Ich lief gestern Abend hier in Manhattan die 5th Avenue entlang, wo ich neuerdings wohne. Die Schaufenster glitzern. Die Menschen drängen sich mit vollen Einkaufstüten von Gucci und Abercrombie durch die Straßen. In der Hand den obligatorischen Starbucks-Kaffee für 7 Dollar und ein teurer Snack.
Auf den ersten Blick sieht das nach Reichtum aus. Aber lass dich nicht täuschen. Ich kenne die Statistiken. Die meisten dieser Menschen sind pleite.
Sie leben von Gehalt zu Gehalt. Wenn der Job weg ist, reicht das Ersparte keine drei Monate. Das ist der Wahnsinn der Mittelschicht: Sie verdienen gut, aber sie besitzen nichts. Sie hauen alles raus, als ob es kein Morgen gibt.
Das Hamsterrad glänzt golden
Das Problem ist nicht das Einkommen. Das Problem sind die Ansprüche.
In Deutschland ist es nicht anders als hier in New York. Sobald das Gehalt steigt, muss der Lifestyle mitziehen:
- Der VW Golf reicht nicht mehr, es muss der Audi A6 sein, der 60.000 Euro und mehr kostet. Natürlich geleast.
- Die Wohnung muss größer sein, in der besseren Gegend.
- Jedes Jahr das neue iPhone, auf Raten.
- Der teure Urlaub, um auf Instagram gut auszusehen. Natürlich muss man Business Class fliegen, sonst kann man heutzutage niemanden mehr beeindrucken.
Wir kaufen Dinge, die wir nicht brauchen, von Geld, das wir nicht haben, um Leute zu beeindrucken, die wir nicht mögen.
Das Ergebnis? Du bist ein Sklave. Du musst arbeiten, um den ganzen Plunder zu finanzieren. So kannst du nicht „Nein“ zum Chef sagen. Du kannst nicht einfach mal ein Sabbatical machen. Die Folge: Du bist gefangen im goldenen Käfig. Du steckst fest im Konsum-Hamsterrad. Statt all dem glitzernden Plunder ist deine Gesundheit wichtiger, darauf solltest du dich konzentrieren.
Reich wird man durch Verzicht (am Anfang)
Ich werde oft belächelt, weil ich 15 Jahre lang in einer rund 60 qm-Wohnung (trotz Millionendepot) lebte und mir kein Auto kaufe. „Tim, gönn dir doch mal was“, sagen sie. „Morgen kannst du tot sein. Dann war alles für nichts. Du weisst, es kann dich jederzeit treffen.“
Ich gönne mir was: Freiheit. Die Wahrscheinlichkeit ist größer, dass ich weit über 80 Jahre werde, als heute schon die Erde zu verlassen.
Ich kaufe Aktien. Ich kaufe Anteile an Unternehmen, die für mich arbeiten. Während der Nachbar die Raten für seinen SUV abstottert, kassiere ich Dividenden von CTS Eventim, Bank of America, Chevron, Johnson & Johnson, Commerzbank, Deutz, SAP, Frosta und Villeroy & Boch. Das sind übrigens meine 5 größten Dividendenzahler.
Das ist der Unterschied:
- Die Mittelschicht kauft Verbindlichkeiten (Dinge, die Geld kosten).
- Reiche kaufen Vermögenswerte (Dinge, die Geld bringen wie Aktien, ETFs, Garagen, Renditewohnungen, Stellplätze, geistiges Eigentum).
Der Ausweg ist schmerzhaft einfach
Es ist keine Raketenwissenschaft. Du brauchst keinen IQ von 160, um wohlhabend zu werden. Du brauchst Charakter.
Hier ist der Plan, der dich aus der Mittelschicht-Falle holt:
- Hör auf zu posen. Es interessiert niemanden, welches Auto du fährst oder welche Marken zu trägst. Wirklich niemanden.
- Erhöhe deine Sparquote. 10% sind nett. 20% sind gut. 50% sind der Weg zur Freiheit. Wenn du eine Gehaltserhöhung bekommst, erhöhe nicht deinen Lebensstandard, sondern deine Sparrate. Mein Sparquote lag fast immer über 50%, eher bei 60 bis 75%. Ich lebte in WGs in New York und im Studentenwohnheim in Stuttgart und hatte häufig Nebenjobs. Ach so, dass man in New York Mäuse in alten Gebäuden hat, ist ein gewöhnliches Problem und hat nichts mit Armut zu tun. Überhaupt gebe ich zu: Ich hatte mal eine verschwenderische Phase. Ich war damals nicht zufrieden – es war zum Glück eine kurze Konsumzeit. Schnell fand ich heraus, dass mich das nicht glücklich gemacht hat,
- Kauf Qualität. Steck das Geld in solide Aktien oder breite ETFs. Und dann mach nichts. Lass es liegen. 10 Jahre, 20 Jahre, 30 Jahre. Der Zinseszins ist wie ein Wunder. Der Bonner Multimillionär Helmut Jonen (@Waikiki5800) ist ein Beispiel, was man alles erreichen kann, wenn man lange genug sein Geld an der Börse für sich arbeiten lässt. Er kassiert fast 1.000 Euro Dividenden am Tag. Helmut macht seit über 4 Dekaden „Buy and Hold“ mit Substanzaktien.
Die meisten entscheiden sich für den Schein
Es liegt an dir. Willst du reich aussehen oder willst du reich sein?
Die meisten entscheiden sich für das Aussehen. Das ist bequem. Das gibt kurzfristig Bestätigung. Aber wenn du heute den Gürtel enger schnallst, kannst du in 15 Jahren das machen, wovon die anderen nur träumen: Leben, ohne arbeiten zu müssen.
Ich kaufte uralte Wohnung
Es ist in einem Promihaus. Ich habe ewig dafür gespart und investiert. Das Interview mit dem Coop-Board meisterte ich, weil ich ein ausreichend großes Depot habe. Die Wohnung ist ziemlich abgewohnt, sie hat eine uralte Küche und alte Bäder. Die eine Badewanne hat bestimmt 50 oder gar 100 Jahre hinter sich. Aber cool ist das Ding irgendwie. Manchmal lassen sich historischen Kult-Einbauten wunderschön sanieren. Wer hat schon eine gusseiserne Badewanne, die so schwer ist, dass man sie nicht heraustragen kann – sie muss in mehrere Teile geschnitten werden.
Schrittweise werde ich die Wohnung renovieren und einen Teil selbst erledigen – zum Beispiel den Anstrich. Ich habe die Immobilienschwäche in Manhattan genutzt, um günstig zum Zuge zu kommen. Der Preis sank gegenüber dem Wunschpreis des Verkäufers um fast 1 Million Dollar. Seit 2 Jahren hat der Vorbesitzer versucht, das Apartment zu verkaufen. Der Markt ist schwach. Und wenige wollen wohl eine abgewohnte Wohnung kaufen. Es ist wie ein schmutziges Auto – das verkauft sich einfach schlecht. Der Kühlschrank ist vielleicht 25 Jahre alt, vor solchen Dingen schrecken viele zurück. Der Elektroherd ist alt, ebenso die Geschirrspülmaschine. Dabei lassen sich Stromschlucker ruckzuck austauschen.
Apropos sparen: Ich liebe Ausstellungsstücke in den Läden, die es zum Teil 50 bis 70% unter dem offiziellen Verkaufspreis gibt. Ob dort ein Katzer oder Delle drin ist, ist mir egal. Einige Möbelstücke habe ich im Möbelhaus, das in wenigen Wochen geschlossen wird, zum Schnäppchenpreis kürzlich gekauft.
Die Wohnung wird, so hoffe ich, ein gutes Investment werden. Du musst manchmal kalkulierte Risiken eingehen und auf deine Intuition setzen. Nicht alles kann man exakt ausrechnen. Das Bauchgefühl ist wichtig – auch an der Börse, weil hier Emotionen eine Rolle spielen (Gier, Angst, Panik, FOMO, Neid…). Nicht alles lässt sich ausrechnen.
Hör auf zu jammern. Fang an zu sparen.
Lauf dich frei!
Dein Tim