Ich liebe es bodenständig zu leben. Ich hasse die Verschwendung


New York, 26. Januar 2018

In westlichen Industrieländern wird konsumiert wie verrückt.

Ich reise häufig mit der Familie oder Freunden. Wir buchten schon eine Wohnung in Nizza, in der Normandie, Wien, Barcelona. Wir kochen zusammen, gehen in Museen, lesen, wandern, joggen.

Abends sitzen wir zusammen und plaudern. Wir machen Lagerfeuer. Spielen Fussball. Gehen Städte erkunden. Es macht einfach Spass. Mal lange auszuschlafen ist kultig.

Ich kann Urlaub nehmen, wann ich mag. Ich bin im Prinzip im Dauerurlaub.

Trotz der Reisen lebe ich bescheiden. Ich brauch keine Restaurants. Ich koche lieber selbst.

Kommen meine Eltern mich in New York besuchen, legen wir ein paar Luftmatratzen raus. Alles ganz locker. Auf engstem Raum kommen wir alle klar. Niemand geht sich wirklich auf den Wecker. Es geht. Ich finde das Bodenständige so bezaubernd.

Ich kann Leute wie Raymond Suckling gut verstehen. Er lebte bescheiden. Er legte sein Geld gut an. So gut, dass er 37 Millionen Dollar an eine Stiftung vermachte, als er starb. Er aß am liebsten die kleinen Hamburger von White Castle, die früher nur ein paar Cent kosteten. Er mähte selbst in hohem Alter den Rasen.

Die Masse der Menschen lebt anders. Sie gibt im Endeffekt alles aus, was reinkommt. Es wird zu wenig langfristig investiert.

Eigentlich sollten Hypotheken für den Kauf eines Hauses aufgenommen werden. Kreditnehmer wollen aber mehr als das Haus bezahlen: Neuwagen, Kücheneinrichtung, Möbel etc. Daher nehmen sie am liebsten das maximal Mögliche an Kreditsumme auf. Jedoch: Sollte jemand in Verzug mit der Hypothek kommen, kann die Bank das Haus zwangsversteigern. Es ist dumm, ein Haus unnötig zu belasten für ein Geldgrab wie einen Neuwagen.

Es gibt genug Paare, die 150.000 Euro verdienen und trotzdem bleibt nichts am Monatsende übrig. Sie fahren einen neuen SUV für 65.000 Euro, sie haben ein Boot für 50.000 Euro und eine Hypothek für 450.000 Euro.

Der Konsumrausch ist dies- und jenseits des Atlantiks zu beobachten. Betrachtest Du beispielhaft den Sportboot-Markt, fällt auf: Die Nische wächst kräftig. Immer mehr Menschen wollen ein Boot besitzen. Es ist ein Trend geworden. Seit sechs Jahren in Folge zieht der Markt in den USA schon an. Nach Angaben der nationalen Boot-Hersteller erhöhte sich der Absatz gegenüber 2011 um 79 Prozent. Ein Boot gilt als Statussymbol. Es ist der helle Wahnsinn. Natürlich werden die Boote häufig finanziert.

74.000 Dollar kostet so ein Schnellboot. Ich gebe zu: Es macht bestimmt Spaß so eine Bootsfahrt zu machen. Aber würde ich mir so ein Luxusobjekt kaufen? Nein, niemals.


tim schaefer (Author)

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Gedanken zu „Ich liebe es bodenständig zu leben. Ich hasse die Verschwendung

  1. Daniel

    In meinem Arbeitsumfeld ist das Thema Boot nicht unbedingt weit verbreitet, ich glaube bis auf Norddeutschland ist das auch kein großes Thema.

    Das Äquivalent ist aber jetzt das Wohnmobil. Auch diese Teile kosten eine gute Stange Geld, sodass auch schon mehrere Kollegen dafür einen Kredit aufgenommen haben. Aussage war, man könnte dann ja im Urlaub damit Geld sparen.

    AUf meine Frage wie man es denn schafft ohne große Spritkosten quer durch Europa zu fahren um anschließend auch auf teuren Campingplätzen zu verzichten statt mit einem Billigflieger die Großstädte zu besuchen und vor Ort oder etwas außerhalb über AirBNB oder Ähnliches bzw. kleines Hostels zu übernachten mit mehr Wohnqualität kam da nichts.

    Man redet es sich einfach schön. Einem Dauer-Schweden/Norwegen Urlauber oder einem gut verdienenden Rentner nehme ich das wohl ab, aber Generation 50, voll im Job mit wenige Tagen Urlaub? Eher nicht. Die Teile werden sich wohl gut gepflegt totstehen um 2 mal im Jahr für 2 Tage in die Eiffel gekarrt zu werden.

    Die Vorstufe war das Motorrad mit dem jährlich mehrere Touren gemacht werden sollte, es blieb dann bei einer im Jahr.

    Ich merke das ja schon bei meinem Cabrio, es steht 3km entfernt in einer Scheune bei einem Bauern unter, aber auch hier fällt es mir schon schwer Zeit genug zu finden um damit mal schöne Touren zu machen.

    Ich bewundere reiche Leute die bescheiden Leben, auf der anderen Seite mag ich es auch, wenn reiche Leute sehr verschwenderisch sind. Warum geht man heute ins Kolloseum? Ins Empire State Building oder guckt sich alte Oldtimer an? Weil es Leute gab die ohne aufs Geld zu achten mit Prunk und Pracht alles rausgehauen haben, sie selbst hatten vielleicht nicht viel davon, aber ein Denkmal haben sie sich damit schon gesetzt.

     

  2. tim schaefertim schaefer Beitragsautor

    @ Daniel

    Der Trend mit dem Wohnmobil ist in den USA ähnlich zu beobachten. Die Dinger werden verkauft wie warme Semmeln. Dabei kosten sie zwischen 50.000 und 100.000 Dollar das Stück. Im Umkehrschluss heißt das dann: Arbeiten bis 67-70. An einen vorzeitigen Ruhestand ist mit so hohen Kostenblöcken kaum zu denken:

    https://www.usatoday.com/story/money/cars/2017/05/26/millennials-fueling-new-growth-recreational-vehicle-sales/102082492/

    https://www.roverpass.com/blog/cost-of-buying-an-rv/

  3. Alexander

    Wieder einmal ein schöner Artikel. Ich mag deine Schreibweise. Du betest regelmäßig das Mantra runter und mir hilft es mich jeden Tag daruf zu konzentrieren.

    Mein Auto ist inzwischen seit 1,5 Jahren verkauft. Ich habe keine Schulden mehr. Ich bin von meiner 500 Euro in ein WG Zimmer für 300 Euro umgezogen. An meinen Freunden und Hobbys hat sich seitdem nichts geändert. Wenn es gut läuft kann ich mit 700 Euro prima leben im Monat.

    Ich spare monatlich knapp 1300 Euro in Aktien (Value Titel, Dividenden Aristokraten und ein paar ETFs). Wenn ich durchhalte kann ich mit knapp 38 Jahren in einen bescheidenen Teilzeit oder Mini-Job wechseln. Von heute an sind das noch knapp 9 Jahre.

    Mein einziges Laster ist die Elektronik, ich wechsel oft mein Handy und meinen Computer und probiere viel aus. Meistens verkaufe ich dann mein altes Gerät und zahle 10 % Aufschlag um die neuste Technologie testen zu können. Das Thema ist schon besser geworden und es beschränkt sich nur noch auf diese zwei Kategorien. Alles andere konnte ich bereits verbannen 🙂

    Gruß Alexander

  4. Vitality

    Unsere Devise beim Hauskauf war: Für das Haus einen Kredit ok – aber für nichts was drinnen steht! Ergebnis: Wir hatten zuerst Möbel die andere nicht mehr gebraucht haben, mit der Zeit haben wir nach und nach ausgetauscht, vieles ist selbstgemacht (hab zum Glück einen pensionierten Tischler als Schwiegervater).

    Waren wir deswegen unglücklich? Nein – im Gegenteil und unsere Kinder mussten auch auf gar nichts aufpassen, es war ja alt.

    Inzwischen sind wir schuldenfrei und konnten auch schon ordentlich was sparen. Hätten wir damals die neuesten Möbel gekauft (und inzwischen wohl schon wieder getauscht), wären wir vermutlich immer noch am zahlen.

    Auch bei uns im Umfeld sind Boote, Wohnmobil, Wohnwagen der Renner. Wenn wir campen, dann mieten wir auf dem Campingplatz einen Wagen oder Bungalow, ist ja überhaupt kein Problem. Warum sich manche Leute solche Lasten ans Bein binden? Ich bin lieber flexibel und kann jederzeit frei entscheiden was für einen Urlaub ich machen möchte.

  5. tim schaefertim schaefer Beitragsautor

    @ Alexander

    Du sparst mit 1.300 Euro im Monat emsig. Du wirst es in die Freiheit schaffen. Die Meute nimmt gar nicht wahr, was sie versäumt. Ich sehe als Kollegen in den Großraumbüros. Sie wirken auf mich genervt. Sie sitzen schon morgens um 6.15 Uhr im Auto im Stau zur Arbeit. Sie gehen nachhause, wenn es schon dunkel ist. Das wirkt auf mich grauenhaft. Der Gürtel spannt mit den Jahren immer mehr. Es bleibt keine Zeit. Außer Arbeit und Konsum.

     

    @ Vitality

    Gratulation zur Bescheidenheit und Schuldenfreiheit. Super Einstellung! Du bist dem Hamsterrad schon entkommen, weil Du eine andere Einstellung hast als die Meute. Etwas handwerklich herzustellen, macht viel mehr Spass als etwas zu kaufen. Das ist super mit dem Tischler als Schwiegervater.

  6. Tom

    Hallo Tim,
    Wir leben auch bodenständig und genießen das einfache Leben. Unsere Freizeit geht uns über Alles.
    Unser Wohnmobil ist ein 20 Jahre alter T4 TDI vor 12 Jahren gekauft für 11000€ mit dementsprechender Camp Innenaustattung der top in Schuss und vor allen Dingen flexibel aufgrund seiner relativ geringen Abmessungen ist. Diesen nutzen wir oft für Italien, Deutschland, Schweiz oder Kroatien Reisen. Das Eigenheim ist schon lange bezahlt und ein beruhigend finanzielles Polster ist vorhanden. Ich arbeite bereits seit fast 9 Jahren nur noch 10 Tage im Monat gehe dann in 4 Jahren in den Vorruhestand. Unsere Freizeit verbringen wir oft mit minimalistischen Reisen in der Natur oder am Meer, sei es mit dem Camper oder mit der alten 1150GS Gummikuh. Ich sehe drastisch das Problem des Mithaltezwangs gegenüber den „Anderen“ häufig bei meinen etwas jüngeren Arbeitskollegen (Luxusreisen, Klamotten, Protzkisten und teure regelmäßige Restaurantbesuche) Leider sind diese meist beratungsressistent.

    Gruß Tom

  7. Gerhard

    Ich schaue sehr gerne die TV Sendung „Bares für Rares“zur Unterhaltung.Was mir bei jeder Sendung auffällt wenn sie gefragt werden nach dem der Schätzwert bekannt gegeben wird.“Was machste denn mit dem viele Geld?“Also ich werd dann mal nen dicken Urlaub machen und fürn Rest wird sich schon was finden…Jeder einzelne verpulvert sein Geld.Oft sind grossartige Summen dabei, allerdings ist trotzallem das Geld weg.Schauteuch mal in Youtube wahllos 3 solche Folgen an und ihr werdet sehen..das Geld wird ausgegeben…es ist einfach nur furchtbar..allerdings bin ich froh das es die mehrheit der Menschen tut da unsere Aktien dadurch steigen

  8. A.

    Das Boote der Renner sind hab ich gar nicht mitbekommen, verrückt. Wohnwagen auch, total krass.

    Ich kaufe wie ein Depp Aktien und demnächst etwas mehr ausgeben zum tilgen des Hauses. Mein Auto mittlerweile 17 Jahre alt. BMW 5er.

    Statt einem Fernseher hab ich Sse PLC Aktien gekauft.  1000 Euro kann ich seit meinem beruflichen Aufstieg monatlich sparen. Entweder zun tilgen oder Aktienkauf nutzen. Demnächst rüste ich ein kleines Zimmer mit Bad und Küche bei uns im Haus auf, zum vermieten für einige Tage im Jahr. Also renovieren.

    Irgendwann ist ein neues Smartphone fällig, das hier hat, vor ca 3 Jahren 140, -Euro gekostet. Das nächste wird ca. 250 -kosten, mehr nicht.

    Boote und Wohnwagen, Wahnsinn…

  9. tim schaefertim schaefer Beitragsautor

    @ Tom

    Das klingt vernünftig. Vor allem in der Natur zu sein, ist eine schöne Sache. Zum Thema Natur mache ich noch einen Blogeintrag.

  10. Ruben

    Für mich ist relativ klar, ab welcher Summe ich die Arbeit komplett an den Nagel hängen könnte. Viel kniffliger finde ich die Frage, ab welcher Summe man kürzer treten kann, beginnend mit einer 4 Tage Woche. Selbst wenn ich gar nichts gespart hätte, könnte ich jetzt schon kürzer treten, da ich nur 1/3 meines Gehalts zum Leben benötige.

    Ich habe aber einiges gespart und habe dadurch erst recht folgende 2 Optionen:

    Option 1: ich genieße jetzt schon die 4 Tage Woche und eine noch größere finanzielle Freiheit dauert etwas länger.

    Option 2: ich gebe weiter mit 5 Tagen Gas und die noch größere finanzielle Freiheit ist schneller erreicht.

    Natürlich ist die Entscheidung sehr persönlich, Richtwerte wie beispielsweise bei Alexander, der mit 38 kürzer treten will würden mich schon interessieren. Ich denke auch das Alter spielt eine gewissen Rolle, wie lange man noch Gas geben kann und will.

    Ich habe auch immer etwas Existenzängste und denke immer es reicht noch nicht. Aus meiner Sicht hat die westliche Welt mit ihrer teils stark überalterten Gesellschaft ihren Höhepunkt hinter sich und in den nächsten Jahrzehnten werden die Asiaten bzw. die Chinesen die Nase vorne haben. Hinzu kommt noch Industrie 4.0. Ich kann nicht sicher sein, dass ich in 15 Jahren noch Arbeit habe. Dafür will ich gerüstet sein.

    Dieses Jahr werde ich 40 und ich habe mir mit spätestens 50 zum Ziel gesetzt, die Arbeitszeit zu reduzieren.

    Die Bahn hat im letzten Jahr ihre Mitarbeiter vor die Wahl gestellt: 2,62% mehr Gehalt, 6 Urlaubstage mehr oder eine Verkürzung der Wochenarbeitszeit.

    Die Beschäftigten haben wie folgt entschieden:

    56,0% für 6 Urlaubstage mehr

    41,4% für 2,62% mehr Gehalt

    2,6% für eine Arbeitszeit Reduzierung auf eine 38 Stunden Woche

    https://www.deutschebahn.com/de/presse/pressestart_zentrales_uebersicht/14633144/DB-Mitarbeiter_Waehlen_mehr_Urlaub.html

     

    Wie hättet ihr entschieden und warum?

     

     

  11. Titus

    @Tim – Danke für Deinen Neuen Artikel: Allerdings erlebe ich immer mehr das Home Cocooning, also das Mitmenschen für sich sein wollen und es Ihnen schon zu viel ist, auch nur einen Schlafsack für jemanden zur Verfügung zu stellen – leider.                                                                                     @Tim, @Claus und @ All  .                                                                                             Frage: Wenn sich ein Titel erholt, dann veräußern (vor kleinen deutschen Banken wird gewarnt) oder die Dividende Anfang Juni von immerhin 200,- Euro noch mitnehmen?! Kleines Manko: Nach einer evtl. Frühjahresrallye könnte auch die hier angesprochene Aareal Bank wieder um einige Prozentpunkte konsolidieren und somit unter meinen Einstiegskurs von 39,50 Euro fallen! Was also tun – mit welcher Verfahrensweise bist Du/seid Ihr bisher besser gefahren (auch emotional)?                                                      BESTEN Dank für Eure – gerne auch kurzen – Rückmeldungen von   Titus      (Natürlich treffe ich meine finalen Entscheidungen eigenverantwortlich)

  12. Daniel

    Ich schaue sehr gerne die TV Sendung „Bares für Rares“zur Unterhaltung.Was mir bei jeder Sendung auffällt wenn sie gefragt werden nach dem der Schätzwert bekannt gegeben wird.“Was machste denn mit dem viele Geld?“Also ich werd dann mal nen dicken Urlaub machen und fürn Rest wird sich schon was finden…Jeder einzelne verpulvert sein Geld.Oft sind grossartige Summen dabei, allerdings ist trotzallem das Geld weg.Schauteuch mal in Youtube wahllos 3 solche Folgen an und ihr werdet sehen..das Geld wird ausgegeben…es ist einfach nur furchtbar..allerdings bin ich froh das es die mehrheit der Menschen tut da unsere Aktien dadurch steigen

    Ich schaue die Sendung auch gerne, weil ich es interessant finde was Menschen so alles haben. Ich habe allerdings keine Probleme damit wenn eine 70 jährige eine alte Goldbrosche verkauft um mit ihrem Mann einen tollen Urlaub zu machen oder anderes Zeug zu kaufen. Es ist ihre Entscheidung.

    Schade finde ich es eigentlich nur, wenn halt offensichtliche uralte Erbstücke für lausiges Geld über die Ladentheke gehen wo ich mich in diesem Moment frage: „da hat jemand vor 100 Jahren viel Arbeit reingesteckt und das Zeug ist seitdem in Familienbesitz und es gibt auch mögliche Kinder als Nachfolger“. Will man sowas wirklich dann verramschen statt es einfach weiterzugeben?

     

    Frage: Wenn sich ein Titel erholt, dann veräußern (vor kleinen deutschen Banken wird gewarnt) oder die Dividende Anfang Juni von immerhin 200,- Euro noch mitnehmen?!

    Du nimmst keine Dividenden mit. Diese sind entweder jetzt schon im Kurs eingepreist oder sie werden nach Ausschüttung im Dividendenabschlag bzw. Kurs korrigiert. Es ist daher völlig unerheblich ob Du jetzt vor Ausschüttung verkaufst oder danach.

    Kleines Manko: Nach einer evtl. Frühjahresrallye könnte auch die hier angesprochene Aareal Bank wieder um einige Prozentpunkte konsolidieren und somit unter meinen Einstiegskurs von 39,50 Euro fallen! Was also tun – mit welcher Verfahrensweise bist Du/seid Ihr bisher besser gefahren (auch emotional)?

    Du machst meines Erachtens den Fehler dir zu merken zu welchem Preis XY du mal die Aktie gekauft hast. Das ist vielleicht zur Selbstbefriedigung schön zu wissen dass man satt Gewinn gemacht hat (oder nicht), löst das Problem aber nicht. Löse dich mal von dem Gedanken zu welchem Preis DU die Aktie gekauft hast, sondern betrachte es eher aus dem Blickwinkel eines Neueinsteigers. Du HÄTTEST jetzt keine dieser Aktien. Würdest Du sie JETZT UND ZU DIESEM KURS kaufen auch im Hinblick auf die potentielle Zukunft des Unternehmens? Die Antwort auf diese Frage sollte deine Fragestellung des möglichen Verkaufs eher beantworten.

  13. Claus

    @ Titus

    ich weiss nicht, wie lange Du schon am Aktienmarkt bist und welche Erfahrungen Du hier bereits gesammelt hast.

    Deine Fragestellung läßt mich vermuten, dass Du noch nicht sehr lange dabei bist und „Verlustängste“ sowie die Angst, evtl. etwas „zu verpassen“ hast. Doch Emotionen sollte man an der Börse so weit wie möglich ausschalten. Es wird Dir nur selten gelingen, optimal in eine Aktie ein- und wieder auszusteigen. Deshalb ist es wichtig, bereits vor dem Kauf einer Aktie klare Ziele festzulegen und auch bei negativer Entwicklung zu wissen, wie man sich dann verhält.

    Frage Dich einfach mal, warum Du die Aktie gekauft hast und was Du Dir hiervon versprochen hast. Wolltest Du sie langfristig halten? Oder nur „einen schnellen Kursgewinn“ erzielen?

    Wenn sich nichts an Deinen Zielen für die Aktie verändert hat, erübrigt sich Deine Frage. Liegst Du bereits daneben, hättest Du längst verkaufen sollen. Der Dividendenzahltag ist irrelevant. Hast Du vor zu verkaufen und wartest die Zahlung ab, spekulierst Du insgeheim darauf, dass der Dividendenabschlag schnell aufgeholt wird.

    Das Wichtigste beim Kauf einer Aktie ist die Qualität und nicht Dein Einstiegskurs, wie Daniel schon richtig geschrieben hat.. Stimmt die Qualität nicht, wirst Du auch langfristig kein Geld verdienen. Beste Beispiele für Aktien, die ich niemals kaufen würde:

    Dt. Bank, 03.12.1997-44,21€, heute 15,65€
    Daimler, 20.01.1999-92,50€, heute 74,81€
    Dt.Telekom, 19.12.1997-15,64€, heute 14,58€

    Da nützen auch „gute Dividenden“ nichts. Trotzdem werden solche Aktien ständig „von Experten“ zum Kauf empfohlen.

    Wenn Du Einzelaktien kaufst, solltest Du genau wissen, was Du tust. Ansonsten wäre ein laufend besparter ETF auf den S&P 500 oder MSCI-World  vielleicht nicht die schlechteste Wahl.

    LG + viel Erfolg

  14. steve

    @ claus

    bei der deutschen Telekom ist die Dividende meiner Meinung durchaus wichtig. Steuerfrei nach 2009 gekauft wird der Kaufpreis vermindert und man zahlt bei einen Verkauf mehr. Vorher gekauft bleibt die Dividende ohne Gegenrechnung steuerfrei.

    @ Daniel wieso behauptest du immer das der persönliche Einkaufskurs unwichtig ist. Für mich als Person ist er doch entscheidend. Wenn ich mehr Aktien teurer verkaufe als ich sie eingekauft passt es doch. Oder machst du oder überhaupt jemand hier im Forum 100% buy and hold?

  15. Titus

    @Daniel – Das Bank-Papier wieder nahe dem ATH von 04.2015 würde ich aktuell vielleicht nicht erwerben – allerdings läuft die Notierung recht gut an. DANKE  für Deine ausführliche Stellungnahme!                                                     @Claus – Bin seit 04.2014 an der Börse und Stimmungen und Emotionen spielen bei mir nach wie vor eine gewisse Rolle – kann ich schlecht ganz abschalten (schmunzel,schmunzel).                                                                    AAREAL BANK halte ich bis April unter Beobachtung – dann treffe ich meine Entscheidung.                                                                                                       DANK auch an Dich, Claus, für Deinen Beitrag an mich – rechne ich Euch Beiden  gerne hoch an! Grüezi.        Titus

  16. Ex-Studentin

    Hi Ruben,

    ich hätte mich auch für den Urlaub entschieden. Die Bahn hat meines Wissens 39h Wochen. Somit bedeutet eine 38h-Woche 46 Stunden geschenkt (52 Kalenderwochen, davon sind 6 Urlaub). 6 Urlaubstage sind 48h geschenkt. Die 6 Urlaubstage kann man vermutlich besser nutzen. 1h Ersparnis merkt man zudem nicht so sehr. 6 Urlaubstage schon eher.

    Für das Gehalt hätte ich mich als letztes entschieden. 48 Stunden sind 2,6% meines Stundenumfangs. Wenn ich 2,6% Gehaltserhöhung bekomme, schlägt jedoch noch der Staat dazu. Also: Urlaub!

    Dein persönliches Dilemma kann ich auch gut verstehen. Ich würde vermutlich so viel arbeiten, wie es für mich noch angenehm ist. Wenn du merkst, dass dich dein Job sehr schlaucht, würde ich ohne schlechtes Gewissen mit der Stundenreduktion anfangen. Du machst dir jetzt Sorgen wegen deiner aktuellen Diagnose. Mit dem Alter kann leider noch mehr dazu kommen, wenn man sich selbst zu sehr stresst. Zumindest habe ich das bei meinem Vater gesehen. Durch seine vielen Vorerkrankungen habe ich schon seit Jahren mit einem schlechten Ausgang gerechnet, aber Krebs kam unerwartet.

  17. K.K.

    Hallo Ruben,

    zur Gehaltserhöhung vs. Zeitaufwand (Arbeitsstunden) hat ja Ex-Studentin schon was geschrieben. Das sehe ich auch so. Je nach Gehaltsklasse und Steuer kommt in absoluten Zahlen nicht viel bei rum im Netto.

    Alles andere ist denke ich Ansichtssache. Rechnerisch ist den Ausführungen von Jenny sicher nichts hinzuzufügen.

    Trotzdem würde ich mich, aus meiner aktuellen Sicht, für die kürzere Wochenarbeitszeit entscheiden, auch wenn Urlaub attraktiv ist und ggf. mehr Erholung oder auch Reisen en-bloc ermöglichen würde. Diese Sicht kann sich je nach Lebenssituation auch wieder ändern. Sofern die Schichtzeiten gleich bleiben. (s.u.)

    Mit einer h weniger, bin ich 1x pro Woche 1h weniger auf der Arbeit. => Komme somit ggf. „früher“ raus und habe dann ggf. weniger Feierabend-Verkehr und bin schneller zu Hause. => Mehr Quality-Time. Mehr Familien-Zeit und Zeit für Freunde/Hobbys.
    Ich bin dann ggf. weniger gestresst und auch dank 1h weniger brauche ich je nach Job und Beanspruchung weniger Erholungsphasen zur Regeneration.

    Hypothetisch gesehen: Macht mir mein Job oder die Job-Rahmenbedingungen u.U. keinen Spass, freut man sich sicher über jede Minute weniger im zugehörigen Unternehmen.

    Per se muss man sich aber sicher auch Überstunden-Anhäufungen und Zuschlags-Regelungen usw… anschauen. (vgl.: https://www.deutschebahn.com/file/de/11883440/hmmFD6YHj02j1s-ZJnV_KzLvlNg/12190992/data/Arbeitszeit.pdf )

    Habe ich ggf. keine Chance auf Grund angespannter Personalsituation Überstunden nach Wunsch abzubauen, dann ist die eine Stunde aus meiner Sicht besser als nichts.

    Die Frage ist auch ob eine kürzere Wochenarbeitszeit mit kürzeren Schichten einhergeht bzw. welchen Konditionen (Bereitschaftszeiten o.ä.). Werden die Schichten gekürzt, bin ich ggf. pro Tag weniger Stunden anwesend, dafür aber ggf. statt X Tage nun Y Tage.
    Vereinfacht dargestellt:
    39h Woche: 7,8 h pro Tag => 5 Tage pro Woche anwesend bei 7,8h/Tag
    38,5h Woche: 7,6 h pro Tag => 7,6h pro Tag anwesend bei 5 Tagen

    Wenn sich die Schichten ändern auf z.B. – zur Erläuterung:
    6,3h x 5 Tagen + 6,5 x 1 Tag
    dann bin ich 1 Tag mehr im Unternehmen. Zwar an manchen Tagen kürzer als bisher und insgesamt auch 1h weniger pro Woche. Aber einen Tag mehr „anwesend“ inkl. Fahrzeiten usw…
    Dann vielleicht doch eher die 6 Tage Urlaub anstelle die 1h weniger pro Woche….?
    Wie gesagt, es hängt mehr dran.

  18. K.K.

    Edit oben: Die 38,5 sollen 38h sein.

    38h Woche: 7,6 h pro Tag => 7,6h pro Tag anwesend bei 5 Tagen

  19. Andreas

    @Claus

    Was hast du denn gegen die Deutsche Telekom? Anlage wie Festgeld und steuerfreie Dividende:)

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