Der Traum vom Haus: Matthias, 30, kaufte in Norddeutschland mit seiner Freundin ein Eigenheim. Er renovierte alles in Eigenarbeit


New York, 18. September 2018

Leser Matthias hat sich ein Haus mit seiner Freundin gekauft und fast alles eigenständig renoviert. Respekt davor. Er hofft, eventuell in 13 Jahren die Hypothek getilgt zu haben. So sieht sein Haus aus.


Eigentlich sollte dieser Beitrag kein Leserbrief werden, sondern ursprünglich eine Antwort auf einen Kommentar unter einem Artikel.

Aber da er immer länger und ich recht ausführlich geworden ist, dachte ich, es wäre vielleicht für andere Leute interessant meinen Weg in die finanzielle Freiheit zu lesen.

Ich möchte aber vorwarnen, es wird recht umfangreich 🙂

Ein paar einleitende Sätze zu mir.

Ich bin 30 Jahre alt. Von Natur aus sehr sparsam. Geld ausgeben fiel mir immer schon deutlich schwerer, als zu Geld sparen. Mit der Grundeinstellung hatte ich Glück.

Früh habe ich angefangen zu arbeiten, mit 15 mit Zeitungsverteilen am Sonntagmorgen. Nach dem Abitur mit 19 eine Ausbildung zum Industriekaufmann begonnen. Nach Ausbildungsende zeitgleich mit einem Fernstudium in Hagen parallel zum Vollzeitjob weitergemacht. Vollzeitstudent war mir mit familiären Background nicht möglich. Hier hätte ich keine Unterstützung bekommen, war aber auch immer zu stolz danach zu fragen. In meiner Familie hat vorher nie jemand studiert, daher war das Verständnis nur rudimentär vorhanden. Mit drei Geschwistern war Geld außerdem immer sehr knapp.

Glücklicherweise habe ich durch das gute Ausbildungsergebnis ein IHK-Stipendium erhalten, was dann zumindest die Studienkosten zum Großteil decken konnte. Außerdem wenn man einmal an etwas mehr Geldeingang gewohnt ist, dann ist die Hürde davon wieder runterzugehen doch recht hoch, zumindest bei mir war das so. Daher war nur ein berufsbegleitendes Studium eine Option.

Das Studium war nicht wirklich schön und enorm belastend, da ich quasi über 5 Jahre an die 60 Stunden die Woche zu tun hatte. Also groß Urlaub und Wochenende war nicht. Zwischendrin hatte ich noch den Job gewechselt, da mangelnde Perspektiven und ein Gehalt von 1950 Euro brutto für mich in Vollzeit nicht mehr tragbar war.

Mein neuer Arbeitgeber hat mit das laufende Studium mit einem Vertrauensvorschuss belohnt, in dem ich eine Stelle antreten konnte, die eigentlich ein abgeschlossenes Studium verlangt, zumindest auf dem Papier war das so. Inhaltlich konnte ich mich dann doch gut zurecht finden. Die Gehaltsstufe dagegen war natürlich an die Vorbildung angepasst und fiel entsprechend geringer aus, war aber dennoch um gute 50% höher als in meinem alten Job. Also ein Wechsel, der sich gelohnt hat. Das alles ist lang her, das Studium ist abgeschlossen. Inzwischen stehe ich mit knapp 70.000 Euro Jahresgehalt im Rechnungswesen einer norddeutschen Bank recht gut da.

Meine Sparquote war stets sehr hoch. Selbst bei geringerem Einkommen habe ich meist um die 50% zurückgelegt. Wie gesund das war, steht auf einem anderen Blatt. Irgendwann kommt die Zeit, da will man nicht mehr mit fremden Leuten in einer WG leben.

Aber all das hatte den großen Vorteil, dass ich relativ zu anderen gesehen, immer recht „vermögend“ war. Früh habe ich bereits begonnen in Gold und Silber zu investieren. Ich war 17, als ich die ersten Münzen und Barren kaufte. Wer die Charts kennt, weiß, dass da in den letzten 10 Jahren einiges an Bewegung drin war. Vieles habe ich günstig gekauft, so dass ich hier gut im Plus stehe. Übrigens ist der „virtuelle Marktpreis“ für Edelmetalle kein wirklicher Indikator für die Kurse vom physischen Metall. Verschiedene Steuersätze, Spreads und Seltenheitsaufschläge verändern da einiges. Auch auf dem Zweitmarkt spielt das dann wieder eine Rolle. Virtuelles Gold/Silber kommt mir nicht ins Depot. Damit gibt man die Kerneigenschaft, die Sicherheit dieser Anlageform, aus der Hand.

Meine bisherige Ansparzeit war geprägt von den Erfahrungen der Finanzkrise. Ich kenne viele Leute, die in den 2000ern mit ihren Telekom-Aktien verloren haben.

Daher der große Edelmetallanteil im Portfolie, auch wenn ich im Nachhinein einige Chancen an Aktiengewinnen verpasst habe. So gibt mir das eine gewisse Sicherheit, um auch größeren Krisen mit erheblicheren Auswirkungen wie Währungsschnitte oder ähnlichem entgegen zu sehen. Für mich ist das einfach eine Versicherung für die absoluten Notfälle. Hier schau ich nicht täglich auf irgendwelche Charts. Eine Unze Silber bleibt eine Unze, egal ob nur nominell 10, 15 oder 20 Euro dafür aufgerufen werden.

Es beruhigt einfach. Außerdem hätte auch 2008 alles anders laufen können, niemand wusste das. Trotzdem habe ich mich in der Zeit auch mit Aktien beschäftigt. Anfangs auf jeden Fall auch Verluste eingefahren und so ziemlich alle Gewinne wieder verloren, was ich aber inzwischen als Lehrgeld verbucht habe. So habe ich anfangs Spekulation mit Investition verwechselt – ohne es zu wissen. Vermeintlich sichere, konservative Anlagen über- und politischen Einfluss unterschätzt. Der Posten politisch hingerichteter E.ON Aktien liegt zur Mahnung noch heute im Depot. Das war alles in allem sehr teuer, aber Anfängerfehler macht jeder wohl mal. Ich wusste es damals nicht besser.

Trotzdem wächst seit einigen Jahren das Depot wieder, da ich neben dem Abtrag und der Sondertilgung jeden Euro soweit wie möglich auf das Depotkonto übertrage. Neben dem aktuellen Hauskauf sind das zwar keine gigantischen Summen mehr, aber besser als nichts. Dazu im nächsten Absatz mehr.

Im Moment geht es hier Blog viel um Hauskauf versus Miete. Die Frage womit man finanziell besser fährt und ob die Frage überhaupt rein auf Zahlenebene beantwortet werden kann.

Ich denke, ich bin in einer Situation, in der ich mir viele Fragen selbst gestellt hatte und wenigstens für mich bereits beantworten konnte.

Vielleicht hilft der Bericht ja anderen Lesern bei ihrer Entscheidung. Die natürlich immer gegenteilig zu meiner ausfallen kann.

Bei mir liegt der Hauskauf inzwischen fast 2 Jahre zurück. Ich habe ihn bis heute kein einziges Mal bereut. Ich würde es immer wieder so machen.

Wie so vieles hat aber gerade der Hauskauf immer auch zwei Seiten der Medaille. Eigentlich sogar noch mehr, ist also eher ein Würfel als eine Medaille :).

Vorweg meine Erkenntnis: Bei identischer Größe und Ausstattung ist es finanziell langfristig egal, ob gekauft oder gemietet. Das läuft auf Zahlenbasis auf das gleiche Ergebnis hinaus. Hierzu gibt es verschiedene Rechenbeispiele im Netz. Da kann man mit herumspielen. Es nimmt sich nicht viel. Jemand anderes aus dem Blog hatte einen Breakeven bei 20-30 Jahren „errechnet“. Da ist recht viel Glaskugellei mit dabei, Faktoren die heute niemand seriös abschätzen kann. Was aber in der Realität von den Rechenmodellen abweicht.

Ein Wohnungsmieter lebt flächenmäßig meist kleiner als der Häusle-Eigentümer. Der Eigentümer hat eine höhere Zwangssparquote für Abtrag und anstehende Reparaturen. Dadurch werden Vermögen in zwei unterschiedlichen Anlageklassen angehäuft. Nämlich bei dem einen sichtbar auf dem Konto/Depot und einmal nicht ganz so „sichtbar“ im Werterhalt der Immobilie. Daraus resultiere aus meiner Sicht die größten Unterschiede bei der Langfristbetrachtung.

Kommen wir zu den eher „weichen“ Argumenten. Das ist jetzt eine Typfrage des Betrachters und ganz sicher bei jedem anders ausgeprägt. Aber für mich war es nie ein reines Rechenbeispiel, die Zahlen nie alleine Argument für ein Haus. Für mich war schon immer klar, dass es irgendwann ein Eigenheim geben soll.

Meinen ersten „Business Plan“ zum eigenen Hauskauf habe ich mit 14 erstellt. Wie realitätsnah das damals war, kann sich wohl jeder denken :), aber aus dem Traum wurde ein Plan. Für mich ist seit dem Hauskauf ein schwer zu beschreibendes Gefühl von Freiheit eingetreten. Klar im Hinterkopf nagt manchmal der Gedanke an die noch zu tilgende Schuld. Was mich tatsächlich belastet, sind die Momente, an denen man sich diese großen Verbindlichkeiten klar wird, die man im Nacken hat. Das ist für mich als Zahlenmensch ein enormer Druck der Recht weit oben auf der Negativseite steht. Aber alles hat leider irgendwo seinen Preis.

Aber davon abgesehen fühle ich mich wohl wie eigentlich nie zu vor. Ich komme gern nach Hause, bin auch gern zu Hause, wir laden Leute zu uns ein. Gäste kommen immer gern zu uns. Liegt natürlich nicht allein an dem Haus, vieles würde man wohl auch sonst machen. Aber das sind alles Gefühle, die in meinen vorherigen Wohnungen nicht aufkamen. Vermutlich wäre das Haus nach der allgemeinen Sicht hier ein „Clownhaus“, zu groß, teuer im Unterhalt und auch recht aufwändig in der Pflege. Eben ein wahr gewordener Traum. Aber mir war und ist es das an der Stelle einfach wert.

Die Zeit, die man nicht auf der Arbeit ist, verbringt man zum größten Teil zu Hause. Hier sollte man sich wohl fühlen und bei mir gehört da einfach Platz, Ruhe und das Gefühl von Unabhängigkeit mit dazu. Das ist für mich Freiheit. Nur die reine finanzielle Freiheit greift für mich persönlich zu kurz. Was bringt es mir, wenn ich mit einem dick gefüllten Depot in meiner kleinen 2-Zimmer Wohnung lebe, hier kaum Platz zur Selbstentfaltung habe und im besten Fall bei gutem Wetter meinem Nachbarn auf dem Balkon die Hand geben kann.

Das hatte ich alles. Daher weiß ich, für mich nie wieder. Heute sitze ich samstags früh mit der Tasse Kaffee auf der Terrasse, genieße die Stille und freue mich, dass keine Autoabgase der Stadt ins Wohnzimmer wehen. Und dann beginnt der Nachbar mit dem Rasen mähen :).

Na klar, dass gehört natürlich dazu. Man selbst muss sich um sein Haus kümmern. Und damit meine ich nicht nur einmal die Woche Rasen mähen. Aber diese Dinge mache ich auf irgendeine Weise gern. Das ist weniger Arbeit als Freizeitbeschäftigung. Wer hier Bauchschmerzen hat, der hat wohl auch die Antwort, ob er ein Miet- oder ein Kaufmensch ist.

Das Haus wurde zu 98% in Eigenregie renoviert. Lediglich Wasseranschlüsse und Badewanne hat eine Fachfirma eingebaut. Ansonsten haben wir Fußböden, Decken, Elektrik, Wände mauern und tapezieren, sowie Fliesenarbeiten selbst gemacht. Also eigentlich ich selbst. Teilweise hatte ich Hilfe von Freunden und Familie, aber das war eher zu Selbstlernzwecken.

Alles, was ich aufgezählt habe, hatte ich vorher nie gemacht. Ich habe eher einen kaufmännischen Hintergrund. Den Rest habe ich durch das Internet, Youtube-Videos oder Tipps und vor allem selbst ausprobieren gelernt. Mit Geduld und Durchhaltevermögen geht das. Ich habe bestimmt 5 mal solange gebraucht wie der professionelle Fliesenleger, aber dafür alles selbst gemacht. Ich weiß, wer für jede ungenaue Stelle verantwortlich ist. Diese Stellen hat man bei Handwerkern auch, aber da würden mich die gleichzeitigen hohen Kosten noch mehr ärgern.

Inzwischen kann ich sogar Kupferleitungen für Heizung und Wasser löten und selbstpressen. Für viele absolutes Teufelszeug, geht aber alles. Man braucht nur den Mut und den Willen bei Rückschlägen (undichte Lötstellen machen keinen Spaß) trotzdem nicht aufzuhören.

Alles in allem schätzen wir, dass wir bei den Renovierungen rund 150.000 Euro nicht ausgegeben haben. Ok, das Geld hatten wir nicht, aber der Kredit konnte so kleiner ausfallen. Es waren eineinhalb Jahre heftig viel Arbeit und voller Einsatz, aber das hat sich gelohnt.

Ich wohne in dem Haus mit meiner Freundin. Sie verdient zum Glück ähnlich gut wie ich, so dass wir nach einem langen Weg dahin, inzwischen in einer ausgesprochen glücklichen Situation sind. Sie hat einen ähnlichen Lebenslauf wie ich durchlaufen, was nicht nur einmal ein ganz großer Vorteil war. Besonders das gegenseitige Verständnis in Sachen Sparen hat viel gebracht, wobei ich noch etwas intensiver unterwegs bin als sie.

Wir haben den Kredit gemeinsam aufgenommen und tragen ihn auch zu 50% gemeinsam.

Von der Laufzeit her haben wir ein Drittel zu 10 Jahren finanziert und zwei Drittel zu 15 Jahren. Der Abtrag ist hoch, aber 30 Jahre Haus finanzieren, kann ich psychisch nicht akzeptieren, mal abgesehen von dem Zinsrisiko, wenn in 10 Jahren die Zinsen höher stehen.

Nach heutiger Hochrechnung und Beibehaltung der Abtragshöhe wären wir sogar nach 13 Jahren durch mit dem Kredit.

Soweit die Theorie. Das hieße aber, dass wir beide die ganze Zeit voll berufstätig blieben. Höchstwahrscheinlich kommt da aber noch die ein oder andere Nachwuchspause hinzu. Das Haus war von vornherein so geplant, dass wir sogar mit 3 Kindern hier leben könnten. Ob es so viele werden, weiß niemand, ich möchte aber wegen zu wenig Platz nicht noch einmal umziehen wollen. Außerdem liebe ich es Platz zu haben. Ich mag es Sachen auch einmal liegen lassen zu können und nicht sofort alles wegräumen zu müssen, nur weil gleich Abendessenszeit ist.

Der Abtrag mit laufenden Kosten ist so kalkuliert, dass wir auch mit nur einem Gehalt alles abdecken könnten. Dann geht aber kein Urlaub. Große Sprünge sind nicht mehr drin. Aber das tritt hoffentlich bis zum Ende des Kredits nicht langanhaltend ein.

Im Moment renovieren wir noch eine Einliegerwohnung im Keller. Die war bisher nicht als solche genutzt, soll aber zukünftig vermietet werden und uns helfen die Sondertilgungen zu leisten. Dann klappt es vielleicht doch mit den 13 Jahren 😉

Wir sind dort schon recht weit, wobei die Motivation noch mehr rumzukramen zunehmend versiegt. Inzwischen im dritten Jahr möchte ich eigentlich gern mal ein Wochenende auf der Terrasse sitzen und einfach nichts machen.

Aber die Zeit kommt bestimmt :). Und damit der Plan danach intensiver an der finanziellen Freiheit weiter zu arbeiten. Also Aktiendepot ausbauen und mit Mieteinnahmen kombinieren. Aber dazu gehört aus meiner Sicht – wie oben geschrieben – mehr, um wirklich frei zu sein.

Ich habe hier extra keine konkreten Ziele aufgeführt, bis wann ich irgendwelche Vermögenswerte oder Zahlungen aus Dividenden haben will. Dafür sind da viel zu viele Unwägbarkeiten mit drin, die man kaum planen kann. Mir ist wichtig, dass das Grundkonzept passt und die Entwicklung die richtige ist.

Mein Ziel ist früher mit der Pflichtarbeit aufzuhören und von da aus eher Dinge zu machen, die mir mehr Sinnhaftigkeit im Leben geben und auch mehr Spaß machen. Es gibt viele Tätigkeiten die ich gern mache, die aber niemals finanziell zum Leben reichen würden. Dazu einige zeitintensive Hobbys, die ich heute nicht so ausführe wie ich gern würde. Aber ich weiß, dass eine finanzielle Freiheit bei bester Entwicklung nach heutiger Tendenz eher im Alter von 50 aufwärts frühestens zu erreichen wäre. Mehr als meine Sparquote inkl. Tilgungsanteil von rund 65% schaffe ich nicht. Alles hat natürliche Grenzen. Aber die Entwicklung läuft, jetzt kommt die Ausdauerphase in der man sich regelmäßig neu motivieren muss.

Die Zeit auf dem Weg nutzen wir trotzdem ganz gut. Wir reisen viel und lange. Aber oft sehr günstig. Eine dreiwöchige Thailandreise zum Beispiel haben wir komplett Eigenregie geplant und bei gleicher oder besserer Hotelklasse gegenüber dem Reisebüroangebot 30% gespart. Für das Geld, was wir ausgegeben haben, machen andere gerade mal eine Woche Urlaub auf Sylt. Das fällt übrigens Kollegen und Freunden immer am schwersten zu verstehen. Die Frage „Ihr seid schon wieder weg, wie könnt ihr euch das neben dem Haus leisten?“, verliert an Kraft, wenn die Antwort ist, dass die Reise für zwei Leute weniger gekostet hat als die monatliche Fahrzeugleasingrate des Fragestellers.

Ich hoffe der Beitrag spiegelt den Lesern ein bisschen einen Lebensplan wieder, von jemanden der neben der finanziellen Freiheit auch Familie und Hauskauf berücksichtigen möchte.

Neben den vielen anderen, oft sehr guten Beiträgen kommt gerade die Kombination von Familie und finanzieller Freiheit im Blog manchmal zu kurz und ich hoffe ich konnte hier meinen Weg einigermaßen anschaulich vorstellen.

Matthias

*********

Danke für diesen Leserbrief. Ich habe großen Respekt vor dem Fleiß. Der Karriere. Ich finde es super, wie Matthias in Eigenregie fast alles selbst renoviert hat. So wie ich ihn einschätze, wird das Paar die Tilgung zügig durchziehen.

Ich habe nichts gegen ein Eigenheim. Nur sollte man genau alles durch kalkulieren und planen. 100-Prozent-Finanzierungen halte ich für ein Spiel mit dem Feuer.


tim schaefer (Author)

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Gedanken zu „Der Traum vom Haus: Matthias, 30, kaufte in Norddeutschland mit seiner Freundin ein Eigenheim. Er renovierte alles in Eigenarbeit

  1. Christian

    Toller Leserbrief!

    Wenn ihr das Haus in 13 Jahren abbezahlt und Eigenleistungen im Wert von ca. 150.000 € reingesteckt habt – Hut ab! So haben es meine Eltern damals auch gemacht, die brauchten aber (ca. 9 % Zinsen ca. 1990 herum) ein bisschen länger zum Abbezahlen der Schulden.

    Klasse mit dem Studium. Ich habe es nach der Ausbildung auch nicht an die Uni geschafft, der monatliche Geldeingang ist einfach zu verlockend. Habe dann noch den Betriebswirt nebenbei gemacht. Bei dir hat sich das Fernstudium ausbezahlt, tolles Jahresgehalt. Ebenso das Jahresgehalt deiner Partnerin. Klasse!

    Weiter so! Ein schönes Haus habt ihr. Alles Gute!

  2. Diana H

    Tolle Leistung! Dein Karriereweg und dann die Renovierung in Eigenregie sind wirklich vorbildlich. Da kann man nur das Beste wünschen.

     

  3. Maschinist

    Wow Matthias, meinen allergroessten Respekt vor Deiner bisherigen Leistung! Das hast Du super gemacht!

    Und das Haus sieht auch klasse aus!

    Ich wuerde nur gerade als junger Mensch kein Gold und Silber pysisch kaufen. Langfristig bietet das nur einen Inflationsausgleich und das bei sehr grossen Schwankungen. Es gibt keinerlei Cashflow und selbst bei einem Amageddon hast Du als junger Mensch immer Deine Arbeitskraft.

    Ein passiver Aktien ETF liefert Dir dagegen bis zu Deinem Lebensende hunderte von Prozenten an Nachinflationsrendite inkl. des als Cashflow gut verplanbaren Dividendenanteils.

    Schoene Woche!

     

  4. Thorsten

    Sehr schön. Ich bin nur bei der Einliegerwohnung im Keller hellhöhrig geworden. Ich meine , dass eine solche zwar noch Halbparterre aber nicht im Keller liegen darf. Und sie muss getrennt zugänglich sein. Aber das ist mein unter Umständen veralteter Wissensstand. Kellerwohnungen dürfen in Hamburg meine ich auch heute nicht zu Wohnzwecken vermietet werden, aber vielleicht ist das hier ja auch nicht geplant.

  5. Daniel

    Schön geschrieben und wirkt auf mich schon sogar leicht objektiv, da hier das oberlehrerhafte „was ist besser, kaufen oder mieten“ von allen Seiten schön beleuchtet wurde.

    Besonders gut hat mir der Abschnitt gefallen….

    Na klar, dass gehört natürlich dazu. Man selbst muss sich um sein Haus kümmern. Und damit meine ich nicht nur einmal die Woche Rasen mähen. Aber diese Dinge mache ich auf irgendeine Weise gern. Das ist weniger Arbeit als Freizeitbeschäftigung. Wer hier Bauchschmerzen hat, der hat wohl auch die Antwort, ob er ein Miet- oder ein Kaufmensch ist.

    Hier erkenne ich mich wieder, denn ich wäre genau der Mensch der an diesen ganzen kleinen Renovierungen sowas von keine Lust hat. Ich hatte das ja auch glaube ich schon mal in einem anderen Artikel geschrieben, ich glaube dass es zum Teil auch mit der Kindheit zusammenhängt und hier beobachte ich halt eher Gegensätzliches.

    Die Menschen, die als Kinder in der Stadt waren haben aus einem mir unbekannten Grund oftmals den Traum ins Land zu ziehen, wohingegen viele, die als Kinder auf dem Land groß wurden in die Stadt wollen. Wenn ich sehe, wieviel Arbeit sich meine Eltern mit Haus und Hof, sprich dem 1200m² Garten machen, kann ich nur für mich sagen…nein danke.

    Ich habe die oberen Stockwerke umgebaut mit meinem Vater, das Haus ist vom Keller bis zum 2.OG voll ausgebaut. Mein Vater ist der Handwerker schlechthin, hat Jahre auf dem Bau gearbeitet. Gib ihm Zeit und er baut dir vom Fundament bis zum Dachziegel ein neues Haus. Allerdings kommt er natürlich auch langsam ins Alter in dem er viele Dinge auch einfach nicht mehr machen will, beispielsweise an der Fassade herumklettern usw. Und genau das merkt man jetzt auch im Geldbeutel.

    Bei mir mache ich jetzt grade das Bad neu, brauche 2 neue Fenster, neue Fensterbänke und muss eine Wand aufgrund von Feuchtigkeit neu verputzen/abdichten lassen. Natürlich ist das langfristig noch günstiger als Miete zu zaheln. Aber es ist eben nur mein Stockwerk. Wenn ich bedenke ich müsste nun das ganze Haus samt Garten in Schuss halten, bzw. halten lassen, da ich kein Handwerker zuhause werden möchte, dann wird das eine verdammt teure Angelegenheit, erst recht, wenn das Haus 70 Jahre alt ist.

    Würde ich auf grüner Wiese starten, wäre es definitiv für mich eine gemietete Wohnung auf dem Land und kein Eigentum.

  6. Ralf

    Danke für den Leserbrief.

    Eines muss ich aber feststellen: In sehr großen Teilen Norddeutschlands sind Immobilien und Grundstücke deutlich günstiger zu bekommen als hier in Süddeutschland. Bei uns im Raum Heidelberg geht preislich immer mehr die Post ab, von drittklassigen Randlagen mal abgesehen. Das macht es schon etwas einfacher in Norddeutschland (außer in Regionen wie Hamburg oder Sylt).

    Bauen/Kaufen oder Mieten ist glaube ich auch oft abhängig von der eigenen Familienkonstellation und Lebenseinstellung. Familien tendieren vermutlich gerne zu einen Haus mit Garten, ein eingefleischter Single liebt vielleicht eher die Stadtwohnung.

    Alles Gute für euch!

    „..Neben den vielen anderen, oft sehr guten Beiträgen kommt gerade die Kombination von Familie und finanzieller Freiheit im Blog manchmal zu kurz..“

    Das ist so. Wurde hier und da auch schon mal thematisiert. Ich fände es auch toll, wenn sich noch mehr Familienväter oder -Mütter im Blog mit beteiligen würden. Wird vermutlich in der Praxis aber an etlichen für mich oft nachvollziehbaren Punkten scheitern.

    Familie und Kinder waren zu keiner Zeit ein einfaches Thema. Ich habe den Eindruck, viele hätten gerne Familie, trauen sich aber aus diversen Gründen nicht, schieben das Thema vor sich hin oder haben große Schwierigkeiten den passenden Partner zu finden. Nur so viel: Das Thema war schon immer eine Herausforderung. Auch früher. Man muss es eben aktiver angehen und eigene Ansprüche auch einmal neu überdenken.

  7. Bruno

    Finde ein schöner Leserbrief, für mich ist die finanzielle Freiheit auch nicht rein auf Finanzen beschränkt, es geht darum ein sicheres und schönes Leben zu führen, niemand spart ja im Grunde nur damit er reich wird, sondern weil er sich dadurch Freiheit „erkaufen“ kann. Für jeden bedeutet es etwas anderes und die Bedürfnisse sind unterschiedlich.

    Ich habe vor gut 10 Jahren eine Wohnung gekauft, ich hatte damals das Geld um sie direkt in Cash zu zahlen, ich dachte mir während der Finanzkrise, so sei es am Sichersten. Ich wusste damals ja nicht, wie es herauskommt.

    Im Nachgang betrachtet, hätte ich wohl mit einer Hypothek mit tiefer Verzinsung und das Geld in den Aktienmarkt investiert, ein deutlich höheres Vermögen erreicht, aber es hätte auch mehr Risiken bedeutet und niemand hat an 200% Kurssteigerung die nächsten 10 Jahre gedacht zu dieser Zeit. Man lernt nie aus.

    Man muss immer Entscheide fällen und sich damit wohlfühlen. So ist es auch beim Entscheid „Miete oder Kauf“. Es gibt kein richtig oder falsch.

  8. KievKiev

    @ Daniel

    Eigentum ist sicher eine Typsache. Du hast aber manche Berechnungen ungünstig für die Immobilie aufgestellt : „Bei mir mache ich jetzt grade das Bad neu, brauche 2 neue Fenster, neue Fensterbänke und muss eine Wand aufgrund von Feuchtigkeit neu verputzen/abdichten lassen. Natürlich ist das langfristig noch günstiger als Miete zu zaheln. “

    Du siehst die Arbeit, die die Immobilie mit sich bringt zu negativ. Den Arbeiten steht schließlich die äußerst geringe Miete gegenüber, falls überhaupt vorhanden. Wir legen hier alle gerne unser Geld an, aber zumindest für die Buchhaltung würde ich eine realistische virtuelle Miete ansetzen. Aus den Einnahmen hättest Du vermutlich die Handwerker beauftragen können. Falls Du es dennoch in Eigenregie durchführst, machst Du es um Geld zu sparen. Das bringt natürlich gerade in den Anfangsjahren langfristig eine sehr gute Rendite. Beschweren brauchst Du Dich dann aber nicht 😉 Ich mache auch Teile selbst. Komme handwerklich aber nicht an den Autor hier ran (Heizungsrohre usw.). Es ist zu Stoßzeiten auch manchmal etwas viel. Aber ich möchte es schließlich auch um das Vermögen „schnell“ aufzubauen. Das Haus kann nichts dafür.

  9. Wohnung mit Domblick

    Noch vor einem Jahr hatte ich mir in den Kopf gesetzt, auch mal ein Haus statt der Eigentumswohnung* haben zu wollen. Aber das habe ich mir nun anders überlegt. Die kleine Stadtwohnung kann ich jederzeit für Monate verlassen und auf Reisen gehen. Jedenfalls sobald ich keinen ortsgebunden Job mehr brauche. Kosten und Aufwand für Unterhalt sind minimal. Platz zur Selbstentfaltung ist natürlich immer knapp, da muss man kreativ werden. Bei einem Haus hatte ich das Gefühl: Man lebt nicht nur im Haus, man lebt auch für das Haus. So gehts einem befreundeten Paar, die sich mit der Finanzierung etwas übernommen haben und seit dem nicht mal den Innenausbau fertig bekommen. Aber sie fühlen sich wohl dabei.

    Natürlich hast Du Dir das gut überlegt und somit kann ich Dich zu Deinem Erfolg beglückwünschen und Euch alles Gute wünschen.

    *Anmerkung: Es gibt nicht nur Wohnungsmieter und Hausbesitzer, es gibt auch Wohnungsbesitzer 😉

  10. Vitality

    kann ich voll unterstützen – ich habe es ähnlich gemacht wie du in deinem Alter und das Haus ist schon länger voll bezahlt. Gutes Gefühl! Mein Rat, egal wie die Zinsen sind, immer Vollgas zurückzahlen!

    Zum Silber: Virtuelles Gold/Silber kommt mir nicht ins Depot. Damit gibt man die Kerneigenschaft, die Sicherheit dieser Anlageform, aus der Hand

    Warum? Wenn es ein physisch hinterlegter ETF in der Schweiz ist (Bsp UBS), sehe ich das als genauso sicher, wie wenn ich das unter der Matraze habe.

    Zur Einliegerwohnung: Ich habe lieber ein kleineres Haus und meine Ruhe. Geringe Betriebskosten, etc.. Sonst bist du wieder beim WG-Charakter..

    Aber ansonsten, weiter so!

     

  11. Oliver

    Matthias ist auf einem gutem Weg, weil er genau das gemacht hat, was er sich für sein Leben wünscht. Ein ganz wichtiger Aspekt dabei: Ein Hauskauf ist keine Zahlenentscheidung, sondern eine Lebensentscheidung, wie ich gerne wohnen möchte. Wie beschrieben braucht man ein Faible für Reparaturen und Ausbau des Hauses und wer das gerne macht, wird damit sicher glücklich. Da es sich anhört, dass er dabei zufrieden ist. gratuliere ich ihm dazu.

    Grüße Oliver

     

  12. Thorsten

    @Daniel

    Würde ich auf grüner Wiese starten, wäre es definitiv für mich eine gemietete Wohnung auf dem Land und kein Eigentum.

    Meine Gedanken dazu : Das kann ich nachvollziehen. Wir sind ja oft im Wendland und ich kenne das Saarland auch sehr gut. Obwohl diese beiden ländlichen Gegenden erst mal  am Ende der Wirtschaftskraft in der Republik rangieren haben sie iens gemeinsam : Mietobjekte gibt praktisch nicht, vereinzelt nur dort wo Mittelstädte sind. Eigentum ist der Standard. Boden und Häuser kosten nicht viel, die meisten sind selbst gebaut. Man kauft  den Boden, baut  und muss dann eben den Aufbau und den Unterhalt der Immobilie finanzieren. Häuser bekommt  man quasi nachgeschmissen und das bedeutet nicht zwangsweise, dass es eine Bruchbude ist. Oft sind die Immobilien von den Vorbesitzern in einem guten Zustand, manchmal auch nicht, aber das sieht man dann ja und es schlägt sich im Preis nieder. Der Witz ist, da wo viel verdient wird, wird viel gemietet. Frankfurt, Hamburg, München, Stuttgart. Weil eben so viele Menschen auf einem Haufen sitzen oder irre ich mich ?! Die Alternative zum Mieten auf dem Land (wenn es eben keine Mietwohnugen gibt) wäre es ein kleines Grundstück mit einem passenden Haus zu haben, das im Unterhalt nicht viel kostet, aber trotzdem etwas Garten und Freiheit bietet, denn  die will man ja auf dem Land in der Regel dann auch haben, also ich jedenfalls. Problematisch wird die Sache wenn man >80 wird und Knochen oder Augen das Autofahren behindern. Viele Nachbarn von uns sind mit 80 entweder in die Großstadt zurück (Krankenhaus, Arzt) oder haben das haus aufgegeben und  sich in eine der  wenigen Mietwohnungen/Altersheime in den paar Mittelstädten einquartiert. Einer ist nach Thailand ausgewandert, hat dort eine neue Liebe gefunden und der Frau war es zu kalt hier im Winter 😉

    @Wohnung mit Domblick

    Ich weiß  nicht, ob Du Familie hast. Wenn nicht , dann würde ich kein Haus kaufen. Wir haben unser Haus nur erworben, weil wir mehr Platz brauchten. Zu Zweit hätten wir in unserer alten Wohnung ganz prima gelebt und hätten die Tür zugeworfen, um z.B auf Reisen zu gehen oder übers Wochenende aufs Land.  Ich habe nie den Traum gehabt ein Haus zu wollen, es ist mir zugefallen, weil die Baustelle auf der anderen Seite immer größer wurde und wir dann zugegriffen haben als Nachbarn sich für ein Haus beworben haben und den Prospekt rüberreichten, wir wussten bis dato nix was da gebaut wird ;). Wäre es nicht so gewesen, würden wir wahrscheinlich heute noch in der Wohnung wohnen oder wegen der Kosten evtl. viel weiter draußen, aber das wollten wir nicht (Kita, Schule sind Betonklötze, da bewegt man sich nicht mehr). Jetzt wo ich im Haus wohne kann ich es mir für die jetzige Familiensituation anders nicht mehr vorstellen. Sollten die Kinder irgendwann ausziehen/wegziehen dann wäre es eine Überlegung wert sich zu verkleinern. Nur haben wir natürlich schöne Erinnerungen hier, der Garten ist top usw. Sich dann zuzugeben man schafft es nicht mehr oder wohnt zu groß das wird sicher ein Aufwand. Ich möchte das aber im Auge behalten, wenn es irgendwann so weit ist. Alleine würde ich nicht in einem Haus leben, defintiv nicht.

    @Kiev

    auch nicht zu vergessen, dass Fenster etc. alles was in der Wohnung mittel- oder langfristig anfällt IMMER letztlich vom Mieter letztlich komplett gezahlt wird.  Die Regelungen zur Umlage bei  Modernisierung betreffen nur die aktuell anfallenden Kosten und federn für ihn Kostenspitzen ab, damit der Mieter nicht benachteiligt wird, alles andere ist in der Miete drin und wird zum Teil als Rücklage gebunkert. Ist die Rücklage augenfällig zu niedrig, sollte man eine Teil der Miete selbst zurücklegen und/oder sie auf der Eigentümerversammlung erhöhen lassen. Gute Verwaltungen machen das im Vorfeld, wenn z.B das Dach nach 30 Jahren mal saniert werden muss.  Da gibt es eine Statistik, dass viele Privatvermieter ein Minus machen. Wenn das stimmt, dann sind die Mieten zu niedrig  und diese Folgerung steht der Mietpreisbremse gegenüber. Ein fairer Mittelweg z.B Orientierung am Median des Mietspiegels bei Neuvermietung (sofern wegen Kappungsgrenze möglich) ist sicher ein guter und fairer Weg.

     

  13. AlexanderG

    Interessanter Leserbrief, sehr zielstrebig, das finde ich super! Hut ab vor der Eigenleistung, das können nur einige wenige.

    Darf man erfahren was du für das Haus gezahlt hast, und wo es liegt?  Leider sind die Preise in den Städten bei uns in Bayern derartig in die Höhe geschossen, dass es keinen Sinn macht ein Haus zum 30-fachen einer Jahreskaltmiete (oder teilweise noch mehr!) zu kaufen. In Norddeutschland ist alles noch etwas günstiger, da habt ihr Glück. Die Gehälter sind ja in Hamburg auch nicht schlecht.

  14. Thorsten

    @AkexanderG ich vermute Umland Kiel, ggfls Hannover. Hamburg wäre noch denkbar, aber wir haben keine echte Großbank hier, HSH in Kiel, NordLb in Hannover. Ein paar Büros gibt es hier zwar noch, aber die Musik spielt woanders. Bin gespannt ob er es verrät, weil der Ort den Arbeitgeber verraten würde.

  15. A.

    Hallo,

    also deine Einstellung ist gut und vernünftig. Das wichtigste wurde schon gesagt.

    Was den Kredit angeht: Als Mieter hat man auch Schulden, jeden Monat, die man an den Vermieter zahlt so sehe ich das zumindest. Man muss auch nicht gleich ein großes Haus kaufen, klein geht auch (klein/groß ist dann subjektiv).

    Das ist jetzt eine Typsache: ich persönlich kann mit der Zahl an Schulden bei der Bank recht gut leben. Bis jetzt haben wir fast jedes Jahr eine kleinere Sondertilgung durchgeführt. Die Zinsen in, sagen wir mal 10 Jahren, werden, so denke ich, nicht bei 5 oder 6 Prozent oder mehr sein.

    Wir haben 2013 z.B. zu 3,3 Prozent finanziert. Danach sind die Zinsen sogar gefallen. In 5 Jahren könnten wir Umfinanzieren (10 Jahres Frist, gesetzlich vorgeschrieben). Selbst wenn die Zinsen nun steigen, zahlen wir diese auf einen kleineren Restbetrag. Diesen Punkt sollte man nicht außer Acht lassen.

    Von einer „extremen“ Tilgung halte ich, bei den aktuellen Zinssätzen, rational gesehen, nicht soviel

    da es mir auch wichtig ist Bargeld zu haben bzw. einen möglichst hohen Cashflow im Monat
     Man darf die Inflation (2% in Deutschland im Regelfall) nicht vergessen. Sie ist bei der Abbezahlung bei den heutigen Zinssätzen also 3-4 Prozent Zinsen sehr hilfreich  bzw. wie ein großer Rückenwind, statt wie z.B. in den 90ern, wie ich oft höre, von 9 bis 12 Prozent wo sie nicht so ins Gewicht gefallen ist.

    Außerdem kann man z.B. einen Teil des Geldes auch in Dividendenaktien investieren um einen zweiten Einkommensstrom aufzubauen. Aber das alles ist eine Typfrage, wie ich es bereits gesagt habe.

    Du gehst deinen Weg und welcher der Richtigere ist wird man erst im Nachhinein wissen.

    Gruß

  16. AlexanderG

    @A.   Das mit dem schnellen tilgen sehe ich genauso kritisch wie du, mit der zusätzlichen Anmerkung, dass es vor allem bei vermieteten Immobilien Sinn macht langsam zu tilgen. Wenn man idealerweise noch einen alten hoch verzinsten Bausparvertrag hat, der höhere Zinsen abwirft als das Darlehen kostet, der fährt die Tilgung runter (auf 1% oder sogar 0%) und tilgt stattdessen in seinen BSV rein. Die alten geben meistens 4% Guthabenzinsen.  Meine Darlehenszinsen für die vermietete Immobilie kann ich zudem in Deutschland komplett steuerlich abziehen.  Wenn man es in Excel berechnet, stellt man fest dass man somit deutlich schneller schuldenfrei ist als normalerweise. Man muss nur aufpassen, dass Zuteilung und Fälligkeit des Darlehens zeitlich nahe zusammen liegen.

  17. Mattoc

    Als Mieter hat man auch Schulden, jeden Monat, die man an den Vermieter zahlt so sehe ich das zumindest.

    Dann hast du auch Schulden für den Internetanschluss, Telefonanschluss, Handy-Vertrag, Fitnessstudio, im Supermarkt, beim Stromanbieter, ganz extrem bei der ehemaligen GEZ, beim Staat und sicher noch bei vielen anderen.

     

    Nein, Spaß bei Seite:

    Für mich ist genau der Punkt, dass ich als Mieter eben KEINE Schulden (über Jahrzehnte) habe, der Grund zur Miete zu wohnen und möglichst wenig Gegenstände in die gemietete Wohnung zu räumen. So bleibe ich räumlich und finanziell flexibel (heutzutage auch wichtig im Job), mein Geld lege ich jeden Monat am Aktienmarkt an und entscheide später, wenn ich das Ziel sehe, wo ich wohnen möchte.

     

     

  18. Monaco

    Zum Silber: Virtuelles Gold/Silber kommt mir nicht ins Depot. Damit gibt man die Kerneigenschaft, die Sicherheit dieser Anlageform, aus der Hand

    Warum? Wenn es ein physisch hinterlegter ETF in der Schweiz ist (Bsp UBS), sehe ich das als genauso sicher, wie wenn ich das unter der Matraze habe.

    Ich sehe es eher so wie Matthias (Hut an übrigens vor Deiner/Eurer Leistung). Wenn ein echtes Krisenszenario eintritt, bekomme ich für ein kleines Goldstück evtl. noch ein Stück Brot beim Bäcker. Ich kann es auch verstecken/vergraben und nacher wieder ausgraben. Diese Sicherheit sehe ich beim ETF so nicht.

  19. Monaco

    „..Neben den vielen anderen, oft sehr guten Beiträgen kommt gerade die Kombination von Familie und finanzieller Freiheit im Blog manchmal zu kurz..“

    Das ist so. Wurde hier und da auch schon mal thematisiert. Ich fände es auch toll, wenn sich noch mehr Familienväter oder -Mütter im Blog mit beteiligen würden.

    @Ralf

    Bei mir ist es so, dass ich neben viel Zeit und schönen Erlebnissen mit der Familie, diese finanziell absichern möchte. Wenn ich, was Gott verhüten möge, zeitnah sterben sollte, will ich, dass meine Lieben so gut wie möglich versorgt sind. Natürlich macht es ein Kind und (bald das Zweite) nicht einfacher.

    Ich werde aber sicher nicht nur arbeiten und sparen, um das zu erreichen. Sonst sagen mir meine Kinder vielleicht nur mal: Du warst ja nie da oder Ähnliches. Das will ich auf keinen Fall.

    Zudem will ich nicht, wie ein Pharao, mit meinen Reichtümern beerdigt werden.

    Meine Frau bleibt 2 Jahre daheim und vielleicht auch bald nochmal ein oder zwei Jahre. Da bleibt ordentlich Einkommen auf der Strecke. Ich finde es trotzdem gut so, da die Mutter gerade anfangs unglaublich wichtig ist (m. M. n.). Viele finden das wohl veraltet, wie ich auch schon hier im Forum nachlesen konnte (über irgendeine Sparkassen-Werbung, wo die Frau 2 Kinder hat und  schon wieder schwanger ist – Weltbild wie vor 100 Jahren wurde das genannt), aber die „dumme Natur“ hat es nun mal so eingerichtet, dass die Frauen die Kinder bekommen und Milch geben und normalerweise einfach besser für diese „Mutter“Rolle geeignet sind.

     

     

  20. Monaco

    @Thorsten

    Du sprichst mir aus der Seele.

    Bei uns war es tatsächlich so, dass mein Vorschlag, die Instandhaltungsrücklage auf ein brauchbares Niveau zu erhöhen, mehrheitlich abgelehnt wurde. Begründung überwiegend: Die Tilgung wäre so hoch usw. Bin gespannt, wie viele dann verkaufen, zusätzlichen Kredit aufnehmen oder sonst was müssen, wenn mal die richtig knackigen Sonderumlagen kommen.

    Die Instandhaltung ist vermutlich auch das, was die meisten Mieter oder Berichterstatter komplett vergessen oder bewusst außen vor lassen. Diese betrifft nicht nur die Wohnung innerhalb, sondern auch das gesamte Haus mit Grünflächen, meist noch Tiefgarage, etc. pp. Das sind nicht zu unterschätzende Summen.

    Aber zu Deiner Aussage:
    auch nicht zu vergessen, dass Fenster etc. alles was in der Wohnung mittel- oder langfristig anfällt IMMER letztlich vom Mieter letztlich komplett gezahlt wird.

    Ja, im Grunde richtig. Aber es gibt leider auch genug Fälle, wo Null Miete eingeht, die Wohnung runtergwohnt wird und bis man die Leute hierzulande draußen hat, alles so kaputt ist, dass man nur neu machen kann. Hat man das alles neu einem solchen Nomaden vermietet und muß danach alles nochmal neu machen, zahlt später kein Mieter die doppelte Miete.

     

  21. Zwitsch

    Laut einer aktuellen Umfrage wünschen sich die meisten finanzielle Freiheit aber nur jeder siebte hält Sparsamkeit für wichtig…. Sehr ambivalent meine ich….

  22. Thorsten

    @Zwitsch interessanter Gegensatz. Die Leute wollen wohl im Lotto gewinnen
    @Monaco Mietnomaden durch einen guten Makler aussortieren lassen wäre meine Hoffnung. Aber gute Makler sind rar. Es dauert 20 Jahre bis zu merkbaren Reparaturen. FlachDach war bei uns nach 35 Jahren fällig. Das hat eine Jahresmiete gekostet. Durch die bessere Dämmung sind die Leute im obersten Stock sehr zufrieden.

  23. A.

    Mietnomaden gibt’s wohl nur ca. 3 Prozent.

    Ist extremes Pech wenn man einen abbekommt. Bescheinigung vom Vorvermieter und Schufa Auskunft sollte helfen.

    @Mattoc

    Ja, im Grunde schon Schulden, weil wenn ich nicht zahle flattern die Mahnungen ins Haus. ?

     

     

     

  24. KievKiev

    @ Monaco

    Bist Du schon lange im Forum? Deiner Beschreibung nach bist Du hier zumindest genau richtig.

    Geld kann man akkumulieren, Zeit nicht. Der Zinseszins schafft aber wieder Freiheiten für einen späteren Zeitpunkt. Hier hilft viel Kapital durch Einkünfte gerade am Anfang. Das ist genau der Spagat den sich jeder für sich überlegen sollte.

    Bei allen Konsumausgaben frage ich mich, ob ich sie brauche und falls nicht, ob sie mir ihren Preis auch wert sind. Falls Du noch kein Haushaltsbuch führst hilft es Dir vielleicht einen Überblick zu bekommen. Vielleicht befinden sich ein paar unnötige Ausgaben darunter. Mir ist tatsächlich die Krankenversicherung meiner Frau lange nicht aufgefallen, da es nicht meine ist. Hier konnte ich durch einen einmaligen Wechsel alleine 30€ im Monat sparen. Damit alleine wird man kein Vermögen aufbauen, aber es ist zumindest ein Schritt in die richtige Richtung. Freizeit- und Kulturangebote gibt es für Familien zahlreich. Es gibt sehr viele kostenlose oder sehr günstige Möglichkeiten. Zumindest in meiner Stadt. Als Idee für einen Urlaub könnte vielleicht auch Camping interessant sein. Das ist für die Kinder sehr spannend und kostet nicht viel. Außerdem wird nicht an Erlebnissen gespart. Im Gegenteil. Ich wünsche Dir viel Erfolg auf Deinem Weg.

  25. KievKiev

    @ Mattoc

    Hier passt der Spruch auch gut:

    Buy Utility, Rent Luxury

    Eine Wohnung ist als Beispiel absolut notwendig, wenn man beispielsweise als Einzelperson z.B. 45qm bewohnt. Hier würde ich die Miete wie A. ähnlich zu Schulden in der Höhe sehen. Welche Alternative gibt es? Nur ein WG Zimmer wäre vielleicht noch günstiger, aber wohnen muss man schließlich. Das gilt auch für Supermarkt, Stromanbieter und GEZ. Zumindest im Ausgabenbereich von Utility. Alle Kosten im Bereich von Luxury kann man ohne Schulden durch Verzicht natürlich wesentlich einfacher reduzieren.

    Schulden für eine Wohnung der Kategorie Utility finde ich persönlich nicht so problematisch. Den Luxury Teil sollte man schnellstmöglich abzahlen, wenn man sich hier etwas viel gegönnt hat. Manchmal trifft man auch eine Entscheidung für die Zukunft (Familien mit Wunsch von Eigentum). Hier muss man vielleicht Schulden aufnehmen, wenn man sich nicht von 20qm bis 120qm als Beispiel alle paar Jahre durch Neuerwerb steigern möchte. Das ist in Deutschland durch die Nebenkosten leider eh nicht so einfach möglich. Man könnte darauf aber auch Verzichten, wenn man mietet. Das sollte sich jeder gut für sich überlegen. Dazu hilft seine Wünsche aufzuschreiben und zu priorisieren. Vielleicht gibt es auch Alternativen. Man sollte sich nie zu steif auf ein Modell fixieren. Erst wenn man seine Entscheidung (Bei Wohnung das konkrete Objekt) getroffen hat sollte man sich darauf fokussieren. So kann man im Kleinen optimieren.

  26. Iceman

    Sehr schöner Leserbrief in dem ich große Teile unserer Einstellung wiedererkenne.

    Wir haben auch so finanziert,dass im Notfall (Scheidung, Tod man weiß nie was das Leben bringt) einer das Haus auch alleine finanzieren kann und mit den Kinder(n) dort weiter wohnen kann.

    Wie Matthias aber schreibt, gibt es immer etwas zu tun, im Sommer im Garten und im Winter eben im Haus. Zeit um das ganze zu geniessen bleibt zwar auch aber vll nicht ganz so oft wie man dachte, da die Tochter wieder verstecken spielen will im Garten 🙂

    Seit dem Kauf Anfang 2017 machen wir eine Liste was im nächsten Jahr gebaut/erneuert wird.

    Dieses Jahr war eine neue Heizung dran, eine Schaukel für die Tochter, Baum fällen, sowie eine neue Steintreppe im Garten.

    Auf die Treppe bin ich besonders stolz.Diese habe ich mit zwei Kollegen gebaut, da eine Stufe gut 100 Kilogramm wiegt. Die Heizung habe ich als SHK Meister selbst eingebaut.

    Wirklich verblüfft bin ich jedoch immer wieder wenn ich in die Excel-Liste schaue und mich frage was ich mit dem Geld mache wenn wir keinen Kredit mehr haben, oder wenigsten ein Darlehen getilgt ist und man nur noch die hälfte zahlt.

    Diese Frage treibt mich auch um, soll ich mehr sondertilgen, aktuell sondertilgen wir jährlich ca. 1,5% der Gesamtfinanzierung.

    Auf der anderen Seite füttere ich mein Depot von Zeit zu Zeit mit Aktien, welche mir zum Kaufzeitpunkt eine höhere Nettodividendenrendite als 1,7% geben, da unser eff. Jahreszins 1,38% beträgt möchte ich das haben. Wenn die Divi-Rendite niedriger ist, ist sondertilgen schlauer finde ich.

     

  27. Mattoc

    @Kiev

    Es ist schon ein wesentlicher Unterschied, ob ich im Rahmen eines Mietvertrags eine Zahlungsverpflichtung habe, die ich je nach Entwicklung der persönlichen Situation nach 3 Monaten ändern kann, oder ob ich RÜCKzahlungsverpflichtungen habe, auf die ich auf Sicht von Jahren (ggf. Jahrzehnten) keinen Einfluss nehmen kann – außer diese zu bedienen.

  28. Nico Meier

    Meine Frau (28) und ich (36) habe im 2017 ein kleines Haus mit Garten gekauft bei uns in der Schweiz sind die Mietpreise relativ hoch. Wir haben vorher für eine 4.5 Zimerwohnung im Aargau auf dem Land 2’200 Franken Monatsmiete bezahlt.

    Würden wir unser Haus mieten, müssten wir dafür mindestens 2’800 Fr. Monatsmiete zahlen ohne Nebenkosten.

    Wir haben für den Kauf einiges an Eigenkapital aufgebaut, daher kostet uns die Hypothek nur rund 400.- Fr im Monat.

    Wir zahlen uns selber eine Fiktive Miete in Höhe von 2’800 auf ein Zahlungskonto. Wir haben vor die Restschuld zügig zu tilgen. In unserem Fall ist Kaufen definitiv günstiger als Mieten aber ich möchte das nicht für alle anderen Verallgemeinern.

  29. Sparta

    @Nico

    „In unserem Fall ist Kaufen definitiv günstiger als Mieten aber ich möchte das nicht für alle anderen Verallgemeinern.“

    Die Behauptung verstehe ich nicht.

    Ist das absolut oder relativ zur Mietwohnung gesehen, weil das Haus größer als die 4,5 Zimmer-Wohnung ist?

    Das vorhandene Eigenkapital hätte ja auch im Aktienmarkt investiert werden können…

    Auch mit fiktiven Mietzahlungen auf ein Zahlungskonto… was ist daran real und was ist fiktiv?

    Größeres Eigentum verursacht in der Regel größere Kosten. Skaleneffekte bei Immokauf von privaten Käufern sind unwahrscheinlich. Wenn sich die Wohnfläche verdoppelt, ist ein ~25 % Kostenvorteil (ohne NK) für eine hypothetisch identische Wohnfläche zwar nett, aber insgesamt sind die Kosten für eine halb so große Wohnung vermutlich absolut gesehen trotzdem günstiger.

    Ansonsten ist das jeweils eine individuelle Rechnung mit mehr Variablen. Bei vielen Immo-Befürwortern kommt aber schnell eine emotionale Komponente mit rein, da Lebenstraum. Ist aber vollkommen legitim.

  30. Nico Meier

    @Sparta

    Meine Frau und ich wollen in einem Haus Leben zu dem ein grosszügiger Garten gehört also haben wir die Möglichkeit ein solches Haus zu mieten oder zu kaufen.

    Ein Haus wie das von uns gekaufte zu mieten würde in unserer Region rund 2’800 Franken also rund 2’500€ im Monat kosten ohne Nebenkosten also kalt.

    Meine Frau und ich habe pro Monat nur fixe Kosten in Höhe von 400 Franken also rund 350€ Zins für unsere Hypothek. Wir könnten nun einfach alle drei Monate diese 1200 Franken also pro Monat 400 an die Bank überweisen, da wir aber Rücklagen für unterhalt und Amortisation bilden wollen zahlen wir uns diese fiktive Miete auf ein Zahlunbkskonto. Im Sommer wird jeweils der Heizöltank gefüllt da müssen schnell mal 2’000 bis 3’000 Franken für Öl zur Verfügung stehen. Wenn die Heizung ersetzt werden muss werden in der Schweiz schnell 20’000 bis 30’000 Franken für ne neue Heizung fällig.

    Was bringt mir ein Vergleich mit einer kleinen alten Mietwohnung wenn ich nicht dort leben will. Man könnte Unterwäsche auch gebraucht kaufen aber auch das möchte ich nicht, daher vergleiche ich neu gekaufte Unterwäsche auch nicht mit welcher aus dem Brokenhaus!

  31. KievKiev

    @ Nico
    Ich finde noch immer, dass mein entdeckter Ausdruck alle Meinungen vereint:
    Buy Utility, Rent Luxury
    Spartas genannter „wesentlicher Unterschied“ zwischen mieten und kaufen steckt da meiner Meinung nach drinnen. Du bist mit dem Einfamilienhaus in der Schweiz sicher nicht ganz links im Utility Balken. Aber Du hast es ja auch nicht mit 0% finanziert. Hättest Du eine Villa mit wenig Geld finanziert, so wäre der Zeiger ziemlich weit recht im Luxus. Hier hat Sparta natürlich absolut Recht, dass man bei Geldproblemen sich bei mieten recht leicht verkleinern kann. Wenn der Zeiger ganz links ist, hat man aber keine Möglichkeiten. Hier ist es dann auch fast egal, ob gekauft oder gemietet wurde. Man hat ganz andere Probleme wenn man z.B. nicht eine 45qm Wohnung mehr wie auch immer bedienen kann. Da gibt es dann Hartz4, oder persönliche Insolvenz als Möglichkeiten.
    Du wirst das Haus neben den Zinsen auch vermutlich mit mehr als 1% tilgen. Die Differenz zwischen Miete kalt und Zinsen + Tilgung + Sondertilgung gemittelt könntest Du mit den Kaufnebenkosten auch anlegen und so ein Haus mieten. Dann könntest Du auch die Rücklagen anlegen, da Du sie nicht brauchst. Ob sich nur unter diesem Aspekt das Haus gegenüber mieten lohnt ist die Frage. Ich sehe es aber auch nicht so verbissen. Eigentum hat natürlich noch weitere Vorteile, wenn man der Typ dafür ist. Das kann man mit Geld auch nicht einfach aufwiegen. Ich versuche mir zumindest darüber bewusst zu sein, wie viel Luxus ich mir gönne. Wenn ich alles als notwendig hinstelle kann man schlecht vergleichen.

  32. Nico Meier

    @Kiev natürlich ist es nicht zwingend nötig in einem freistehenden Einfamilienhaus mit Garten zu leben da bin ich einverstanden.

    Meine Frau und ich sind beide in guten positionen Berfstätig und haben keine Angst vor einer Kündigung. Unsere Jobs sind sicher. Zurzeit tilgen wir indirekt 2% pro Jahr das Geld fliesst in die 3.Säule die steuerbefreites Sparen fürs Alter ermöglicht. Alle 5 Jahre kann diese 3.Säule aufgelöst werden und eine direkte Tilgung so erreicht werden.

    In vielen Fällen wird die Tilgung der Hypothek als Wohnkosten angesehen, mit dieser Betrachtungsweise bin ich nicht einverstanden, denn durch die Tilgung wird das Haus abbezahlt und es entsteht vermögen beim Mieter entsteht durch das Zahlen der Wohnkosten in Form von Miete kein Vermögen gebildet!

  33. Sparta

    @Nico

    „Meine Frau und ich habe pro Monat nur fixe Kosten in Höhe von 400 Franken also rund 350€ Zins für unsere Hypothek. Wir könnten nun einfach alle drei Monate diese 1200 Franken also pro Monat 400 an die Bank überweisen, da wir aber Rücklagen für unterhalt und Amortisation bilden wollen zahlen wir uns diese fiktive Miete auf ein Zahlunbkskonto.“

    Sorry, ich blick`s nicht… Die Zinszahlung für die Hypothek bedient ihr nicht, weil ihr Rücklagen für Unterhalt und Amortisation bilden wollt??? So lese ich Deinen Absatz, bzw. mir ist nicht klar wie man es anders verstehen könnte.?

    Bei der Betrachtungsweise Eigentum vs. Miete müsste man die Opportunitätskosten für das eingebrachte Eigenkapital auch berücksichtigen wenn es um den gesamten Vermögensendwert nach 1-3 Dekaden gehen soll, bzw. um klar zu entscheiden, welche Form lukrativer war.

    Die aktuell laufenden Kosten alleine zu vergleichen ist nur ein Aspekt der Gesamtrechnung.

  34. Hans-Georg

    Doktor Kommer ist doch mindestens seit 2010 als Crash-Prophet unterwegs.

    Wer 2010 eine Wohnung gekauft hat, hat im Durchschnitt (!) 70 bis 100 % Gewinn gemacht (nur an Wertsteigerung), ganz zu schweigen von den Mietpreiserhöhungen seit dieser Zeit.
    Doktor Kommer predigt seit dieser Zeit Mieten statt Kaufen wie ein Dirk Müller Gold/Acker/Whisky nur keine Aktien predigt.

    Beides Crashpropheten.

    Wer eine Immobilie kaufen will sollte Doktor Kommer lesen, aber seinen Argumenten nur mit Vorsicht folgen. Wer Aktien kaufen will, sollte Dirk Müller lesen, aber seinen Argumenten nur mit Vorsicht folgen.

     

  35. Big Ben

    Nun, da muss ich dem Nico doch mal zur Seite springen. Auch ich lebe in der Schweiz (Nähe Zürich) und wir haben vor rund zehn Jahren eine Eigentumswohnung erworben. Die Mietpreise in der Schweiz sind sehr hoch, die Zinsen extrem niedrig (Negativzinsen). Zudem weist der Schweizer Markt noch ein paar Besonerheiten auf, denn der (fiktive) Eigenmietwert muss als Einkommen versteuert werden, die Hypothekenzinsen können dafür steuerlich geltend gemacht werden. Somit lohnt sich derzeit eine schnelle Tilgung der Immobilie in den seltensten Fällen. In der Regel wird in der Schweiz nur ca. 1/3 der Hypothekenschuld im Laufe von 20 Jahren amortisiert.

    Das führt dazu, dass es angesichts der tiefen Zinsen – wir zahlen derzeit z.B. nur 0,45% p.a. an Hypothekenzinsen – der Kauf einer Wohnung/eines Hauses wesentlich attraktiver sein kann. Denn im Raum Zürich erhält man für 3’000 Franken selten eine familientaugliche Wohnung an attraktiver Lage. Ich hatte es in einem anderen Beitrag aufgezeigt: Wir zahlten vor 10 Jahren 3’100 Franken Miete/Monat, heute maximal 15’000 Franken im Jahr an Hypotheken, Versteuerung Eigenmietwert, Hauswartdienste und Instandhaltungsrücklagen – für zwei Wohnungen notabene (kleine Ferienwohnung in den Bergen).

    Zumindest für uns ist die Rechnung aufgegangen, auch wenn wir die 20% Eigenkapital erst einmal aufbringen mussten.

  36. Thorsten

    @Nico

    man darf nicht verallgemeinern, stimmt schon, und ich proklamiere jetzt auch nicht wieder Immobilien auf Teufel komm raus, keine Angst.

    Aber bei uns lief es ähnlich, ein hoher Eigenkapitalanteil und zügige Tilgung sind der Schlüssel, bei günstigem Einkauf. Und natürlich niedrige Zinsen.

    Ich habe meine erste Eigentumswohnung noch. Es ist der komplette Wahnsinn, dass ich mir diese Wohnung selbst gar nicht mehr zur Miete leisten könnte, wenn sie jemand anderem gehören würde und ich mieten müsste. Die Miete ist höher als die Annuität,  die ich für mein Haus monatlich gezahlt habe. Ich bin gerade etwas heftig irritiert, aber es scheint so zu stimmen.

    Die Tilgung ist defintiv keine Ausgabe oder gar Wohnkosten, sie ist zu 100% Zwangssparanteil ! Mit der monatlichen Annutiät gehen die Schulden runter, der Sparanteil rauf und das folgt Monat für Monat der Zinseszinsformel. Eine Sondertilgung und sei sie noch so klein hat einen enormen Hebeleffekt, im besten Fall geht nach der Sondertilgung die monatliche Zahlung brutto auch etwas runter , was das Risiko auch weiter senkt.

    Natürlich kann man argumentieren, dass man mit Miete und Investition in den Aktienmarkt besser stehen könnte. Ich halte dagegen, dass der Schuldenabbau bei einer gekauften Immobilie berechenbar ist, wenn der Kredit lange genug abgeschlossen wurde (10 oder 15 oder mehr Jahre). Man braucht keinen Markt, der mal steigt oder fällt. Die riskante Anfangszeit nach dem Kauf ist dann eine Wette auf die eigene Arbeitskraft und die Gesundheit. Ich hatte diesen Optimismus als ich jünger war und dann gekauft habe.

    Jetzt habe ich wohl doch wieder Immos gehypt, die Mietfraktion möge mir das nachsehen. Die Situation ist heute ja auch anders. Immos sind verdammt teuer.

  37. Sparta

    @Thorsten

    Wer sagt denn dass z. B. ich der Mietfration angehöre? 😉

    Ich verstehe nur manche Pauschalthesen nicht, dass z. B. Zinsen nicht gezahlt werden, um Rücklagen zu bilden.

    Auch die Aussage, dass in der Schweiz nur 1/3 der Hypothekenschuld in 20 Jahren amortisiert wird, klingt irgendwie …  sehr außergewöhnlich.

    Schweizer Bänker scheinen sehr geduldig warten zu können …

    Ein Schelm wer da Hintergedanken hat.

  38. Kia

    „Auch die Aussage, dass in der Schweiz nur 1/3 der Hypothekenschuld in 20 Jahren amortisiert wird, klingt irgendwie … sehr außergewöhnlich.Schweizer Bänker scheinen sehr geduldig warten zu können …“

    Die haben da wirklich ein anderes Kreditsystem für Immobilien.

    Damit Mieter und Eigentümer steuerlich gleich behandelt werden gibt es den Eigenmietwert. Der Schweizer, in eigener Immo wohnend, zahlt Steuern auf die fiktive Miete, welche er zahlen müsste, würden er seine Immo mieten statt diese zu besitzen. Diese Steuerschuld sinkt wenn auf der Immo ein Kredit lastet, da die Kreditzinsen gegengerechnet werden. Somit lohnt sich eine schnelle Tilgung des Kredits für den Schweizer nicht da sonst für die abbezahlte Immo Steuern für die fiktive Miete abgedrückt werden müssen.
    Es ist also ein Steuersparmodell.

  39. Sparta

    @BigBen

    „Somit lohnt sich derzeit eine schnelle Tilgung der Immobilie in den seltensten Fällen. In der Regel wird in der Schweiz nur ca. 1/3 der Hypothekenschuld im Laufe von 20 Jahren amortisiert.“

    Na dann mal her mit der seriösen Quelle!

    Wenn ich mir das so durchlese:

    https://haus-finanzieren.org/baufinanzierung-schweiz/

    „Im Gegensatz zu Deutschland sind Schuldner in der Schweiz dazu verpflichtet, ihr Hypothekendarlehen innerhalb einer bestimmten Frist zurückzuzahlen. Ab jetzt gilt bei Neuverträgen, dass 75% des Verkehrswertes einer Immobilie nach 15 Jahren getilgt sein müssen (früher 20 Jahre).“

    Kommt bitte mit seriösen Behauptungen und Quellen!

    traffic-gruyere? 😉

  40. Big Ben

    @sparta

    Kiev hat es sehr gut erklärt. Die Quelle bin ich selbst, viele in unserem Bekanntenkreis verfahren gleich. Wir amortisieren derzeit rund CHF 8000  jährlich auf unsere Immobilie für insgesamt knapp über 20 Jahre. Dafür zahlen wir in die steuerbegünstigte Säule 3a jeweils den Maximalbetrag ein und haben den erforderliche Betrag verpfändet. Das heisst mit anderen Worten: 65% der Immobilie gehört nach dieser Zeit noch immer der Bank. Sollte unser Einkommen dann im Rentenalter unterhalb der Tragfähigkeitsgrenze liegen kann es sogar passieren, dass die Bank Dich zwingt, Deine Wohnung zu veräussern. Kommt in der CH gar nicht so selten vor.

    Zu Deinem Link: der Vekehrswert ist nicht gleich der Marktwert der Immobilie. Bei uns beträgt der Verkehrswert – der Glaube ich vom Kanton festgelegt wird – in etwa die Hälfte des tatsächlichen Werts. Somit beisst sich die Aussage also überhaupt nicht.

    Also: andere Länder, andere Sitten – und in der CH ziemlich komplex. Und für die wenigsten hier im Blog relevant.

    Für uns lohnt sich eine schnelle Tilgung aus den bereits erwähnten Gründen nicht, das mag bei anderen durchaus anders sein.

     

  41. Wedges

    zinseszins funktioniert in beiden richtungen. wir hatten zuletzt 0,25% zinsen zu zahlen.  wer nicht die bank entscheiden lässt, wie hoch die rückzahlung ist, fährt da schon nicht schlecht.

     

    bei uns hieß das 9 jahre für die tilgung anstatt 20.

    das geld, welches vorher in der tilgung gesteckt wurde läppert sich, wenn man es nicht verkonsumiert

  42. Sparta

    @Big Ben

    Klingt sehr seltsam … 65 % Bankschulden nach 20 Jahren und dann nicht ganz unwahrscheinlich das Damoklesschwert mit höheren Zinsen…

    In der Rente noch saftige Schulden hat für mich mal so rein gar nichts mit finanziell frei zu tun.

    Gut, wenn ihr schon das Fazit einer 50-60 jährigen Fremdfinanzierung am Anfang ziehen könnt.

    Viel Glück mit diesem Konstrukt und angeblichem neuem Schweizer „Normal“.

  43. Big Ben

    @ Sparta

     

    Na, da mach Dir um uns mal keine Sorgen. Das ist schon gut durchdacht und sollten die Zinsen steigen, können wir durchaus die eine oder andere Tranche auslösen. Die FF erreichen wir in voraussichtlich 5-6 Jahren, also weit vor der Rente, die in 16 Jahren ansteht.

    Cheers

     

    Big Ben

     

  44. Sparta

    @Big Ben

    Alles Gute!

    Ist nur meine subjektive Sicht, dass ich mich mit 700 k Schulden gegenüber ner Bank nicht unabhängig fühlen kann.

    Gut, wenn 5000k dagegen stehen ok.

    Eigentum ist es ja auch nur 1/3 und der grössere Anteil gehört der Bank.

  45. Nico Meier

    @Sparta

    Ich habe nirgends behauptet wir würden die Hypothekarzinsen nicht zahlen, denn die Hypothekrazinsen werden viertelhährlich direkt vom Verrechnungskonto abgezogen auf welches wir unsere fikitive Miete einztahlen.

    Auch wir „tilgen“ unsere Hypothek indirekt über die Säule 3a in unserem Fall zahlen wir pro Jahr 10’000 in die Säule 3a ein, damit können wir diese 10’000 von unserem steuerbaren Einkommen abziehen, was uns als Ehepaar eine Steuerersparnis von rund 2’500 Franken beschert. Die Säule 3a kann in regelmässigen abständen aufgelöst werden und damit die Hypothekarschuld direkt getilgt werden.

    CH und DE haben unterschiedliche Systeme bei der Finanzierung von Wohneigentum so würde in der Schweiz niemals eine Wohnimmobilie zu 100% von einer Bank finanziert werden, da bei uns ein „hartes“ Eigenkapital von 10% erforderlich ist welches nicht aus der beruflichen Vorsorge Pensionskasse stammen darf. Diese Massnahme wurde eingeführt um einer Immobilienblase vorzubeugen.

    Wie man auch immer rechnen mag in unserem Fall ist die Variante Kauf die günstigere.

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