Wer die Nachrichten verfolgt, braucht starke Nerven. Der Konflikt im Nahen Osten spitzt sich zu. Nach dem Ende der kurzen Waffenruhe fliegen wieder Bomben – die USA fliegen erneute Luftangriffe auf iranische Ziele. Die Lage rund um die Straße von Hormus, einem der wichtigsten Nadelöhre für den weltweiten Öltransport, ist extrem angespannt.
Die wirtschaftlichen Konsequenzen sehen wir direkt auf den Bildschirmen: Der Ölpreis für die Sorte Brent ist rasant über die 95-Dollar-Marke geschossen und kratzt bereits gefährlich an der 100-Dollar-Grenze. Gleichzeitig rutschen die Börsenkurse weltweit ab. Am Freitag stabilisierte sich die Lage an den Börsen, aber es ist noch kein Ende des Konflikts in Sicht. Es gibt sogar Befürchtungen vor einem Bodeneinsatz von US-Truppen im Iran.
Besonders die Tech-Werte an der Wall Street haben einen Dämpfer bekommen, da die Angst vor einer neuen Inflationswelle und weiter steigenden Zinsen an die Märkte zurückgekehrt ist. Hinzu kommt ein neuer Zollstreit: US-Präsident Donald Trump hat überraschend einen neuen Zoll gegen 60 Partnerländer verhängt.
Was machen die meisten Anleger jetzt? Sie geraten in Panik. Sie sehen rote Zahlen im Depot, fürchten den totalen Crash und verkaufen ihre besten Aktien zum schlechtesten Zeitpunkt. Ich bleibe ruhig und behalte meine Aktien. Auch wenn ich Gefahren sehe, bleibe ich auf dem Hosenboden sitzen. So wie es Börsenlegende André Kostolany vorgeschlagen hat mit der Schlaftabletten-Methode: Aktien kaufen und durchhalten.
Krisen sind der Alltag an der Börse
Emotionale Entscheidungen führen an der Börse fast immer dazu, dass man Geld verliert. Ich lebe jetzt schon lange genug in New York und habe als Wall-Street-Korrespondent unzählige Krisen miterlebt. Kriege, politische Spannungen, Ölpreisschocks – all das gab es in der Vergangenheit immer wieder. Die Welt geht davon nicht unter und die Wirtschaft dreht sich weiter.
Die Menschen werden weiterhin essen, trinken, konsumieren und Dienstleistungen in Anspruch nehmen. Solide Unternehmen mit einem guten Geschäftsmodell werden auch diese geopolitische Krise überstehen, Gewinne erwirtschaften und Dividenden ausschütten. Wer aus Panik verkauft, nimmt sich selbst die Chance auf die Erholung.
Der hohe Ölpreis? Mich lässt er kalt
Natürlich spüren viele Menschen den steigenden Ölpreis direkt an der Zapfsäule. Wer einen teuren SUV fährt und jeden Tag pendelt, für den wird es jetzt ungemütlich. Airlines haben zu kämpfen.
Aber hier kommt der Vorteil eines genügsamen Lebensstils ins Spiel: Ich besitze seit über 18 Jahren kein Auto mehr. Ich erledige hier in New York fast alles zu Fuß oder fahre mit der U-Bahn oder dem Bus. Der Spritpreis kann sich morgen verdoppeln – es tangiert meinen Alltag und meine Sparquote so gut wie gar nicht. Klar, spüre auch ich die Inflation.
Wer bodenständig lebt, der genießt in gewisser Weise echte finanzielle Freiheit. Wer unter seinen Verhältnissen lebt und auf unnötigen Konsum verzichtet, baut sich einen Schutzschild gegen globale Krisen auf. Du machst Dich jedenfalls unabhängig von den Launen der Rohstoffmärkte.
Was Du jetzt tun solltest
Anstatt nervös die Finanznachrichten zu blicken, solltest Du Dich auf die Dinge konzentrieren, die Du kontrollieren kannst. Als extremer Buy-and-Hold-Anleger weiß ich genau, wie ich mich in solchen Phasen verhalten muss:
- Halte die Füße still: Verkaufe keine einzige Aktie aus Panik. Lass das Depot einfach in Ruhe.
- Investiere stur weiter: Nutze die sinkenden Kurse. Wenn gute Aktien durch eine allgemeine Marktschwäche billiger werden, ist das wie ein Sommerschlussverkauf. Deine monatlichen Sparpläne laufen ohnehin weiter – jetzt bekommst Du für dasselbe Geld mehr Anteile. Ich kaufe weiter Eierfarmen (Cal-Maine), Kosmetikfirmen (Estée Lauder), Forstbetriebe (Rayonier) etc.
- Erhöhe Deine Sparquote: Schau lieber auf Deine Ausgaben. Wo fließt am Monatsende das Geld hin? Kündige ungenutzte Abos, kaufe gebraucht statt neu (ich kaufe meine Kleidung/Möbel bis heute teilweise Secondhand) und investiere das gesparte Geld direkt stur in den Markt. Ich nutze das alte iPhone-Model und bauche nicht ständig das neueste.
- Ignoriere das Rauschen: Medien leben von Schlagzeilen. „Öl-Schock“, „Kriegsgefahr“, „Börsen-Crash“ – das generiert Klicks. Aber es hilft Dir nicht beim langfristigen Vermögensaufbau. Auch wenn ich manchmal selbst kritisch hier im Blog über die hohen Bewertungen gerade im KI-Bereich schreibe, bleibe ich investiert. Ich besitze Aktien von Apple, Microsoft, Meta, Amazon, Alphabet oder Netflix.
Mein Fazit: Lass Dich von der geopolitischen Nachrichtenlage nicht aus der Ruhe bringen. Aktien sind ein Marathon und kein Sprint. Krisen kommen und gehen. Doch langfristig kennt der Markt nur eine Richtung: nach oben. Man kann die Börse nicht timen. Selbst Warren Buffett muss dies derzeit lernen. Er hat einen gewaltigen Cashberg aufgebaut und viel Rendite verpasst.
Schalte den Fernseher aus, geh eine Runde spazieren und lass den Zinseszins für Dich arbeiten. Die Geduldigen werden an der Börse am Ende immer belohnt. Die Hektischen werden bestraft.