Blutbad im Supermarkt-Regal: Warum der Absturz der Lebensmittelaktien eine historische Chance ist

Die Wall Street liebt ihre Dramen. Wenn an der Börse eine neue Sau durchs Dorf getrieben wird, schaltet der Verstand vieler Marktteilnehmer auf Durchzug. Aktuell erleben wir das bei einer Branche, die eigentlich als der Inbegriff der Langeweile und Stabilität gilt: den großen Lebensmittelherstellern.

Egal ob Kraft Heinz, General Mills, Campbell Soup, Nestlé oder Mondelez – die Kurse sind in den vergangenen Monaten reihenweise in den Keller gerauscht. Wer sich die Charts ansieht, könnte meinen, die Menschheit hätte beschlossen, von heute auf morgen das Essen einzustellen. Ich stehe bei Kraft-Heinz und Campbell Soup tief im Minus. Und meine Eierfarm Cal-Maine ist auch leicht ins Minus gerutscht.

Doch was ist da eigentlich los? Und viel wichtiger: Warum sollten uns langfristig denkende Anleger diese roten Vorzeichen nicht in Panik versetzen, sondern vielmehr ein Lächeln aufs Gesicht zaubern?

Die Panik der Wall Street: Zinsen und Abnehmspritzen

Der Ausverkauf hat im Wesentlichen zwei Gründe. Erstens: Die gestiegenen Zinsen. Wenn man für sichere Staatsanleihen plötzlich wieder 4 oder 5 Prozent Zinsen bekommt, schichten viele kurzfristig orientierte Fondsmanager ihr Geld aus defensiven Dividendenwerten in Anleihen um. Das tat übrigens auch Warren Buffett.

Zweitens – und das ist die weitaus absurdere Geschichte: Die Angst vor den neuen Abnehmspritzen (GLP-1-Präparate) wie Ozempic oder Wegovy. Die Analysten in ihren New Yorker Wolkenkratzern haben sich eine wilde Theorie zusammengebaut: Weil ein paar Leute mit Medikamenten ihren Appetit zügeln, wird angeblich niemand mehr Schokolade, Müsli oder Ketchup kaufen. Der Kalorienkonsum der gesamten westlichen Welt werde einbrechen.

Das ist typische Wall-Street-Hysterie. Die Vorstellung, dass Milliarden von Menschen weltweit ihre Essgewohnheiten komplett umstellen und auf ihre Lieblingsmarken verzichten, ist völlig realitätsfremd. Gegessen wird immer. Und genau deshalb bieten die aktuellen Kurse fantastische Einstiegschancen für geduldige Buy-and-Hold-Anleger.

Lass uns einen Blick auf die „gefallenen Engel“ werfen:

Kraft Heinz: Die Dividenden-Maschine

Es ist kein Geheimnis, dass Kraft Heinz in der Vergangenheit Probleme hatte. Das extreme Kostensparen unter dem Management von 3G Capital hat der Innovationskraft geschadet, und der Schuldenberg war immens. Aber das Management steuert längst gegen. Die Schulden werden abgebaut, es wird wieder in Werbung und die Marken investiert. Heinz Ketchup, Philadelphia oder Kraft Mac & Cheese verschwinden nicht aus den Regalen. Warren Buffett hält nicht ohne Grund an seinem riesigen Aktienpaket fest. Bei den stark gedrückten Kursen winkt hier eine fette Dividendenrendite. Wer Geduld mitbringt, wird fürs Warten fürstlich bezahlt.

General Mills: Mehr als nur Müsli

General Mills (Cheerios, Häagen-Dazs, Old El Paso) hat es ebenfalls hart getroffen. Die Margen standen durch die Inflation unter Druck, weil sich die gestiegenen Rohstoffkosten nicht über Nacht an die Kunden weitergeben ließen. Doch das Unternehmen ist ein grundsolider Cashflow-Gigant. Was viele übersehen: General Mills hat mit der Übernahme von Blue Buffalo ein extrem starkes Standbein im Bereich Tiernahrung aufgebaut. Leute sparen vielleicht an einem Restaurantbesuch, aber am Futter für ihren Hund sparen sie zuletzt. Die Aktie ist historisch günstig bewertet. Das KGV ist einestellig.

Campbell Soup: Langeweile pur (und das ist gut so!)

Suppen und Snacks. Es gibt kaum ein Geschäftsmodell, das weniger sexy ist als das von Campbell Soup. Aber genau solche langweiligen, leicht verständlichen Geschäfte sind es, die langfristig Reichtum aufbauen. Campbell hat eine gigantische Preissetzungsmacht. Natürlich fluktuiert der Absatz leicht, wenn die Preise im Supermarkt steigen, aber die Dosen wandern am Ende trotzdem in den Einkaufswagen. Die aktuelle Schwächephase des Aktienkurses ist für Langfristanleger eine Einladung.

Nestlé: Der Fels in der Brandung im Ausverkauf

Sogar den größten Lebensmittelkonzern der Welt aus der Schweiz hat es erwischt. Nestlé ist eigentlich das ultimative Witwen-und-Waisen-Papier. Kaffee (Nescafé, Nespresso), Wasser, Tiernahrung (Purina) – Nestlé ist global derart diversifiziert und tief in den Lieferketten verankert, dass das Unternehmen nahezu unerschütterlich ist. Wenn ein Qualitätsunternehmen mit einem derart gewaltigen Burggraben an der Börse abgestraft wird, ist das selten ein Fehler des Unternehmens, sondern fast immer ein Fehler des „Mr. Market“. Ein klarer Fall zum Einsammeln und Liegenlassen. Dividende knapp 4%.

Mondelez: Die globale Snack-Garantie

Wer bei Oreo, Milka oder Toblerone an Diätpillen denkt, hat den globalen Konsumenten nicht verstanden. Mondelez wächst besonders stark in den Schwellenländern. Wenn dort die Mittelschicht wächst, ist einer der ersten kleinen Luxusartikel, den sich die Menschen gönnen, ein verpackter Marken-Snack. Mondelez hat eine hervorragende Stellung im Markt und wächst strukturell oft schneller als die Konkurrenz. Der jüngste Kursrückgang bietet die Chance, sich diesen Wachstumstreiber zu einem vernünftigen Preis ins Depot zu legen.

Fazit: Ignoriere den Lärm, kassiere die Dividenden

Lass dich von den Analysten-Downgrades und den reißerischen Schlagzeilen nicht verrückt machen. Die Börse schwankt, aber der fundamentale Wert dieser Unternehmen bleibt bestehen. Diese Konzerne haben Kriege, Hyperinflationen und zahllose Krisen überlebt.

Als langfristige Anleger sollten wir den aktuellen Pessimismus nutzen. Wenn Qualitätsaktien im Sonderangebot sind, muss man zugreifen. Kaufe die Aktien, reinvestiere die satten Dividenden und kümmere dich nicht um den Aktienkurs von morgen oder nächster Woche. In zehn oder zwanzig Jahren wirst du froh sein, dass du gekauft hast, als die Wall Street in Panik war.

Bleib diszipliniert! Dein Tim Schäfer

Disclaimer: Dieser Text ist meine persönliche Meinung – so wie immer. Und es ist keine Anlageberatung. Historische Renditen sind keine Garantie für zukünftige Entwicklungen. Mach immer deine eigenen Hausaufgaben, bevor du investierst.

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