Am Freitag sackte die Wall Street ab. Anleger erwarten steigende Zinsen nach der Vorlage starker Arbeitsmarktdaten. Am US-Arbeitsmarkt sind 172.000 neue Stellen geschaffen worden. Die Fed muss vermutlich handeln, weil die Inflation zu hoch ist. Der S&P 500 fiel deshalb am Freitag um über 2,6 Prozent. Es war der stärkste Tagesverlust seit Oktober. Es ist das Ende einer neunwöchigen Gewinnserie, die längste seit Ende 2023. Und: Bitcoin steht auch schon länger unter Druck. Bitcoin-Großinvestor Michael Saylor kann in Probleme mit seiner Firma Strategy (ehemals Microstrategy) geraten.
Besonders im Chip-Bereich kam es heftigen Abschlägen. Micron und Arm Holdings gingen jeweils um 13% abwärts. Sandisk, Intel und Teradyne gehörten zu den Verlieren im S&P 500, und zwar mit prozentual zweistelligen Kursverlusten. Im Dow Jones Index sackten Cisco, Nvidia und IBM ab. In Europa war der deutsche Chiphersteller Infineon ein weiterer Verlierer mit minus 9 Prozent.
Wenn die Zahl der Beschäftigen steigt, interpretieren das Anleger als Zeichen dafür, dass die Zinsen weiterhin hoch halten dürfte, um die durch den Iran-Krieg und den Ausbau der KI-Infrastruktur verursachte Inflation einzudämmen. Zumindest wird es wohl nicht zu einer schnellen Zinssenkung kommen, wie von Präsident Donald Trump gefordert.
Höhere Zinsen erhöhen die Kreditkosten, belasten Firmen und Privathaushalte (Kredite, Hypotheken) und senken langfristig die Aktienbewertungen. Zumal damit die Staatsanleihen und andere sichere Anlagen attraktiver gegenüber Aktien sind.
Was der Ausverkauf bei Chip-Aktien für uns bedeutet
Was tun? Panik ist der Feind der Rendite. Ein tiefroter Tag im Depot fühlt sich für niemanden gut an. Doch wer jetzt hastig auf den Verkaufsknopf drückt, begeht den klassischen Fehler ungeduldiger Anleger. Kursschwankungen und Korrekturen sind der Preis, den wir für die langfristig hohen Renditen am Aktienmarkt zahlen. Genau in solchen Phasen zahlt sich unsere Buy-and-Hold-Philosophie aus. Wir investieren nicht für die nächsten drei Wochen, sondern für die nächsten Jahrzehnte.
Die KI-Revolution geht weiter
Dass Big Tech und insbesondere die Halbleiterbranche nach den rasanten Kursanstiegen der vergangenen Zeit eine Korrektur durchlaufen, ist völlig normal und sogar gesund. Der fundamentale Trend bleibt intakt. Die KI wird die Geschäftswelt und den Arbeitsmarkt nach der KI-Revolution nachhaltig transformieren. Wie viel Geld sich damit verdienen lässt unterm Strich von den Hyperscalern wie Alphabet oder Microsoft, wird sich jedoch noch zeigen. Fest steht: Die Nachfrage nach Rechenleistung und neuen Technologien verschwindet nicht, nur weil die Börse kurzfristig Gewinne mitnimmt und Zinsängste spielt. Aber natürlich kann sich die Nachfrage abschwächen, wenn sich die Technologie nicht so monetisieren lässt, wie erhofft.
Dividendenkönige als Fundament
Wer in Tagen wie diesen unruhig schläft, sollte einen Blick auf die Struktur seines Portfolios werfen. Neben den wachstumsstarken Tech-Werten gehören solide Konsumgüteranbieter als Anker ins Depot. Ich habe J&J, Altria, P&G oder Target im Depot. Die großen Dividendenkönige – Unternehmen wie Coca-Cola oder PepsiCo– schütten ihre Quartalsdividenden unabhängig davon aus, ob der Nasdaq an einem Freitag um vier Prozent einbricht. Diese stetigen Cashflows geben Sicherheit und lassen uns auch in stürmischen Börsenphasen ruhig bleiben. Ich kaufe immer weiter nach. Stur und stetig. Warum soll ich damit aufhören – gerade wenn die Kurse stark nachgeben? Übrigens: Ein wenig Cash zu haben, ist auch nicht verkehrt, wobei ich fast vollständig investiert bin.
Finanzieller Minimalismus bleibt der Schlüssel
Letztlich liegt unser finanzieller Erfolg nicht darin, den perfekten Zeitpunkt zum Kauf oder Verkauf einer Aktie zu finden. Es ist unsere Sparquote, die den wahren Unterschied macht. Wer finanziellen Minimalismus lebt, bewusst konsumiert und jeden Monat stur seine Überschüsse investiert, profitiert langfristig von genau solchen Rücksetzern. Wenn die Kurse fallen, bekommen wir für unsere Sparraten schlichtweg mehr Anteile.
Leser Alexander (44) hat das in seinem Leserbrief wunderbar beschrieben. Er ist fast Millionär. Von seinem ersten Aktienkauf mit nur drei SAP-Aktien bis zu einem Depot von 870.000 Euro: Er zeigt, was mit Geduld, Disziplin und konsequentem Investieren möglich ist. Seit 2009 investiert er regelmäßig in Qualitätsunternehmen, bleibt auch in Krisen ruhig und setzt auf langfristiges Denken statt auf schnelle Gewinne. Heute erhält er jährlich über 19.000 Euro an Dividenden und steht kurz vor der Depot-Million. Seine wichtigste Erkenntnis nach 17 Jahren an der Börse: Nicht die perfekte Aktie entscheidet über den Erfolg, sondern Ausdauer und Gelassenheit.
Besonders beeindruckend: Alexander lebt bewusst sparsam, verzichtet auf Statussymbole und investiert lieber in seine finanzielle Freiheit. Während viele bei Börsencrashs nervös werden, kaufte er sogar nach und ließ den Zinseszins für sich arbeiten.
Was ist für dich der wichtigste Erfolgsfaktor beim Vermögensaufbau – hohe Sparquote, Geduld oder die richtige Aktienauswahl?
Lass sich von den reißerischen Schlagzeilen nicht verunsichern. Schalte die Nachrichten ab, gehe spazieren oder verbringe das Wochenende mit der Familie. An der Wall Street wird am Montag wieder gehandelt, aber dein Vermögensaufbau ist ein Marathon. Bleib stur auf Kurs! Ich gebe jedenfalls kein Stück her.