Warum die Baisse dein bester Freund ist – wenn du den Magen dafür hast

Die Schlagzeilen überschlagen sich wieder. Auf den Finanzportalen leuchtet alles tiefrot, Fernsehkommentatoren warnen mit ernster Miene vor dem großen Knall, dem Kollaps. Und in den Foren macht sich die nackte Panik breit. Meine CTS Eventim stürzt heute um 12% ein, der Finanzvorstand ist Hals über Kopf weg. Der amerikanische Bonitätsprüfer Fair Isaac stürzte gestern um über 20% ab. Autsch. Washington erlaubt mehr Konkurrenz bei den Kreditwürdigkeitschecks vor der Hypothekenvergabe. Der FICO-Score verliert sein Monopol.

Die Kriege in der Ukraine und dem Iran wüten. Das Öl und der Diesel bleiben teuer. Die Zinsen steigen. Damit verteuern sich die Hypotheken in den USA weiter, womit der Immobilienmarkt noch mehr leidet. Die Inflation hält sich hartnäckig. Es scheint endgültig die Zeit des billigen Geldes (Null-Prozent-Zinsen) vorbei zu sein.

Verbraucher haben weniger Geld zur Verfügung und fürchten sich vor Jobverlusten angesichts des KI-Booms. Und angesichts der vielen Firmenkrisen (VW). Wer jetzt ins Depot schaut, sieht Buchverluste. Heftig. Für viele Kleinanleger fühlt es sich wie ein persönlicher Angriff an. Wir können vor einer Baisse stehen: Wenn die Kurse um über 20% einbrechen, spricht man von einer Baisse. Das kommt alle paar Jahre vor und ist per se nicht schlimm.

Ich sitze hier in Manhattan bei einer einfachen Tasse Filterkaffee und kann mich über diese Aufregung nur wundern. Denn nüchtern betrachtet ist ein Bärenmarkt das Beste, was einem langfristigen Sparer passieren kann. Ein Follower schickt mir wie ein Irrer ständig Nachrichten und ist außer sich angesichts der Kursverluste.

Der einzige Supermarkt, aus dem die Kunden bei Rabatten fliehen

Stell dir vor, du gehst in deinen Stamm-Supermarkt, und plötzlich kosten Haferflocken, Äpfel und Kaffee 30 Prozent weniger. Was machst du? Rennt irgendjemand schreiend aus dem Laden und ruft: „Um Himmels willen, die Preise fallen, ich kaufe nie wieder Lebensmittel!“?

Natürlich nicht. Jeder vernünftige Mensch füllt seinen Einkaufswagen.

An der Börse passiert bei Kursstürzen exakt das Gegenteil:

  • Anleger verkaufen panisch am Tiefpunkt und schwören Aktien für immer ab.
  • Medien verkaufen Angst, weil sich Panik besser klickt als Gelassenheit.
  • Solide Konzerne mit vollen Kassen und treuen Kunden werden behandelt, als stünden sie morgen vor der Pleite.

Eine Baisse ist schlichtweg der Sommerschlussverkauf der Wall Street. Wer noch 10, 20 oder 30 Jahre Vermögensaufbau vor sich hat, sollte für fallende Kurse beten, statt sie zu fürchten. Je billiger du Anteile hervorragender Unternehmen kaufst, desto höher ist deine Rendite auf lange Sicht.

Und die starken Firmen nutzen Krisen und Ausverkaufsstimmungen ohnehin oft clever. Sie kaufen geschwächte Konkurrenten zum Schnäppchenpreis. Sie kaufen ihre eigenen Aktien mit Rabatt zurück.

Frugalismus als Sicherheitsnetz

Warum verlieren so viele Menschen im Bärenmarkt die Nerven? Weil sie über ihre Verhältnisse leben oder Geld investiert haben, das sie kurzfristig für die Miete oder den nächsten Autokredit brauchen.

Genau hier zahlt sich ein frugaler Lebensstil aus:

  • Geringe Fixkosten: Wer keine teuren Konsumschulden bedienen muss, gerät bei fallenden Kursen niemals unter Verkaufsdruck. Ich habe so gut wie keine Abos, kein Auto etc.
  • Hohe Sparquote: Jeder gesparte Euro im Alltag fließt genau dann in den Markt, wenn Aktien mit zweistelligen Abschlägen gehandelt werden. Ich denke nicht ans Verkaufen. Ich kaufe weiter zu.
  • Seelenfrieden: Die beste Strategie taugt nichts, wenn man nachts nicht schlafen kann. Schuldenfreiheit und ein solider Notgroschen sind das Fundament, um stoisch Kurs zu halten. Ich habe noch eine Hypothek seit dem Umzug in eine größere Wohnung am Washington Square Park und tilge sie wie ein Verrückter, um so schnell wie möglich die Last wegzubekommen.

Dividenden sprudeln auch im Regen

Während der Papierwert schwankt, läuft das reale Leben weiter. Menschen kaufen Zahnpasta, trinken Limonade, versenden Pakete und zahlen für Cloud-Speicher. Amazon wird gerade historisch günstig bewertet, das KGV ist gering, auch andere Kennziffern.

Erstklassige Cashflow-Maschinen – sogenannte Dividendenaristokraten – schütten auch im Bärenmarkt verlässlich Geld aus. Suche genau nach ihnen. In der nächsten Baisse gibt es sie auch mit Rabatten.

Reinvestierst du diese Dividenden während einer Baisse, kaufst du automatisch mehr Anteile für denselben Ausschüttungsbetrag. Das ist der Zinseszins-Turbo in Zeitlupe. Genau das mache ich über meinen DRIP Plan.

Jede Baisse in der Geschichte der Weltwirtschaft endete mit einem neuen Allzeithoch. 2000, 2008, 2020 – rückblickend wünscht sich jeder Anleger, damals beherzt zugegriffen zu haben. Genau jetzt ist wieder so ein Moment, sollte es kräftig abwärts gehen.

Schalte die Wirtschaftsnachrichten ab, geh eine Runde spazieren, koche dir zu Hause etwas Leckeres und kaufe stur weiter Qualität. Gerade wenn die nächste Krise kommt, bleibe ruhig. Reichtum entsteht an der Börse nicht durch hektisches Handeln, sondern durch eisernes Durchhaltevermögen.

Das ist mein Depot

Apropos Durchhaltevermögen. Ich habe 30 Jahre lang fast nur „Buy and Hold“ gemacht. Das Resultat: Ich bin finanziell frei und muss nicht mehr arbeiten. Dennoch kann ich meine Ersparnisse jetzt nicht verpulvern wie ein Lebemann. Ich lebe deshalb weiter ziemlich bodenständig. In der Regel meide ich Restaurants und teure Hotels. Auf Luxus kann ich verzichten. Ich habe keine Putzkraft und keinen Gärtner. Selbst ist der Mann. Hier siehst du mein gesamtes Depot:

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