Wer meinen Blog regelmäßig liest, kennt das Erfolgsrezept: Kaufe solide, unterbewertete Unternehmen mit einem starken Burggraben, knackigen Dividenden und halte sie im besten Fall für immer. Während Tech-Aktien von einem Rekordhoch zum nächsten jagen und oft astronomisch bewertet sind, versteckt sich im Finanzsektor eine klassische Value-Chance.
Große US-Banken verdienen Geld wie Heu, profitieren von einem stabilen wirtschaftlichen Umfeld und schütten fleißig Kapital an ihre Aktionäre aus. Aber warum sind sie genau jetzt so attraktiv? Ein Blick hinter die Kulissen der amerikanischen Bankenlandschaft. Und keiner scheint ein Auge auf sie zu werfen, alle rennen den heißen KI-Aktien hinterher.
Ich besitze die Bank of America, Citigroup, Wells Fargo, Deutsche Bank und Commerzbank. Und sie befinden sich seit Jahren bzw. Dekaden in meinem Depot. Sie machen kaum Schlagzeilen – bis auf die Commerzbank, die im Übernahmesisier der italienischen Unicredit ist.
1. Die Profitmaschine läuft auf Hochtouren. Und die KGVs sind gering
Die Quartalszahlen der Federal Deposit Insurance Corporation (FDIC) sowie die Berichte der großen Institute zeigen ein klares Bild: Die US-Banken stehen fundamental glänzend da. Allein im ersten Quartal vermeldeten die US-Banken einen satten Nettogewinn von über 80 Milliarden Dollar – ein Anstieg zum Vorquartal. Das KGV von Bank of America liegt bei unter 12. Wells Fargo gibt es für einen elffachen Gewinn, boa. Wells zahlt 2,3% Dividende. Und Citi notiert nur 12% überm Buchwert, also kommst du hier fast zum Substanzwert rein.
Während europäische Banken seit Jahren mit strukturellen Problemen und einer trägen Wirtschaft zu kämpfen haben, agieren die US-Riesen in einer anderen Liga. Sie besitzen eine enorme Preismacht und profitieren von der Konsumlust der amerikanischen Verbraucher, wobei diese zuletzt im Zuge des Iran-Krieges Schwächen zeigte. Und es nimmt der Wettbewerb in Europa ab, weil es einen Trend zu Megabanken nach Fusionen gibt.
2. Der perfekte Zins-Mix und das Comeback der Wall Street
Die Zinspolitik der Federal Reserve (Fed) war in den letzten Jahren ein Balanceakt. Doch die Banken haben gelernt, damit umzugehen. Selbst bei leichten Zinssenkungen schaffen es die Institute, ihre Nettozinseinkommen (NII) auszubauen. Der Grund: Ältere, niedrig verzinste Kredite und Anleihen aus der Nullzinsphase laufen nach und nach aus und werden durch neue, deutlich rentablere Papiere ersetzt.
Gleichzeitig erleben wir an der Wall Street ein echtes Comeback:
- Investmentbanking: Das Fusions- und Übernahmegeschäft (M&A) boomt wieder. Hier ist Goldman Sachs gut aufgestellt.
- Emissionsgeschäft: Immer mehr Unternehmen wagen den Schritt an die Börse oder nehmen neues Kapital auf. Ein Highlight wird das Raketenunternehmen Space X von Elon Musk, das an die Börse strebt.
- Vermögensverwaltung (Wealth Management): Die steigenden Aktienmärkte spülen den Banken über prozentuale Gebühren massive, wiederkehrende Einnahmen in die Kassen.
Dieser Mix aus klassischem Kreditgeschäft und provisionsstarker Wall-Street-Aktivität macht die Erträge extrem robust.
3. Ein Traum für Aktionäre: Dividenden und Aktienrückkäufe
Für uns als langfristige Anleger zählt vor allem eines: Wie viel vom Gewinn kommt am Ende bei uns an? Hier sind die US-Banken absolute Spitzenklasse. Da die Banken nach den Turbulenzen vergangener Jahre ihre Bilanzen extrem gestärkt haben und die regulatorischen Hürden (wie die Stresskapitalpuffer) kontrollierbar bleiben, sitzt das Geld locker.
Gewinne der US-Banken
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Üppige Dividenden Aggressive Rückkäufe
(oft 3-4% Rendite) (EPS-Wachstum & Kurssteigerung)
Die großen Institute wie JPMorgan Chase, Bank of America, Wells Fargo oder Citigroup kaufen Jahr für Jahr eigene Aktien im Wert von Milliarden Dollar zurück. Für dich als Aktionär bedeutet das: Dein Anteil am Unternehmen vergrößert sich automatisch, ohne dass du einen Cent dazuzahlen musst. Gepaart mit Dividendenrenditen, die oft komfortabel zwischen 3 % und 4 % liegen, ist das der perfekte Treibstoff für den Zinseszinseffekt.
4. Günstige Bewertung: Value statt Growth-Wahn
Trotz der hervorragenden Verfassung sind US-Banken im historischen Vergleich und vor allem im Vergleich zum Gesamtmarkt (S&P 500) günstig bewertet. Viele etablierte Qualitätsbanken (wie etwa US Bancorp) notieren zu einstelligen oder niedrigen zweistelligen Kurs-Gewinn-Verhältnissen (KGV um 11).
Du kaufst hier also kein spekulatives Zukunftsversprechen, sondern echte, reale Milliardengewinne zu einem vernünftigen Preis. Das reduziert das Abwärtsrisiko und bietet erhebliches Aufwärtspotenzial, sobald der Markt diesen Sektor wieder voll für sich entdeckt.
5. Der technologische Vorsprung
Ein oft unterschätzter Burggraben der amerikanischen Banken ist ihre technologische Dominanz. Institute wie JPMorgan investieren pro Jahr mehr als 15 Milliarden Dollar (!) in ihre IT und künstliche Intelligenz.
Mit diesen Summen können europäische Banken oder kleinere Fintechs schlichtweg nicht mithalten. Die US-Riesen nutzen KI im Risikomanagement, im Kundenservice und beim Aufspüren von Betrugsfällen. Das senkt langfristig die Kostenstrukturen (Efficiency Ratio) und sorgt für eine noch höhere Profitabilität.
Fazit: Ein Pflichtinvestment für das Langzeitdepot
Die US-Banken haben ihre Hausaufgaben gemacht. Die Bilanzen sind sauber, die Kreditqualität ist stabil und das regulatorische Umfeld unterstreicht die Sicherheit des Systems.
Wer ein Vermögen aufbauen möchte, sucht nach solchen Gelegenheiten: Krisenerprobte Marktführer, die essenziell für die Wirtschaft sind, den Aktionär wie einen König behandeln und die man zu einer vernünftigen Bewertung einsammeln kann. Es sind Aktien ohne Hype! Ein solides Fundament aus den führenden US-Banken gehört in jedes gut diversifizierte Value-Depot. Sie sind langweilig, sie sind profitabel – und genau das bringt uns langfristig finanzielle Freiheit.
Ich bekomme Dividenden von HSBC, NatWest, BNP Paribas und Wells Fargo. Bei französischen Dividenden muss man sich die 12,8%-Steuer einrichten, bei eigener Bank, für 3 Jahre, mit Bestätigung von Finanzamt und Formular 5000-DE.
Älteren Anleger steckt halt 2008 noch in den Knochen, als die US-Banken binnen Monaten 90% ihres Wertes abgaben.
Habe mir gerade nochmals den Chart der citigroup angesehen: In der Spitze stand sie vor 2008 schon bei über 400 €, um dann quasi über Nacht auf 11 € abzustürzen. Jetzt nach fast 20 Jahren notiert sie um die 100 €. Die wirklichen Langfristinvestoren haben damit kein Geld verdient.
Auch eine Wells Fargo hat über viele Jahre nichts abgeliefert, außer Skandale. Interessanterweise hat Warren Buffett sein Exposure bei den großen Instituten reduziert, anders als Tim.
Aber ich sehe auch schon, dass die Banken aufgrund der enormen Regulierungsdichte von AI erheblich profitieren und ihre Bürokratie verschlanken bzw. weitgehend automatisieren können, was ihre Profitabilität natürlich steigern würde.
Richtig Felix. Aufgrund all der Finanzkrisen werden die Banken von vielen Anlegern gemieden. Das wiederum macht sie recht günstig. Sie verdienen enorm viel Geld. Selbst der einstige Krisenfall Citi hat 5,8 Milliarden Dollar netto im ersten Quartal verdient. https://www.citigroup.com/rcs/citigpa/storage/public/Earnings/Q12026/2026prqtr1rslt.pdf
US Banken sind eine gute Investitiion. Bin selber auch in Banf of America und Wells Fargo investiert.
Sehr gut Susanne! Keiner scheint sich für sie zu interessieren.
Siehst du eigentlich angesichts der derzeitigen geopolitischen und wirtschaftlichen Turbulenzen eine (von vielen erwartete) Bankenkrise mit zahlreichen Bankenpleiten auf uns zukommen?
Zykliker sind meist teuer, wenn die KGVs niedrig erscheinen und günstig wenn die KGVs hoch bzw. n/a sind. Meiner Meinung nach muss man die genau anders herum angehen.
… sehr gut erkannt, genauso ist es.
LG
@-M
Helmut Johnen baut aktuell auch keine Bank- & Ölpositionen auf, da diese super gelaufen sind, teils besser als MAG7 und er ja immer dann kauft, wenn eine Branche eher auf einem 5 Jahrestief ist oder antizyklisch…
Dazu würde ich eh einwerfen wieso eine Bank, oder Ölfirma besser sein soll, als die Welt AG.
Ein sau schweres Feld, da was besseres zu finden, finde ich.
@-M
Hm, tatsächlich bin ich da auch viel zu viel Laie und habe nur Oxy billiger als 2 „Gurus“ und us Banc Corp mit morningstar fair value vor längerer Zeit ins Spiel-Depot gelegt… aber ist eigentlich nicht relevant.
Bei den Dividenden-Liebhabern finde ich es für fire nur mal mit meiner individuellen Brille (evtl. etf Ding, reguonal etc. pp.) auch speziell zum planen… Ich bekomme aktuell ca. 80 % der Ausschüttungen im 2. Halbjahr…?
Würde mir glaube bei fire, oder sonstigen Entnahme Ideen einfach 1 Jahr lang die Dividenden kummulieren lassen und dann den Betrag durch 12 Monate teilen, um einen Dauerauftrag anlegen. Das dann jedes Jahr kurz gegenchecken was rein kam und den DA anpassen. Dann ist der Zeitpunkt der Dividenden egal. Hab das nie verstanden. Wieso das bei manchen ein Thema ist, möglichst jeden Monat die gleichen Ausschüttungen zu bekommen.
@-M
Ist noch das alte Referenzdenken zum Gehalt…
Aber gut, richtig fire machen sowieso sehr sehr wenige und selbst die, wo es könnten arbeiten dann auch noch an irgendwas. ;-)
Bankaktien können in einem Wochenende grössenteils enteignet werden.
Letztes Beispiel CS in der Schweiz.
Die UBS war auch viel höher vor Finanzkrise.
Massive Geldabflüsse sind sozusagen der Tod aller Banken.
Welche Bank wird wohl als nächstes dran glauben.
Von amerikanischen Banken halte ich mich fern! Wenn der Schuldenberg weiter so exorbitant ins Rollen kommt und die finanzielle Schieflage ausartet und der Dollar abgewertet wird dann Gute Nacht US Banken !!
@ -M
Jepp, du sagst es. So ein KGV von 6 sorgt schon für Verwunderung. Beim Aktienfinder sehe ich entweder ordentliche Überbewertungen (JP Morgan) oder erst gar keine Bewertung aufgrund der unsteten Gewinnentwicklung (Citibank).
Ansonsten alles wie immer an der Börse. Erst rennt die Meute runter vom Parkett, jetzt kommt sie nicht schnell genug wieder rauf. Es wird gekauft wie irre, keiner möchte zu spät kommen.
So einen Anstieg im Depot habe ich seit Corona nicht gesehen. 30% in zwei Monaten.
Tja, wer den Weizen nicht hat wenn er fällt, der hat ihn auch nicht wenn er steigt….
Und wie war das eigentlich mit den stillgelegten ETF-Sparplänen neulich aufgrund des Irankriegs? So wird das jedenfalls nichts mit der Marktrendite.
Krisen voll mitnehmen war schon immer das lukrativste was man machen konnte. Ich will jetzt nicht WB zitieren, aber recht hatte er schon. Solange man davon ausgeht, dass am Ende alles gut bzw. besser wird, macht man einfach weiter. Oder, wenns echt doof kommt, pumpt man genau dann nochmal rein. Leider hab es keinen so richtig lohnenden Iran-Knick :-)
Das ist das schöne an Buy and Hold, no Timing und All-In: Keine Gedanken darüber verschwenden, wann es wohl Zeit ist (rechtzeitig) zurück im Markt zu sein. Die fette Rendite kommt nach dem Absturz. Und wenn man da zu 100% dabei ist…
Gerade die Angst der Herdentiere, nicht wieder beim großen Reibach dabei zu sein, sorgt für die Kaskade nach oben. Erst das Geld abziehen, dann wieder reinpumpen. Dumm. Gut, dass wir da nicht mitspielen müssen.
@Tim: Was denkst du über Aktien von BlackRock? Für Langfristanleger ok?