Ach, die Wall Street ist mal wieder im Panikmodus: Reed Hastings, der visionäre Gründer von Netflix, tritt zurück, und die Börse straft die Aktie umgehend mit einem massiven Minus von 10% ab. Viele Anleger werden jetzt nervös, lesen die dramatischen Schlagzeilen und drücken hektisch den Verkaufen-Knopf. Doch genau an solchen Tagen trennt sich an der Börse die Spreu vom Weizen. Für uns langfristige Value-Investoren ist ein solcher Rücksetzer bei einem absoluten Qualitätsunternehmen kein Grund zur Sorge, sondern vielmehr eine klassische Einstiegschance.
Zumal die Quartalszahlen super waren. Der Überschuss summierte sich auf 5,28 Milliarden gegenüber 2,89 Milliarden Dollar im Vorjahreszeitraum. Geholfen hat hier die Kündigung des Übernahmedeals mit Warner Bros: 2,8 Milliarden Dollar Entschädigung musste das große Hollywood-Studio an Netflix für den abgesagten Deal zahlen. Warner Bros entschied sich stattdessen für eine Fusion mit Paramount Skydance. Nun hat Netflix volle Kassen und kann das Geld für neuen Content nutzen. Leichte Abo-Preiserhöhungen bringen den Umsatz nach vorne. Ebenso neue Kunden. Aber die Konkurrenz ist enorm.
Netflix ist meine größte Aktienposition. Werde ich nach diesem Absturz schwach? Absolut nicht. Mein Ansatz auf timschaefermedia.com war und ist immer „Buy and Hold“. Wir kaufen herausragende Unternehmen und lassen sie liegen – über alle Marktzyklen hinweg. Reed Hastings hat ein gigantisches Streaming-Imperium aufgebaut, das den Medienkonsum weltweit revolutioniert hat. Sein Rückzug aus der ersten Reihe ändert rein gar nichts an dem fundamental starken Geschäftsmodell, der immensen Preissetzungsmacht und der gewaltigen Abonnentenbasis, die das Unternehmen besitzt. Die Strukturen stehen, und das verbleibende Management-Team ist bestens eingespielt. Schwachpunkte hat jedes Unternehmen mal in einem Quartal.
Die Börse neigt bei großen Rücktritten oft zu Überreaktionen
Der Markt neigt bei großen Personalien oft zu extremen Übertreibungen. Kurzfristiges Rauschen überdeckt dann den Blick auf den wahren, fundamentalen Wert eines Unternehmens. Wer sich vom täglichen Lärm der Finanzmedien treiben lässt, verpasst die besten Renditen. Genau in solchen Momenten zahlt sich ein stoischer Frugalismus im Portfolio aus: Weniger handeln, mehr nachdenken. Es kostet uns keinen Cent, die Aktie einfach im Depot ruhen zu lassen.
Statt in Panik zu verfallen, sollten wir uns darauf konzentrieren, warum wir die Aktie ursprünglich gekauft haben. Wenn die Investment-Story noch intakt ist – und das ist sie bei Netflix zweifellos –, dann ist ein Kurssturz von 10% schlichtweg ein Rabatt auf exzellente Qualität. Für den langfristigen Vermögensaufbau sind genau diese Dellen im Chart die Momente, die über die Jahre hinweg den Zinseszinseffekt massiv befeuern.
Ich bleibe entspannt investiert und sitze die aktuelle Volatilität aus. Wer noch nicht investiert ist oder aufstocken möchte, findet hier eine wunderbare Gelegenheit, sich ein Stück Streaming-Exzellenz mit einem ordentlichen Abschlag ins Depot zu legen. Geduld zahlt sich aus.
Herzliche Grüße aus New York
Euer Tim Schäfer