Hier an der Wall Street spürt man förmlich, wie die Gier den Markt dominiert. Die Indizes eilen von Rekord zu Rekord, getrieben von einem schier grenzenlosen Optimismus, vor allem im Technologiesektor. Doch wer schon einige Börsenzyklen miterlebt hat, bei dem schrillen angesichts der aktuellen Bewertungen langsam die Alarmglocken. Ich habe den Dotcom-Crash 2000 in Frankfurt erlebt. Damals sind hochgetriebene Aktienkurse von AOL, Brokat, EM.TV oder Mobilcom kollabiert. Die Kurse haben sich nie mehr richtig erholt.
Wenn Bewertungen den Bezug zur Realität verlieren
Werfen wir einen nüchternen Blick auf die Zahlen: Manche Kurs-Gewinn-Verhältnisse (KGV) sind mittlerweile irre hoch. Wir sehen Unternehmen am Markt, die mit dem 50-, 80- oder gar über 100-fachen ihres Jahresgewinns gehandelt werden. Zur Erinnerung: Ein KGV von 100 bedeutet, dass es bei gleichbleibenden Gewinnen ein Jahrhundert dauern würde, bis das Unternehmen den heutigen Börsenwert erwirtschaftet hat. Es liegt an der KI-Euphorie. Palantir zum Beispiel wird mit einem irren KGV von über 113 gehandelt. Aufgeblasen wie ein Ballon sind auch die Cyberfirmen wie Crowdstrike (KGV von fast 100).
Das hat mit klassischem Value Investing nicht mehr viel zu tun. Hier wird extrem viel Zukunftshoffnung eingepreist. Sobald ein Unternehmen in diesem Umfeld auch nur minimal die hochgesteckten Erwartungen verfehlt, drohen dramatische Kursabstürze.
Der Lieblingsindikator der Investorenlegende
Ein verlässlicher Kompass in solchen euphorischen Zeiten ist für mich der sogenannte Buffett-Indikator. Warren Buffett nutzt diese Kennzahl gerne, um die Temperatur des Marktes zu messen. Der Indikator setzt die gesamte Marktkapitalisierung des Aktienmarktes ins Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) eines Landes. Dieser Indikator befindet sich derzeit auf einem Rekordhoch bei 230 % in den USA. Boa!
Die Logik dahinter ist minimalistisch und einleuchtend: Der Aktienmarkt kann und sollte langfristig nicht schneller wachsen als die zugrunde liegende reale Wirtschaft. Aktuell notiert dieser Indikator in den USA massiv über seinem historischen Durchschnitt. Übersetzt in Buffetts Sprache signalisiert das eindeutig: Der Markt ist historisch teuer und deutlich überbewertet. Eine Korrektur wäre aus fundamentaler Sicht keine Überraschung, sondern eine gesunde Normalisierung.
Keine Panik, sondern eiserne Disziplin
Heißt das nun, wir sollten alles panisch verkaufen und an die Seitenlinie treten? Definitiv nicht. Market-Timing funktioniert nicht, und „Hin und her macht Taschen leer“.
Gerade in solchen Phasen zeigt sich der wahre Wert der Buy and Hold-Strategie. Geduld zahlt sich aus. Das sehe ich auch bei meinen eigenen Investments: Wer qualitativ hochwertige Unternehmen kauft und stur durch die Marktphasen hält, wird belohnt. So verbuchte ich mit meinen Intel-Aktien, denen ich über Jahre hinweg die Treue gehalten habe, beachtliche langfristige Kursgewinne. Ich stehe 120 % im Plus. Aber es war ein steiniger Weg. Und ja, die Intel-Aktie ist mittlerweile auch teuer geworden. Anstatt auf jeden kurzfristigen Hype aufzuspringen, profitiert man am meisten, wenn man den Zinseszins ungestört für sich arbeiten lässt. Und wenn man in Krisen einsteigt bzw. aufstockt.
Fazit für den Wall-Street-Minimalisten
Mein Ansatz bleibt auch in diesen hitzigen Marktphasen unverändert. Ich renne keinen astronomischen KGV-Wundern hinterher. Der Fokus liegt weiterhin auf:
- Substanz statt Hype: Investitionen in hochprofitable Unternehmen mit soliden Bilanzen.
- Dividendenwachstum: Der Fokus auf Dividendenkönige und Dividenden-Aristokraten, die auch in Krisenzeiten ihre Ausschüttungen steigern.
- Frugalismus beim Handeln: Wenig traden, Kosten niedrig halten und das Kapital langfristig binden.
Wenn der Gesamtmarkt extrem teuer ist, halte ich mein Cash für größere Neuinvestitionen vielleicht etwas trockener und kaufe gezielt dort nach, wo es noch echte Werte gibt. Etwa beim kriselnden Krankenversicherer UnitedHealth, Nike oder Eierproduzenten Cal-Maine. Cal-Maine wird zum Beispiel mit dem 5-fachen Gewinn gehandelt. Der landwirtschaftliche Betrieb scheint alles andere als teuer zu sein. Vor allem aber freue ich mich über die stetig fließenden Dividenden meiner Bestandswerte.
Lasst euch von der Wall-Street-Euphorie nicht verrückt machen und bleibt eurer Linie treu!
Der Dow ist bei 50.000.
Sollte er um 40% korrigieren fällt er auf den Wert von 2023.
Warren findet den Markt zu teuer seit wann, seit 2014 oder so (?).
Er wird in die Geschichte eingehen als Verursacher der allerteuersten Opportunitätskosten.
Er timed den Markt extrem und dabei sagt er selber man kann nicht timen.
BRK ist ein weiterer Beweis dafür, dass man nicht timen kann.
Gegen eine saftige Dividende von Berkshire hätte ich die letzten Jahre nichts einzuwenden gehabt. Das Geld bekomme ich schon investiert.
Zahlen sind wichtig. Das Geschäft ist wichtiger. Und die Zukunftsaussichten sind am wichtigsten. Richtig: die Unsicherheiten nehmen in dieser Reihenfolge zu.
Amazon 2011 bei KGV 100 gekauft.
Wow. Da bist Du früh bei Amazon dabei gewesen. Klasse.
Tim, vielleicht muss man auch die Spreu vom Weizen trennen. Ja, Börse bekommt durch die 0%-Gebühren-Neobroker und die hohen Kursgewinne der letzten Jahre Casinocharakter.
Jeder will dabei sein, wenn sich eine Firma für Datenspeicher mal eben im Preis verzehnfacht in einem Jahr. Die Gier lockt an.
Wenn ich mir aber Amazon, Alphabet, Meta, Microsoft und Nvidia anschaue, komme ich je nach Datenanbieter auf PEG-Werte zwischen 0,6 und 2,2. Teuer ist anders. Die digitale Transformation ist in vollem Gange.
Ich schaue mir gerne das KGV an. Und da ist zum Beispiel Alphabet mit einem KGV von 28. Das ist ziemlich üppig. Klar liefern sie super Zahlen. Aber im Kurs sind schon viele Vorschusslorbeeren eingepreist. Ich habe übrigens die Alphabet selbst im Depot und sie bleibt dort. Nur weiß ich, dass die Bewertung würzig ist. https://finance.yahoo.com/quote/GOOGL/key-statistics/
Wichtiger als KGV ist jetzt das durchschnittliche KUV in US-Indizes und das ist heute höher als vor dem Crash im Januar 2000.
Für mich sind wichtig nur die Dividenden und im Mai kommt das meiste Geld aus Dividenden. Ich halte nur wenig steigende Dividenden-Aktien.
Dividenden in Mai:1.5. AT&T
5.5. Natwest, Munich Re
6.5. BASF
7.5. British American Tobacco, Sanofi
12.5. Allianz
19.5. BMW
15.5. Procter & Gamble
20.5. BNP Paribas
So pauschal kann man das nicht sagen. Im gegensatz zur Dot com Blase, machen die große Player heute nämlich Gewinn. Oft sogar irre viel. Alphabet, Nvidia, Seagate usw usw. Und es kommt ja auch auf Alleinstellungsmerkmale an. Palantir hat das quasi in seinem Bereich. Und wenn man ehrlich ist, Buffet hat schon länger keine guten Entscheidungen mehr getroffen. Er sagte früher, dass Unternehmen nur Dividenden ausschütten sollten, wenn sie nicht wissen, was sie sonst damit machen sollen. Berkshire hat mittlerweile einen so hohen Cash Bestand, der zeigt, dass sie auch nicht wissen was sie machen sollen. Also schüttet endlich was an die Aktionäre aus. Oder kauft Unternehmen hinzu.
@ Intel
Eine unerwartet positive Kursentwicklung hat Intel hingelegt, verstärkt noch einmal in den letzten Wochen.
Der aktuelle Kurs hat sich vollkommen von der geschäftlichen Entwicklung gelöst. Die momentane Bewertung ist derart hoch, dass es so aussieht, dass Intel diese Zahlen zukünftig kaum real erreichen kann, d.h. (für mich), dass demnächst (größere) Enttäuschungen anstehen könnten…(Novo-Nordisk lässt grüßen…)
Aus diesem Grund und weil Intel inzwischen um die 10% meines Depotwertes erreicht hat, habe ich einige gestaffelte Verkaufsorders platziert. Die erste wurde soeben ausgeführt.
Da wird sich meine KV freuen, da ich hierdurch für dieses Jahr den Höchstbeitrag bezahlen darf… Das Finanzamt geht zum Glück leer aus, da meine Aktien vor 2008 gekauft wurden.
Insgesamt werde ich meine Position um mindestens 30% reduzieren, je nach Kursverlauf auch bis zu 50%. Sollte der „Hype“ weitergehen, bin ich nach wie vor dabei, ist die Party vorbei, habe ich immerhin ca. 600% steuerfreien Gewinn für die Teilposition realisiert.
Wo ich das frei werdende Kapital wieder anlege, steht noch nicht fest. Im Fokus stehen:
Adobe
SAP
Beiersdorf
Gen. Mills
Resmed
Stryker
Danaher
Zoetis
Automatic Data Processing
und einige andere.
LG
Ich habe die intel seit 2010 im Depot und wollte sie schon längst mal rausschmeißen, weil ich eigentlich schon jedwede Hoffnung verloren hatte. Glücklicherweise war ich noch nicht zum Frühjahrsputz gekommen, als sie anfing, einen Monsterlauf hinzulegen: Der CEO, Einstieg der Regierung, Kooperation mit Elon Musks Terafab und die die Sorgen um Chinas Gelüste auf Taiwan machten intel plötzlich zu einem strategischen Investment.
Was macht damit? Anstieg im letzten Monat 200%, binnen einen Jahres 430 %, die letzten Tage waren Tagesanstiege von über 10 % keine Seltenheit.
Gewinne(r) lauf lassen oder Gewinne mitnehmen?
@ Felix
… ging mir ähnlich, mit den Gedanken ans Rausschmeissen. Ich habe mich damals dagegen entschieden, weil meine gesamte Position steuerfrei ist und ich zumindest eine kleine Erholung erwartet habe.
Der Kurs hat jeden Bezug zur Realität verloren, doch das spielt momentan keine Rolle. Ich nutze diese wunderbare Gelegenheit für Teilverkäufe und habe gestern mit gestaffelten Verkäufen um 20% reduziert und damit mehr Gewinn erzielt, als die ganze Position noch vor einigen Monaten wert war… Ist aber keine Empfehlung für dich, denn vielleicht steht der Kus ja bald noch deutlich höher…
LG
Bei Intel denk ich immer an die Oma aus dem Film €-Mail für dich.
Die in dem Film sagte sie habe Intel zu 6$ gekauft.
@ Leonie
… da komme ich nicht ganz mit, meine restlichen Intel habe ich in 6 Käufen zwischen 11 und 18 EUR zwischen 2006 und 2008 gekauft, Durchschnittskurs 15.
Film ist von 1998!
Also seitdem 2 Aktiensplits bei Intel. Wäre also ein Einstandspreis von 1,50$
Da sage noch einer, Börse sei leicht. Nicht nur fallende Kurse bereiten Kopfzerbrechen, sondern auch solche Monsterrallys, wenn man sie im eigenen Depot hat und eine Position plötzlich explodiert: Ging mir bereits mit Tesla, Palantir und Softbank so und jetzt eben mit intel.
Für Tim wäre die Sache klar: buy and hold forever.
Aber ich glaube, ich werde trotz Steuer, mal ein paar Chips (passende Wortspiel hier) vom Tisch nehmen.
Meine Erkenntnis: Letztlich kann sich so ein Wert wie Phönix aus der Asche nach jahrelangen Siechtum wieder erholen und 5x oder 10x machen. Auch eine IBM, die ich schon rausgeschmissen habe, hat sich wieder berappelt.
Kosto sagte damals, ihm sei es lieber, wenn seine Papiere um 0,X% die Woche nach oben gingen und gemächlich ein Vermögen aufgebaut würde.
Sobald Aktien um mehre dutzend, heute ja eher hunderte Prozent in wenigen Wochen/Monaten nach oben schießen, sind die „Spieler“ mit an Bord. Die interessiert der schnelle Schnitt, sonst nichts.
Und dann siehst du deine schönen, schnellen Gewinne irgendwann vergehen. Traurig, auch wenn man eigentlich Langfristinvestor ist.
Da gibt’s doch aktuell nichts besseres, wenn die Papiere eh gehen sollen. Glück gehabt.
Aktuell gibt’s ja jede Woche irgendwo den Irrsinn mit Verdopplungen am Stück. Ist mir zum ersten Mal bei 3D-Systems aufgefallen, später canopy growths oder auch SMC. Hat was von Casino.
Stimmt schon: Börse Online hat das Spiel verändert. Irgendwo Mal schnell 100% sind möglich.
Da sind die 150% mit Alphabet in einem Jahr nur Peanuts….
Tja, Qualität kostet halt oder wie war das? Wirklich günstig waren die Globalplayer wie die MAG7 nie. Und trotzdem kommt ein ATH nach dem anderen.
Aber wer so ne Bumsbude wie Kraft Heinz haben will, kann sowas ja gerne kaufen. Ich kaufe dann lieber eine KGV 100 Aktie, die stetig von links unten nach rechts oben geht :)
Was den Markt betrifft: Schön anzusehen wie das Depot explodiert. Aber irgendwie auch traurig, so muss der Sparplan teurer ausgeführt werden.
Vielen Dank, Tim, für den Artikel.
Ich empfinde es schon als beunruhigend, dass so viel Unruhe am Markt ist, ich habe den Eindruck Aktien knallen extrem hart und runter nur aufgrund relativ kleiner Meldungen. Und an ETFs scheint man alles kaufen zu können, alles scheint zu steigen, ob Industrieländer, Emerging Markets, Small Caps – völlig egal. Ich habe hier auch den Eindruck, dass zumindest teilweise Aktienkurse von den realen Gewinnen und Gewinnmöglichkeiten der Unternehmen entkoppelt werden – und dass auch alle ETFs laufen, lässt mich aufhorchen. So schön die Zahlen im Depot sich auch ansehen lassen.
Und bezüglich Berkshire: Ich halte sehr viel von dem neuen CEO Greg Abel. Und wer glaubt, man könne nicht mehr viel Gewinn mit der Aktie machen, der irrt aus meiner Sicht. Wenn man nur auf den Kurs des vergangenen Jahres schaut, mag man enttäuscht sein, wenn man sich die Unternehmen in Berkshire und die Margen anguckt, kann man aber sehr zufrieden sein. Ich halte an Berkshire fest.
Ich liebe Deine Videos Tim
Wie geht es Eurem Sohn ?
@Tim: Hast Du etwas von Nikos gehört ? Gibt es in naher Zukunft ein Update von ihm ? Würd emich sehr freuen !