige Erträge – insbesondere aus der Wertpapierleihe – ausgeglichen. Diese Erträge fließen bei Vanguard im Gegensatz zu anderen Anbietern in voller Höhe in den ETF zurück und neutralisieren damit die Gebühren für den Anleger.

    https://www.trackingdifferences.com/ETF/Index/FTSE%20All%20World%20Index

  12. AvatarGuy Incognito

    Kredite sind per se nicht’s schlimmes, solange die persönliche Vermögensbilanz positiv bleibt. Ich besitze (nicht die Bank 😉 ) mehrere vermietete Wohnungen im Ausland, ETF’s und ausreichend Bargeld. Letztens erlitt mein 12 Jahre alter Suzuki einen Getriebeschaden, im Grunde der erste Defekt, neben einigen Glühbirnen nach ca. 300.000km. Da die Reparatur nicht mehr wirtschaftlich war, ging er an einen Exporthändler für’n Taschengeld. Habe mir wieder einen neuen (Reimport) o.g. Marke (ACHTUNG TIM!! 😉 ) zur hälfte finanziert, da ich gerne Bargeld habe, um Schnäppchen zu kaufen. Den Wagen könnte ich eigentlich Bar bezahlen. Überschuldet ist für mich jemand, der kein „Fleisch“, keine Substanz hat, die, die Schulden um ein vielfaches decken. Kredite sind für mich ein Instrument, welches man sich auch leisten können muss.

  13. KievKiev

    @ Sky

    Genau um diese Freiheiten geht es bei dem Aufbau eines Vermögens. Meine Frau und ich haben aktuell ein ganz gutes Gehalt, dass uns bei dem Aufbau des Vermögens sehr gut unterstützt. Ich bin darüber auch dankbar, aber ich möchte es so schnell wie möglich durch Miete und Dividenden ersetzen. Als Ziel möchte ich diese Einkommensarten erhöhen und nicht die aktiven Einnahmen. Sonst bleibe ich im Hamsterrad, wenn auch vielleicht auf einem anderen Niveau.

    Es muss ja auch nicht jeder mit Erreichen der Freiheit den Stift fallen lassen. Es ist doch einfach schön wenn man es kann. So kann man immer genau das machen was man möchte. Und wenn man wie Bruno weiterhin 50h die Woche arbeitet. Wenn man die Arbeit nicht von Freizeit unterscheiden kann ist das doch wunderbar.

    Ich möchte auch noch etwas aufbauen. Ich weiß noch nicht genau was und wann. Aber ich habe einfach Lust darauf. Das Einkommen spielt dabei eine untergeordnete Rolle.

  14. AvatarOlly Wood

    @skywalker

    “den/die richtige finden“ ist recht schwer grade wenn du es langfristig laufen lassen willst…

  15. Avatarchn

    In Deutschland ist das ähnlich. Viele Menschen leben in den Tag hinein und planen ihre Finanzen nicht.

    Das ist der Kern, und ich würde ihn sogar von den Finanzen auf das Leben allgemein ausweiten. Viele Menschen haben überhaupt keine Vorstellung davon, was sie von ihrem Leben wollen, welche Ziele sie haben – die Finanzen sind ja nur ein Teil davon. Und sie leben dann so, als würde das Leben ewig weitergehen und als ob sie es nur mal so ausprobieren, wie bei der Probe eines Theaterstücks.

    Aber woher weiß ich, was ich tun soll, wenn ich nicht weiß, wohin ich will? Man muss tagtäglich zig Entscheidungen treffen. Wenn man weiß, was die persönlichen Ziele sind, fallen diese Entscheidungen leichter: Man überlegt, ob die fragliche Sache einen dem persönlichen Ziel näher bringt oder nicht. Meistens ist die Antwort „nein“, selten“ja“, und oft „darüber muss ich erstmal nachdenken“.

    Das war mein Wort zum Sonntag 🙂

  16. AvatarBruno

    @skywalker @Olly Wood

    „den/die richtige finden“ ist wirklich eine grosse Herausforderung, da ich auch schon mehrfach vor diesem Punkt stand, kann ich kurz sagen wie ich es gemacht habe. Es war immer eine Person, die bereits seit Jahren im Unternehmen war, wo ich das absolute Vertrauen hatte. Das Vertrauen habe ich dann immer nicht nur durch Umsatzbeteiligung sondern auch Aktien weitergegeben, also Beteiligung (daher bin ich auch vorsichtig mit Investoren, da man dort oft schon zu viel Beteiligung abgeben muss und dann diesen Handlungsspielraum verliert). Einmal habe ich dann nach einer Weile alles abgegeben durch Rückkauf meiner Aktien, man muss immer situativ entscheiden was Sinn ergibt. Die Sicht der Dinge ändert sich radikal, sobald jemand Miteigentümer ist (natürlich nur wenn der oder diejenige auch die richtige Einstellung hat aber das ist Grundvoraussetzung). Man sollte hier grosszügig denken, sonst wird man nie frei werden und muss immer noch wenn auch vielleicht mehr im Hintergrund mitarbeiten, ausser man hat das grosse Glück so jemanden zu finden ohne direkt Anreize, aber das dürfte heutzutage schwer sein und das Risiko hat man jeden Tag, dass es dem oder der irgendwann verleidet oder sich auf neue Wege aufmacht und dann steht man wieder vor dem Problem, dass man selbst übernehmen muss. Ich würde daher sowas schrittweise angehen, am Besten finde ich immer Leute aus den eigenen Reihen die alles kennen und nicht „extern“ zu suchen, wie das so häufig gemacht wird. Ist auch schön und gut für die Mitarbeiter, dass sie sehen was möglich ist im Unternehmen und wenn sie sich ins Zeugs legen. Das war ja alles kleinere Firmen, aber das Prinzip funktioniert auch bei börsenkotierten Unternehmen, ich achte auch darauf bei der Auswahl meiner Aktien, die besten CEO’s sind oft jene, die sich im eigenen Unternehmen von unten durchgearbeitet haben und nicht direkt oben (z.B. von einer Beratungsgesellschaft) eingestiegen sind. Noch besser natürlich Firmen, welche direkt von (Mit-)eigentümern oder sogar den Gründern geführt werden.

  17. AvatarFelix

    Hallo Tim.

    Ich bin der Investor und meine Partnerin ist der Konsument. Das ist oft schwierig.

    Sie arbeitet aber mit Krebspatienten zusammen, die nicht mehr viel Lebenszeit haben. Da hat Sie eine andere Einstellung zum Geld wie ich. Sie gibt jeden Monat Ihr Geld für sich aus, um zu „leben und sich gut zu fühlen“. Da ihr die Arbeit Ihre ganze Energie und Kraft abverlangt.

    Sie erfährt ja täglich von den Patienten, das Sie ihr Leben jetzt leben soll und nicht in der Zukunft. Das Leben kann sich in einem Jahr komplett geändert haben und dann ist ein dickes Konto nichts mehr wert.

    Mein Ziel ist es in allen Assetklassen( Aktien, P2P, Kryptos, Crowdinvesting, Immobilien) ein monatliches Einkommen von 1000€ auf zubauen. 1/5 habe ich schon erreicht.

  18. AvatarEx-Studentin

    @Felix

    Eine gesunde Mischung zwischen Sparen & Konsum zu finden, ist ein Prozess. Ich habe jahrelang viel gespart. Durch die Krebserkrankung von meinem Vater und durch eigene gesundheitliche Probleme hat Geld bei mir an Stellenwert verloren. Arbeite nun weniger Wochenstunden. Ich spare trotzdem noch, aber gebe nun rund 200-300€ im Monat mehr aus als vorher. Vor allem für die Gesundheit, aber auch für Annehmlichkeiten wie Netflix oder Spotify. Das Leben kann leider wirklich jederzeit vorbei sein. Aber man darf nicht aus Panik dem Konsum verfallen. Stattdessen bin ich nun gelassener geworden und genieße die Momente sehr. Ich bin noch dankbarer für mein jetziges Leben.

  19. AvatarIceman

    Super Artikel.

    Ich habe Home Office beantragt und den Kollegen gesagt, dass wenn es nicht klappt ich meine Arbeitszeit einfach um 10% reduzieren werde und meine Frau dafür von aktuell 56% auf 60% hoch geht.

    Somit haben wir im Monat trotzdem 100€mehr auf dem Konto.

    Da kam wie empfand nur Neid entgegen, wie ich mir mit 35 sowas leisten kann und wir doch noch unser Haus abzahlen müssen usw.

    Ich investiere aber jeden Monat 200€, wir nutzen die jährliche Sondertilgung und genießen eben alles nur eine Nummer kleiner.

    Schon wenn man sagt, dass man sondertilgt wird oft gefragt wie wir das machen, da der komplette Freundeskreis/Kollegen dies nicht schafft, da die Rate schon so hoch ist oder Geld für den Zweitwagen (Mini), Handy, SmartWatch ausgegeben wird. Denn andere haben dass ja auch und da möchte man nach außen schon zeigen, dass man mithalten kann ?

     

     

  20. AvatarTom

    @Ex-Studentin

    Da gebe ich Dir vollkomen Recht. Es ist ein Prozess. In jungen Jahren war ich auch eher der Konsument und zum Teil Schuldenmacher. Ich habe phasenweise sehr gut Verdient und mir Sportwagen und Harley geleistet. Ich war auch öfter für mehrere Monate in Südafrika. Einmal sogar für ein halbes Jahr, ist schon 20 Jahre her. Dort auch wieder Motorrad gekauft, Fallschirmsprunglizens gemacht und dementsprechend oft gesprungen usw. Die Erfahrungen und Erlebnisse kann mir keiner nehmen und sind zum Teil noch sehr real existent. Der Nachteil davon ist, dass man immer wieder bei Null oder aus dem Minus anfängt und je älter man wird, umso schwieriger wird es. Heute läuft alles gut und ich bin schon länger geläutert. Rückblickend möchte ich sagen, dass es besser gewesen wäre einen Mittelweg zu finden und nicht die Extreme. Wäre ich 10 Jahre später gestorben, hätte man sagen können alles richtig gemacht. Aber ich lebe bei bester Gesundheit und meine Mutter wird auch schon 86. Aufgrund meiner früheren Lebezeit werde ich voraussichtlich nicht einige Jahre früher komplett in Rente gehen können, aber durch den Wandel zum Investor denke ich, einen genießbaren Ruhestand erleben zu können. Leider hatte ich in jungen Jahren nur kurze Phasen finanziellen denkens und die Rente und Alter waren noch sooo weit weg. Dies liegt dann auch immer am Umfeld, was bei mir nicht zum Vertiefen der finanziellen Bildung geführt hat, sondern zum Konsum. Aber wie Tim auch immer sagt, die Wahrscheinlichkeit noch viele Jahre als Rentner zu Leben, ist deutlich höher als mit 40 oder 50 zu sterben, auch wenn es natürlich Gegenbeispiele gibt. Aber wir haben alle keine Glaskugel für die Zukunft.

  21. Avatarsteve

    @ Ex Studentin hast du schon einen neuen Arbeitgeber oder sonst ist der dir der alte entgegen gekommen? Ansonsten klar der Mix machts beim sparen investieren das Leben nicht vergessen.

  22. AvatarFinanzfee

    Bei mir ist es zum Glück so, dass mein Partner und ich beide eher die Sparer sind. Krebs ist aber auch in unserer Familie Thema, mein Vater ist gestorben, da war ich gerade 15. Natürlich lässt sich mit keinem Geld der Welt Gesundheit kaufen, aber was mir vor allem wichtig geworden ist, sind Erlebnisse. Wir fahren auch eher 2-3 mal in Urlaub, übernachten aber dafür in günstigen Ferienwohnungen und kehren in Berghütten ein. Das ist immer noch sparsam, für uns aber gemeinsame Zeit und Lebensqualität und ein guter Kompromiss.@Lebensqualität vs. FIRE – Die Mischung ist hier wirklich ausschlaggebend. Es gibt ein tolles Buch von Bronnie Ware, die im Hospiz gearbeitet hat und ein Buch darüber geschrieben hat: „Was Menschen im Sterben bereuen“, Top 5:

    1. „Ich hätte gerne den Mut gehabt, mein eigenes Leben zu leben – und mich nicht von den Erwartungen anderer leiten lassen.“
    2. „Ich hätte nicht so hart arbeiten dürfen.“
    3. „Ich hätte den Mut haben sollen, meine Gefühle auszudrücken.“
    4. „Ich hätte mit meinen Freunden in Kontakt bleiben sollen.“
    5. „Ich hätte mir mehr Glück und Zufriedenheit gönnen sollen.“
    https://www.alltagsforschung.de/die-lebenslektionen-von-bronnie-ware-was-menschen-im-sterben-bereuen/

    Ich finde das Buch wirklich lesenswert und denke, dass auch Top 2 mit einer hohen Sparrate vereinbar sein kann. Wir kommen auf eine hohe Sparrate, da wir nicht versuchen, uns „glücklich zu kaufen“. Wir arbeiten viel, aber versuchen trotzdem genug Freiräume zu haben. Nur arbeiten, um am Ende womöglich krank zu sein, kann auch nicht die Lösung sein. Mein Vater wollte mit 50 aufhören zu arbeiten und war wahrscheinlich einer der früheren FIRE-Anhänger, da gab es den Namen noch nicht. Pünktlich mit 50 ist er gestorben, ich denke, ungesunder stressiger Lebensstil usw. haben dazu beigetragen. Deswegen lese ich Tims Blog sehr gerne, denn ich finde, es ist eine gesunde Mischung aus fleißig sein, vernünftig mit Geld umgehen und investieren statt sich jeden vermeintlich glücklich machenden Wunsch zu erfüllen, aber trotzdem auch Zeit mit Familie und Freunden im hier und jetzt zu haben.

    Den Vanguard S&P 500 haben ja einige hier, auch ich bespare ihn per Sparplan. Außerdem habe ich noch den Vanguard FTSE All-World High Dividende mit 0,29 Prozent p.a. Verwaltungsgebühr, ich find Vanguard auch klasse.

  23. AvatarChrissie

    @Finanzfee

    Danke dir für die Anregung zum Nachdenken. Leider habe ich viel zu lange Zeit als „Konsumclown“ verbracht und versuche gerade, die finanziell verlorene Zeit aufzuholen. Ich stelle aber ebenfalls gerade fest, dass ein zu großer Fokus auf Job und Geld verdienen durch den Job erheblich an meiner Energie knabbert, und bin somit gerade bei Punkt 2 der von dir erwähnten Liste dabei, so etwas wie ein Gleichgewicht zu suchen. Das finde ich gar nicht so einfach, da in mir die 2 Stimmen miteinander ringen: mehr Geld verdienen versus mehr Freizeit/Freiheit.

    Da ich nicht mehr viel Geld für Konsum ausgebe, sind meine Ausgaben zwar entsprechend gesunken, andererseits würde ich gern eine möglichst hohe Sparrate erreichen, um Investitionskapital anzusammeln und die verlorene Zeit wenigstens etwas wieder aufzuholen.

    Die Sparrate würde sich aber durch Verringerung der Arbeitszeit natürlich leider ebenfalls verringern.

    Vielleicht ist eine Option, die reguläre Arbeitszeit zu verkürzen und sich flexibel neben dem Hauptjob etwas dazu zu verdienen. Man arbeitet dann zwar immer noch viele Stunden, hat aber mehr Abwechslung und bekommt neue Anregungen, die eventuell wieder ganz neue Möglichkeiten oder Ideen generieren.

  24. AvatarA.

    Schuldenmacher:

    Eigenheim und eine Wohnung als Kapitelanlage gekauft. Es sollen noch die ein oder andere Wohnung bald dazukommen.

    Konsumclown:

    Wer mich hier länger „kennt“ weiss dass ich letztes Jahr jeden (!) Monat in die Werkstatt wegen unseren beiden alten Autos musste. Kostenpunkt 5500 Euro, am Ende für die Katz, musste am Ende doch einen Stopp Loss ziehen.

    Daher nun auf Kredit zwei jüngere Autos, aber mit Anzahlung. Ist für uns günstiger und vor allem weniger Nervenaufreibend, da wir letztes Jahr auch mehrmals abgeschleppt werden mussten.

    Investor:

    Jeden Monat per Sparplan 250 Euro + Dividendeneinnahmen in Aktien. Einige hundert in Rücklagen und Sparen auf Tagesgeld. Ab und zu dann auch Einzelkauf wie zuletzt Pepsico.

    Einliegerwohnung wird seit Mitte April vermietet: Umsatz diesen Monat 180 Euro, nach den Renovierungen und Einrichtungen im letzen Jahr. Für Mai sind es auch schon ca. 330 Euro Umsatz.

    Ich bin alles. Das Leben kann wirklich schnell zu Ende sein oder man hat eine gesundheitliche Einschränkung. Von daher versuchen wir uns immer am Mittelmaß zu orientieren.

    Gruß

    A.

  25. AvatarEx-Studentin

    @Tom

    Im Nachhinein möchte man manches besser machen. Aber letztlich sind wir die Summe aus unseren Erfahrungen. Vielleicht war deine „wilde“ Zeit notwendig, um dich zu dem vernünftigen Menschen zu machen, der du jetzt bist. Wie du schon sagst: Von den guten Erlebnissen zehrt man noch lange. Ich habe es ein wenig bereut, dass ich mir nie mal eine Auszeit erlaubt habe. Habe immer durchgepowert. Es ist ein großes Glück, bei bester Gesundheit zu sein. Erhalte dir diesen Zustand, dann ergeben sich auch im Alter noch viele Möglichkeiten sorglos zu leben.

    @steve

    Habe leider noch keinen neuen AG. Habe mich zwar auf ein paar interessante Stellen beworben, aber hätte nicht gedacht, dass die Rückmeldungen monatelang dauern. Entgegenkommen von meinem AG gab es leider in der Form nicht. Jegliche Vorgesetzte haben mich zwar gebeten zu bleiben (inkl 5 min Gespräch mit den Geschäftsführer..), aber die Argumente waren sehr einseitig: „Wir brauchen dich, haben keinen Ersatz etc.“. Letztlich habe ich meine Kündigung zurückgezogen, weil mir meine Arbeit an sich Spaß macht und ich sehr nette Kollegen habe. Es ist leider nichts für „auf Dauer“ (ich muss theoretisch noch 40 Jahre arbeiten), weil die Entwicklungsmöglichkeiten fehlen. Ich will mit 26 nicht eine der Erfahrensten in einer Firma sein.

  26. AvatarAnna

    @Tim

    es gibt tatsächlich viele Finanzblogs, aber mittlerweile schaue ich nur hier jeden Tag rein- ich freue mich auch jeden Abend auf einen neuen Beitrag.

    und die Kommentare, super spannend:) toll finde ich die Aussage:“ein bisschen timschäfer steckt auch in mir“ – wenig Plunder, wenig Konsum, Geduld und sparen.

     

     

     

  27. AvatarFinanzfee

    @Chrissie, gerne!Ich kenne das Gefühl, ich habe leider auch ein paar Jahre verschenkt. Mir hilft die Überlegung, dass die Welt nicht schwarz-weiß ist. Wenn es nicht für die finanzielle Freiheit reicht, dann aber vielleicht für Teilzeit ab dem 50. Lebensjahr, idealerweise mit Überstundenkonto und drei Monaten Auszeit in den kalten Wintermonaten. Ich habe eine zeitlang auch Teilzeit plus 450 € kombiniert. Die 450 € sind steuerfrei und dadurch erhöht sich das Nettoeinkommen, zwar zahlt man weniger in die staatliche Rentenversicherung ein, kann die 450 € aber frei investieren. Ich wäre bei dem Modell geblieben, nur Geschäftsführung in Teilzeit ist bei unserem Arbeitsaufkommen noch nicht drinnen.

    Eventuell hast du ja auch eine Ausbildung, die dir eine Nebenselbständigkeit ermöglicht? Ich bin noch zu ängstlich, obwohl ich sehr gut im Coachingbereich arbeiten könnte. Wenn der Perfektionismus nicht wäre, böten sich hier gute Gelegenheiten. Ich ziehe den Hut vor den jüngeren Bloggern hier, die einfach auch „mal machen“, auch wenn es nicht 100, sondern vielleicht nur 70prozentig ist. Hast du denn Ideen für einen Nebenjob?

  28. AvatarAndrea

    Ich habe nie Schulden gemacht, außer für die Hypothek für die Eigentumswohnung. Die haben mein Mann und ich dann schnellstmöglich abbezahlt, indem wir alle Sondertilgungsmöglichkeiten genutzt haben. Wir sind da auf einer Wellenlänge. Mein Mann fühlte sich sogar mit den Hypothekenschulden unwohl.

    Als Konsumclown habe ich mich nie gesehen und finde den Begriff auch sowieso unschön und abwertend. Ich würde nie jemanden so bezeichnen. Nichtsdestotrotz gebe ich heute weniger aus als vor einigen Jahren, da ich mich inzwischen sehr genau frage, ob ich das Teil wirklich benötige oder nicht.

    Seitdem ich nach dem Studium angefangen habe zu arbeiten, habe ich immer Geld übrig gehabt. Wie gesagt, es wurde zum großen Teil in Sondertilgungen gesteckt. Jetzt halt in Aktien. Es fühlt sich für mich gut an, auch wenn ich weiß, dass der Aktienmarkt irgendwann wieder einmal sinken wird.

    Ich bin sicherlich ein „Opfer“ mangelnder finanzieller Bildung, denn niemand hat mir früher das Wissen vermittelt, das ich heute über Aktien habe. Ich wusste damals auch nicht, dass man auch 50% seines Einkommens sparen kann (und wofür das gut sein sollte). Für mich war das Arbeiten bis zum Rentenalter ganz klar. Nie wäre ich auf die Idee gekommen, dass es auch anders geht, lach. Ich leider nicht übermäßig darunter, da meine Arbeit abwechslungsreich und interessant (aber leider auch anstrengend) ist.

    Bis letzten Sommer habe ich monatlich 1000 Eur in Aktien gespart, seitdem sind es nur noch 500 Eur plus alles, was sonst übrig bleibt, da ich in vier Jahren ein Sabbatjahr einlege und dadurch das Gehalt gesunken ist. Mein Mann kann eine ähnliche Summe sparen. Es reicht auch, wir kommen schon klar. Die Dividenden werden auch re-investiert.

  29. AvatarAlbr

    „Natürlich“ gibt es Menschen, die (leider) früh sterben, gerade hat es eine Kollegin, die sich im November letzten Jahres krank gemeldet hat, nicht geschafft und ist vor 2 Wochen recht jung verstorben, eine sehr beliebte Kollegin !

    aber es ist unter dem Strich eher die Ausnahme, bei unserer Weihnachtsfeier, werden auch die Rentner eingeladen, da kommen ältere Damen und Herren jenseits der 60/70 in Scharen 😉

    Die Wahrscheinlichkeit, das man ein gewisses höheres Alter erreicht, ist nunmal deutlich höher als in jungen Jahren zu versterben und dann ist es sicherlich nicht von Nachteil, wenn man nicht ausschließlich auf die Almosen des Staates angewiesen ist 😉

     

     

  30. Avatarsteve

    @ Ex Studentin da gäbe es doch die Option mit 26 Geschäftsführer zu werden. Spaß beiseite du schriebst ja keine Entwicklungsmoeglichkeit.

    Ich finde deine Entscheidung jetzt erstmal zu bleiben und weiter zu suchen o.k. Bei Bewerbungen gibt es manchmal einen Grund warum es dauert normal geht aber schnell was. Ich wünsche auf jeden Fall viel Erfolg. Ansonsten gäbe es ja noch die Möglichkeit die Arbeitszeiten mit Kindern variabler zu machen.

  31. AvatarChrissie

    @Finanzfee

    Das Modell Teilzeit plus 450€ klingt generell ganz gut. Das wäre etwas, was man vielleicht relativ unkompliziert einrichten kann. Die Steuerfreiheit der 450€ sind auch nicht zu verachten, und wie du auch schreibst kann man die Einnahme dann frei investieren.

    Bezüglich Nebenselbständigkeit habe ich mir bisher nur ansatzweise Gedanken gemacht, da ich leider kein Projekt weiß, welches ich mit voller und vor allem dauerhafter Begeisterung auf die Beine stellen wollen würde. Ich bin jemand, der sich in regelmäßigen Abständen für neue Sachen begeistern kann, dies könnte bei einer Nebenselbständigkeit vielleicht eher eine hinderliche Eigenschaft sein. Und das Problem mit dem Perfektionismus kenne ich leider auch nur zu gut, damit steht man sich leider oft selbst im Weg.

    Bisher habe ich mich immer voll in den Job reingehängt, sehe aber zusehends, dass dies zu wenig Früchte trägt und zu wenig Energie für Eigenes bleibt. So sind die Gedanken, den Job nicht mehr als einzige Einnahmequelle zu sehen, aber noch recht neu für mich. Dieses Jahr möchte ich dazu nutzen, mir über alte Muster Gedanken zu machen, mich von altem Plunder zu trennen (den ein oder anderen Euro kann man auch noch dadurch erhalten und zusätzlich ein größeres Gefühl der Freiheit gewinnen), und zu überlegen, welche Weichen ich für die Zukunft stellen möchte.

    Tim und sein Blog haben schon sehr dabei geholfen, denn dadurch habe ich mein Konsumverhalten umgestellt und das Sparen und Investieren angefangen. Auch Dividenden stellen ja eine gute Art der Nebeneinkunft dar, das möchte ich so weit wie möglich ausbauen.

     

    Bei dir klingt arbeiten im Coachingbereich ja sehr interessant. Noch dazu, wenn es dort auch gute Gelegenheiten gibt. Gibt es da vielleicht Möglichkeiten, den Perfektionismus auszutricksen? Vielleicht in dem man den Kunden Schupperstunden oder ein paar Anfangsstunden zu reduzierten Preisen anbietet?

     

  32. AvatarWolkenzähler

    Sparen, sparen, sparen und dabei aufs Leben vergessen. Dann Urlaub in Italien machen und die dortige lebensfrohe, nicht so sparfrohe Einstellung belächeln, insgeheim bewundern und beneiden. Heimkommen und wieder sparen, sparen, sparen und weiterhin aufs Leben vergessen. Traurig!
    Muß man erst krank werden, um das Leben zu verstehen?

  33. AvatarOlly Wood

    @ Bruno / Skywalker

    also bei mir hat es nicht gut funktioniert. Final war es dann (leider) doch besser die Firma zu liquidieren. Allerdings bereue ich die Entscheidung auch nicht. Hat am Ende weniger Stress gemacht ;-). Allerdings gebe ich dir recht, dass es stark von der Person abhängig ist. Auf die Beständigkeit kann man sich halt auch nur bedingt verlassen, es wandelt sich einiges im laufe der Jahre.

  34. AvatarFinanzfee

    @Chrissie, was du schreibst, kommt mir bekannt vor. Ich habe mich, auch um Karriere zu machen, in meine angestellte Tätigkeit sehr eingebracht. Dadurch fehlt mir für eigene Projekte etwas die Energie und das würde ich gerne ändern. Hinzu kommt aber auch, dass ich mich für sehr viele Dinge interessiere, die dann für einen bestimmten Zeitpunkt extrem vertiefe und dann aber wieder neuen Input und neue Inhalte brauche. Zum Glück geht es mir bei Finanzthemen da nicht so, hier hält das Interesse langfristig an, da für mich die langfristigen Ziele wichtig sind.

    Ich habe schon als Referentin nebenberuflich gearbeitet, vor allem im Bereich Coaching für Konzeptentwicklung und als Referentin für europäische Fördermittel. Den Perfektionismus bin ich aber nie losgeworden, ich denke immer, ich müsste 100prozentig auf dem neuesten Wissenstand sein, was in dem Bereich unmöglich ist. Da mir die Tätigkeit neben der neuen Aufgabe als Geschäftsführung auch noch Druck gemacht hat, ruht sie derzeit (außerdem habe ich zwei Jahre lang meinen Urlaub zum Arbeiten statt Erholen genutzt und kann das nicht auf Dauer empfehlen). Da es auf der Arbeit aber irgendwann auch etwas ruhiger werden wird, überlege ich schon, wie ich mich selber austricksen kann. Schnupperstunden wären auch eine gute Idee.

    Und Tims Blog liefert auch immer wieder Anregungen und vor allem Beispiele von Menschen, die Dinge einfach ausprobiert haben. Das motiviert mich sehr und auch deswegen lese ich gerne hier mit. Das Ausmisten und Verkaufen habe ich schon durch, selbst der Fernseher ist weg und jetzt ist nicht mehr allzuviel übrig, es ist ein gutes Gefühl.

  35. AvatarBruno

    @Wolkenzähler Also bezüglich Italien oder andere Europasüdländer, die (Privat-)Verschuldung (bei der Länderverschuldung ist es dann genau umgekehrt) ist da doch tiefer als bei uns, hauptsächlich liegt das natürlich an den Immobilien, welche dort mehrheitlich abbezahlt sind. Man lebt natürlich etwas bescheidener, fährt kein grosser SUV sondern einen einfachen alten Renault oder Peugeot oder Fiat, aber der Lebensfreude schadet das nicht. Dafür gibt es eher frisches Gemüse aus dem eigenen Garten, der Familienzusammenhalt ist grösser, die Sonne scheint mehr. Denke nicht dass man solche Dinge durch Konsum kompensieren kann. Finde Konsum auch nichts verwerfliches, es muss halt vernünftig sein sonst wird er zum Gefängnis, indirekt da er nur aufrecht erhalten werden kann durchs Hamsterrad.

    Aber in einem Element unterstütze ich Dich, viele leben nur für die paar wenigen Wochen Urlaub im Jahr, das ist traurig. Man sollte zumindest versuchen, sich ein Leben zu schaffen, wo man faktisch gar keinen Urlaub mehr braucht. Ansonsten ist es schon etwas bitter, wenn 48 Wochen im Jahr Qual sind und nur 4 Wochen Freude bereiten, dito wenn man sich von Wochenende zu Wochenende durchschlägt. Es ist aber nicht immer so einfach, man muss auch einiges investieren, damit das gelingt. Aber auch auf den ersten Blick unattraktive Jobs kann man mit Leidenschaft und Freude ausführen, wenn man an seiner Einstellung arbeitet.

  36. AvatarAlbr

    wer vergisst das Leben ?

    heute wieder einen sehr tollen Tag im Taunus verbracht; mit meiner Frau und unserem Hund knapp 20 km gewandert, wunderschön 😉

    ich vermisse keinen (zwanghaften) Konsum ! Jetzt sitzen wir auf unserer Terrasse und grillen…

     

     

  37. AvatarAlbr

    Eine bekannte meiner Frau ist gerade wieder von Italien nach D. zurück gezogen, ihr hat es in I. nicht so gut gefallen 😉

     

     

  38. AvatarEx-Studentin

    @steve

    Ich habe an sich viele fähige Kollegen, aber leider sitzen nicht immer die richtige Leute an der richtigen Stelle. Viel Potential, das ungenutzt bleibt. Eine weitere Stundenreduktion wäre vermutlich möglich, aber entgegen dem FIRE-Trend arbeite ich gerne. Das, was ich als Ingenieurin beruflich lerne, steht in keinem Buch. Den Spaß will ich mir behalten. Die Familiengründung wollte ich an sich nicht zu sehr nach hinten schieben, aber ich genieß gerade die kinderlose Zeit. Die letzten Jahre hatte ich so viel Stress (beruflich, privat), dass ich jetzt mal Zeit für mich habe.

  39. AvatarChrissie

    @Finanzfee

    Da bist du den Weg bereits gegangen, auf den ich mich gerade mache 🙂 Was das Ausmisten betrifft, denke ich auch, dass es sehr befreit. Es sind schon etliche Tüten verschwunden, es ist aber immer noch zu viel übrig. Beim Fernseher ringe ich noch mit mir, ich sehe zwar fast kaum noch fern, aber ganz trennen kann ich mich bisher noch nicht. Vielleicht kommt das noch 🙂

     

    @Wolkenzähler

    Ich gebe dir recht, wenn man krampfhaft spart und sich Lebensfreude versagt, ist das nicht wirklich ein gutes Ziel.

    Das Sparen, was ich hier neu entdeckt habe, ist jedoch kein Vorenthalten von etwas, sondern das Gegenteil. Früher (letztlich bis leider vor relativ kurzem) habe ich viele schöne Sachen gekauft. Meistens um mich nach einem anstrengenden Arbeitstag zu belohnen. Im Moment des Kaufes habe ich mich über die Sachen sehr gefreut, eventuell auch noch ein paar Tage oder Wochen danach, oft genug sind sie dann im Keller gelandet. Jetzt sehe ich mir den Haufen Kram und die vollgestopften Schränke an und es belastet einfach nur noch. Ich kenne genug Frauen, die sich Kleidung kaufen und vieles davon nicht ein einziges Mal tragen.

    Man gibt also Geld aus, um sich für Arbeit zu belohnen und hinterher belastet einen der Kram zusätzlich und raubt Energie.

    Stattdessen hätte man sein Geld so einsetzen können, dass es einem mehr Energie und Freiheit gibt. Dass es auch diese Möglichkeit gibt, ist leider vielen gar nicht bewusst.

    Eigentlich geht es wahrscheinlich hauptsächlich darum, Konsumentscheidungen bewusst zu treffen. Wenn man sich lange an einer Sache erfreuen wird oder sie einem das Leben erleichtert oder es bereichert, ist es etwas Positives.

    Wenn man konsumiert, um sich zu betäuben, dann bringt es einen nicht nur nicht weiter, sondern wirft einen noch zusätzlich zurück.

     

    Das für mich persönlich Positive ist nun auch, dass ich endlich gemerkt habe, dass man gar kein ständiges „mehr“ mehr braucht. Kein Hinterherjagen nach dem nächsten „shiny object“ mehr. Ich gönne mir, was ich möchte, aber ich möchte gar nicht mehr so viel. Das ist das Allerentspannendste an der ganzen Sache 🙂

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