Werter Tim, werte Community,
ich bin langjähriger Leser deines Blogs. 2011 entdeckte ich ihn und ich las erstmal rückwirkend alles ab 2008. Ich kann nicht sagen, dass der Blog eine große Bewusstseinsänderung für mich dargestellt hätte; eher rannte er bei mir eine offene Tür ein. Er gab mir Bestätigung, lange am Ball zu bleiben. Ich fand es toll, so einen Blog gefunden zu haben, der mir meine Anlagephilosophie spiegelt, wenn nicht sogar die Lebensphilosophie hinsichtlich der Sparsamkeit.
Seit April 2009 bin ich Aktionär. Mein erster Kauf: 3 SAPs à 30,40 €. Gebühren: 16,01 €. Man darf lachen. Aber ich musste mich erstmal zurechtfinden. Typisch für mich aber, dass ich vorab ein Buch las, das von Martin Weber: „Genial einfach investieren“*. Ich war sofort überzeugt und beherzigte den langfristigen Fokus und das Diversifizieren. Nur beachtete ich nicht, wenn ich 400 € diversifiziert anlege, verteilt auf fünf Titel, dass die Gebühren enorm sind, weil die Banken sich jede dieser fünf Transaktionen bezahlen lassen. Seitdem sind meine Käufe größer, mindestens 1.500 € groß, meistens aber mindestens 2.000 €.
Ich war nach dem Erhalt meiner ersten Dividende motiviert ohne Ende
Nach diesem ersten kleinen Lehrgeld zahlte ich dann auch direkt das zweite. Die erste Dividende kam am 5. Mai 2009: 2,70 € von Beiersdorf. Ich hatte die Aktie erst wenige Tage zuvor gekauft. Das Lehrgeld betrug 68 Cent Abgeltungssteuer und 4 Cent Solidaritätsbeitrag. Ich hatte vergessen, einen Freistellungsauftrag zu stellen. Das Steuerthema war mir bis dahin eher lästig. Aber ich war froh, dass ich zwei dieser Fehler schnell und günstig machen konnte. Trotz dieser Steuern auf die Beiersdorf-Dividende hatte mich das unglaublich motiviert. Es war ein erster kleiner Dopamin-Kick und ich wollte, dass die Dividendenzahlungen mehr und größer wurden.
Ich war schnell auf Langfristigkeit geeicht
Ich war schnell auf den langfristigen Fokus geeicht. Die Lektüre von timschaefermedia.com festigte mich. Es war die regelmäßige Bestätigung, auf dem rechten Weg zu sein. Ich machte mir persönlich auch Hochrechnungen in der Art:
1. Was passiert, wenn ich einen moderaten Betrag x monatlich wegspare und in Aktien investiere?
2. Was passiert, wenn ich das gestaffelt tue, also in jungen Jahren volles Rohr (> 2 mal x) und später dann weniger, um sich dann auch teurere Konsumwünsche zu erfüllen?
Ansatz 1 ist das, was einen Banken und Versicherungen vorrechnen, weil das Gros der potentiellen Kundschaft mental nicht in der Lage ist, richtig sparsam zu leben. Ich aber fand Ansatz 2 besser. Konsumwünsche verschieben und umso stärker vom Zinseszins profitieren. Ich bekam ja durch die Sparerei schon sehr früh einen Return of Investment ganz anderer Art: Ein dickes Depot lässt mich ruhiger schlafen. Ein paar 10.000 € bzw. später 100.000 € auf der hohen Kante zu haben, verändert die eigene Position erheblich. Was tun bei einem plötzlichen Job-Verlust? In kürzester Zeit was neues zu finden, ist ja auch nicht so leicht.
Motivation bezog ich vor allem aus steigenden Dividenden. Erst waren die Internetkosten abgedeckt, dann die Kaltmiete, dann auch die Warmmiete, irgendwann die gesamten Fixkosten. Ich vermute, viele Dividendensparer machen solche Überlegungen.
Mein Depot hat einen Wert von 868.000 Euro, es sind überwiegend Blue Chips
Ein paar Kenngrößen zu meinem Depot:
Anzahl Titel: 47, Volumen: 868.000 € (29. Mai 2026). Am liebsten habe ich Blue Chips, d.h. gestandene Firmen. Das Depot wächst stur und stetig:

Man sieht deutlich den Corona-Einbruch im März 2020. Was die Ursache vom Einbruch 2025 war, habe ich schon vergessen. (Irgendwas mit Trump, glaube ich.) Und das ist ja das Verrückte: Mir ist das mittlerweile ziemlich egal. Im März 2020 wurden meine sämtlichen Kursgewinne rasiert. Ich stand bei +/- 0, wenn man mal die Dividenden außen vor lässt. Ich verkaufte nichts, nein. Stattdessen kaufte ich nach! Seit vielen Jahren kaufe ich jeden Monat was hinzu. Es verlangt also noch, dass ich aktiv werde, aber mental bin ich auf Autopilot.
Was noch auffällt: Ich erinnere noch sehr gut an Kurseinbrüche und massives Kurswachstum von vor über 10 Jahren, beispielsweise im Januar 2015. Davon ist im Diagramm nichts mehr zu sehen, aber wie ich das damals erlebt habe, überwiegt die weit voluminöseren Kursbewegungen (in absoluten Zahlen) ab 2023. Emotional hat sich da vieles geändert.
Meine Dividenden kommen auf 19.073 Euro im Jahr
Meine Dividenden im Jahre 2025 betrugen 19.073 €. Es ist ein schönes Zusatzeinkommen und sie sind meine Hauptmotivation. Jeden Monat kommt was rein. Irgendwann wird das so groß sein, dass ich auf Erwerbsarbeit nicht mehr angewiesen bin. Ich spiele immer folgnedes Szenario gedanklich durch: Sollte ich ab sofort nichts mehr vom Gehalt ins Depot stecken können oder wollen, dann wäre das Depot nur auf sein intrinsisches Wachstum angewiesen. Und wenn man 8 % annimmt, dann ist Zinsfaktor 1,08 und auf 15 Jahre entspräche das: 1,0815 = 3,17. Und diese 3,17 * 868.000 € = 2,75 Millionen € in den kommenden 15 Jahren. Man kann davon ausgehen, dass die Dividenden genauso um 8 % steigen müssten, natürlich im Durchschnitt auf lange Zeit. Meine Dividenden wachsen auch in jedem Jahr, durch die regelmäßigen Steigerungen, aber auch durch Zukäufe:

Meine Lehre aus meinem Aktionärsdasein: Ruhe bewahren und weiter machen
Die größte Lehre aus meinen 17 Jahren Aktionärsdasein: das Bewahren der Ruhe und auf die Langfristigkeit zu vertrauen. Ich habe es ja selbst unterschätzt, obwohl ich die Mathematik dahinter verstand. Es sind aber die Emotionen, die man im Griff haben muss. Ich habe mir zur Devise gemacht, dass ich immer Geld vom Gehalt ins Depot fließen lassen möchte, auch wenn es nicht mehr notwendig ist. Warum eine gute Verhaltensweise aufgeben? Umso mehr man reingibt, umso besser kann es wirken. Und umso früher man das tut, desto besser.
Was ich auch immer gerne mache: Depotwert geteilt durch Jahre als Aktionär. 868.000 € / 17 Jahre = 51.059 € / Jahr. Das hätte ich aufbringen müssen bei „linearem Sparen“, also bei 0 % Zins. Für die meisten Angestellten unmöglich. Wenn es in 15 Jahren die gerade errechneten 2,75 Mio € sind, dann waren 32 Jahre notwendig. 2,75 Mio € / 32 = 85.937 € pro Jahr. Die Differenz zwischen diesem Quotienten und dem tatsächlich aus dem Arbeitseinkommen entnommenen Sparbeiträgen, das ist der Zinseszins, der unglaubliche Hebel, bie dem bestrebt sein muss, dass er für einen und nicht gegen einen arbeitet.
Die Hannover Rück ist eine Perle
Eine deutsche Perle aus meiner Anfangszeit, die ich bis heute halte, möchte ich noch vorstellen: Hannover Rück. Die Hannover Rück kaufte ich im November 2010, 103 Stück à 37 €. Seitdem wurde die Dividende fast jedes Jahr erhöht. Aktuell ist meine persönliche Dividendenrendite bei ca. 33 %.

8.765,30 € hat die Hannover Rück bereits an mich ausgeschüttet, also mehr als Doppelte meines ursprünglichen Investments. Ich finde das beeindruckend und man sieht an dem Beispiel sehr schön, dass ich lange halte kann. Bei steigenden Dividenden ist das auch keine große Kunst.
Mir fehlt noch mein erster Tenbagger
Leider habe ich bis heute keinen Tenbagger dabei, aber das wird sicherlich noch kommen. Einen weiteren Fehler machte ich gewiss: Viel zu spät habe ich auf die US-Wirtschaft gesetzt und auf deren Tech-Werte. Apple erst 2016 gekauft, aber immerhin 880 % im Plus. Apple ist auch meine größte Position von über 90.000 €
Der zu späte Einstieg bei Apple & Co. ist der Preis, wenn man eher konservativ ist und man 2000 den Crash des Neuen Marktes beobachtet hat und eher skeptisch bei vielen IT-Titeln ist, mit Ausnahme von der SAP, die ein Image wie Krupp oder Siemens pflegt. Aber genau dieser Charakterzug, bei Hypes an der Seitenlinie stehen zu bleiben, bewahrt mich dann vor Zocks wie mit VW oder Wirecard, und auch vor IPOs. Sowas wie 3D-Druck ließ mich auch kalt. Vor gut 10 Jahren war es das Thema und viele dachten, das wäre das neue Zugpferd. Heute hört man fast gar nichts mehr darüber und ich kann noch nicht einmal Firmennamen mit 3D-Druck verknüpfen. Und was ist aus den Cannabis-Aktien geworden?
Ich bin genügsam, hab kein Auto und mache keine Flugreisen für Urlaube
Grundlage vom allen ist meine genügsame Lebensweise. Ich bin da so wie Tim, habe kein Auto und ich überdenke Konsumausgaben. Ich brauche auch keine Statussymbole. Bis heute habe ich noch keine Flugreise zu Urlaubszwecken unternommen. Im Sommer bin ich meistens mit dem Fahrrad unterwegs. Ich bin in der Natur und komme gut herum.
Zusätzlich wandere ich gerne. Das ist ideal, wenn man zwei, drei Tage mal abschalten will. Im letzten Jahr bin ich nach etwas mehr als 2 Jahren regelmäßigen Wanderungen Harzer Wanderkaiser geworden und mir war das Geld für die vielen Übernachtungen im Harz nicht zu schade. Es waren für mich Investitionen in Gesundheit und Wohlbefinden. Viele vergessen, was für schöne Landschaften wir in Europa haben. Hier ein Foto aus meinem geliebten Selketal, zwischen Mägdesprung und Burg Anhalt:

Wandern hat seinen Reiz von der Langsamkeit und das ist ja bei den Langfristinvestments nicht anders. Als Jugendlicher hätte es mir nicht gefallen, aber man ist ja in der Jugend auch ungeduldiger. Kann man sich einen hypernervösen Daytrader auf diesem Wanderweg vorstellen?
KAKFIF: Private Rentenversicherungen, Gehaltsumwandlungen, Riester… das kommt auf keinen Fall in Frage
Ich weiß, wenn jetzt nichts großartig mehr anbrennt, ich in wenigen Jahren ein siebenstelliges Depot vorweisen werde. Altersvorsorge hat sich erledigt, aber das weiß ich schon seit Jahren. Ich habe schon ca. 2012 im SPON-Forum die Leute damit genervt, dass man nur Aktiensparen betreiben müsste und dass eigentlich jeder mit einem Durchschnittsgehalt Millionär werden kann. Dafür wurde ich angefeindet. Und was private Rentenversicherungen, Gehaltsumwandlungen, Riester usw. angeht, fällt mir nur das Akronym KAKFIF ein: kommt auf keinen Fall in Frage. Das ist renditearmes, betreutes Sparen. Da wird auf Mündelsicherheit gesetzt, was aber bei einem 40 Jahre langem Spargang so unsinnig ist, als wenn sich ein Grönländer einen Kühlschrank kauft.
Arbeiten muss ich natürlich noch, was ich nicht schlimm finde, weil es ja Spaß macht. Das ist ja überhaupt das wichtigste: Eine Arbeit zu haben, mit der man sich identifizieren kann, die dann hoffentlich auch gut Pinkepinke einbringt. Mein Depot eröffnet mir heute schon Handlungsspielräume. Ich brauche den 911er in der Tiefgarage nicht. Das Wissen darüber, dass ich mir einen kaufen könnte, reicht mir schon.
Joar Glückwunsch zu dem hohen Depotbetrag. Trotzdem würde ich mal in ein Flugzeug steigen und fremde Länder bereisen. Von den Erinnerungen und dem Erlebten zehrt man länger und mehr als von der wachsenden Depotgrösse.
Mich würde noch die Höhe der Sparrate interessieren und wie so die Performance über das gesamte Investmentleben p.a. war / ist.
Gut gemacht! Etwas mehr Details zur besseren Einordnung fände ich jedoch hilfreich: Familie, Immobilien? Gab es Erbschaft oder Schenkung? Was für ein Gehaltsbereich? Job? Hannover Rück gefällt mir.