Wer das Treiben an der Wall Street Tag für Tag beobachtet, verliert im kurzfristigen Lärm der Märkte leicht den Blick für das Wesentliche. Zwischen Quartalszahlen, Notenbankentscheidungen und den neuesten Hypes gibt es jedoch eine Konstante, die das Fundament eines jeden soliden Value-Investing-Ansatzes bildet: die Dividendenkönige.
Ein Unternehmen, das seine Ausschüttung an die Aktionäre über 50 Jahre in Folge – durch Ölkrisen, den Dotcom-Crash, die Finanzkrise und globale Pandemien hindurch – nicht nur beibehält, sondern jedes Jahr anhebt, beweist vor allem eines: ein krisenresistentes, überlegenes Geschäftsmodell. Genau das ist die absolute Essenz der Buy-and-Hold-Strategie. Es geht hier nicht um den schnellen Trade, sondern um die Kraft echter „Compounder“, die im Hintergrund leise, aber unaufhaltsam Wert für ihre Anteilseigner schaffen. Ich schreibe über diese Zinseszinsmaschinen und Dividendenkönige gebetsmühlenartig in diesem Blog, zuletzt hier.
Die Liste der Dividendenkönige (Unternehmen, die ihre Dividende seit mindestens 50 aufeinanderfolgenden Jahren gesteigert haben) umfasst für das Jahr 2026 rund 55 Unternehmen. Ich habe unten eine Liste zusammengestellt. In meinem Depot befinden sich von dieser Liste diese 4 Aktien: J&J, PG, Target und Altria.
Qualität hat ihren Preis – aber Value Investing verlangt Disziplin
Blicken wir auf das Jahr 2026, sehen wir, dass Qualität an der Börse selten billig zu haben ist. Ein genauer Blick auf die Bewertungen (KGV) und die aktuelle Dividendenrendite zeigt: Nicht jeder König ist auf dem aktuellen Kursniveau automatisch ein Schnäppchen. Echtes Value Investing bedeutet, geduldig zu sein. Man muss bereitstehen und zuschlagen, wenn die Börse etablierte Riesen aus dem Basiskonsum oder starke Industrie-Compounder wie Dover, Emerson Electric oder Parker-Hannifin vorübergehend abstraft.
Viele dieser Namen klingen auf den ersten Blick langweilig. Ein Wasserversorger wie American States Water, der seine Dividende seit unfassbaren 71 Jahren anhebt, generiert selten spektakuläre Schlagzeilen, das ist ein Rekordhalter. Doch genau diese unternehmerische „Langeweile“ bringt die nötige Ruhe in ein Langfrist-Depot.
Hier ist die komplette Liste der über 50 Dividendenkönige für das Jahr 2026, ergänzt um die Jahre der ununterbrochenen Dividendensteigerung sowie ausgewählte Dividendenrendite- und KGV-Schätzungen der höchstkapitalisierten Player:
Übersicht aller Dividendenkönige (Stand 2026)
| Unternehmen | Ticker | Branche | Dividendenrendite* | KGV (2026)* | Jahre der Erhöhung |
| Abbott Laboratories | ABT | Gesundheitswesen | 2,8 % | 16 | 54 |
| AbbVie | ABBV | Gesundheitswesen | 3,3 % | 15 | 54 ** |
| ABM Industries | ABM | Industriegüter | 2,84 % | 16 | 56 |
| Altria Group | MO | Basiskonsumgüter | 5,7 % | 13 | 56 |
| American States Water | AWR | Versorger | 2,7 % | 20 | 71 |
| Automatic Data Processing | ADP | IT / Dienstleistungen | 3,2 % | 17,7 | 51 |
| Becton, Dickinson & Co. | BDX | Gesundheitswesen | 2,8 % | 11,1 | 54 |
| Black Hills Corp. | BKH | Versorger | 3,7 % | 17 | 56 |
| California Water Service | CWT | Versorger | 3,0 % | 16,5 | 59 |
| Canadian Utilities | CU.TO | Versorger | 3,8 % | 19 | 54 |
| Cincinnati Financial | CINF | Finanzwesen | 2,2 % | 19 | 66 |
| Coca-Cola | KO | Basiskonsumgüter | 2,7 % | 23,8 | 64 |
| Colgate-Palmolive | CL | Basiskonsumgüter | 2,4 % | 22,6 | 63 |
| Commerce Bancshares | CBSH | Finanzwesen | 2,1 % | 12,8 | 55 |
| Consolidated Edison | ED | Versorger | 3,1 % | 17,2 | 50 |
| Dover | DOV | Industriegüter | 0,9 % | 21 | 70 |
| Emerson Electric | EMR | Industriegüter | 1,6 % | 21 | 69 |
| Farmers & Merchants Bancorp | FMCB | Finanzwesen | 1,86 % | 9,6 | 61 |
| Federal Realty Investment | FRT | Immobilien (REIT) | 3,9 % | 40 | 58 |
| Genuine Parts Company | GPC | Zyklische Konsumgüter | 4,0 % | 13,5 | 70 |
| Gorman-Rupp | GRC | Industriegüter | 1,0 % | 25,6 | 56 |
| H.B. Fuller | FUL | Grundstoffe | 1,6 % | 12 | 56 |
| Hormel Foods | HRL | Basiskonsumgüter | 5,5 % | 14,7 | 60 |
| Illinois Tool Works | ITW | Industriegüter | 2,5 % | 22 | 53 |
| Johnson & Johnson | JNJ | Gesundheitswesen | 2,4 % | 20 | 64 |
| Kenvue | KVUE | Basiskonsumgüter | 4,76 % | 16 | 64 ** |
| Kimberly-Clark | KMB | Basiskonsumgüter | 5,2 % | 13 | 53 |
| Lancaster Colony (The Marzetti Company) | LANC | Basiskonsumgüter | 3,2 % | 19 | 63 |
| Lowe’s Companies | LOW | Zyklische Konsumgüter | 2,0 % | 18 | 64 |
| McDonald’s | MCD | Zyklische Konsumgüter | 2,6 % | 21 | 49/50 |
| MGE Energy | MGEE | Versorger | 2,4 % | 19,1 | 51 |
| Middlesex Water | MSEX | Versorger | 2,8 % | 17,4 | 51 |
| MSA Safety | MSA | Industriegüter | 1,3 % | 23 | 55 |
| National Fuel Gas | NFG | Versorger | 2,6 % | 10 | 56 |
| Nordson | NDSN | Industriegüter | 1,2 % | 24 | 62 |
| Northwest Natural | NWN | Versorger | 3,7 % | 18 | 70 |
| Nucor | NUE | Grundstoffe | 1,0 % | 14,9 | 51 |
| Parker-Hannifin | PH | Industriegüter | 0,9 % | 26 | 70 |
| Pentair | PNR | Industriegüter | 1,3 % | 14 | 50 |
| PepsiCo | PEP | Basiskonsumgüter | 3,6 % | 18 | 54 |
| Procter & Gamble | PG | Basiskonsumgüter | 2,9 % | 20 | 70 |
| RLI Corp. | RLI | Finanzwesen | 1,2 % | 18,4 | 51 |
| RPM International | RPM | Grundstoffe | 2,1 % | 15,4 | 50 |
| S&P Global | SPGI | Finanzwesen | 0,9 % | 19,5 | 52 |
| H2O America (SJW Group) | SJW | Versorger | 3,1 % | 20 | 58 |
| Stanley Black & Decker | SWK | Industriegüter | 4,2 % | 15 | 58 |
| Stepan | SCL | Grundstoffe | 3,1 % | 17 | 58 |
| Sysco | SYY | Basiskonsumgüter | 3,0 % | 14 | 56 |
| Target | TGT | Basiskonsumgüter | 3,5 % | 16 | 54 |
| Tennant | TNC | Industriegüter | 1,4 % | 13,5 | 54 |
| Tootsie Roll Industries | TR | Basiskonsumgüter | 0,9 % | 32 | 59 |
| United Bankshares | UBSI | Finanzwesen | 3,4 % | 13,5 | 52 |
| W.W. Grainger | GWW | Industriegüter | 0,8 % | 26 | 55 |
| Walmart | WMT | Basiskonsumgüter | 0,8 % | 38,8 | 53 |
Seit über 70 Jahren steigen die Dividenden bei diesen Mega-Zahlern
Eine solche jahrzehntelange Historie ist oft das Fundament für langfristiges Value Investing und eine konsequente Buy-and-Hold-Strategie, da sie die Krisenresistenz der Geschäftsmodelle unterstreicht. Die Spitzenreiter (wie American States Water, Dover, P&G, Northwest Natural, Genuine Parts Company) blicken auf über 70 Jahre ununterbrochener Erhöhungen zurück.
Natürlich gibt es viel mehr Dividendenaristokraten, die über 25 Jahre ihre Dividende erhöht haben: Dazu gehört zum Beispiel Air Products and Chemicals (APD). Das Unternehmen hat seine Dividende zwar im Januar 2026 erneut angehoben, steht damit aber „erst“ bei 44 Jahren in Folge im Plus. Es ist somit ein starker Dividendenaristokrat, aber noch kein Dividendenkönig.
Hinweis zu den Daten: Die eingefügten Renditen und KGVs basieren zum Teil auf aggregierten Analystenschätzungen und aktuellen Marktdaten für das Geschäftsjahr 2026 und können täglichen Marktschwankungen unterliegen. Kenvue ist gelistet, da das Unternehmen die Dividendenhistorie nach der Abspaltung von Johnson & Johnson geerbt hat. Der Papiertuchriese Kimberly Clark, selbst ein Dividendenkönig, möchte ja die Ex-Tochter von J&J, Kenvue, jetzt übernehmen. Darüber hinaus ging Abbvie aus der Abspaltung von Abbott Laboratories hervor.
Aus dieser Liste habe ich im Depot:
Coca Cola, JNJ, Kimberley- Clark, McDonalds, PepsiCo, P&G, Target und Walmart
Kimberley- Clark finde ich derzeit günstig und deswegen sehr interessant. American States Water und vor allem Colgate-Palmolive hab ich schon ewig auf der Watchlist, aber komme nie dazu sie zu kaufen. Die sind mir irgendwie immer zu teuer.
Und wenn die mal günstiger sind, sind meistens andere Aktien noch viel stärker gefallen, dass ich auch dann nicht dazu komme sie zukaufen.
Hätte ich aber beide gerne im Depot.
Ja, bei diesen Dividendenstars ist es in der Tat so, dass sie oft etwas teurer sind, weil sie eben so stabil agieren. Das ist der „Nachteil“. Qualität hat eben immer ihren Preis.
Danke. Guter Artikel.
Gibt es bald auch News von Nikos ? Danke für Deine Rückmeldung Tim !
Wie geht es Eurem Sohn ?
„Warum Buy & Hold am Ende immer gewinnt“ – für ein Gesamtportfolio ist diese Aussage treffend.
Während die Titanen des Digitalzeitalters wieder an der Börse haussieren, kann man sich fragen, was die Analysten in den Investmentabteilungen für Unsinn verzapfen. Übrigens einer der Gründe, warum wir kleinen Privatanleger – logische Investmentstrategien vorausgesetzt – im Vorteil sind.
Amazon berichtet von 200 Mrd $ CAPEX und der Kurs rauscht um 10% ab. Die Verantwortlichen erklärten deutlich, dass diesen Ausgaben schon längst die zusätzlichen (wiederkehrenden) Einnahmen gegenüberstehen. Man investiert, um die gigantische Nachfrage in den Griff zu bekommen. Und den Cashflow weiter zu erhöhen. Man hofft nicht, das Geld ist schön eingetütet.
Wer verkauft da? Und welcher Bonus wird dafür ausgeschüttet?
Vor einem Jahr kommt Panik wegen Alphabet auf. Die KI wird das Suchmaschinengeschäft zerstören. Es ist schon ausgemacht. Keiner wird mehr googeln
Heute wird klar: Das kann falscher nicht sein. Gemini macht die Suche effizienter und lukrativer. Rekordnutzung ist angesagt. Das Cloudgeschäft im übrigen boomt ohne Ende. Ein Wachstum von 60%. Da kommen auch AWS und Azure nicht mehr mit. Logisch, die sind ja schon ganz vorne.
Das soll nicht heißen, dass das alles im letzten Jahr schon klar war. Das soll nur heißen, dass an der wallstreet und in den Banken viel Unsinn herbeigegrübelt wird. Angst ist Trumpf, wie generell in den Medien.
Einfach mal auf den Papieren sitzen bleiben und die Leute machen lassen…. wirkt halt nicht aktivistisch und klug genug. Fazit: Die können’s nicht besser als wir. Da wird ne Menge Blödsinn gefaselt, prognostiziert, vorhergesagt.
Sebastian, ich finde das richtig was du schreibst. Das Sprichtwort, dass an der Börse Narrative after the fact geschaffen werden trifft aber auch hier zu.
Wegen Alphabet: Der Kurs hat sich nur erholt, weil ein marktfähiges, fertiges Gemini bereits in den Schubladen von Alphabet schlummerte und es bereits anfänglich ChatGPT-ebenbürtig war. Sie mussten es nur aus der Schublade holen und voila. Als dann klar war, sie können mithalten oder sind sogar besser, dann hat sich der Kurs erholt. Die hoch bezahlten Analysten sind ja nicht dumm, sondern das sind schon smarte Akteure, die Dinge früher sehen als wir Kleinen. Zumindest als ich. Die Handelsmechanismen dahinter sind dann öfter mal irrational weil sie ne Trilliarde Microtrades handeln um Übergewinne zu versuchen. Aber an der Börse wird die Zukunft gehandelt und im Internet gibt es wenige Gewinner die alles unter sich aufteilen. Von daher fand ich Alphabets Absturz gerechtfertigt, weil ihr Kerngeschäft auf der Kippe stand.
Ich selber habe dann zwischen 140-125€ meine Position verdoppelt als ich sah wie gut Gemini bereits war und wie lächerlich günstig Alphabet. Aber den Kaufbutton drücken viel mir nicht so leicht, weil es eben schon auch eine Wette war und ich selber bereits zahlender GPT-Kunde. Chat kam ja dauernd mit Updates und Ankündigungen raus. Die Medienmeinung war gegen mich als ich kaufte. ich finde nicht, dass da nur blödsinn gefaselt wurde.
Bei Alphabet hat sich der Kurs seit meinem Kauf etwa halbiert.
Allerdings habe ich anstatt die 10 Aktien, die ich damals gekauft habe, inzwischen 200 Anteile.
Der einzige Vorteil für Deutsche wenn man später solche Aktien kauft ist der, dass man dann beim Verkauf weniger Steuern zahlen muss. :-)
Gratuliere zu deinem frühen Kauf! Es braucht nur wenige solcher Käufe und das Leben verändert sich finanziell extrem positiv.
Ja, da hast du sicher recht. Nun ist es so gekommen und ich habe leicht schreiben.
Mir geht es aber um etwas anderes. Es wurden unheimlich schlaue Analysen verfasst, warum es ganz schlimm kommen wird. Es wird vermutet und der Konjunktiv bemüht. Stimmt dann aber doch nicht. Alles ganz logisch und plausibel, aber doch falsch. Menschliche Gewohnheiten, Psychologie und auch die sozialen Burggräben der Unternehmen werden womöglich nicht ausreichend berücksichtigt.
Ja, es arbeiten smarte Leute an der wallstreet. Aber sie sind so in Sachzwängen, dem Herdenverhalten und der Prognoseritis verhaftet, dass da oft Unsinn herauskommt.
Wie Felix das sagte, es wird viel im Nebel gestochert. Niemand weiß sicher etwas. Buffett hielt sich immer von der wallstreet fern. Zu viel Hektik, Hysterie, Herde. Langsames, nachhaltiges Denken gelingt ohne den Firlefanz besser.
Es tut gut, die meiste Zeit einfach stur mit den Papieren auf dem Hintern sitzen zu bleiben.