Crash-Propheten entzaubert: Warum Angst sich verkauft, aber Optimismus dich reich macht

Schaltet man in Deutschland den Fernseher ein oder blättert durch die großen Finanzportale, könnte man meinen, die Welt steht kurz vorm Abgrund. Die Schlagzeilen schreien uns an: „Der Euro kollabiert“, „Die Inflation frisst uns auf“, „Der größte Crash aller Zeiten steht bevor“.

Es ist immer das gleiche Spiel. Seit Jahren. Und wisst ihr was? Wer auf diese Untergangspropheten gehört hat, hat das größte Vermögensbildungsprogramm der Geschichte verpasst.

Heute rechne ich mit den „Angstmachern“ ab. Wir schauen uns an, warum Pessimismus zwar intelligent klingt, aber Optimismus das Geld bringt. Du siehst es am norwegischen Pensionsfonds wunderschön. Seit Jahrzehnten stecken die Osloer Geld in die Aktienmärkte und haben so einen der weltgrößten Staatsfonds aufgebaut. Mit Mut und Geduld. Mich interessieren diese Crash-Propheten jedenfalls nicht die Bohne – sie suchen nur nach Aufmerksamkeit.


Das Geschäftsmodell der Angst

Warum sind Crash-Propheten wie Markus Krall so populär? Die Antwort ist simpel: Angst verkauft sich.

Unser Gehirn ist evolutionär darauf programmiert, Gefahren stärker wahrzunehmen als Chancen. Das Rascheln im Gebüsch könnte ein Säbelzahntiger sein. Wer wegrennt, überlebt. Wer optimistisch stehen bleibt, wird gefressen.

An der Börse ist es aber genau umgekehrt. Die „Experten“, die uns vor dem sicheren Tod des Finanzsystems warnen, haben ein klares Geschäftsmodell:

  1. Sie verkaufen Bücher mit reißerischen Titeln.
  2. Sie werden in Talkshows eingeladen (Quote!).
  3. Sie verkaufen oft eigene Fonds, die das Vermögen „absichern“ sollen.

Schaut euch die Performance dieser „Crash-Fonds“ an. Während der breite Markt (S&P 500 oder MSCI World) über die letzten 10 Jahre massiv gestiegen ist, dümpeln viele dieser Absicherungs-Vehikel im Minus oder haben kaum Rendite erwirtschaftet. Die Gebühren dieser Fonds sind hingegen oft gesalzen. Manch einer kassiert 5% Ausgabeaufschlag und horrende laufende Kosten. Es ist zum Kotzen. Die einzige garantierte Umverteilung findet hier von eurer Tasche in die der Fondsmanager statt.

German Angst vs. Amerikanischer Optimismus

Ich lebe nun schon lange in New York. Der Unterschied in der Mentalität ist gigantisch.

  • In Deutschland: Wenn der DAX ein Allzeithoch erreicht, bekommen die Leute Höhenangst. „Das kann nicht gut gehen“, heißt es. Man sucht sofort nach dem Haar in der Suppe. Man sichert ab, verkauft, geht in Festgeld oder Gold.
  • In den USA: Wenn die Wall Street Rekorde bricht, feiert man den Erfolg der Unternehmen. Man sieht es als Bestätigung, dass Innovation und Wirtschaftswachstum intakt sind. Man bleibt investiert.

Diese deutsche Skepsis kostet Rendite. Enorme Rendite. Wer ständig an der Seitenlinie steht und auf den „perfekten Einstieg“ nach dem Crash wartet, verpasst die besten Tage an der Börse. Die Aktienquote ist in Deutschland viel geringer als in den USA. Hierzulande besitzt nur jeder sechste Teenager/Bürger Aktien bzw. ETFs. In den USA ist es jeder zweite Erwachsene.

Merke: Mehr Geld wurde verloren, indem Anleger auf Korrekturen gewartet haben, als in den Korrekturen selbst. (Peter Lynch)

Warum Optimismus mathematisch gewinnt

Optimist zu sein, heißt nicht, naiv zu sein. Es heißt, die Wahrscheinlichkeiten zu verstehen.

  • Der Markt steigt langfristig: Historisch gesehen gehen die Aktienmärkte in ca. 70 % bis 75 % der Jahre nach oben. Wer auf Crash setzt, wettet gegen die Statistik.
  • Innovation löst Probleme: Unternehmen bestehen aus Menschen, die jeden Tag aufstehen, um Probleme zu lösen und effizienter zu werden. Wer gegen Aktien wettet, wettet gegen den menschlichen Erfindungsgeist.
  • Dividenden wirken: Selbst wenn die Kurse mal stagnieren (was vorkommt), arbeiten die Dividenden und der Zinseszinseffekt weiter für dich – vorausgesetzt, du verkaufst nicht panisch. Vorstände nutzen zudem Aktienrückkäufe in Krisen.

Ein „Crash“ ist kein Weltuntergang. Es ist ein Ausverkauf. Für uns langfristige Buy & Hold-Anleger ist es die Zeit, in der Qualitätsaktien und ETFs günstig zu haben sind. Wir laufen nicht weg, wenn es im Supermarkt Rabatte gibt – wir kaufen nach.

Fazit: Schalte den Lärm aus!

Lasst dich nicht von den düsteren Prognosen verrückt machen. Die Medien brauchen Klicks, die Gurus brauchen Buchverkäufe. Du brauchst nur Geduld und Disziplin. Punkt. Schluss!

Der Weg zum Reichtum ist langweilig. Er besteht nicht aus wildem Trading oder dem Vorhersehen des nächsten Schwarzen Schwans. Er besteht daraus:

  1. Breit gestreut in Qualitätsunternehmen oder ETFs zu investieren.
  2. Die Kosten niedrig halten (keine teuren Crash-Fonds!). Günstige ETFs kaufen und gut ist.
  3. Den Zinseszins über Jahrzehnte arbeiten zu lassen.
  4. Optimistisch zu bleiben.

Hör auf, gegen den Markt zu wetten. Die Geschichte der Weltwirtschaft ist eine Geschichte des Aufstiegs, unterbrochen von kurzen Pausen. Sei kein Angsthase. Sei ein Investor. Susanne Klatten oder ihr Bruder Stefan Quandt würden auch niemals ihre BMW-Aktien in der nächsten Krise verkaufen. Im Gegenteil, sie würden wohl eher überlegen, zuzukaufen.

Viele Crash-Propheten tun zudem so, als ob sie die Zukunft genau kennen würden, was natürlich Unfug ist.

Und ich muss zugeben, dass ich mich schon häufiger negativ über die hohen Börsenbewertungen geäußert habe, gerade in den vergangenen Wochen. Etwa hier beim Anlegerclub der Börse Stuttgart. Aber ich hebe immer hervor, dass Anleger langfristig an der Börse investieren sollten. Auch gegenüber BX Swiss habe ich vor den hohen Börsenbewertungen insbesondere in den USA angesichts des KI-Booms gewarnt. Dennoch ist es wichtig, nicht zu traden oder Hals über Kopf zu verkaufen:

Bleib stur! Behalte deinen Optimismus bei. Selbst wenn die Bewertungen üppig sind.

Euer Tim

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13 Kommentare
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Sebastian
17 Stunden zuvor

Hallo Tim,
vielen Dank für deine qualitativ hochwertige Arbeit, deine wertvollen Blogbeiträge und vor allem die regelmäßigen YouTube-Videos!
Ich lasse mich davon gerne inspirieren und übernehme die für mich passenden Inhalte für meine eigene Buy& Hold-Anlagestrategie.

Bitte weiter so, bleib gesund und beste Grüße aus Frankfurt, Sebastian

Anonym
8 Stunden zuvor

Ein gutes Beispiel für die german Angst ist das akuelle Wetter. Es ist endlich mal wieder ein normaler Winter im Norden. Mit 20-30 cm Schnee. Nur Panik, Schulen fallen aus, Panikeinkäufe wie bei Corona, etc. Wie können die Länder überleben wo mehr als ein Monat im Jahr Schnee liegt?

Sven
1 Stunde zuvor
Antwort auf  Anonym

In den 70er und 80ern sind wir morgens mit dem Postbus vom Dorf in die Stadt zur Schule gefahren, selbst wenn es über Nacht 30 cm Neuschnee gegeben hatte. Der Bus hatte dann Schneeketten aufgezogen. Das hat wunderbar geklappt. Wir hätten fast 3 Monate schulfrei gehabt, wenn man damals so eine Panik veranstaltet hätte, wie heutzutage.
Das kleinste Risiko wird heutzutage versucht irgendwie zu vermeiden. Mit so einer Einstellung ist es unmöglich voran zu kommen. Ich habe beruflich mit Wahrscheinlichkeiten zu tun, daher bleibe ich investiert!

Stefan
7 Stunden zuvor

Das ist der Beste und einfachste Kommentar zu dem Thema Finanzen.
Alles andere ist nur Lärm.

Ich finde es immer amüsant, wenn Crashproheten sagen es sei viertel nach Zwölf (Panik!) und gleichzeitig Ihren Silberfonds und/oder Bücher bewerben

maTTes
6 Stunden zuvor

Kennt jemand hier Vergleichen zwischen den Fonds der Crashpropheten und den Standard-ETFs?

Malte
6 Stunden zuvor
Antwort auf  maTTes

Nimm einfach fondsweb.com da kannst alle Fonds vergleichen.

I want to believe
3 Stunden zuvor
Antwort auf  maTTes

#Vergleichen
Fairerweise muss man sagen, bei den Fonds geht es um Absicherung, also der Reduktion des Werteverfalls im Falle eines Crashs. Deswegen sind Vergleiche der performance mit regulären Aktien/ Welt-ETFs nicht angesagt.
Diese Fonds spielen ja mit dem Gedanken ans Ende des Euro oder dem Ende der christlichen Zivilisation in Mitteleuropa .-) Mann könnte eher vergleichen wie Aktienmärkte einzelner Länder in Situationen mit Hyperinflation / Währungsreformen / plötzlichen Kriegen / Revolutionen sich entwickelt haben und das checken gegen Bestandteile dieser Fonds wie Forstwirtschaft, Rohstoffen, Cash ect.

Daniel
2 Stunden zuvor
Antwort auf  maTTes

Auf justetf sollten Kursvergleiche möglich sein, ansonsten kannst du auch OpenAI befragen dir eine Tabelle zu erstellen in denen der MSCI World gegen z.B. den Gerd Kommer ETF antritt. Ich habe jetzt mal bewusst Gerd Kommer genannt, weil ich die ganzen Fonds der „Crash-Propheten“ nicht kenne.

Sparta
1 Stunde zuvor
Antwort auf  maTTes

@maTTes

Bei Fondsweb oder justetf… aber die Vergleicherei ist halt ne gedankliche Spielerei, bzw. die Idee vergangenes nach vorne zu projizieren ohne sonstige Faktoren zu berücksichtigen, ist low battery. ;-)

Timur
4 Stunden zuvor

Ich lese gerne deine Artikel, weil diese authentisch, motivierend und bodenständig sind. Genau das was ein Investor braucht. Zudem lese ich gerne Artikel von Menschen die es geschafft haben. „Buy and Hold“ per Welt-ETF (Vanguard) ist mein Ansatz und die meiner beiden Töchter, die noch nicht mal wissen was Geld ist ;-). Aber sobald die es wissen, haben sie es nicht mehr weit zur finanziellen Freiheit.

Ich aktuell 42, fahre seit 8 Jahren einen Peugeot 206 Baujahr 2009. Ja, ich hätte mir schon längst einen Wohnwagen kaufen können mit dem ich dann zur Arbeit pendeln könnte um meine Arbeitskollegen und meine Nachbarn zu beeindrucken. Jedoch beeindrucken mich meine Arbeitskollen und meine Nachbarn mit Ihren Autos :-).

Bescheidenheit ist der Schlüssel und natürlich das Investieren, nicht spekulieren.

Schwimm gegen den Strom um ein Leben zu leben wovon alle träumen.

Value
3 Stunden zuvor

Danke Tim, wieder mal ein großartiger Beitrag.

Ja, der Hinweis das rauschen der Börsen bzw. der Börsennachrichten abzuschalten ist sehr wichtig . . . . . . . leider wird er von vielen ignoriert, die andauernde Verfügbarkeit von Informationen und die Möglichkeit am Handy mal“ schnell zu traden führt da leider in die falsche Richtung.

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