Die finanzielle Freiheit sorgt für innere Ruhe. Ein üppiges Depot ist Gold wert. Doch megareich zu sein, kann eine Plage sein

Gierig, selbstverliebt, neurotisch. So scheinen viele Hedgefondsgurus zu sein. Im letzten Blogeintrag habe ich über den umstrittenen Hedgefondsgründer Ray Dalio geschrieben. Sein Können wird mittlerweile kritisch gesehen. Der Milliardär hat immer mehr Feinde. Er ließ eine Luxuswohnung in New York ausbauen und danach hat die Wohnung darunter Risse und Probleme bekommen. Ein endloser Streit vor Gericht begann mit dem Nachbarn. Dalio wurde aus seinem eigenen Hedgefonds nach einem Zerwürfnis mit Führungskräften vor Jahren gedrängt. Dalios Sohn Devon starb bei einem Autounfall im Dezember 2020. Sein Sohn Paul leidet unter einer bipolaren Störung.

Der große Reichtum sorgt für neue Probleme und Fallen. Villen, Privatjets, Yachten, Personal… überall gibt es Probleme: Je mehr du besitzt, desto mehr Ärger bekommst du. Elon Musk, einer der reichsten Menschen der Welt, liebt Rauschpilze (Ketamine) und Cannabis, um seine Depression in den Griff zu bekommen. Der deutsche Investor und Multimillionär Christian Angermayer ist auch begeistert von den Drogenpilzen: LSD, Magic Mushrooms…

Wie 2 Daten-Freaks steinreich wurden und sich nun bekriegen

Der Computerwissenschaftler David Siegel (62) gründete 2001 mit seinem Freund John Overdeck (53) in New York den Hedgefonds Two Sigma. Overdeck ist ein Mathegenie von der Stanford Uni, wo er im Alter von 19 seinen Abschluss machte und anschließend als rechte Hand für Amazon-Boss Jeff Bezos arbeitete. Das Vermögen des Quant-Fonds schoss im Frühjahr auf 60 Milliarden Dollar. Quant-Fonds sammeln gewaltige Daten und werten diese aus, um computerbasiert Handelsstrategien abzuleiten. Jetzt sprechen die beiden nicht mehr. Es herrscht Chaos im Büro in Soho.

Ein Mitarbeiter veränderte das Trading ohne Absprache und sorgte für ein Desaster. Milliardär Overdeck trennt sich von seiner Frau Laura Overdeck. Rechtsanwälte beugen sich über die Konten der Familie, es gibt Streit um die Finanzen, wie das oft bei Scheidungen passiert. Im Fonds scheinen Talente abzuwandern, es gibt 2.200 Mitarbeiter. Kunden verlieren die Geduld.

Kein Wunder, dass die Kunden nervös werden. Die Gebühren sind irre. Two Sigma kassiert eine Grundgebühr von bis zu 4% des Anlagekapitals. Dazu kommt eine Performancegebühr von 20 bis 30% der Nettoprofite. Es gibt weitere Kosten, die Liste scheint endlos. Warum kostet das so viel? Die Gründer müssen schließlich reicher werden. Angesichts all der Turbulenzen und Risiken braucht so ein Fonds kein Mensch, finde ich. Ein ETF ist günstiger. Das Ego des Managements ist fragil. Die SEC untersucht den Fonds.

Diese Superreichen haben so viele Probleme, Stress, Verantwortung, Sorgen…

Ich versuche, zusätzliche Arbeit zu vermeiden. Ebenso Plunder. Ich genieße meine Freiheit. Mir wurden viele neue Arbeitsprojekte angeboten. Aber ich sage meistens “Nein Danke”. Meine Wohnung ist mini, ich hab keinen Keller oder Stauraum. Du brauchst nicht mal ein Eigenheim. Zur Miete zu wohnen, kann für Gelassenheit sorgen. Ohne Schulden und Verpflichtungen lebst du besser.

Das Eigenheim ist ein falscher Traum, oft enden Menschen in einer enormen Abhängigkeit von Banken

Heutzutage ist die Idee, ein Eigenheim zu besitzen, ein Traum. Dafür nehmen Leute enorme Schulden auf. Und fühlen sich wie Sklaven die nächsten Dekaden, wenn sie die Kredite abtragen müssen.

Das schicke Objekt bleibt in der Regel den größten Teil, wenn nicht sogar das ganze Leben, im Besitz einer Bank. Zu denken, dass man als Leibeigener einer Bank irgendwie „sicherer“ ist, ist eine Fata Morgana. Eher ist das Gegenteil der Fall. Die Schweiz ist eines der reichsten Länder der Welt und die Eidgenossen haben eine der kleinsten Immobilien-Eigentümerquoten im weltweiten Vergleich.

Genügsamkeit, Fleiß, Zufriedenheit, Gelassenheit sind Tugenden. Mir scheint es, als ob der gesamte Immobilienmarkt von Banken für Banken geschaffen wurde. Auch mischen Bausparkassen und Versicherungen mit.

Dabei wird nicht wirklich auf die Lebensqualität der Bevölkerung geachtet. Alle träumen vom protzigen Eigenheim. Das, was die Banken maximal genehmigen an Finanzierung, wollen wir nehmen, um „Vermögen aufzubauen“. Dabei vergrößern wir eher das Vermögen der Hochfinanz.

Ja, ich besitze zwei kleine Wohnungen. Aber ich hab sie schnell abbezahlt und beide lagen unterhalb meiner Möglichkeiten. Meine Priorität liegt darin, flexibel zu sein, zu reisen. Ich kann mir dank meines fetten Depots es leisten, einen Job, den ich liebe, für ein geringes Gehalt anzunehmen. Was geben aber Menschen auf, wenn sie im Namen des „Vermögensaufbaus“ fast alles opfern, was sie angespart haben und verdienen? Banken möchten nicht, dass wir darüber nachdenken.

Beim Wohnimmobilienkauf wird es noch enger angesichts der steigenden Zinsen. Die Banken müssen öfter abwinken. Der Hauskauf ist für den Normalo kaum mehr stemmbar.

Die Lösung sind ETFs und Aktien früh ins Depot zu tun

Die Lösung ist, jung anzufangen, mit ETFs und Aktien zu sparen. Dann reicht das Geld auch im Alter locker. Zu mieten ist kein Beinbruch. Und niemand muss knapsen. Die Altersarmut überrollt Deutschland. Einige müssen der Heimat den Rücken kehren, wenn das Geld nicht mehr reicht wie dieses Paar, das nach Bulgarien auswanderte.

Wahre Freiheit im Leben ist zu tun, was du willst. Hab lieber ein fettes Depot, anstatt ein fettes Haus mitsamt Luxusauto – und alles auf Pump. Aber natürlich verdient niemand Geld mit einer freien Bevölkerung, die dicke Depots hat und von den Dividenden und Kurssteigerungen lebt. Tatsächlich ist es unsere Unsicherheit und Verschuldung, von der die Superreichen profitieren: Die Eigner von Tesla, BMW, LVMH, Porsche etc.

Wie ein Putzmann mit “Buy and Hold” 8 Millionen Dollar im Depot aufbaute

Ronald Read arbeitete als Putzmann und Tankstellenwart. Trotz seines kleinen Gehalts lebte er zufrieden. Er hatte ein altes Haus für 12.000 Dollar gekauft, wo er mit seiner Frau und Stiefkindern bescheiden lebte. Read hakte sein Brennholz für den Winter selbst im hohen Alter im Garten. Er ging oft in die Bibliothek. Er hatte das “Wall Street Journal” und “Barron’s” abonniert, beide Börsenzeitungen verschlang er regelmässig. Als er im Alter von 92 Jahren starb, hinterließ er 8 Millionen Dollar. Sein Umfeld war über sein enormes Vermögen überrascht, er machte ein Geheimnis daraus. Das Geld ging zum Gutteil an die Bibliothek und ein Krankenhaus in seiner Heimat.

Wie legte das Vermögen so stark – trotz des minimalen Einkommen – zu? Er sparte eisern und investierte das Geld langfristig in Blue Chip-Aktien, die Dividenden zahlten. Die Dividenden reinvestierte er stetig zurück ins Depot. Er kaufte nur Aktien, die er verstand. Read besaß etwa den Marmeladenhersteller J.M. Smucker, die Drogerie CVS Health, den Pharmariesen Johnson & Johnson. Außerdem waren in seinem Depot General Electric, JPMorgan Chase, Dow Chemical Company. Techies mied er, weil er sie nicht verstand. Seine wertvollste Position war Wells Fargo, als er starb. Auf den weiteren Rängen folgten Procter & Gamble, Colgate-Palmolive und American Express. Read nutzte den Zinseszins, ihm half seine enorme Geduld. Er war zufrieden mit seinem “einfachen Leben”. Seine Familie liebte ihn.

Ellen Smith kannte Read gut. Sie schrieb in das Trauerbuch des Bestatters:

Ron war ein treuer Kunde des BMH-Coffeeshops. Es holte sich fast jeden Morgen Kaffee und einen Muffin mit Erdnussbutter. Und als das Café wegen Bauarbeiten geschlossen wurde, ging er lange Zeit zu Friendly’s. Er liebte es, über die Börse und Investitionen, die Farm in Dummerston, den Holzeinschlag und seine Kindheit zu sprechen. Es tut mir leid, dass ich mich nicht verabschieden konnte, er wird uns sehr fehlen.

Sein Stiefsohn Phillip Brown, der bei ihm lebte, sagte dies:

Ronald war der beste Stiefvater, den ein Mann sich nur wünschen konnte. Es war mir eine große Freude, ihn kennenzulernen und ihn meinen Freund zu nennen. Ich werde ihn vermissen. Vielen Dank an Julie und Jeff Houle und an Claire Johns, die sich mit Ronald angefreundet und ihm so sehr geholfen haben. Er schätzte Ihre Freundschaft und Ihre Hilfe.

Phil Brown Ronald Reads Stiefsohn



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Susanne
7 Monate zuvor

Dnke für den Artikel Tim.

Reichtum alleine ist nicht alles. Es kommt auf die innere Einstellung ein. Wenn ich reich bin und so bodenständig bleibe wie du, bedeutet es Freiheit. Was man mit kein Geld bezahlen kann….

Mach weiter so. Mag Deine und Nikos Artikel.

Pat
7 Monate zuvor

Danke für den Artikel, Tim.
Ich möchte einen Senf dazu geben.
Eigenheim schützt vor Eigenbedarfskündigung und Mietsteigerungen, wenn die Rente nicht mehr ausreicht. Und der Stress mit Umzug.
Am besten wäre die beiden zu besitzen, Eigenheim und die Aktien bzw. ETF.

Marco
7 Monate zuvor

Ein voller Geldsack wiegt schwer,ein leerer auch!

Guy Incognito
7 Monate zuvor

Danke für diesen Artikel. Fühle mich mit meinem schuldenfreien (moderaten) Eigenheim + Depot + Notgroschen einfach nur Sauwohl. Bin aber der festen Meinung, dass Wohneigentum ein fester Vermögensbestandteil sein sollte- nicht zu jedem Preis, allerdings.

Sabsi
7 Monate zuvor
Reply to  Guy Incognito

Das sehe ich grundsätzlich gleich! Allerdings ist es leider oft so, dass viel zu groß und teuer gebaut wird, die Leute ÜBERschulden sich und zahlen oft bis weit in die Pension/Rente noch ab, das ist natürlich wahnsinnig dumm und gefährlich und kostet dann nicht nur Nerven, Schlaf und Lebensqualität, sondern auch oft genug die Partnerschaft. Kenne da einige Familien, jede Rechnung wird dann zum Problem, im besten Fall gibts “nur” permanent Wut und schlechte Laune, oft genug auch gesundheitliche Probleme. Nach außen hin muss die Fassade glänzen, man kann bzw. will sich alles leisten. Die kann man aber nicht bekehren, die haben ein gänzlich anderes Mindset.

Guy Incognito
7 Monate zuvor
Reply to  Sabsi

Oh jaaaaa. Ich kenne einige solcher Fälle z.B. bei mir im Job. Schulden durch überdimensioniertes und luxuriöses Eigenheim am Land und Neuwagen, etwas aus dem VW-Konzern, Ehemann arbeitet irgendwas im Vertrieb in ‘nem KMU, Ehefrau im gleichen Unternehmen als Tippse, todunglücklich, weint auf Arbeit und sucht sich einige Zeit später, frech und offensiv ‘nen neuen Typen- am gleichen Arbeitsplatz.

Nächstes Beispiel: Um 2010 als ich Arbeitslos wurde, lernte ich auch einen mitarbeitslosen im Bewerbungstraining kennen, welcher ein Haus gebaut hat, Frau weggelaufen, er mit dem Haus und den Schulden alleine und danach gesundheitliche Probleme (physisch und psychisch), anschließende Arbeitslosigkeit mit darauf folgender Privatinsolvenz.

Nächster: Als Covid 2020 ausgebrochen ist, sagte mir ein Bekannter mit zittriger Stimme, dass er nicht wisse wie es weiter geht, er müsse doch zwei Kredite bedienen. In diesem Fall ist alles noch gut gegangen.

Alles wahre Vorfälle…

Nuvolina
7 Monate zuvor
Reply to  Guy Incognito

Frauen laufen normalerweise nicht wegen luxuriöser Eigenheime davon, sondern wegen kleinkarierter, unachtsamer, geiziger, langweiliger Männer.

Carsten
7 Monate zuvor
Reply to  Nuvolina

Und Männer laufen wegen Frauen weg, die so einfältig denken.

Nuvolina
7 Monate zuvor
Reply to  Carsten

Kleinkarierte, unachtsame, geizige, langweilige Männer schaffen es nicht, wegzulaufen. Das machen intelligente Frauen.

Guy Incognito
7 Monate zuvor
Reply to  Nuvolina

Ne, in diesem Fall war der Ehemann eher Dauergestresst und kam knapp vor mir und ging nach mir. Soweit ich weiß, wäre ein Ausfall des Weihnachtsgeldes schon ein Problem gewesen, da fest eingeplant.

Carsten
7 Monate zuvor
Reply to  Guy Incognito

Sehr richtig, diese Fälle kenne ich zugenüge.
Da muss man sich überall was leisten bis zum Abschlag. Und dann ist oft durch andere Umstände das Geld alle.
Ich bei Tim: Das fette Depot hilft langfristig mehr, als das fette Haus.

Guy Incognito
7 Monate zuvor
Reply to  Carsten

Eben, weil finanziell alles knapp bemessen ist, sodass normale Lebensumstände wie Scheidung, Arbeitslosigkeit und, ich nenne mal auch Pandemien, zu einem ernsten finanziellen Problem werden können.

Slowroller
7 Monate zuvor
Reply to  Guy Incognito

Solche Fälle gibt es. Schwierige Zeiten sind auch immer gefährlich für eine Beziehung – sei es der Hausbau, die schwierige Zeit mit einem Baby oder eine Phase mit finanziellen Problemen.
Manchmal muss man sicj aber auch überlegen, ob man sich das Püppchen anlacht, welches offensichtlich nur auf der Suche nach einem Versorger ist und abhaut wenns Probleme gibt uns sich nen besseren sucht. Bei einer Partnerwahl auf Augenhöhe passiert das eher seltener – zumindest bleibt man dann nicht alleine mit den Schulden. (hier säße die Frau aber definitiv mit im Boot)

Guy Incognito
7 Monate zuvor
Reply to  Slowroller

Nur kann man leider niemanden hinter die Stirn blicken. Im Bekanntenkreis auch ein Ehepaar gehabt, welches sich scheiden lassen hat. Seine Exfrau sagte mir mal, dass sie mit der Scheidung leider nicht noch länger gewartet hat, weil dann das Grundstück des damaligen Ehemannes, noch ein wenig mehr an Wert gestiegen wäre. Unfassbar, oder!?

Jetzt genug aus dem Nähkästchen geschrieben, mich hat es wieder geschaudert, als ich diese ganzen Sachen nochmal durch den Kopf gehen lassen habe.

Nuvolina
7 Monate zuvor

„…Der große Reichtum sorgt für neue Probleme und Fallen…“

Also Milliardäre haben mehr Probleme als Millionäre?
Ich weiß von Millionären im unteren einstelligen Bereich, die sehr große Probleme haben und Superreiche, die sehr glücklich sind.
Eine etwas merkwürdige Ansicht.
Ich will da nichts unterstellen, aber es erinnert mich irgendwie an den Fuchs und die Trauben.

Herold
7 Monate zuvor

Hallo Tim, nur der Richtigkeit halber.

“Rauschpilze/Magic Mushrooms” und Ketamin sind verschiedene Dinge.

Ebenso ist LSD nicht in den von dir gemeinten “Magic Mushrooms” enthalten, wenn LSD ursprünglich auch durch einen Pilz (Mutterkornpilz) hergestellt wurde. Der Wirkstoff in “Rauschpilzen” ist zumeist Psylocobin.

:-)

Sparta
7 Monate zuvor

@Tim

Warum schreibst Du von einem Selbstmord von Ray Dalios Sohn, wenn von einem Autounfall berichtet wird???

Markus1
7 Monate zuvor

Guter Artikel. Danke.

mke
7 Monate zuvor

Hallo Tim, ich teile grundsätzliche deine Meinung zum Thema Finanzen. Nur wenn alle so denken funktioniert das System auch nicht mehr.
Jeder ist seines glückes Schmied. Ich muss zufrieden sein. Es geht nicht darum andere zu beeindrucken mit “Mein Haus, mein Auto, …”
Die Werbung ist so primitiv wie die Sparkassen, die hinter dem Slogan steckten.
Man muss lernen, mit seinem Einkommen auszukommen. Wer sich an diverse Regeln hält wie

  • Kostenkontrolle,
  • Gesund und bewusst leben,
  • sich informieren,
  • seine realistischen Ziele umzusetzen,

der wird auch die Chance auf ein nettes Sümmchen zum Renteneintritt haben oder vielleicht auch früher.

Eine eigene Immobilie ist nicht grundsätzlich zu verteufeln, sie muss aber zu einem passen (Kaufpreis, Eigenkapital und Umfeld).

Ein Auto ist auch nicht grundsätzlich falsch. Aber braucht es für den Weg zur Arbeit oder Abends für die Piste ein kreditfinanziertes Auto mit Neidfaktor? Auch hier gilt, das es den eigenen Möglichkeiten entsprechen muss.
Auch kann ich nicht jeden Konsum verteufeln. Wenn das alle machen, sind die Wertpapiere im Depot bald wertlos. Eine Gesellschaftsform, die auf Konsum verzichtet wird nicht lange Bestand haben oder ihren Bestand mit massiven Eingriffen in das Leben der Bevölkerung sichern müssen. Genau den Fehler hat die SED gemacht. Nachfolger? Grüne, Linke, …?
Warum lernen wir nicht aus unseren Fehlern?
Es liegt an der Art, wie wir indoktriniert wurden. Geldanlage, Aktien, Fonds, ETFs haben bis einschließlich eigenem Ingenieursabschluß an einer FH 1995 nie in der Ausbildung stattgefunden. Es gab nur den Weltspartag.

Es wird auch immer wieder auf den Totalverlust bei Börsenanlagen hingewiesen. Ja theoretisch schon, aber bei breit gestreuten ETFs bezüglich Branchen und Regionen halte ich das ganze für akzeptabel, obwohl die Abhängigkeiten durch das Zuammenwachsen der Wirtschaften der Nationen dieser Erde heute diese Diversifikation schwächen.
Fonds sind aufgrund ihrer hohen Kosten und schwachen Leistungen keine Alternative. Produkte von Banken und Versicherungen darf man nicht empfehlen. Sie kosten nur Gewinn.
Als ich mal mit dem Sparen anfing, gab es Fonds und Versicherungen. Wer sowas wählt, hat halt hohe Kosten für Anbieter, Management und was so zum Deckungsbeitrag und Gewinnstreben der Fondsanbieter gehört.
Trotzdem höre ich vor allem von älteren ( > 50 Jahre, ich bin 59) das Anlagen an der Börse, auch in ETFs, hoch riskant sind und Verluste so sicher sind, wie das Amen in der Kirche.

Finanzbildung in Deutschland/EU bringt nichts, da diese vor allem dann von Versicherungen und Banken bestimmt werden wird, in dem Moment, wo der Staat so was angeht. Die werden alles dafür tun hier mitzumischen. Deswegen halte ich die Forderung nach Finanzbildung an Schulen für obsolet.
Wer sich nicht für sein Geld interressiert, ist selber schuld. Dieses Desinteresse gepaart mit übertriebener Konsumgier ist mit Schuld an der schlechten Finnzausstattung in Deutschland.
Jeder ist halt seines glückes Schmied.

Alliban
7 Monate zuvor

Ich besitze ein Eigenheim, die Kredite dafür sind schon lange abbezahlt. Für mich hat es einen hohen ideellen Wert, da ich problemlos meinen Hobbies nachgehen kann (führe letztendlich nach meiner Auffassung trotzdem ein bescheidenes Leben). Es gibt aber einen Kackpunkt: Das ist der Garten. Der ist ein “Zeitgrab” und schränkt mich stark ein, v.a. im Sommer, bei dem, was ich eigentlich tun möchte. Mit der Zeit ist eine “Hassliebe” daraus geworden. Positiv ist, beispielsweise die partielle Selbstversorgung, das Verbringen von Sommerabenden im Freien und dass man einen Grund hat, sich im Freien zu bewegen. So was sollte man also beim Hauskauf auch bedenken.

Daniel
7 Monate zuvor
Reply to  Alliban

Das Thema Garten kann ich so bestätigen. Wir haben 1200m². Das mag für jemanden aus der Stadt der aufs Land zieht unheimlich toll sein, wenn du allerdings schon als Kind so aufgewachsen bist und gesehen hast wie deine Eltern sich den Rücken kaputt gemacht haben um einen ollen Garten in Schuss zu halten muss ich sagen…ne ohne mich. Ich arbeite Jahr für Jahr dran das Ding pflegeleichter zu machen, auch wenn es dadurch langweiliger aussieht. Irgendwann werden auch die fast 120m Hecken durch Zäune ersetzt.

Ich möchte meine Freizeit lieber mit Freunden verbringen als im Garten herumzugraben.

slowroller
7 Monate zuvor
Reply to  Daniel

So unterschiedlich ist das – ich liebe meinen Garten, auch wenns nur 700m2 sind. Da krieg ich den Kopf frei und es erdet mich. Gefühlt ist es auch so, dass es meinen Rücken eher stark als kaputt macht – aber das kommt wahrscheinlich auf den Einzelfall an.

Ich werde mir aber zähneknirschend wohl einen Rasenmäherroboter zulegen – wenn man nur an den Wochenenden da sein kann, dann ist das Rasenmähen tatsächlich eine nervige Arbeit, die gemacht werden MUSS und nicht immer geht.

Karsten
7 Monate zuvor

Ein schöner Artikel, ich finde diese Mindset-Artikel besser als die immer Gleichen über die üblichen Hype-Aktien, die man sich auch mit ‘nem Nasdaq-ETF nervenschonender ins Depot legen kann.

Wie Tim schreibt, kleine Wohnung, kein Keller oder Stauraum, so ähnlich gehts mir auch. Nach Trennung und Scheidung wohne ich zur Miete in einer kleinen Wohnung ohne Keller und Stauraum, das zwingt zum Aufräumen und loslassen. Es findet sich kein Plunder mehr. Alles ist sortiert und digitalisiert. Kein eigenes Auto mehr spart auch einen großen Kostenblock.

Ich bin so froh, daß ich mit meine Ex kein Haus gebaut oder mir in den fetten Zeiten ein Boot gekauft habe.

Kein Unterhalt, alle Bücher sind geschlossen, ein wenig über 5k netto, ich mache günstig Urlaub und beim Dienstwagen habe ich was kleines Elektrisches genommen. Die Wohnung ist klein, über 2 Etagen unterm Dach, mit großem Balkon und echt gemütlich. Trotzdem Miete incl Nebenkosten 3stellig. Es lebt sich echt sorgenfrei. Ich date keine Frauen, die kein eigenes Geld verdienen. Meine Fixkosten sind knapp 2k, trotz guter Lebensmittel. Knapp 1k sind fix an ETF-Sparplänen. Und wenn genug übrig ist, werden so noch ein paar Aktien gekauft.

Am Freitag fliege ich übers Wochenende nach Sizilien, günstiger Flug und schlafen im Hostel, da lernt man auch gut Leute kennen.

Lad
7 Monate zuvor

Wenn man 2x mehr Dividenden bekommt, als man braucht, z.B. 24.000 € netto im Jahr, dann kann man die Hälfte der Aktien verkaufen und die erste eigene Wohnung kaufen. Man braucht kein Auto, nichts von Nike, nichts von Apple, keine gebrauchten Kleider und Schuhe. Man sollte immer neue und schöne Schuhe für 10 € bei KiK und neue und schöne Hose für 5 € bei Aldi kaufen. Ich kann es nicht begreifen, warum ein New-Yorker-Millionär gebrauchte Kleider und Schuhe kauft. Ich kaufe alles neu unter 12 € bei KiK und Aldi, selten in Angebot bei C&A.

Der Baum
7 Monate zuvor
Reply to  Lad

Super Lad, du kaufst den größten Mist mit entsprechender Schadstoffbelastung bei Kik. Die halten dann 3 Wochen und danach ist alles kaputt. Sehr ökologisch und auch Wahnsinnig günstig. Nur weil du aktuell auf Kosten von anderen lebst, ist das langfristig nicht günstig für dich.

Vielleicht solltest du dir das nächste Mal Schuhe von Waldvierteler kaufen? Halten 10 Jahre und mehr. Oder ordentliche Wollkleidung aus heimischer Produktion?

Grüße Baum

slowroller
7 Monate zuvor
Reply to  Der Baum

Hey – immerhin Aldi und KiK – es hätte auch Primark sein können ;-)

Tatsächlich halte ich es (vor allem) auch bei Kinderklamotten so: Qualitätsklamotten gebraucht haben 3 große Vorteile:

  1. Es ist günstig und Budget ist für andere Dinge frei (z.B. der punktuelle Kauf von Qualitätsklamotten aber auch Sport, Kultur etc)
  2. Second Hand ist schlicht gut für unseren Planeten.
  3. Die Schadstoffbelastung ist bei 10x gewaschenen Qualitätsklamotten gleich 0.

Vielleicht ist der Millionär ja Millionär, weil er praktisch, okönomisch und ökologisch denkt.

Tobs
7 Monate zuvor
Reply to  slowroller

Primark würde ich unterstützen; habe eine schöne Position AB Foods. Billigklamotten und Zucker sind Grundbedürfnisse, die auch bedient werden wollen.

42sucht21
7 Monate zuvor
Reply to  Tobs

@Primark
Leute, nur weil wir reich sind müssen wir nicht von oben auf die herabschauen.

Nuvolina
7 Monate zuvor
Reply to  Lad

Gebrauchte Kleider/Schuhe kaufen? Welcher Millionär macht denn sowas?
Vielleicht auch gebrauchte Zahnbürsten?
Schon a bissl krank…

Karsten
7 Monate zuvor
Reply to  Lad

Ich finde 2nd Hand nicht so schlimm.

Es gibt jede Menge shoppingsüchtige Männer und Frauen, die die Schränke voll mit ungetragenen Sachen habe, wo noch die Etiketten dran sind. Die jeden Tag mehrere Pakete bekommen, mit Retouren durcheinander kommen oder schlichtweg nur den Kick beim auspacken brauchen. Ich hatte auch mal so eine, unfassbar. Neue Sachen ungetragen nach einem halben Jahr bei Vinted oder Kleinanzeigen für einen Bruchteil wieder verkauft.

Ich hab auch schon mal ein paar Basic-Teile bei Vinted gekauft. Ungetragen ist das ja kein Problem. Getragene Unterwäsche würde ich nicht kaufen.

Karl
7 Monate zuvor

Hi Tim, was sagst Du zum Handelsblatt Artikel “Ein Risiko bedroht das Wachstum des Billionenmarkts mit ETFs?

Thorsten
7 Monate zuvor

https://www.n-tv.de/wirtschaft/Kartellamt-nimmt-Coca-Cola-unter-die-Lupe-article24529934.html

Edeka kämpft mit den Konzernen und schmeißt (auch andere Lebensmittelhändler Lidl,…) Markenartikel raus. Ich vermisste NICHTS.

Die Konzerne stoßen an die Grenzen des Wachstums ?
Und arbeiten dehalb mit illegalen Methoden ?

Europa wird ihnen auf die Füße treten.

AndreaGe
6 Monate zuvor

“Aber natürlich verdient niemand Geld mit einer freien Bevölkerung, die dicke Depots hat und von den Dividenden und Kurssteigerungen lebt.”

Ja, genau. Da sagst du was wahres, Tim

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