Moderne Altersvorsorge: USA macht ETF-Sparen für die Rente attraktiver, Deutschland verliert Anschluss

Ende März verabschiedete der US-Kongress fast einstimmig ein Gesetz, um die Altersvorsorge zu stärken. Es heißt SECURE 2.0. Es enthält weitreichendere Änderungen. Der Senat wird das Gesetz voraussichtlich in den kommenden Wochen verabschieden.

“Die Rentenkrise in Amerika ist real. Sie wird sich nur verschlimmern, wenn es keine einfacheren Wege zum Sparen gibt und die Arbeitnehmer dazu ermutigt werden, früher im Leben mit der Planung des Ruhestands zu beginnen“, sagten der Vorsitzende des Komitees, Richard Neal (Demokrat) und der Abgeordnete Kevin Brady, der ranghöchste Republikaner des Komitees. „Dieses Gesetz erweitert die automatische Registrierung, vereinfacht viele Regeln der Altersvorsorge und stärkt die Fähigkeit kleiner Unternehmen, Altersvorsorgepläne für Mitarbeiter anzubieten, um es den Amerikanern zu erleichtern, für ihre goldenen Jahre zu planen.“ Die Politiker fügten in ihrer gemeinsamen Erklärung hinzu: „Wir sind der Verbesserung der finanziellen Sicherheit der Amerikaner jetzt einen Schritt näher gekommen. Wir hoffen, dass diese Maßnahme den Kongress durchläuft und in Kürze als Gesetz in Kraft tritt.“

Automatisch starten neue Mitarbeiter den ETF-Sparplan mit 3% vom Brutto

Zu den wichtigsten Änderungen gehört die obligatorische automatische Registrierung für die Altersvorsorge. Arbeitgeber eröffnen für ihre Mitarbeiter ungefragt “Aktiendepots für die Rente” (401k). Es beginnt mit einem Vorsteuerbeitrag von drei Prozent des Gehalts des Mitarbeiters. Das Geld wandert direkt ins Depot des Mitarbeiters, und zwar steuerbefreit und gebührenschonend. Das Sparniveau wird jährlich um ein Prozent erhöht, bis mindestens zehn Prozent erreicht sind. Es geht dann Richtung 15 Prozent des Gehalts. Die Sparbeiträge werden in der Regel an der Börse investiert, typischerweise in Indexfonds. Die Mitarbeiter können einen anderen Sparbeitrag wählen, müssen dies aber aktiv in Abstimmung mit der Personalabteilung tun.

Amerika hat wunderbare Sparmöglichkeiten für die Rente geschaffen. Sie heißen 401k, SEP IRA, Roth IRA. Doch nehmen nicht alle Bürger diese großzügigen Steuergeschenke an. Zudem geben die Chefs Sparboni dazu. „Zu viele Amerikaner nutzen ihre vom Unternehmen gesponserten 401(k)-Pläne nicht. Und dieses Gesetz würde dazu beitragen, die Abschlussraten zu erhöhen“, kommentierte Jonathan Barber, Altersvorsorgespezialist bei Ayco, einer Tochterfirma von Goldman Sachs.

Statistiken zur automatischen Registrierung

Der Discountbroker Fidelity berichtet, dass unter seinen Kunden mehr als ein Drittel (37 Prozent) automatisch in ihren 401(k)-Sparplan aufgenommen werden. Bei großen Firmen mit mehr als 50.000 Mitarbeitern steigt der Anteil auf 62 Prozent. Von den Mitarbeitern, die automatisch in ihre 401(k)-Depots eingeschrieben sind, bleiben 91 Prozent ihrem Sparplan treu. Während die häufigste Sparquote für automatisch registrierte Mitarbeiter drei Prozent beträgt, erhöhen immer mehr Unternehmen die Rate kontinuierlich. Warum? Arbeitgeber wollen sicher gehen, dass ihre Mitarbeiter im Alter nicht am Hungertuch nagen. Sie fühlen sich für ihre Belegschaft mitverantwortlich – über die Beschäftigungszeit hinaus.

“Arbeitgeber erkennen, wie sich die Gestaltung ihres betrieblichen Sparplans positiv auf die Altersvorsorge auswirkt”, sagte Kevin Barry, Leiter bei Workplace Investing bei Fidelity. “Kürzlich vorgeschlagene Gesetze wie SECURE Act 2.0 können Arbeitgeber zusätzlich unterstützen, um ihren Mitarbeitern zu helfen, für den Ruhestand zu sparen.”

Zudem erhöht Washington die Aufholbeiträge für ältere Menschen, die ihre Aktiendepots für die Rente kräftiger ausbauen wollen. Sozusagen auf der letzten Meile kurz vorm Ruhestand können Amerikaner volle Kanne die Spezialdepots besparen. Wer das 50. Lebensjahr vollendet hat, hat mehr Freiheiten, um Zusatzbeträge in ein 401(k) oder ähnlichen Sparplan zu geben. Das Limit für Nachholbeiträge für 2021 beträgt 6.500 Dollar.

Das neue Gesetz behält das bestehende Nachhollimit für Personen im Alter von 50 Jahren bei, erhöht aber ab 2023 den jährlichen Nachholbetrag auf 10.000 Dollar für Teilnehmer im Alter von 62 bis 64 Jahren. Dieses höhere Limit wird dann an die Inflation angepasst. Das Schöne: Gespart wird immer auf Vorsteuerbasis, also aus dem Bruttogehalt.

Die USA hat attraktive Investmentmöglichkeiten für seine Bürger vor vielen Jahrzehnten geschaffen. Das Problem ist, dass die Regelungen freiwillig sind. Nicht alle Menschen partizipieren, obwohl sie sehr lukrativ (Steuer, Rendite) sind. Mit der obligatorischen Einrichtung eines Sparplans will nun Washington einen weiteren Stubs den Menschen geben. Ich finde das super.

Deutschland verschläft Chancen

Deutschland schläft derweil weiter. Es ist schon peinlich. Nicht einmal die von der Koalition beschlossene Aktienrente kommt ohne Verzögerung. Obwohl Politiker versprechen, dass sie doch noch im laufenden Jahr starten soll, hab ich so meine Zweifel. Wir haben es mit einer enormen Sturheit und Unwissenheit in Berlin zu tun, obwohl die Altersarmut zunimmt. Deutschland hat mit den Riester Renten Gebührengräber geschaffen, die meiner Meinung auf den Schrottplatz gehören. Milliarden an Steuergeldern gehen in diesen Riester-Sumpf, an dem sich die Finanzbranche zu Lasten der Sparer bereichert.

Wir brauchen ein 401k, SEP IRA und Roth IRA in Deutschland. Je schneller, desto besser. ETF-Pabst Gerd Kommer und andere Fachleute sollten sich dafür stark machen.

Aktien sind kurzfristig riskant, aber langfristig zuverlässige Renditebringer. Anleihen, Sparbücher, Tagesgeld sind kurzfristig zuverlässig, aber langfristig riskant. Das ist etwas, was zu viele Deutsche nicht verstehen.

Ein kostengünstiger Welt-ETF ist besser als die meisten Finanzprodukte, die verkloppt werden. Wer zu wenig Finanzwissen hat, versteht das nicht. Er/Sie hat dann Angst vor den schwankenden Börsenkursen.

Kommer hat Recht, wenn er darauf hinweist, dass Market Timing und das Hin und Her an der Börse sich nicht auszahlen. Deshalb mache ich “Buy and Hold” mit ETFs und Aktien. Stur und stetig.

Ich wünsche allen Lesern frohe und erholsame Ostern!

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4 Monate zuvor

Da kann man wirklich nur Zustimmen – in Deutschland werden die Menschen im Alter immer ärmer und die Regierung schaut nur zu …
Ein selbstverantwortliches Sparen aus dem Brutto in ein Depot muss ermöglicht werden und auch das Umschichten von einem ETF in den anderen muss steuerfrei sein.
Aktuell wird man den ETF Anbietern in gewisser Weise ausgeliefert, denn falls die Gebühren erhöht werden ist ein Wechsel des ETFs nur mit erheblichen steuerlichen Nachteilen möglich.

Dividendensammler
4 Monate zuvor

Tim du hast mit allem Recht was du schreibst. Leider will unser liebes Land das die Bürger arm und abhängig bleiben , so hat man lange Zeit günstige Arbeiter. Ich hoffe es kommt irgendwann mal einer drauf das wir dringend ein solches System brauchen.

Marco
4 Monate zuvor

Hi Tim,
Interessante Info.Wir in Deutschland bekommen im nächsten Jahr doch einen höheren Freibetrag von 1000 € für Singles und 2000€ für verheiratete.Das reicht doch für die nächsten 20 Jahre als Vorsorge.
Frohe Ostern
Marco

4 Monate zuvor
Antwort an  Marco

Wenn es nicht so traurig wäre, wäre es lustig 😀
Der Freibetrag an sich und auch die Erhöhung sind ein schlechter Scherz. Anstatt diesen massiv hochzusetzen wurde die Teilfreistellung für ETFs eingeführt, die auch bei extrem hohen Vermögen eine 30% Steuerfreiheit ermöglicht.

Sabsi
4 Monate zuvor
Antwort an  Marco

Davon können wir Österreicher leider nur träumen……
Wir sind diesbezüglich noch ein Entwicklungsland, einfach nur furchtbar! Die Pensionsproblematik wird uns noch ganz schlimm treffen, nur die Beamten nicht. Wenn man diesbezüglich etwas Einblick hat, wird einem nur mehr schlecht…..

Dennoch: So früh wie möglich mit der privaten Altersvorsorge beginnen, die Jugend aufklären und trotz 27,5 % KESt und NULL Freibetrag unbedingt regelmäßig breit und global investieren!
Und sich nirgendwo ausnutzen lassen, jeden Arbeitgeber sofort verlassen, der nur ein Mindestgehalt bezahlt, auch wenn es eine sichere Stelle ist.

Allen schöne und erholsame Ostern,
Sabsi

Manuela
3 Monate zuvor
Antwort an  Sabsi

Und ich wäre froh ich hätte eine Rente wie in Österreich, leider wird meine Rente ca. 800 Euro unter dem von Österreichs Mindestrente liegen

Paluma
4 Monate zuvor

So lange ist die Regierung ja noch nicht in der Verantwortung und außerdem gibt es gerade auch andere Probleme. Ich würde mich freuen wenn da noch was kommt.

zwiebelchen89
4 Monate zuvor

Hi Tim,

so sehr ich deine Infos und deinen Blog schätze, es ist nicht ganz korrekt, was du hier schreibst.

Es gibt durchaus bei uns die Möglichkeit, über die Rürup-Rente hier etwas ähnliches wie den 401(k) zu realisieren:

Es gibt Angebote mit geringen Kosten, wo man einen beliebigen Betrag (maximal sogar mehr als in den USA pro Jahr) einzahlen kann, steuerfrei.
Den Betrag bekommt man über die Steuererklärung berechnet.

Dort hat man die Möglichkeit, steuerfrei in ETF zu investieren und auch steuerfrei umzuschichten.

Bei der Auszahlung wird es mit dem persönlichen Steuersatz versteuert.

Ok, es gibt den Nachteil, dass es nur als lebenslange Rente ausgezahlt wird, aber das sollte auch das Ziel sein und nur als zusätzliche Absicherung dienen.

Aber zumindest hat man hier die Möglichkeit, “steuerfrei” am Aktienmarkt für das Alter vorzusorgen.

Lejero
4 Monate zuvor
Antwort an  zwiebelchen89

Das letzte mal als ich mich mit Rürup beschäftigt habe war das Hauptproblem für mich, dass falls ich sterbe meine Erben nicht das verbleibende Rürup-Vermögen erhalten.

Inzwischen gab es mehrere Anpassungen, ist das immer noch so?

Alf
4 Monate zuvor

@Tim,
ich finde es prima, dass Du immer wieder auf das Deutsche Rentenproblem hinweist. Hoffentlich tut sich mal (möglichst schnell) was in unserer Politik.
Nur richtig dran glauben tue ich nicht in unserem Selbstbedienungsladen.

Happy Easter to Manhattan!

Chrisi
4 Monate zuvor

Morgen,
Ja rate mal warum Deutschland und Österreich da hinterhängen. Es geht um Wählerstimmen. Kurz vor der Wahl bekommen alle Pensionisten einen kleinen Bonus (Wohnbeihilfe, Rentenerhöhung, Mietzuschuß, Lebenszuschuß, Gutschein wegen COVID) und schwupst, wählen sie die Parteien die ihnen den Bonus geben. Alles bleibt beim alten und niemand braucht ein neues Wahlprogramm oder müste Gesetze ändern. Und “ich” brauche nichts zu tun und sitze immer noch im Parlamten und bekomme jeden Monat 5000+
Halte die Bevölkerung dumm und halte sie abhängig. Und wenn das System wirklich kracht, fliegen die Politiker eben mit ihren Geld in irgentwelche Länder und geniesen das Leben

Timofte
4 Monate zuvor

Vielen Dank für Deine tollen Beiträge, Tim!
Wünsche allen frohe Ostern.

Freelancer Sebastian
4 Monate zuvor

Die Bessembinderstudie macht mich stutzig. Und läßt mich zweifeln. Irgendetwas stimmt da nicht. Aber gut, vielleicht muss ich nur aufpassen, dass ich diesmal nicht selbst nach dem Motto “es kann nicht sein, was nicht sein darf” verfahre.

Ich finde im Netz fast keinerlei kritischen Kommentar zu der Studie. Niemand hinterfragt die Ergebnisse. Es scheint klar: Wer nicht auf ETF setzt, ist Hasardeur.

Schon merkwürdig, in meinem Depot befinden sich mit Apple, Amazon, Alphabet, Berkshire, Nike, J&J u.s.w. lauter Aktien, die wohl eher zu den “4%ern” gehören. Unfassbar, was ich für ein Glück hatte. Oder liegt das auch daran, dass ich auf defizitäre Pennystocks verzichtet habe?

Überhaupt, was sind denn das für Aktien, die seit 1926 für “dIe gesamte Rendite” des S&P 500 verantwortlich waren. Was passiert, wenn wir uns nur auf die Ergebnisse von Bluechips konzentrieren und die ganzen Pennystocks außen vor lassen?

Eine Apple konnte ich 1930 noch nicht kaufen, eine Walmart 1940 auch nicht. Und Amazon 1990? Keine Chance? Dann werden es ja immer weniger Aktien, die in diesen Jahrzehnten für “den gesamten Anstieg” verantwortlich waren. Wer beseitigt bitte meine Denkfehler?

Sind das vielleicht immer andere 4% der Aktien, die für den Anstieg verantwortlich sind?

Und dann diese Wiederanlage der Dividenden. Nette Theorie, aber vielleicht ein wenig wirklichkeitsfremd? Muss ich meine Geldflüsse immer weiter in die Luschen investieren, bis sie bei Null sind oder verwendet ein “echter” Anleger die Mittel ein wenig intelligenter?

Ach ja, diese “Nullrendite”. ´Hatten wir schon für Kodak. Zählen die mit 0% Performance für den Index, weil sie irgendwann weg vom Fenster waren? Was ist mit den ganzen Spin-Offs, was mit den Dividenden, mit denen vielleicht Apple gekauft wurde? Komisch.

Wenn man die 4%er nicht hatte, hätte man auch in Tagesgeld gehen können…. Nee, irgendwie nicht. Viele Aktien haben ordentliche Ergebnisse erzielt.

Anne Schreiber, Earl Crawley und weitere. Millionenvermögen nur durch Glück, weil ein paar 4%er dabei waren? Mit anderen Aktien liegt man auf Niveau der T-Bills?

Übetragen wir die 4%-Idee mal auf den DAX. Habe letztens einen Link geteilt.

https://www.wiwo.de/finanzen/boerse/dax-jubilaeum-ur-dax-schlaegt-dax-30/8313426.html

Der DAX hat von 1988 bis 2013 610% Rendite erbracht. Waren dafür auch nur 4% der Aktien, also 1,2 verantwortlich? Mit allen anderen nur eine Nullrendite? Nö.

Zwar stehen mit Mannesmann (jetzt Vodafone) und Schering (jetzt Bayer) zwei Titel mit über 5000% weit vorne. Aber 13 weitere Titel liegen noch vor den 610% des DAX. Mit all diesen Unternehmen hätte man also die DAX-Rendite erzielt.

Ich freue mich über all die Beiträge der Leserschaft, die Licht ins Dunkel bringen. Ich stehe hier total auf dem Schlauch. Die Logik der Studie erschließt sich mir nicht.

Bruno
4 Monate zuvor

Hier finde ich es einfach und gut beschrieben:

Die langfristige, schiefe Verteilung von Aktienrenditen › MARKO MOMENTUM Kapitalmarktstudien (marko-momentum.de)

Eigentlich ist das Ganze stochastisch logisch. Die Vermögensverteilung der Menschen ist ähnlich strukturiert.

Die Schlussfolgerung im verlinkten Artikel finde ich auch gut, es gibt nicht nur 1 Weg zum Erfolg.

Du musst auch die Dekaden einrechnen, wo T-Bills hohe Renditen gaben und Aktien schlecht liefen, 70er 80er Jahre das frisst auch viel Rendite weg.

https://i.stack.imgur.com/OUklB.jpg

Interessant wäre die umgekehrte Betrachtung, wenn man z.B. die schlechtesten 25% rausrechnet, wie dann die Performance ausschaut.

Die grosse Frage ist natürlich auch, wie rechtzeitig man in die 4% Titel reinkommt. Ich denke hier hat Warren Buffett die letzten 20 Jahre kein gutes Händchen, er hat die Techs verpasst, viel zu spät in Apple und die andern fast alle verpasst. Deshalb laufen sie auch hinter dem S&P 500 hinterher. Das kann sich natürlich die nächsten 10 Jahre wieder drehen, wir wissen es nicht.

Ich bin ja ein grosser Fan der grossen Tech-Aktien, aber ich wäre vorsichtig, dass diese auch die kommenden 20 Jahre ähnlich gut performen, wir werden neue Perlen suchen müssen oder halt eben über Index-ETF’s solange warten, bis diese dort Gewicht erhalten.

Freelancer Sebastian
4 Monate zuvor
Antwort an  Bruno

Vielen Dank für den Artikel, Bruno. Hat mir gut gefallen. Solchen Mehrwert gibt es heute selten im Netz.

“Man muss die großen Gewinneraktien nicht nur finden, sondern vor allem auch langfristig halten können, ohne sie vorzeitig mit scheinbar enormen Gewinnen aufgrund scheinbar hoher Bewertungen wieder zu verkaufen”

Wasser auf meine Mühlen. Kaufen und halten.

“Letztlich müssen alle Titel, die sehr hohe Kurssteigerungen aufweisen, immer wieder neue Hochs erreichen. Und genau hier liegt eines der Geheimnisse erfolgreichen Investierens: Aktien zu kaufen, die fundamental und technisch gut performen und deshalb wahrscheinlich nicht Pleite gehen oder zum Pennystock verkommen.”

Ja gut, darum geht es halt. Läuft soweit.

“Genau aus diesem Grund ist es gefährlich, Aktien umgekehrt billig kaufen zu wollen: Hier besteht eine erhöhte Wahrscheinlichkeit dafür, dass man sich genau diejenigen Titel ins Portfolio holt, die auf dem absteigenden Ast sind und langfristig ganz links in der Renditeverteilung landen.”

Das ist interessant. Gibt mir zu denken.

“Ein guter Kompromiss für die Praxis ist deshalb ein Rebalancing im Portfolio, was einer Teilgewinnmitnahme im Sinne der zunehmenden Zementierung aufgelaufener Gewinne entspricht, ohne die guten Aktien dabei jemals ganz zu verkaufen. Zwar werden dadurch die allergrößten Gewinne beschnitten, aber gleichzeitig reduziert sich die Abhängigkeit des Portfolios von zu wenigen Einzeltiteln.”

Das ist dann Beate Sander in Reinform. Geld locker machen, um in neue aussichtsreiche Titel zu investieren. Für mich ist das ersteinmal nichts.

Ein paar Aspekte bleiben für mich undurchsichtig. Die Studie(n) schauen immer auf ganz konkrete Zeiträume. Bis zum Stichtag X sind bestimmte Aktien für den Erfolg des Index verantwortlich. Was aber, wenn danach ihr Abstieg beginnt? Für einen Zeitraum X plus zehn Jahre – wir nehmen den Extremfall, sie landen bei 0 – sind sie dann aber überhaupt nicht mehr für den Erfolg des Index verantwortlich, weil bei 0. Im Gegenteil ziehen sie den Index herunter.

Je nach Zeitraum sind sie mal 4%er, dann wieder nicht, oder wie?

Amazon ist bis heute für einen Großteil der Rendite im S&P500 verantwortlich. Wenn sie in zehn Jahren pleite sind und nicht mehr existieren, aber nicht mehr, oder wie? Dann waren es wieder andere 4% der Aktien.

Na ja, bleibt mir suspekt, das ganze. Übersteigt meinen Intellekt.

Ich kaufe dann mal weiter Monat für Monat ein paar LURO-Aktien mit ausgezeichneten Fundamentalzahlen und ertragreichen Geschäftsfeldern. Der ein oder andere Titel wird schon mehr als 0% bringen…..

Bruno
4 Monate zuvor

LURO-Aktien sind gut, der Gesamtmarkt ist ja langfristig auch LURO, wie lange noch oder bis in alle Ewigkeit wissen wir nicht, eine Grundannahme die wir oder die meisten treffen, ansonsten würde der Buy & Hold Ansatz das Hauptargument verlieren. Der Krug geht zum Brunnen bis er bricht 😉 Ich bin da optimistisch, aber Garantie gibts nicht, damit muss man leben.

Aber das Selbstbewusstsein seiner bevorzugten Strategie hängt natürlich schon auch vom Zeitpunkt ab, wann man beginnt mit investieren. Nehmen wir eine Person, die 1950 geboren ist und 1970 begonnen hat zu investieren, z.B. in den S&P 500. Viele welche in dieser Zeit begonnen haben, hatten eher noch Freude an Gold. Ist verständlich, so wird man geprägt in jene Zeit, wo man geboren wurde.

https://www.macrotrends.net/2324/sp-500-historical-chart-data

Auch diese Person konnte bis zur Pension ein schönes Depot aufbauen, aber ob sie das durchgehalten hat? 12 Jahre Bärenmarkt, und die LURO-Aktien in dieser Zeit, die gab es auch da, waren wohl andere als heute.

Ich denke es gibt Unternehmen, die laufen 200 Jahre ausgezeichnet, andere 100, andere 20 und einige vielleicht nicht mal 10 Jahre, die meisten keine 5 Jahre aber die kommen gar nicht erst an die Börse.

Jede Dekade hat ihre Perlen. Wenn man breit aufgestellt ist und gut analysiert, steigt die Wahrscheinlichkeit, die eine oder andere Perle zu finden, wie eine richtige Prinzessin eine Erbse auch über 20 Matrazen erkennt 😉

https://www.barrons.com/articles/oldies-but-goodies-some-century-old-stocks-still-deliver-51610145204

Beispiele von Unternehmen welche 100 Jahre überlebt haben, Tabak hält sich weiterhin gut, GE ist zwar abgestürzt, aber man hat alleine durch die Dividenden wohl mehr als genug verdient. Öl läuft auch schon sehr lange gut, aber ob Öl- und Gasaktien in 100 Jahren noch interessant sind?

Kommt halt auf die persönlichen Ziele und Zeithorizont drauf an, die Meisten werden wohl für ihre Rente, Frührente oder ähnlich ansparen und da sind es dann halt 20-30 Jahre, d.h. zumindest in dieser Zeit sollte man es einigermassen treffen.

Jene die 2008/2009 begonnen haben, konnten eigentlich nichts falsch machen, egal welche Unternehmen, ob Einzelwerte (wenn man nicht totale Fehlgriffe hatte) oder Index-ETF’s, man hat sehr gut verdient. Wie die kommenden 10-15 Jahre verlaufen werden, wissen wir (noch) nicht.

ZaVodou
3 Monate zuvor

@Freelancer Sebatian
Vielleicht hast du auch – ohne es zu wissen – nur eine einfache Anlagemethode gefunden, die sehr erfogsversprechend ist und deshalb viele Indizes schlägt oder zumindest performancetechnisch locker mithalten kann.

Kaufe LURO-Aktien (Langfristchart) mit ausgezeichneten fundamentalen Daten. Vermeide Pennystocks. Kaufe, wenn das KBV < 2 (war glaube ich auch noch ein Kriterium von dir). Betreibe Buy&Hold.Verkaufe nicht deine Gewinneraktien, sondern halte möglichst lange an ihnen fest.

Du wunderst dich, dass du damit so gut abschneidest, weil das doch relativ einfach zu handhaben ist und das doch jeder machen könnte. Macht aber nicht jeder. Die Masse macht es eben doch anders. Setzt auf Pennystocks, Flüsteraktien, Hypeaktien (Wasserstoff, Lithium, Canabis, Elektromobilität usw.), gefallene Engel, Aktien mit besonders hoher Dividendenrendite. Manche kaufen auch nur das was sie kennen (deutsche Aktien). Eigentlich soll man das ja, aber fundamental wird da nicht gecheckt.
Die Aktien werden von Anlegermagazinen oder auf Youtube-Kanälen empfohlen und deshalb gekauft. Die beste Story ist da ausschlaggebend.
Große Recherche ist da meist nicht. Fundamental wir da auch nicht viel abgecheckt. Die Aktie ist stark gestiegen und wird weiter steigen das reicht. Oder sie ist stark gefallen. Da muss es ja jetzt wieder nach oben gehen.

Kurzum ich glaube, dass die Auswertungen der Kundenportfolios bezüglich deren schlechten Performance stimmt und du aufgrund deiner Auswahlmethode aus der Masse herausragst. Auch wenn du selber denkst, dass das nichts besonderes wäre. Ist es aber.

Freelancer Sebastian
3 Monate zuvor
Antwort an  ZaVodou

Da bin ich bei dir. Ein Großteil der Privatanleger erzielt miese – teilweise katastrophale – Ergebnisse. Du hast die Gründe gut zusammengefasst.

Ergänzen würde ich noch das “suboptimale” Verhalten an und Verständnis von der Börse. Da wird der Börsenhandel wie der Gang zur Pferderennbahn, dem Wettbüro oder dem Casino gehandhabt.

Hier rein, da wieder raus – Aktien aktivistisch hin und her schieben. Selbst hier im Blog haben wir den Anlegertypus präsent, lernresistent gegenüber Tims wertvollen Ratschlägen.

Daher plädiere ich ja immer wieder für ein ganz anderes Verständnis. Aktien sind Unternehmensbeteiligungen. Mich interessiert das Geschäft, nicht der Börsenkurs.

Nehmen wir Amazon. Die Aktie läuft seit zwei Jahren seitwärts. In dem Zeitraum sind “Anleger” eingestiegen, die jetzt mit 0% oder gar im Minus dastehen. Wo ist der Verzehnfacher, von dem alte Anleger schwärmen? Wie viele “Anleger” werden jetzt ungeduldig und switchen lieber zu den Rüstungs – und Rohstoffaktien rüber, wo es scheinbar schnell mehr “zu verdienen” gibt?

Wenn ich aber nicht auf den Aktienkurs schaue, sondern in die Geschäftsberichte, was kann ich konstatieren?

Die Umsätze sind in den zwei Jahren um über 50% gestiegen. Die Profite haben sich zweitweilig verdoppelt. Diese Entwicklung wird sich die nächsten zwei, fünf, zehn Jahre in der ein oder anderen Form fortsetzen. Es gibt überhaupt keinen Grund, die Beteiligung an Amazon aufzugeben.

Wenn ich schon das Glück hatte, so eine geniale Aktie zu erwischen, wie könnte ich annehmen, nach einer Gewinnmitnahme wieder ein gleichwertig ausgezeichnetes Unternehmen zu erwischen?

Mir ging es in meinen Beiträgen aber nicht um die Anlageergebnisse von Privatanlegern. Ja, viele wären mit einem simplen ETF-Sparplan besser beraten.

Mir ging es um die merkwürdigen Interpretationen zur Bessembinderstudie. “Ich muss die 4% Gewinner erwischen, sonst drohen mir Minusrenditen”. Das kann ich in der Realität so nicht sehen.

DAX nach 25 Jahren: Die Hälfte der Ursprungsunternehmen hat eine Rendite gleich oder besser der Indexrendite erbracht.

Dann reale Anlageergebnisse: Ja, die Rendite von BASF sieht in meinem Depot recht mau aus. Waren harte Zeiten für den Chemiegiganten die letzten Jahre. Mal sehen was die nächsten 20 Jahre passiert. Ich warte lethargisch ab.

Auch wenn ich es nicht exakt beziffern kann, ich habe die Dividenden des Unternehmens im laufe der letzten Jahre verwendet, um Anteile an Alphabet, Lowe´s oder Berkshire zu kaufen.

Klingt komisch – und es macht mir nichts aus, wenn mir jemand widerspricht -, aber ich rechne die so erzielten “Renditen” mit diesen Unternehmen der BASF-Aktie zu. Dieser Komplexität realer Anlagetechniken kann die Bessembinderstudie gar nicht Rechnung tragen. Und verleitet zu m.M.n. zweifelhaften Schlussfolgerungen.

Aber gut. Es gibt viele schlaue Wege zum Ziel. In einzelne Unternehmen der von dir aufgezeigten Form zu investieren gehört für mich dazu.

-M
3 Monate zuvor

@Free

mMn eine Mischung. Du kaufst erfolgreiche Unternehmen Aber lässt auch die Finger von defizitären Unternehmen (die vermeintlichen underperfomer), verrückter Du! 🙂

-M

Freelancer Sebastian
3 Monate zuvor
Antwort an  -M

Ja, wir sind schon verschrobene Typen mit einer außergewöhnlichen Sicht der (Börsen-)Dinge. Einfach so auf Unternehmen zu setzen, die Milliarde über Milliarde verdienen. Wer denkt sich denn so etwas aus…. 😉 .

Also Blackrock und MSCI habe ich jetzt mehr denn je auf dem Schirm.

Josef
4 Monate zuvor

Was viele mit Steuern sparen vergessen, der Staat braucht das Geld trotzdem und erhöt woanders die Steuern.
ich lege mein Geld selber an, zahle jedes Jahr mehr Steuern und das ist gut so.
Meine Grösste Ausgabe im Jahr sind die Steuern. Übrigens hat wer noch Gazprom im Depot? Kann man die wieder handeln?

Tobs
4 Monate zuvor
Antwort an  Josef

Dafür müsstest Du die GDR in Aktien umtauschen (das Recht ist verbrieft und viele Banken haben schon gesagt, dass sie dass tun würden). In der Folge müsstest Du ein Depot mit Währungskonto in Rubel eröffnen. Und auch dann könntest Du Stand heute nicht verkaufen, jedenfalls nicht dort an der Börse. Kurzum: Im Moment eher wenig aussichtsreich.

Mich betrifft das bezüglich X5 und Fix Price genauso. Auf Undervalued Shares hat sich SL mit dem Thema beschäftigt (teils hinter und teils vor der Paywall). Man kann sagen, die Unternehmen halten sich recht wacker, allen voran Gazprom. Fix Price hatte für letztes Jahr tolle Zahlen gemeldet, die waren aber noch vor Kriegsausbruch. Tatsächlich muss man sehen, ab wann man wieder sinnvoll handeln kann…

Matthias
4 Monate zuvor

Das Problem ist, das bei drei Rdgierungspartnern seinen Segen dazugeben muß, sonst gibt es keinen Gesetztentwurf.
Und die Politiker haben bei ETFs und Aktien leichtes Spiel. Zu genau sind bei den älteren noch die Krisen seit 2000 im Gedächtnis. Zudem können viele kaum auf 3 bis 4% vom Brutto verzichten. Einer der Gründe ist ein ausuferndes Konsumverhalten, auch auf Pump. Fehlende Einsicht und erkennen der Möglichkeiten. Warren Buffet ist in Deutschland weitgehend unbekannt. Aussagen aus der Politik ich werfe das Geld der kleinen Sparer nicht den Heuschrecken vor die Füße. Es zeigt;

  • Politiker und Bürger haben nicht mal ein Basiswissen zum Thema
  • Dann die ganzen Postillen, die jede Woche neue Aktien und Zertifikate zum investieren vorstellen müssen.
  • Banken, Versicherungen und Finanzdienstleister werden ihre Produkte nicht mehr los.
  • Nicht zuletzt der Mensch selber, der Angst vor großen Zahlen hat.

Das System funktioniert so lange, wie es Personen und Gruppen gibt, die aktiv am Markt tätig sind. Der Markg braucht das Hin und Her, sonst funktioniert passives Anlegen nicht.
Die anderen sind wir alle, als Konsumenten. Ohne Konsum funktioniert es nicht. In der DDR war Konsum als Burgoise verschrien. Es reicht der Trabi und der Wartburg. Nee, hat nicht gereicht, wie bei vielen sogar noch Normalen Konsumgütern wie Wäsche, Urlaub, Brauner und Weißer Ware. Der Laden ist auch des wegen gescheitert!
Es ist aber klar, daß etwas getan werden muss. Leider traut sich keiner wirklich an das Them ran. Dabei kann man damit langfristig auch die Sozialkassen und den Staat entlasten. Und selbst für finanzschwache Bürger kann man in einer Generation einen Finanzstock aufbauen mit ETFs, solange das System nicht allzu arg geändert wird. Das bedeutet eine Chance auf sozialen Frieden.

Ralf
4 Monate zuvor

@Rente: Es bleiben für uns Kleinanleger wenige Alternative zu Aktien, ETFs und/oder Immobilien. Für Aktien und ETFs sprechen die einfache Handhabung und Flexibilität. Bereits kleine monatliche Beträge bringen Verbesserung. Prima Sache! Stetig am Ball bleiben. Ein sehr wichtiger Baustein. Ich würde es aber nicht überbewerten und man sollte angesichts der geopolitischen Entwicklungen und hohen Inflation auch mäßigere Renditen einkalkulieren.

Realistisch betrachtet ist tendenziell ohnehin mit steigenden Steuern und Abgaben zu rechnen. Fortschrittliche Modelle wie in den USA sehe ich nicht. Im Gegenteil: Aktien- und Immobiliengewinne werden künftig noch mehr geschröpft werden, kaschiert vielleicht durch kosmetisch höhere Freibeträge oder wohlklingende Modelle.

Verteilungsdebatten laufen bereits und die C02-Abgabe für Vermieter ist ja als weiterer Schritt beschlossen. Auf Vermieter kommen dann bis zu 90 Prozent der Kosten und komplizierte Rechnungen zu. Zu Beginn wird dies Abgabe sehr gering sein. Aber an Steuerschrauben lässt sich -erst mal eingeführt- drehen. Wichtiger wäre Planungssicherheit für Eigentümer und Mieter bei Themen wie Heizung und Energie. Derzeit Fehlanzeige…

Matthias
3 Monate zuvor

Vor Jahren habe ich Mal in einem Börsenbrief folgende Strategie gelesen: Immer wenn sich ein Wert min. verdoppelt hat, soviel verkaufen, das man seinen ursprünglichen Einsatz raus hat (dann hat man im Falle eines Falles zumindest sein Kapital nicht verloren) und dann das wieder verfügbare Kapital in einen neuen Wert investieren.

So kann man auch ein Depot aufbauen, zumindest mit kleinen/neuen Wachstumswerten. Ob das in jedem Fall und für jeden Sinn macht, lass ich Mal dahingestellt…

Tobs
3 Monate zuvor

Free/Bruno:
“Aktien nicht am Tief kaufen”. Habe mir die Studie nicht angeschaut, so wäre es mir zu wenig differenziert bzw. zu wenig im Kontext der anderen Aussagen dieser Studie. Langfrist-Performer zeichnen sich dadurch aus, dass sie immer wieder neue Tops ausbilden. Man nenne mir bitte nur eine (!), die in der Zwischenzeit aber nicht ein Tief zu einem der vorherigen Tops ausgebildet hätte. Wird man wohl vergeblich suchen. Tim schrieb mal so schön hier (ist mir wie ein Mantra hängen geblieben), dass die Guten immer wieder neue Tops ausbilden (In meinem Fall: Ich differenziere hier natürlich zwischen z.B. meiner Essity und Jumia, das ist ja klar 🙂 ). Da ist was dran. Meines Erachtens ist einfach häufig der Fokus des Anlegers zu eingeschränkt. Er wirft das Handtuch, wenn es mal 3-5 Jahre dauert. Schaut man sich aber mal Langfristcharts von Top-Performern an, sind das nicht aus der Luft gegriffene Zeiträume, wo sich im Kurs eher erstmal wenig was getan hätte. Realistisch bleiben und nicht sich selbst bestätigen wollen über tolle Kursperformance sind m.E. die einzig probaten Mittel dagegen.

“Dekade, die schlecht läuft, und trotzdem dran bleiben”. Das ist viel dran, Bruno. Spätestens hier dürften viele scheitern trotz bester Absichten. Häufig wieder der Grund: Man fokussiert zu sehr auf die Kursperformance und nicht so sehr auf die Unternehmenskennzahlen. Entwickeln sich nämlich die Core-KPI wie Top-Line, Ebit und Bottom-Line, erkennt man, dass es dem Unternehmen gut geht und einfach “nur” die Multiples gerade nicht so “gehen”. Hat man dann auch noch einen (teilweise auch) ausschüttenden Ansatz, kann man auch hier seinen Erfolg unabhängig vom Kurs dokumentieren. Mein einziger Mensch, dem ich auf Insta folge: Helmut Jonen. Der ist schon 2011 wesentlich früher als gedacht in Ruhestand gegangen, weil er die aus Investoren-Sicht miese Dekade 2000-2010 voll mitgenommen und investiert wie ein Irrer hat. Er hat sich nämlich nicht auf die gegenwartsbezogene Zeitpunktbetrachtung eingelassen, sondern Aktien gekauft, die sich nachher als recht günstig im Einkauf herausgestellt hatten. Er hatte die “guts” das vor seinem Ruhestand zu machen und mit einem bereits prallen Depot, bei dem vermutlich den meisten von uns die Eier aus der Hose gesprungen wären. Er hat’s aber einfach gemacht. End of story.

Meine Lehren (die Menschen auf Insta sagen dazu take aways):

Sehr bescheiden sein und nicht Selbststätigung über Kurse suchen.

“Qualität” einkaufen, was auch immer man darunter verstehen mag.

Die Entwicklung der Unternehmen verfolgen. Man muss kein Bilanzdetektiv sein, aber für sich dokumentieren, wie sich auf Ertrags- und Kostenseite das Unternehmen entwickelt (High Level ist schon sehr gut).

Sich darüber freuen. Hier haben ausschüttungsfokussierte Investoren meines Erachtens einen Vorteil: Sie nehmen fortlaufend Risiko aus ihrem Investment raus und sind damit per definitionem unabhängig von Kursperformance. Kommt nicht von ungefähr, dass es gerade solche Investoren sind, die lange durchhalten und deswegen auch mehr Marktperformance mitnehmen. Heißt nicht, dass man das so machen muss. Aber man kann mal reflektieren, warum häufig gerade diese Investoren eine gewisse Resilienz aufweisen, die jedem Investor gut anstehen würde.

Was kaufe ich mir neben Aufstockungen bestehender Positionen vom Osterhasen-Geld? Smith & Nephew, M&G, Legal & General sowie Direct Line. Hier mache ich mal gleich größere Einstiegspositionen.

Frohe Ostern!

Alliban
3 Monate zuvor

Ich habe einen Riester-Vertrag, Gott sei Dank nur ein Taschengeld für mich. Ab 60 wird das Angesparte in einen Geldmarktfonds umgeschichtet; da zählt der Zinssatz der EZB. Letztendlich führt das zu einem (massiven) Wohlstandsverlust im Alter, der auch fühlbare Auswirkungen auf die Volkswirtschaft haben wird (weniger Konsum). Ich habe mal nachgefragt, ob man die Umschichtung stoppen könnte. Da wurde mir nur gebetsmühlenartig der Vertragsverlauf erläutert.
Ganz schlimm finde ich, dass dies den deutschen Politikern richtig egal ist. Man hätte m. E. Maßnahmen dagegen ergreifen können. Das fängt damit, dass man darauf geachtet hätte, dass die EZB ausschließlich das ihr zugestandene Mandat erfüllt (nämlich die Erhaltung der Geldwertstabilität). Schließlich basiert das Riesterkonzept auf einer stabilen Währung. Weiterhin hätte man (im Nachhinein) einführen können, dass die Leute selber entscheiden können, ob und wie Geld umgeschichtet wird (natürlich auf eigenes Risiko). Angesichts der üppigen Provisionen wäre den Anbietern der Verträge m.E. dadurch kein Zacken aus Krone gefallen.

Bruno
3 Monate zuvor

@Free
“Mir ging es um die merkwürdigen Interpretationen zur Bessembinderstudie. “Ich muss die 4% Gewinner erwischen, sonst drohen mir Minusrenditen”. Das kann ich in der Realität so nicht sehen.”

Sie haben ja 64’000 globale Aktien analysiert, du hast ja nicht die Dartpfeilmethode, wer davon ausgeht, dass jene Aktien besser laufen, welche auch fundamental gut sind, kauft, wird automatisch die besseren erwischen. Nebst den 4% Megaperformern gibt es ja immer noch ca. 50% welche positiv performten, also immer noch gut 30’000 Unternehmen.

In den grossen Indizes sind dann automatisch auch davon wieder die Besten, wenn Du globale Marktführer kaufst, dann hast Du automatisch wieder die Beseren davon etc. etc.

Würdest Du hingegen mit dem Dartpfeil 20 Unternehmen aus den 64’000 auswählen, bräuchtest Du tatsächlich viel Glück, um eine gute Performance zu bekommen 😉

Ich kenne dein Depot nicht im Detail, aber ich gehe mal davon aus, dass viele Unternehmen auch im MSCI World oder S&P500 im oberen Bereich der Marktkapitalisierung zu finden sind.

Ich habe ja vor über 20 Jahren für eine globale Wealth Mangement Bank an einer internen Studie gearbeitet, wo es um die Auswertung der Kundendepots (Privatinvestoren) ging, da waren normale Kunden dabei aber auch sehr reiche. Recht erschreckend teilweise ihre Performance, obwohl auch viele gute Werte vorhanden waren, Hauptproblem war wohl, darfst 3x raten, das “hin und her”. Ich halte ja nix von plumpen Börsenweisheiten, aber die hat schon was.

Wenn man auf eher ganz kleine, exotische Titel setzt (nicht gerade Pennystocks aber halt irgendwelche Smallcaps an irgendwelchen Börsen der Welt), und nichts von der Sache versteht, deren Geschäftsmodell, die Finanzkennzahlen sondern einfach sich von Prospekten oder “Geheimtipps” blenden lässt, dann ahne ich böses für die Performance.

Ich denke dich stört weniger die Studie sondern der Schluss, der daraus gezogen wird (man muss den breiten Index haben um die 4% zu erwischen). Du könntest die Studie verwenden, um genau deine Argumente zu untermauern, 50% sind Loser-Aktien, und die fast 50% sind auch nicht sonderlich gut, so konzentriere ich mich doch lieber auf die 4% besten Unternehmen, von 64’000 sind dies immerhin noch 2560 Unternehmen, mehr als im S&P 500 oder auch mehr wie im MSCI World 😉

Ich bin ja dann noch völlig verschrobener aus Du oder -M, ich setze mehrheitlich auf ein kleines und nicht börsennotiertes Unternehmen, völlig verrückt aus Risikosicht 😀

PS: Gerade im Tech-Sektor kann die Entwicklung ähnlich verkaufen wie im Browsermarkt:
https://www.youtube.com/watch?v=7biUABNj92E

Man muss nicht von Beginn an dabei sein, und auch nicht bis zum bitteren Ende, es reicht wenn der Trend sich akzentuiert oder einbricht. 
Bin ja auch ein Buy & Hold Befürworter aber solche Entwicklungen geben einem dann auch zu denken, gerade wenn man wie ich im Technologiebereich überinvestiert ist, da kann es relativ rasch gehen.
Heute für mich auch nicht vorstellbar, dass Google, Amazon, Microsoft, Apple schon bald abgelöst werden. Aber in 10, 20 Jahren? Setzt sich die Metaworld durch, falls ja, welche(s) Unternehmen hat den Lead? 

Und hier noch der Unternehmen
https://www.youtube.com/watch?v=Z93yWXb9Tb0

Und Höhenangst darf man nicht haben 😉
https://www.youtube.com/watch?v=RARdMeMuIeI

Last edited 3 Monate zuvor by Bruno
DanielKA
3 Monate zuvor
Antwort an  Bruno

Indizes bilden ja auch nicht den gesamten “Markt” an sich ab. Gibt ja genug nicht-börsennotierte Unternehmen die ebenfalls in Wettbewerb mit den AG’s stehen. Bin da bei free, ob spin offs, Verschmelzungen, Dividenden, Kapitalherbasetzungen, Sonderausschüttungen, going private (wo es für die Anleger ja auch eine Abfindung gibt -> siehe Activision) richtig berücksichtigt werden, wage ich mal zu bezweifeln.

Nebst den 4% Megaperformern gibt es ja immer noch ca. 50% welche positiv performten, also immer noch gut 30’000 Unternehmen

Einfaches Beispiel, ein langweiliger, schwankungsarmer Schraubenhersteller ohne Dividendenausschüttung macht im Schnitt seine 12 % p.a., macht dann auf 30 Jahre nur eine Verdreißigfachung des Kapitals aus. Natürlich kann man dann nicht mit einer Amazon mitthalten die von 1 Dollar auf 3.000 Dollar innerhalb von 20 Jahren gestiegen ist.

Trotzdem würde doch jeder diese langweilige Firma gerne besitzen wollen, auch wenn die am Ende für einen großen Index keine Bedeutung hat?

Bruno
3 Monate zuvor
Antwort an  DanielKA

Ja mir ging es ja auch ums Verständnis, die 4% hört sich nach extrem schwierig zu selektieren an, es braucht unglaubliches Glück, diese zu finden. Denke ich eben nicht, denn die meisten Aktien im MSCI World gehören wohl genau zu diesen 4% sonst wären sie nicht in diesem Index 😉

Ich habe die Studie auch nicht verifiziert, nebst deinen erwähnten Punkten ist das wirklich sehr aufwendig alleine an die Daten zu kommen. Aber ganz lapidar gesagt wenn man sich an Bluechips hält oder den Index kauft, hat man wohl schon per se sehr viele dieser 4%er im Depot, und eben nicht diese supergenialen Geheimtipps, Pennystocks, Smallcaps welche den Reichtum versprechen. Dort muss man Insider haben meins Erachtens sonst ist es halt eher Lotterie.

DanielKA
3 Monate zuvor
Antwort an  Bruno

Ja ich glaube eine not to do list wäre im ersten Schritt für viele Anfänger hilfreicher, egal ob jetzt ETF oder Einzelaktien:

  • keine Pennystocks
  • keine Modethemen, Hypes
  • kein hin- und her (stay the course oder stur und stetig)
  • keine defizitären Unternehmen
  • keine extremen Klumpenrisiken (Bsp. 80% Wirecard und 20 % gazprom)
  • keine Aufregung bei der Anlage -> langweilig ist das neue sexy

usw. würde zumindest viele vor hohen Anfangsverlusten schützen.

-M
3 Monate zuvor
Antwort an  DanielKA

Ja total. Beherzigt man diese Sachen…Munger würde sagen: Das vermeiden von Dummheiten, ist meist besser, als besonders schlau sein zu wollen.

Ich finde er hat recht und Hey, vlt ist das schon der Schlüssel für überrendite (ok soweit will ich gar nicht gehen hehe), aber nichts blödes machen ist schon was und zwar aufs komplette Leben bezogen.

Dumm ist der, der dummes tut 🙂

-M

-M
3 Monate zuvor
Antwort an  DanielKA

Daumen hoch !

Was wieder bewahrheitet, dass von 10 Investitionen nur 5 gute dabei sein müssen, um langfristig auch gute Rendite zu bekommen. Mit einer guten Vorauswahl und akzeptablen Preisen nicht ganz abwegig…. dann noch durchhalten hinbekommen, was aber auch der ETF Anleger benötigt und alle sind Happy.

-M

Nico Meier
3 Monate zuvor

In meinen Augen ist es nicht erstaunlich, dass viele Kleinanleger schlechter abschneiden als der Index.
nehmen wir als Beispiel den “Corona-Crash” im März 2020.
Zu diesem Zeitpunkt haben viele in meinem Umfeld panisch viele oder alle ihrer Aktien zu Tiefstpreisen verkauft aus Angst vor noch höheren Verlusten. Ich wurde dann im April gefragt was ich alles verkauft hätte. Habe dann gesagt ich hätte nichts verkauft aber den Ausverkauf der Börse genutzt um Aktien zu kaufen deren Preise mir tief schien. Als Beispiel Swiss RE für 56.- Franken das Stück. Hab auch den VUKE ETF gut aufgestockt.

Selbes Muster nach dem Einmarsch der Russen in die Ukraine.
Wieder die Frage nach meinen Verkäufen. Wieder habe ich erklärt, dass ich nicht vorhätte Aktien zu verkaufen aber gerne weitere Aktien zu tiefen Preisen einkaufe.

Wenn der Kleinanleger solche Chancen nutzt um seine Aktien zu tiefen Preisen zu kaufen und dann erst wieder einsteigt, wenn der Markt die Preise wieder stark erhöht hat, so werden diese niemals eine schlaue Rendite erwirtschaften.
Wenn die Anleger in ETF statt in Einzelaktien investieren macht dies die Sache nicht wirklich besser, denn dann verkaufen sie den ETF im Crash und versauen sich so die Rendite.

Freelancer Sebastian
3 Monate zuvor

@ ZaVodou

Das KBV interessiert mich übrigens überhaupt nicht. In Anlehnung ans Valueinvesting kaufe ich Unternehmensanteile gerne zu günstigen, bzw. wohl eher zu akzeptablen Preisen.

Ich schaue hier auf das PEG. Das sollte unter 2 sein. Ein recht willkürlicher Wert. Eine Aktie mit KGV 35, dessen Unternehmen um 20% p.a. wächst, ist mir lieber als eine Aktie mit KGV 10, dessen Unternehmen mit 4% p.a. wächst.

Mag der Markt in der Regel recht effizient sein, es gibt immer kurzfristige Schwankungen nach oben und unten.

@ Bruno

Mir ist schon klar, dass die Topunternehmen von heute in 20 Jahren wohl nicht mehr oben stehen. Nanoroboter, Gentherapien, Space…. mal sehen was da kommt.

Das bedeutet aber auch nur, dass die Börsenleader von heute an der Spitze abgelöst werden, nicht unbedingt, dass sie massiv an Wert verlieren. Andere Unternehmen wachsen einfach schneller und überholen sie. Die alten Tanker wachsen trotzdem weiter. Reicht mir.

@ Tobs

Du “wilderst” ja in frischen Jagdgründen mit enormen Schwankungen. Tief kaufen und abwarten lohnt da mitunter, wenn man Ahnung hat (ich nicht).

Die Anmerkungen von Marko waren auf alte Unternehmen gemünzt, die ihre besten Zeiten hinter sich haben und nicht mehr auf die Beine kommen. Wie ZaVodou sagt, versuchen sich hier viele Privatanleger an Turnarounds, gefallenen Engeln und Valuetraps. Mit negativen Ergebnissen. Dann lieber konsequent auf die LURO-Titel setzen.

Bruno
3 Monate zuvor

Ist schon klar, diese Video ist ja auch eher Boulevard, Finanzporno oder zumindest Unterhaltung… Trotzdem interessant, und auch spannend sich Gedanken zu machen, wer die kommenden Leader sein könnten. Man muss ja nicht exklusiv und All-In auf diese “wetten”.

LURO Titel kann man ja auch antizyklisch kaufen, das mag ich besonders, in der Regel gelingt dies aber wenn der Gesamtmarkt korrigiert, kritisch werde ich, wenn einzelne Titel gegen den Gesamtmarkt fallen, dann muss man schon genau hinschauen, was die Gründe sind, sonst wird es gefährlich. Aber im “Crash/Bärenmarkt” zieht es eben alles mit nach unten auch die Qualität und dann lohnt es sich besonders, die Hände zu öffnen. Corona März 2020 war so eine Gelegenheit.

Starbucks aktuell als Beispiel oder einige andere mehr.

Tobs
3 Monate zuvor
Antwort an  Bruno

Hallo Bruno,

Starbucks interessiert mich auch, genauso wie Domino Pizza übrigens, zumal die beiden ja jeweils rd. 30 Prozent nachgegeben haben.

Beide Unternehmen werden ganz gut von Abilitato analysiert, wie ich finde (siehe Link weiter unten). Und bei beiden muss man doch zur Kenntnis nehmen, dass sie ganz gehörig Financial Engineering betrieben haben, so dass beide mit negativem Eigenkapital aufwarten (Immerhin hat der wieder-wiedergekehrte CEO das gegenwärtige Aktienrückkaufprogramm gerade erst ausgesetzt). Andererseits haben diese Unternehmen über Dekaden bewiesen, dass sie Cash-Maschinen sind und deswegen können sie sich das vielleicht auch ganz gut leisten und machen das primär ja für den Shareholder Value. Aber bedenken sollte man es schon. Krass ist das auch bei Domino Pizza (siehe die andere Analyse auf deren HP), wie sämtliche Maßnahmen darauf abzielen das Eigenkapital kurzfristig ins Negative zu ziehen um aggressiv Aktienrückkäufe durchzuführen (bei Domino Pizza war ich echt erstaunt, wie hart die das handhaben).

Bleiben sicherlich beide trotzdem tolle Qualitätsunternehmen, aber sie hätten bei einem starken wirtschaftlichen Impact ein gewisses Thema (von beiden noch eher Starbucks, da deren Kaffee ein Luxus-Gut ist und dann ist es bei schrumpfenden Margen mit negativen EK weniger behaglich). Ich möchte daher noch mehr Sicherheitsmarge im Einkauf sehen, wenn das auch bei solchen Titeln etwas anmaßend ist und es vielleicht dazu führt, dass ich nicht zum Zug komme. Wenn sie noch ein Stück runtergehen sollten, schnappe ich mir aber welche. Außerdem kann ich es dann besser ertragen, wenn mich mein Nachwuchs für seinen Lifestyle gegen meinen Willen in Starbucks schleppt.

https://abilitato.de/starbucks-aktie-formel-fuer-14-jaehrliche-rendite-gefunden/

Bruno
3 Monate zuvor
Antwort an  Tobs

Ich sehe eben das was im Link als Risiko gesehen wird auch als Chance, die Konzentration in USA

https://knoema.de/infographics/kchdsge/number-of-starbucks-stores-globally-1992-2021

Potential in USA ist tatsächlich beschränkt, aber in der restlichen Welt noch gross, aber ist klar, wenn die Globalisierung ins Stocken gerät, China westliche Firmen beginnt rauszuwerfen, Indien sich nicht öffnet etc. dann wird es schwierig, aber nicht nur für Starbucks, sondern für viele globale Unternehmen.

Und ja, ist kein Value sondern Growth, ich mag halt Growth.

Russland wird die nächsten Jahre Anschauungsunterricht sein, was passiert, wenn man sich abkapselt, es wird nicht gut enden dort.

Und ja, ich würde sie auch lieber 30% günstiger bekommen, aber ist kein Wunschkonzert. Und mit 10% wäre ich auch zufrieden 😉

DPunkt
3 Monate zuvor

@Kiev und andere

Ich wollte mich an dieser Stelle noch mal bedanken für euren Input zum Thema Optionshandel. Ich habe ein paar tolle Podcasts entdeckt und über das lange Wochenende angehört (“Einkommensoptionäre”, “Aktien ohne Risiko”).

Du hattest im letzten Beitrag geschrieben, dass du erst ab 100k anfangen würdest, da man auf seine Positionsgröße achten solle und deshalb auch nur bestimmte Basiswerte nutzen könne.

Hast du Erfahrungen mit kleinen Optionskonten? Meine Idee wäre gewesen, ein paar Monate mit einem Demo-Konto zu experimentieren, Erfahrungen zu sammeln und mir ein Regelset zu erstellen. Wenn ich bis dahin nicht die Lust verlieren würde, dann hätte ich mit 10k starten wollen. Das wären rund 6,5% meines Gesamtportfolios. Theoretisch könnte ich mit dieser Größe Basiswerte bis 90$ handeln. Auf’s gesamte Portfolio gesehen, wäre die Positionsgrößen vertretbar, aber nur auf’s Optionsdepot gesehen eher nicht.

Die Höhe der Prämien ist erst mal zweitrangig für mich. Ich möchte wie schon gesagt Erfahrungen sammeln und mir ein System etablieren. Ingo von Mission Cashflow gibt an, dass es mit niedrigen Risiko möglich ist, monatlich 1% Nettorendite zu erwirtschaften, was bei 10K 100 Euro im Monat wären.

Auf welche Werte schreibst du Optionen und wann/wie hast du damit angefangen? Weiterhin würde mich interessieren, welchen Broker du nutzt und warum. Ich gehe mal von IKBR oder einem deutschen Reseller aus.

D.

-M
3 Monate zuvor
Antwort an  DPunkt

Hmmmm 12% p.A. bei niedrigem Risiko. Wenn sich etwas zu gut anhört, wäre ich vorsichtig…..
….. Ich hätte übrigens gerne 20% p.A. bei mittlerem Risiko. Bitte um Info wie das am besten geht 😉

-M

DPunkt
3 Monate zuvor
Antwort an  -M

Tja, ob das so stimmt muss ich wohl selbst rausfinden. Ich melde mich in > 10 Jahren noch mal, wenn ich näheres dazu weiß 😉

Claus
3 Monate zuvor
Antwort an  -M

… das geht, sogar mit recht simplen Strategien. Wenn Du das wirklich willst, beschäftige Dich doch mal mit Handelsstrategien und Backtesting. Bei den Handelsstrategien kannst Du Deine ja bereits vorhandenen Einstiegsregeln wunderbar daraufhin überprüfen, ob sie so wirklich Sinn machen und mit welchen Aktien sie gut oder gar nicht funktionieren. Hierzu braucht man noch nicht einmal Programmierkenntnisse. Guckst Du hier

LG

Kiev
3 Monate zuvor
Antwort an  DPunkt

Ich verwende BANX Broker. Ich habe ihn damals durch einen Blog verwendet. Vielleicht bekommst Du für Lynx, Banx oder Captrader ein besonderes Begrüßungsgeschenk bei einem Blog. Musst Du schauen. Die besten Gebühren gibt es allerdings direkt bei Interactive Brokers. Und ein nachträglicher Wechsel ist nicht möglich. Ich nutze Optionen ein paar Jahre, aber sie sind nur ein kleiner Teil der Strategie.

Dein Depot ist für eine Diversifikation schon ausreichend groß. Call Optionen kannst Du allerdings auch nur auf Aktien in Deinem Depot schreiben mit einer Stückzahl von 100. Aktienübertragung von BANX nach Trade Republik ist zumindest äußerst schlecht. Das kann ich überhaupt nicht empfehlen.

Da Du Cash Secured Puts verkaufen möchtest stehen mit 10k€ grob 11k$ zur Verfügung. Somit könntest Du Short Calls auf bis zu zwei Aktien mit einem Kurs von 50$ verkaufen. Zusätzlich würden sich vielleicht noch zwei Kandidaten in Deinem Depot für Shot Calls finden. Die müssten dann allerdings in das neue Depot.

Es muss nicht zwingend eine Diversifikation bei Optionen vorliegen, aber natürlich kannst Du hier mit zwei Positionen einen sehr hohen Gewinn oder auch Verlust einfahren. Bei einer Diversifikation hätten einzelne Ausreißer in beide Richtungen weniger Gewicht. An der Börse geht es die Rolltreppe bergauf und mit dem Aufzug bergab. Bei Optionen geht es vielleicht mit dem Aufzug bergauf und bergab als Sprung. Aus dem Grund verwende ich Short Call Optionen nur bei Aktien, die ich wirklich kaufen möchte. Ich kann sie etwas früher aufsetzen als regelbasierte Investoren wie Claus. Wenn Du beispielsweise eine Aktie für 50$ kaufen möchtest und sie bei 53$ steht ist es vielleicht über Optionen möglich. Vielleicht erhälst Du die Aktie nicht, dann hast Du immerhin einen kleinen Gewinn. Falls doch einen Abschlag auf den Kurs.

Ich möchte mich längerfristig von meinem Tabak Werten trennen. Die Richtung der Aktien stimmt seit einiger Zeit wieder. Hier habe ich ein paar MO Aktien verkauft und einen Short Call auf 57.5$. Ich hätte sie damit für 60$ verkauft. Wenn sie den Kurs nicht erreichen habe ich zumindest die Prämie. Darüber hinaus sammel ich natürlich Dividendenzahlungen ein. Ich habe auf MO auch noch einen Short Put mit Strike 50$ laufen. Hier liege ich bereits 32% im Plus. Ich sage nicht das MO jetzt überbewertet ist. Für 50$ nehme ich weitere. Aber ab 60$ bin ich dann aber raus. Ich habe keine Leidenschaft in MO und möchte sie auch loswerden. Optionen verwende ich bei Zyklikern und eher Slowgrowern. Bei SDF lag ich dann aber gewaltig daneben. Ich habe 200 Aktien und einen Short Call mit Strike 14€ und einen weiteren mit 16€ und maximaler Laufzeit. Bei dem Kurs habe ich dennoch Gewinn erzielt und streiche so lange es geht Dividendenzahlungen ein. Auf meine Biontech Aktien werde ich nie Optionen schreiben. Das wäre mir hier zu gefährlich. Ich habe aktuell auch nur 50 Stk. Auf Petrobras, Shell, Bayer, BASF habe ich aktuell noch Optionen. Also auf eher einkommensorientierte Werte.

Claus
3 Monate zuvor
Antwort an  DPunkt

@ DPunkt
… sei vorsichtig mit den Optionen. Mache Dich VORHER schlau über Money-Management und Positionsgrößen! 10K Kapital sind recht wenig im Optionshandel und sehr schnell “futsch”. Auf Dein Gesamtkapital, wie Du schreibst, wäre der Optionsteil ok.

Du solltest aber das Optionsdepot als eine alleinige Einheit betrachten. Wie sieht Deine Rechnung aus, wenn Du mit einer unerwartet schlechten Negativserie starten würdest, z.B. die ersten 3, 4, 5 Trades sind Verlierer?

Was bringen Dir auf Dein Gesamtkapital gesehen, 12% p.A. mit dem Optionshandel?…

Wäre es nicht viel einfacher, 12% p.A. mit einer soliden Aktie zu erzielen?

Wie sieht Deine Performance in Deinem “Hauptdepot” aus? Würden die 12% p.A. mit den Optionen sehr deutlich darüber liegen? Falls nicht, wieso dann Optionshandel? Wenn ja, wie viel Mehrrendite käme im Jahr dabei heraus und würde sich das lohnen?…

Ich finde es sehr gut, wenn man versucht, neue Wege zu finden. Auch ich mache das. Neben meinem “Buy and Hold & Check”-Depot trade ich gelegentlich noch etwas mit den gleichen hochkarätigen Aktien. Wenn das aber nicht nur zum Spass sein soll, muss bei mir dieser Teil die doppelte Rendite des B&H-Depots erzielen, sonst macht es für mich keinen Sinn. Für diesen Teil habe ich 10% meines Gesamtkapitals “abgezweigt”.

LG und viel Erfolg!

Der Baum
3 Monate zuvor
Antwort an  Claus

Egal wie man es dreht und wendet, solche Dinge sind doch am Ende nur so etwas wie Lottospielen.

Ich kenne keine Studie die eine langfristige Rendite durch solche Trades erwirtschaftet. Das kann Mal gut gehen und macht dann Spaß, aber als Anlage würde ich das nicht sehen.

DanielKA
3 Monate zuvor
Antwort an  Der Baum

Penny Picking in front of a steamroller würden paar Amigurus wie Buffett sagen. Zu oft wird der einzelne leider doch geplättet.

MrTott
3 Monate zuvor

Hallo Tim,
volle Zustimmung von meiner Seite – wir Deutschen sind aktientechnisch totale Hinterwäldler. Unsere Spitzenpolitiker leider ganz besonders, wenn Sparbücher immer noch als tolle Sache angesehen werden.
Ein Modell wie vor 2009 würde für Privatinvestoren hilfreich sein und das amerikanische Vorbild mit einer Brutto-Sparpauschale für die Altersvorsorge in die Weltwirtschaft ist sowohl für den Staat, wie auch für den Bürger später hilfreich.
Es erzeugt bei mir nur noch frustiertes Kopfschütteln, wenn ich mir die ach so tollen Umsetzungen ansehe. Da wird Lindner gefeiert, weil er den Sparerpauschbetrag zu 2023 um 199 € erhöht – bringt nur in dem Umfang absolut nix.
Viele Grüße,
MrTott
mrtott.blogspot.com

Tobs
3 Monate zuvor

Netflix bei minus 25 Prozent bzw. 265 USD obwohl gemeldete Zahlen über Marktkonsensus. Autsch. Wird es Zeit mal für einen kleinen Fuß in der Tür?

-M
3 Monate zuvor
Antwort an  Tobs

Jetzt womöglich ja.

Der Baum
3 Monate zuvor
Antwort an  -M

Hello,

ich persönlich halt aus verschiedenen Gründen nicht viel von Netflix.

1. Die Inhalte sind zu einem großen Teil, aus meiner Sicht, Müll. Ich kann mich damit nicht identifizieren. Gut muss ich auch nicht und viele Leute sind auch mit Müll zufrieden. Für den kleinen Rest an besseren oder guten Sachen wird es mit der kommenden und bestehenden Konkurrenz schwierig. Vermutlich wechselt Netflix auch bald zu werbefinanzierten Varianten… Mal sehen.

2. Die Bewertung ist lächerlich. max. 800 Mio FCF. Selbst wenn sie das auf 2 mrd. ausbauen könnten, sind sie 100/200 oder noch mehr Milliarden an Bewertung verrückt.

Bei einem echten Technologieunternehmen wie Apple, Microsoft oder einem Wachstumsunternehmen kann man das ja akzeptieren. Aber das sehe ich bei Netflix nicht.

Naja nur meine Meinung.

Da gibt’s doch einiges anders was interessanter ist. Auch wenn es natürlich eine Gegenreaktion am Markt geben kann.

Grüße Baum

Tobs
3 Monate zuvor
Antwort an  Der Baum

Und man muss auch sehen, dass der Free Cash-Flow überhaupt in bestehender Höhe der Bilanzierungspraxis geschuldet ist, dass der Kaufpreis für den Erwerb von Filmrechten (der direkt in voller Höhe anfällt) voll aktivierungsfähig ist und damit erstmal nicht wirksam als Aufwand in der GuV auftaucht (es wird dann abgeschrieben). Das ist also wie eine Bugwelle, die Netflix vor sich herschiebt, wonach sie mit jedem Kauf von Filmrechten den vollen Kaufpreis zahlen, dieser aber nicht sofort im Aufwand auftaucht und damit den Bilanzgewinn erhöht. Weiß gar nicht, wenn man das bereinigen würden, ob es dann überhaupt noch einen positiven FCF gibt.

Jan
3 Monate zuvor
Antwort an  Tobs

Ich sage nein. Es gibt ein schönes Video von der bekannten RA Kanzlei WBS und Youtuber Rechtsanwalt Solmecke über die Ankündigung von Netflix das Passwort-Sharing einzuschränken. Darunter einfach mal die Kommentare lesen. Da läuft es mir kalt den Rücken herunter. Offensichtlich gibt es ein Umdenken bei den Abonnenten.

-M
3 Monate zuvor
Antwort an  Tobs

@Netflix

Muss doch nochmal revidieren. Für mich sind die ~180€ Wert. Das wäre dann aber auch ein Kurs, bei dem ich nicht nein sagen könnte.

Apple, Amazon und Disney sind harte Konkurrenz, aber sehe das Medium Streaming ggü TV als totalen Gewinner und genügend möglichen total adressable market für ein Oligopol gegeben, bei den alle gewinnen können. Die Preise werden dann unter der Hand von allen künftig angehoben werden können und keiner pinkelt dem anderen ans Bein 🙂

-M

Thorsten
3 Monate zuvor
Antwort an  Tobs

Zur gegenwärtigen Uhrzeit -28,5%.
Nein ist meine Meinung, bitte abwarten, ob die Unterstützung hält. Derzeit wird wohl die Unterstützung vom Oktober/2019 (und aus 2018) getestet, der Markt in USA hat noch nicht geöffnet, könnte auch fallen. RSI liegt bei 22, schon überverkauft, aber nicht hinreichend zum Einstieg, köntne wellenweise weiter nach untenr gehen. Stabilisierung ist notwendig.
Mögliche Einstiegskurse für meine beiden einfachen und nervenschonenden Strategien als Gegenentwurf zu buyandhold : 291€ und 457€. Zwei Drittel des Kapitals beim niedrigeren Kurs, 1/3 beim höheren Kurs. Hat jemand Interesse, dann veröffentliche ich das auf meiner Homepage und kann kontrolliert bzw. nachgehandelt werden.

MarcMitC
3 Monate zuvor

Ein sehr schöner Blogbeitrag mal wieder! Ich würde sogar soweit gehen und behaupten, dass Deutschland bzgl. der privaten Altersvorsorge nie auch nur in die Nähe kam, “einen Anschluss zu finden”.

Schon um 2000 herum bzw. spätestens mit der Einführung des Euro in 2002 hätte längst eine grundlegende Reformierung des Rentensystems geben müssen. Doch es kam zu Riester und Co.. Die kläglichen, gar kümmerlichen “Ergebnisse” dessen sieht man heute leider…

Natürlich wäre es toll, würden Riester nd Co. klappen und einen Mehrwert bieten. Wer ist schon gegen ein Produkt, dass sein Geld wert ist? Doch leider hilft es, meiner Ansicht nach, keinesweges.

Nico Meier
3 Monate zuvor

@Bruno

Was sagst du zu Cembra Money Bank?

Bruno
3 Monate zuvor
Antwort an  Nico Meier

Kann mir vorstellen dass sie wieder stärker wachsen die nächste Zeit, bei steigender Inflation, Zinsen, KK-Prämien etc. könnte der Bedarf steigen. Auch wenn ein Privatkredit selten eine Lösung ist aber Bedarf wird auch in der Schweiz steigen denke ich.

Ich habe sie aber nicht.

42sucht21
3 Monate zuvor

@Tim – Netflix
Buy & Hold extrem ist echt ein Psychomonster.
Seit Ihrem Yt-Depotvideo vor 6 Monaten zur Bildzeitungsstory ist Netflix von 400k runter auf 160k Buchwert, d.h. 1/4 Mio US$ oder 1.400 US$ Verlust pro Tag. Ich wünsche Ihnen ,dass es bald wieder hoch geht. Dafür sind Chevron und andere gut gelaufen. Das Gesamtdepot dürfte gut dastehen.

Felix
3 Monate zuvor

#Netflix
Die Aktie ist in schweres Fahrwasser geraten. Ich habe auch eine kleine Position und spüre trotzdem den erdrutschartigen Kursverlust: Zwei große Abstürze hintereinander.
Tim hat da mehr zu verkraften, da bei ihm Netflix ein höheres Depotgewicht hat(te). Innerhalb gerade einmal eines halben Jahres hat die Aktie 2/3 ihres Wertes verloren. Das ist schon eine Hausnummer.
Es wäre interessant zu erfahren, wie Tim damit umgeht: Aussitzen oder gar Nachkaufen? Sicherlich nicht verkaufen, vermute ich.

Bruno
3 Monate zuvor

Habe heute eine erste Position aufgebaut in Netflix (220$), auf Sicht von 10 Jahren bin ich da positiv. Nicht nur Streaming, auch im Gamingbereich erwarte ich noch einiges, und mittelfristig dürfte Netflix auch ein guter Player im Metaversum werden.

Mit gefällt auch die Technologie, welche sie einsetzen.

All diese neuen Themen brauchen Geld und das haben sie. Die Konkurrenz ist aber auch in meinem Depot, Netflix hat mir bisher jedoch gefehlt, weil ich den Einstieg verpasst habe.

Und natürlich auch etwas Solidarität für Tim.

dagee
1 Monat zuvor

Ich würde mir mehr nach dem Vorbild der USA-Aktienrente in Deutschland wünschen.

Aber selbst wenn es nicht möglich wäre, dann doch bitte wenigsten eine besser finanzielle Bildung. Offener Diskurs ohne Vorurteile gegenüber finanzieller Themen und ohne unnötige Hürden, so das man sich entspannt über Aktien und Co., wie über das ETF-Sparen unterhalten und austauschen kann, genauso wie über das letzte Gartenprojekt. Bei einem Bier im Garten am Grill, z.B.

Dann würden die Leute auch souveräner an der Börse agieren ohne bei Flauten zu resignieren und bei Bullenmärkten übermütig zu werden.

Wer souverän ist, hat keine Angst und ist sicher im Umgang mit seinen (finanziellen) Werkzeugen. Genauso wie jene, die im Garten gerade ihr Projekt in Angriff genommen haben.

Last edited 1 Monat zuvor by dagee
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