Albtraum Mini-Rente: Wenn die gesetzliche Rente nicht zum Leben reicht

Meraf Testay ist ein 32-jähriger Luftsicherheitsassistent aus Taunusstein. Er regelt seine Finanzen clever. Sein Nettogehalt liegt zwischen 2.400 und 2.800 Euro im Monat. Er lebt sparsam und pumpt Geld in ETFs für die Rente. Für seine 29 qm Wohnung zahlt er 550 Euro warm. Drei Jahre war er nicht im Urlaub, jetzt fliegt er mit Freunden in die Türkei, nach Antalya.

Anstatt sein Einkommen für Konsum ständig rauszuhämmern, geht er sorgsam mit seinem Geld um. Niemand muss freilich extrem sparsam leben. Aber umsichtig und vorsichtig zu sein, ist schlau. Die Wochenzeitung “Die Zeit” hat eine schönen Artikel veröffentlicht zu Nettoeinkünften von einer Handvoll Menschen mit ihren Storys.

Viele Menschen wollen bis 63 arbeiten und dann den Ruhestand genießen… aber dann kommen die Probleme

Wenn ich mir Umfragen anschaue, wollen die meisten Menschen spätestens mit 65 Jahren in den Ruhestand, am liebsten noch früher. Mit 63 schwebt den meisten vor laut einer Umfrage. Oder noch früher. Wenn aber bis dahin keine Rücklagen geschaffen sind, ist das eher ein Wunsch, der in der Armut enden kann.

Was wir oft sehen ist, dass die Reserven und Rentenleistungen nicht ausreichen, um sorgenfrei den Ruhestand genießen zu können. Die Einnahmen decken einfach nicht die Kosten. Punkt. Schluss. Manch einer muss seine Wohnung oder Haus verkaufen, um über die Runden zu kommen. Andere suchen händeringend im hohen Alter einen Job, um die Finanzlücke schließen zu können. Das heißt dann im Extremfall: Böden wischen, Toiletten putzen, Mülleimer leeren, Transporter fahren, um sich Lebensmittel für den Monat leisten zu können.

Altersdiskriminierung: Wer mit 59 oder 60 einen neuen Jobs sucht, stößt auf Widerstand

Daneben gibt es genug Arbeitnehmer, die wollen zwar bis 65 arbeiten. Doch verlieren sie früher als geplant ihren Job. Im Alter von 60 (oder so) eine neue Anstellung zu finden, ist alles andere nicht leicht. Es gibt massive Vorurteile gegenüber älteren Menschen, was unfair, aber Realität ist. Ältere Menschen gelten als langsam und nicht innovativ, so jedenfalls ein Vorurteil. Altersdiskrimierung ist ein enormes Problem in unserer Gesellschaft, das zeigen staatliche Statistiken. Dabei wird die enorme Erfahrung von Arbeitgebern übersehen. Übrigens sind Themen wie Altersdiskriminierung oder Altersarmut ein weltweites Phänomen.

Selbst Menschen mit einer imposanten Karriere wie der erkrankte Schauspieler Heinz Hoenig (72) rutschen im Alter ins finanzielle Elend ab. Es ist ein besonders trauriger Fall, Hoenig ist am Herzen erkrankt und hat keine Krankenversicherung. Gewiss lässt sich nicht alles planen. Aber es lassen sich viele Probleme vermeiden. In Hollywood gibt es massenweise Privatinsolvenzen trotz der gigantischen Gagen. Stars laufen manchmal planlos (wie es scheint) durchs Leben, zumindest was die Privatfinanzen angeht.

Meine Lösung war: Jobs in der Fabrik, Buchhandlung, bei der Lokalzeitung und McDonad’s

Ich habe Zeitungen ausgeteilt, bei McDonalds viele Jahre gearbeitet. Ich war Aushilfe in einer Fabrik, Buchhandlung. Als Student arbeitete ich als freier Mitarbeiter für eine Regionalzeitung. Zwar verdiente ich nie sonderlich viel. Aber durch die vielen Jobs nebenher kam einiges zusammen, das ich dann investiert habe.

Nikos Deiters (19), der für meine Website nebenher arbeitet, macht es auch richtig. Er hatte schon mit 18 Jahren seinen ersten Job in den Bergen in einer Gaststätte. Er macht jetzt ein duales Studium und spart eifrig in Aktien.

Was ist also die Lösung? Mache es so wie Testay, der Kofferkontrolleur vom hessischen Flughafen: Es zahlt es sich aus, wenn man sich in jungen Jahren abrackert, spart und investiert. Dann kannst du den Ruhestand entspannt genießen. ETFs und Aktien gehören so früh wie möglich ins Depot. Anschließend geht es darum, stetig den Bestand auszubauen. Fertig!

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Daniel
22 Tage zuvor

Von Altersdiskriminierung kann ich eigentlich nichts mehr merken. Vielleicht ist das noch im Billig-Lohn Sektor der Fall. Eigentlich höre ich überall das Gegenteil. Die gut ausgebildeten “Baby-Boomer” bringen einen enormen Erfahrungsschatz mit und sind überall heiß begehrt. Ob Elektriker, in der IT oder in der Werkstatt. Da versucht man alles um die Leute zu halten, die wiederum aber oftmals gerne früher in Rente gehen wollen.

Helmut
22 Tage zuvor
Reply to  Daniel

Bei uns ist es so, ich arbeite im Metallbereich biegen – Kanten, mit 63 Rente geht nicht wir brauchen Dich, wer soll die Arbeit machen, die jungen wollen nur noch knöpfchen drücken, und keine körperliche Arbeit machen.
Wenn die Jahrgänge 62,63,64 weg sind, dann gute Nacht Deutschland.
Tim ich verfolge schon lange deine Seite, habe durch dich einen ETF- World gekauft um meine spätere Rente auf zu bessern.
Aber wer weiss wie lange man noch lebt, wenn man erst mit 67 in Rente geht.
Trotzdem allen eine schöne Zeit.

Nuvolina
22 Tage zuvor

In einigen europäischen Ländern(Italien z.B.) braucht man keine Krankenversicherung zu bezahlen und wird trotzdem unentgeltlich behandelt.
In Amerika hingegen kann man schon mal wegen einer Erkrankung in die Privatinsolvenz rutschen. Dort können Alter und Krankheit sehr teuer werden.

21 Tage zuvor
Reply to  Nuvolina

In Großbritannien zahlt man keine Krankenversicherung und wird unentgeltlich behandelt über den NHS.

ABER: Das System selbst krankt sehr…schau mal in die Krankenhäuser… aufs platte Land bei der Arztversorgung….. dagegen ist es bei uns GOLD.

Pat
22 Tage zuvor

29 qm und 550 Euro warm finde ich teuer und zu eng. Man muss immer €/qm umrechnen. Bei ihm ist es knapp 19€/qm warm. Bei mir ca 11€/qm warm, aber dafür 90 qm große Wohnung. Ich habe dann zum atmen.

Sven
21 Tage zuvor
Reply to  Pat

Das dürfte wohl das Problem des Rhein/Main-Gebiets um Frankfurt am Main sein. Denke, diese kleinen Appartements sind insgesamt sehr gefragt und erfahren daher einen Aufschlag je qm. Wirtschaftlicher sind Riesenwohnungen (5,5zi-Whg), aus denen man dann eine WG schnitzt. Aber WG ist eben nicht jedermanns Sache…

Holger
22 Tage zuvor

Schon alleine ein ausreichender Notgroschen, kann den Unterschied bezüglich der Lebensqualität ausmachen.

Ralf
21 Tage zuvor

Aktien und ETFs sind ein prima Weg. Man sollte sich aber auch ehrlich machen. Wirklich reich werden ist für uns Normalos eher die Ausnahme. Die staatliche Gier auf Kapitalerträge wird gerade in D leider eher nicht kleiner werden. Das zehrt zusätzlich an der Rendite. Warren Buffett hat das unlängst wohl ähnlich kommentiert auf seiner Hauptversammlung:

„Wenn Politiker irgendwann merken, dass sie nicht beliebig Schulden machen können, aber auch keine Leistungen kürzen wollen, bleibt ihnen nur, höhere Steuern zu erheben. Auch auf Kapitalerträge.“

Auch viele Vermieter werden sich noch wundern, welche Steuerideen das politische Füllhorn der Weisheiten beinhaltet.

slowroller
20 Tage zuvor
Reply to  Ralf

Das ist doch nur Panikmache. Wir werden als nächste Regierung defintiv nichts progressives mehr haben – und die Bürgerlichen werden ihre Clientel nicht verpressen. In den letzten Jahrzehnten ist der Spitzensteuersatz immer nur gesunken. Die Progressionskurve wurde fast nie angepasst, was wiederum eher den Klein- und Normalverdienern zum Nachteil wird. Der Soli wurde abgeschafft und die Kapitalertragssteuer ist seit Einführung konstant – ich sehe hier auch kein signifikanten Änderungen vor der Tür stehen ehrlich gesagt.

Und welche Steuerideen siehst du für Vermieter? Private Mieteinnahmen werden doch eh schon mit dem persönlichen Steuersatz besteuert.

Unternehmer sein war noch nie schlecht in diesem Nachkriegsdeutschland. Als Anleger bin ich quasi Unternehmer.

Bei Hönig muss man vor allem erstmal Mitleid haben und hoffen, dass Fans und vielleicht seine Sender ihm helfen. Allerdings muss man schon sehr sehr viel falsch machen, um so dermaßen durch das soziale Netz zu fallen, das passiert nicht aus versehen.

Thorsten
20 Tage zuvor

Eine ganze Generation hat “alle 2 Jahre neues Handy”, “alle drei Jahre neues Auto”, “jedes Jahr 2 Fernreisen” gelebt. Die sollen aufhören zu jammern. Ich habe in dieser Zeit gespart und trotzdem nicht verzichtet.
Der Blick nach unten “ja aber viele verdienen nicht so viel, ja aber der Durchschnittslohn in Deutschland ist doch nur …” ist sozialdemokratische Selbstaufgabe. Mehr verdienen geht immer, es sei denn die individuelle Genetik lässt es nicht zu. Bildung, Überstunden, Zweitjob. Menschen sind eben nicht gleich, auch das wollen viele nicht hören. Und das hat primär erst einmal nichts mit Geld zu tun, auch nicht mit Erbschaften und mit Erziehung nur zu einem kleinen Teil. Geld ist eine Folge des eigenen Handelns und Plananes. Schon daran scheitert es. Da werden die Fertiggerichte gekauft, zu große Wohnungen bewohnt, tionnenweise Klamotten und Konsummüll in angehäuft. Das Hochhalten von Extremata vom “benachteiligten Kind” und von den “Reichen” hält sich nachhaltig, um die Steuern und die linke Wählerschaft bei Stange zu halten. Wer wirklich etwas leisten und sparen will, der kann das auch. Leider wird gejammert, gewartet, verkonsumiert. Und wer gar keinen Plan hat verkündet “ich spare nichts, weil morgen kann ich tot sein und ich sammle lieber Erlebnisse”. Kreatives Leben im Jetzt hat leider einen Preis : die Armut im Alter.

slowroller
20 Tage zuvor
Reply to  Thorsten

Du hast völlig Recht. Allerdings ist es nicht “eine ganze Generation” sondern auch davon nur einige. Die finanzielle Emanzipation und das finanzielle Wissen in der Breite war wohl noch nie so hoch wie jetzt – gerade und auch durch Finfluencer wie Albert, Tim oder andere. Auch ist die Demokratisierung von finanzieller Teilhabe noch nie auf dem Status wie heute gewesen: Ein Depot ist in Minuten eröffnet, die eigene Mit-Unternehmerschaft in Sekunden und ohne echte Kosten besiegelt. Viele nutzen aber leider diese Dinge nicht – und meckern dann am lautensten wie ungerecht die Welt doch ist.

Bei einem Punkt muss ich dir aber widersprechen: die “benachteiligten Kinder” gibt es tatsächlich. Das ist nicht nur via Evidenz sondern auch wissenschaftlich belegt. Armut wird in Deutschland (auch) vererbt, allerdings nicht durch staatliche Repression sondern durch fehlendes Wissen, fehlende Mühe und fehlende Fähigkeiten des Elternhauses. Und genau hier ist sowohl Staat als auch Zivilgesellschaft gefragt diesen Teufelskreis zu durchbrechen – viele Eltern können es nicht.

Ich war mal bei der “Stiftung Mittagskinder” in Hamburg und habe lange mit den Betreuuern gesprochen. Die Arbeit vor Ort ist so dermaßen wichtig und die Berichte über die Zustände in einigen Familien sind echt erschütternd. Dafür war man besonders stolz auf “Ihren” ersten Abiturienten, der jetzt sogar universitär studiert. (bzw. mittlerweile durch sein müsste) Das ging aber nur durch die Struktur, die Unterstützung und die Geduld des Vereins.

Wer sich für Details interessiert: https://www.stiftung-mittagskinder.de/

Thorsten
20 Tage zuvor
Reply to  slowroller

Natürlich gibt es benachteiligte Kinder. Es ist aber nicht die Norm und schon gar nicht die Mehrheit. Die Konzentration in allen Bereichen auf Benachteiligte lähmt die gesunde Mitte. Das läuft schon seit Jahren so. Es findet sich immer eine Minderheit, die für andere oft politische Ziele herhalten muss.
Oft bleibt es bei Wahlversprechen oder es endet im Gießkannenprinzip mit zusätzlicher Bürokratie.

Nuvolina
19 Tage zuvor
Reply to  Thorsten

„…Kreatives Leben im Jetzt hat leider einen Preis : die Armut im Alter…“

So ein Unsinn! Ein kreatives Leben im Jetzt heißt beispielsweise ein Beruf, den man gerne ausübt, der genug Geld einbringt und der das Alter absichert.
Stimmt, um dies zu erreichen, muß man kreativ und intelligent sein.
Dumme, unkreative, faule Menschen riskieren Altersarmut.

Tobs
20 Tage zuvor

, -M:
Jumia wird heute explosiv. Am besten feste anschnallen!!!

Top line +57% im Vergleich zu Vorjahresquartal auf Basis constant curreny. Auch übrige KPI zeigen in die verdammt richtige Richtung!!

Kiev
19 Tage zuvor
Reply to  Tobs

@ Tobs
M? Ist Jumia so günstig gewesen? ;-) Wenn ich es könnte würde ich hier am liebsten die Schwankungen traden. das letzte Mal als Du über die Aktie geschrieben hast war ich mit vielleicht 10% im Plus. Ich weiß es nicht mehr. und vor kurzem vielleicht 20% im Minus. Aktuell wieder knapp 10% im Plus. Und das ist alles nicht lange her…

Von mir aus kann der Umsatz gerne mit 50% pro Quartal steigen. Die Kosten dürfen dabei konstant bleiben und das dann gerne über 5 Jahre Entwicklung. Die Aktie ist vielleicht gerade die mit der höchsten Volatilität in meinem Depot.

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