Kriegsnebel am Aktienmarkt: Warum ich jetzt keine Panik schiebe – und wo die echten Chancen liegen

Leute, schaltet die Nachrichten ab. Wenn man sich die aktuellen Schlagzeilen zum Konflikt im Iran ansieht, könnte man meinen, morgen geht die Welt unter. Die Medien lieben Panik. Panik bringt Klicks, Panik verkauft Zeitungen. Aber Panik ist der absolute Todfeind deines Depots.

Ich sitze hier in meinem neuen Apartment in New York, unser Baby liegt neben mir in seiner Krippe und beobachte das hysterische Treiben an der Wall Street. Sobald die Spannungen in Nahost eskalieren und die Lage in der Straße von Hormus unübersichtlich wird, werfen die nervösen Zittrigen ihre Aktien auf den Markt. Die Volatilität schießt durch die Decke, der Ölpreis klettert. Und plötzlich wird alles verkauft, was nicht niet- und nagelfest ist.

Lasst euch nicht verrückt machen. Ich sage euch, wie ich als Wall-Street-Minimalist die Sache sehe: Geopolitische Krisen sind schrecklich für die betroffenen Menschen, aber für den langfristigen Aktienmarkt sind sie fast immer nur ein kurzes Rauschen. Wir bleiben unserer Buy-and-Hold-Strategie treu. Wer jetzt in blinder Angst verkauft, macht die Fehler, über die er sich in fünf Jahren grün und blau ärgern wird. Einzelne Aktien hat es besonders getroffen: Microsoft ist zum Beispiel in wenigen Monaten um 30% eingebrochen. Der Krankenversicherer UnitedHealth Group hat sich in den vergangenen Monaten fast halbiert, weil die Gesundkeitskosten steigen und Washington nicht mehr so großzügig ist bei der Kostenerstattung für krankenversicherte Rentner. Ich habe die Krankenkasse im Depot und warte einfach ab.

Der offensichtliche Trade: Rüstung und Energie

Natürlich gibt es Sektoren, die von so einer Lage sofort profitieren. Rüstungsgiganten wie Lockheed Martin, RTX oder Northrop Grumman sowie Rheinmteall rücken in den Fokus, und das schon länger. Eben seit der Invasion Russlands in die Ukraine vor 4 Jahren. Ebenso gefragt sind wie IT-Sicherheitsanbieter à la Fortinet oder Check Point. Und klar, wenn das Öl knapper zu werden droht, reiben sich Energiewerte und Ölfelddienstleister wie Schlumberger (SLB) oder Baker Hughes die Hände.

Aber ganz ehrlich? Wenn es in den Nachrichten steht, ist es an der Börse meistens schon eingepreist. Jetzt noch auf den rasenden Zug aufzuspringen und den Aufschlag für die Angst der anderen zu bezahlen, ist keine Value-Strategie. Es ist eine Momentum-Strategie, sie kann funktionieren. Aber ich liebe eher richtig ausgebombte Aktien wie Nike oder CTS Eventim. Übrigens liebt Hedgefondsmanager Howard Marks auch abgestürzte Aktien wie ich. Mit ihm habe ich schon häufiger gesprochen. Er ist ein cooler Deep-Value-Milliardär. Deshalb sehe ich seine Interviews so gerne auf YouTube. Von David Tapper und Chris Hohn bin ich auch ein Fan.

Antizyklisch denken: Wo jetzt das wahre Geld liegt

Wenn ihr wirklich aktiv werden wollt, dann müsst ihr dorthin schauen, wo gerade Blut auf den Straßen fließt. So wie Marks. Ich habe zum Beispiel Private-Equity-Haus KKR für knapp 10.000 Dollar gekauft, nachdem die Aktie kollabiert ist. Antizyklisches Investieren erfordert Eier, aber es zahlt sich aus.

Schaut euch die Reise- und Tourismusbranche an. Sobald die geopolitische Lage brenzlig wird und der Kerosinpreis wegen eines steigenden Ölpreises anzieht, werden Airlines und Tourismus-Werte brutal abgestraft. Genau hier entstehen jetzt massive Zukaufchancen.

  • Airlines: Fluggesellschaften wie Ryanair, United Airlines oder Lufthansa werden im ersten Reflex oft gnadenlos abverkauft. Die Angst vor steigenden Kosten und sinkender Reiselust drückt die Kurse. Für mutige Langfristanleger ist das ein Geschenk. Gerade eine extrem effiziente Airline wie Ryanair wird aus solchen Phasen langfristig gestärkt hervorgehen. Die meisten Anleger hassen regelrecht Airlines-Aktien, sie warnen nämlich vor den angeblich enormen Risiken. Dabei hat sich die Branche verändert. Sie ist oligopolistisch geworden. So beherrschen United, Delta, American und Southwest 75% des US-Marktes. Du siehst: Die Großen werden immer größer, indem sie die Kleinen schlucken bzw. pleite gehen lassen. Das ist in Europa ähnlich.
  • Kreuzfahrt und Tourismus: Ähnliches gilt für Anbieter wie Carnival, die ich im Depot habe. Die Reisebranche wächst langfristig weiter, Kriege hin oder her. Wer jetzt die Nerven behält und qualitativ hochwertige Unternehmen zu gedrückten Preisen einsammelt, legt den Grundstein für satte Renditen.

Füße stillhalten und Dividenden kassieren

Am Ende des Tages ändert ein Konflikt im Nahen Osten nichts an der fundamentalen Stärke eurer Core-Holdings. Eure Dividend Kings (Dividendenkönige) werden weiterhin Quartal für Quartal Geld ausschütten. Ein Unternehmen wie Nike verkauft nicht plötzlich weniger Schuhe weltweit. Und die Leute kündigen nicht massenhaft ihr Netflix-Abo, nur weil die Geopolitik verrückt spielt.

Also: Bleibt stur. Lasst das Depot in Ruhe, wenn ihr keine freien Cash-Reserven habt. Wenn ihr Cash habt, haltet Ausschau nach den völlig irrational abgestraften Reise-Werten oder Krankenkassen wie Humana oder UnitedHealth. Ja, das Geschäft mit Patienten ist hier margenschwach, aber durch die Skalierung sind enorme Profite möglich, wenn diese Flaute zu Ende geht. Washington hat schon mehr Geld versprochen, um die Krankenkassen aus der Patsche zu helfen. Konzentriert euch auf das Wesentliche, lebt minimalistisch und lasst den Zinseszins für euch arbeiten.

Viele Grüße aus Manhattan

Euer Tim

Mehr dazu habe ich in diesem Live Video erklärt:

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