Ein Leser hat mich gefragt, was ich von dem geplanten „Altersvorsorgedepot“ der Bundesregierung halte. Es ist ein enormer Fortschritt, wenn du dir den Riester-Schrott anschaust. Ich bin also froh, was Berlin auf die Beine stellt. Attraktiv ist auch die staatliche Förderung, das wird bestimmt viele Menschen motivieren, etwas zu tun.
Das Altersvorsorgedepot ist eine moderne, renditestarke Alternative zur unbeliebten Riester-Rente. Zum Glück hat die Abzockerei mit Riester-Produkte ein Ende. Die Finanzbranche hat hier zum Teil die Sparer nach Strich und Faden ausgenommen, die Gebühren waren extrem. Es war lange Zeit ein Geldgrab für die Menschen, eine herzlose Abzockerei. Ich habe das so furchtbar empfunden, weil es hier um die Altersvorsorge geht. Der Staat hat seine Bürger im Grunde im Stich gelassen mit dieser Gebührenhuberei. Mit dem neuen Sparmodell sind die Kosten besser im Griff. Sie sollen bei 1% gedeckelt sein. Immerhin.
Aber: Ich spare in den USA mit keinerlei Kosten mit Aktien und ETFs für die Rente über ein Altersvorsorge-Depot namens SEP IRA, was wunderbar ist. Also Kosten von 0% wären in Deutschland wünschenswert. Die Broker machen das gratis, weil sie so Kunden bekommen, denen sie andere Produkte „andrehen“ können (weitere Depots, Hypotheken, Fonds, Vermögensverwaltung, Kreditkarten etc.)
Das Altersvorsorgedepot sieht so aus
Die Eckpunkte dieses neuen Konzepts in Deutschland (das ab 1. Januar 2027 greifen soll) sehen so aus:
- Verzicht auf starre Garantien: Das war das Hauptproblem bei Riester. Die Anbieter mussten zu 100% garantieren, dass du deine eingezahlten Beiträge im Alter zurückbekommst. Um das zu sichern, mussten sie das Geld sehr konservativ (z. B. in festverzinsliche Papiere) anlegen, was in der Niedrigzinsphase die Rendite aufgefressen hat. Beim neuen Altersvorsorgedepot sollst du auf diese Garantie verzichten können, um voll von den höheren Aktienrenditen zu profitieren.
- Auswahl an Wertpapieren: Du sollst ein spezielles Depot eröffnen können und dort selbst entscheiden, worin du investierst – vorzugsweise in günstige, breit gestreute ETFs oder Aktienfonds. Einzelaktien sollen nicht möglich sein. Ebenso sind Kryptowährungen ausgeschlossen.
Die „Do-it-yourself“-Lösung: Privat mit ETFs vorsorgen (flexibel & eigenverantwortlich)
Du musst nicht auf die Pläne der Regierung warten. Ich würde beides umsetzen. 14,1 Millionen Deutsche besitzen bereits Aktien oder ETFs (Exchange Traded Funds), so viele wie noch nie. Dieser positive Trend dürfte sich mit der Reform der Bundesregierung fortsetzen. Das ist mittlerweile sehr einfach und günstig.
Wie das funktioniert:
- Das Prinzip ETF: Ein ETF ist ein börsengehandelter Indexfonds, der einfach einen Marktindex nachbaut – zum Beispiel den MSCI World oder den FTSE All-World. Wenn du in so einen „Welt-ETF“ investierst, kaufst du automatisch winzige Anteile an Tausenden der größten Unternehmen der Welt (Apple, Microsoft, Toyota, Nestlé etc.).
- Vorteile: ETFs sind extrem günstig, da kein teurer Fondsmanager bezahlt werden muss. Zudem streust du dein Risiko weltweit. Geht ein Unternehmen pleite, fangen die anderen 3.000 Unternehmen im ETF das auf.
- Der Sparplan: Du eröffnest ein kostenloses Depot bei einem Online-Broker oder deiner Bank und richtest einen monatlichen Sparplan ein (das geht oft schon ab 10 oder 25 Euro im Monat). Das Geld wird automatisch von deinem Girokonto abgebucht und in den ETF investiert.
Die drei goldenen Regeln für die ETF-Vorsorge
- Langer Atem (ab 15 Jahre): Je länger du das Geld anlegst, desto besser. Auf Zeiträume von 15 Jahren oder mehr gab es bei weltweiten Aktien-ETFs in der Historie so gut wie nie Verluste, sondern durchschnittliche Renditen von ca. 6 bis 8 % pro Jahr.
- Der Zinseszinseffekt: Die Erträge (Dividenden und Kursgewinne) bleiben im ETF und erwirtschaften im nächsten Jahr wieder eigene Erträge. Über 20 oder 30 Jahre wächst dein Vermögen dadurch exponentiell.
- Krisen aussitzen: An der Börse wird es immer wieder Crashs geben (wie zur Finanzkrise oder zu Corona). derzeit hinterlässt der Krieg im Iran Bremsspuren an den Börsen. Wichtig ist: Nicht in Panik verkaufen! Wer den Sparplan einfach stur weiterlaufen lässt, kauft in Krisenzeiten die ETF-Anteile günstiger ein und profitiert doppelt, wenn die Kurse wieder steigen.
Die Förderung vom Staat: Kleinvieh macht auch Mist
Wer in dieses Depot einzahlt, wird vom Staat belohnt. Es gibt steuerliche Vorteile. Das Geld wird nämlich aus dem Bruttoeinkommen gespart und erst in der Rente versteuert. Besonders Familien und Geringverdiener sollen von großzügigen Förderungen profitieren.
Die Förderung soll einfacher funktionieren als bisher bei Riester-Produkten. Sparer erhalten vom Staat 30 Cent für jeden eingezahlten Euro – für die ersten 1.200 Euro pro Jahr. Für darüber hinausgehende Beiträge gibt es 20 Cent pro Euro, bis zur Höchstgrenze von 1.800 Euro jährlich. Die maximale Grundzulage liegt damit bei 480 Euro pro Jahr.
Zusätzlich profitieren Familien: Für jedes Kind mit Anspruch auf Kindergeld gibt es 25 Cent Förderung pro eingezahltem Euro, gedeckelt auf 300 Euro pro Kind und Jahr. Voraussetzung ist ein Mindestbeitrag von 120 Euro jährlich.
Bis 2029 steigt die Grundförderung von 30 auf 35 Cent je Euro. Ferner gibt es einen Bonus pro Kind, und zwar 25 Cent je Euro an Eigenbeitrag. Hier beträgt die maximale Förderung 300 Euro pro Jahr.
Als Altersvorsorgebeiträge kann man bis zu 1.800 Euro als Sonderausgaben in der Steuererklärung geltend machen.
Du kommst an das Geld vor dem Renteneintrittsalter nicht dran (oder nur mit erheblichen finanziellen Nachteilen). Es ist streng für die Altersvorsorge gedacht, was gut ist. Es ist ähnlich ausgestaltet wie das 401(k)-System in den USA, wobei dort viel größere Summen jedes Jahr investiert werden können. Und für wen lohnt sich das neue deutsche Börsensparmodell? Gerade für junge Menschen. Durch den Zinseszinseffekt kann sich das für sie üppig auszahlen.
Du bist mit einem privaten Depot flexibler
Der Hauptunterschied zum Regierungs-Depot: Bei der privaten Do-it-yourself-Lösung gibt es keine direkten staatlichen Zulagen. Dafür bist du zu 100 % flexibel. Wenn du in 10 Jahren dringend Geld für ein Haus brauchst, kannst du deine ETFs jederzeit verkaufen.
Ich würde beide Depots machen. Zum einen das staatlich geförderte ETF-Depot. Zum anderen ein eigenes privates Depot, das du nach eigenen Regeln füllst. Achte auf die Kosten. Denn wenn die zu hoch sind, geht das über die Dekaden ganz schön ins Geld.
Hallo Tim,
von der Sache her ,der richtige Schritt,aber unsere Finanzindustrie ist erfinderisch wenn es um den Unterhalt geht.Dann kommt ein Verwahrendgeld oder Verwaltungsgebühr hinzu.Oder das Depot wird in eine Tochtergesellschaft ausgegliedert,das kostet natürlich….
Ich kenne das von meiner VML.Zum Ende hatte ich drei Finanz Zuhälter an der Backe.Man muß abwarten wie sich das gestaltet.
Gruß Marco
Wie ist das mit der Besteuerung nach auslaufen und Zuteilung des Altersvorsorgedepotes? Kann man dazu auch etwas aussagen?
Das wird dann nachgelagert besteuert.
Auszahlungsphase (ab 65-70 Jahre):
Vielen Dank für die schnelle Info!
…Auszahlung von bis zu 30% des Gesamtkapitals. Warum nicht die gesamten 100%? Mit solchen Verträgen hätte ich kein gutes Gefühl!!
Also ich bin da ehrlich gesagt auch vorsichtiger. Bei aller Euphorie und so richtig wie dieser Schritt sein mag, aber unsere Politiker „hassen“ Aktien und alles was damit zu tun hat. Mich würde nicht wundern wenn man das Ganze auf die Beine stellt, mit viel Steuergeld die Menschen anlockt und dann die Gesetze zum Ungunsten der Betroffenen „anpasst“. Ideen haben die Sozialisten genug um die Bürger zu schröpfen.
Hallo. Ich halte es nicht für sinnvoll. Unser Staat schröpft Sparer letztendlich immer ab. Lasst in Deutschland die Finger von so was weg. Es wird sich nicht lohnen.
Im Prinzip ist das Ganze wieder so etwas, wo Politiker meinen, das Rad neu erfinden zu müssen. Wieso nicht einfach etwas übernehmen, was in anderen Staaten gut funktioniert?
Dann ist die Frage, was auf 1% gedeckelt ist. Die Gesamtkosten? Wohl kaum. Ich vermute mal, dass das die Depotkosten sind. Dann kämen da aber noch die Fondskosten hinzu. Und schon würde man bei über 1% landen. Und die Banken hätten wieder einen Goldesel. Ich kann mich noch erinnern, als ich nur ein Depot bei der lokalen Bank hatte (ja, früher gab es keine so goldenen Zeiten wie jetzt) und alles über einen „Berater“ lief. Da wollte man das Wort „ETF“ überhaupt nicht hören.