Ich habe kürzlich mit Christian Röhl gesprochen. Das YouTube-Video stieß in meinem Kanal auf viel Zuspruch. Seine Anlagephilosophie basiert auf unternehmerischem Denken, rationaler Cashflow-Analyse und einer disziplinierten Qualitätsauswahl – vor allem bekannt durch sein Konzept des „Dividendenadels“.
Er hat in dem Interview folgende 3 Dividenden-ETFs empfohlen, die er rät als Trio zu halten.
- Vanguard FTSE All-World High Dividend Yield UCITS ETF: Sehr breite Abdeckung von Industrie- und Schwellenländern, gewichtet nach Dividendenvolumen (Large-Cap-Fokus).
- L&G Global Dividend Equity UCITS ETF: Breiter Ansatz mit Gleichgewichtung und Einbezug von Small Caps.
- VanEck Morningstar Developed Markets Dividend Leaders UCITS ETF: Fokussierter Ansatz mit 100 Werten und strengen Qualitätskriterien (höherer Finanzsektor-Anteil).
Diese 2 Welt-ETFs sind ein starkes Fundament im Depot
Daneben empfiehlt Christian den MSCI All Country World (ACWI) ETF generell als solides Top-Basisinvestment für den Vermögensaufbau.
Ich bin der Meinung, du kannst auch diesen hier nehmen, wenn du in die gesamte Weltwirtschaft nach Marktkapitalisierung investieren willst: der A2PKXG ist dann ein sehr gutes Produkt. Er wird auch als „der heilige Gral“ beschrieben. Ein Nutzer hat auf Reddit die Vorzüge genau diesen Vanguard FTSE All-World erklärt und mit anderen Produkten verglichen. Er kommt zu dem Schluss, dass er genau diesen Vanguard Vanguard FTSE All-World (A2PKXG) vorziehen würde, egal als ob thesaurierend oder ausschüttend.
Christian besitzt jede Menge Einzelaktien. Auch dieser Weg ist denkbar statt der ETFs. Oder es ist eine Mischstrategie möglich: ETFs plus Einzelaktien. Doch haben viele Anleger keine Lust, tief in die Materie einzutauchen. Für Faulenzer, die keinen Bock haben sich groß mit dem Aktien-Thema zu beschäftigen, und die ihr Geld gerne Jahrzehnte liegen lassen, bietet sich eben ein ETF wie der A2PKXG an, in den man dann monatlich automatisiert Geld hinein buttert. Am besten gehst du ziemlich aggressiv vor, indem du versuchst, eine möglichst hohe Sparquote zu erreichen. So kannst du entsprechend gute Fortschritte erzielen im Laufe der Zeit.
Aktienpicker sollten das von Christian lernen
Von Christian kannst du folgendes lernen, wenn du Aktienpicker bist.
1. Unternehmerisches Investieren statt Spekulation
- Aktien als reale Firmenbeteiligungen: Eine Aktie ist kein Spekulationsobjekt oder Spielball von Kurscharts, sondern der anteilige Besitz an einem operativen Geschäft mit realen Kunden, Produkten und Gewinnen. Eine Aktie ist also kein Lottoschein.
- Preissetzungsmacht und Bilanzstärke: Bevorzugt werden Geschäftsmodelle mit solidem Burggraben, geringer Verschuldung und Preissetzungsmacht, die Krisen und Inflation operativ abfedern können. Er setzt Christian gerne auf Dividenden-Aristokraten bzw. -Könige.
2. Der „Dividendenadel“: Kontinuität vor Spitzenrendite
- Gefahr der Dividendenfalle: Eine auffallend hohe Dividendenrendite ist häufig ein Warnsignal für fallende Kurse oder bevorstehende Kürzungen. Qualität steht stets über der reinen Renditehöhe.
- Nachhaltigkeit und Payout-Quote: Entscheidend sind kontinuierliche Ausschüttungen über Jahre hinweg und eine gesunde Ausschüttungsquote (typischerweise 40 bis maximal 75 % des freien Cashflows), damit dem Unternehmen genügend Kapital für Reinvestitionen bleibt.
- Echtheitszertifikat für Cashflows: Reingewinne lassen sich bilanzpolitisch gestalten, eine tatsächlich überwiesene Dividende hingegen nicht. Sie beweist die operative Ertragskraft eines Unternehmens.
3. Die Praxis: „Buy, Hold and Check“
- Kein blindes Kaufen und Liegenlassen: Christian grenzt sich von passivem Dogmatismus ab. Wer Einzelaktien hält, muss regelmäßig überprüfen („Check“), ob die ursprüngliche Investmentthese noch intakt ist. Doch ich habe hier einen Kritikpunkt: Viele Erfolgsunternehmen geraten hin und wieder in schwere Krisen. Etwa verlor die Amazon-Aktie im Jahr 2000 90%, dann hätte man zu einem der ungünstigsten Zeitpunkte die Flinte bei Amazon ins Korn geworfen. 2003 hat McDonalds über 70% seines Werts in einer Qualitätskrise verloren. Wärst du damals beim Fast-Food-Riesen raus, hättest du enorme Renditen verpasst. Das sind nur 2 krasse Beispiele.
- Pragmatische Kombination: Für viele Privatanleger empfiehlt Christian eine Core-Satellite-Struktur: Ein breit diversifizierter ETF-Kern, ergänzt um handverlesene Qualitätsaktien für Anleger, die Spaß an der Unternehmensanalyse haben.
- Internationale Streuung: Konzentration auf Branchen- und Währungsdiversifikation, um Klumpenrisiken im Heimatmarkt (Home Bias) zu vermeiden.
4. Mindset: Demut und emotionale Disziplin
- „Cool bleiben“ bei Marktkorrekturen: Kursschwankungen sind der unvermeidbare Eintrittspreis für langfristige Renditen. Wer in Krisen panisch verkauft, zerstört systematisch Kapital.
- Verzicht auf Market-Timing: Kurzfristige Kursbewegungen lassen sich nicht verlässlich prognostizieren. Zeit im Markt schlägt den Versuch, den Markt zu timen. Generell sagt er, dass es dennoch Sinn macht, zuzuschlagen, wenn viele Angst hätten angesichts einer Megakrise.
Für Christian muss eine Anlagestrategie nicht maximal komplex sein, sondern vor allem zur eigenen Lebenssituation und Risikobereitschaft passen, damit man sie auch bei Gegenwind diszipliniert durchhält. Ich finde, dass Christian die Börsenthematik exzellent erklärt und von ihm kann man viel lernen.