Wirecard-Schwindel: Wie deutsche Behörden den größten Betrugsfall verschlafen haben

Der Schwindelladen Wirecard. Die Staatsanwaltschaft ließ diesen Mega-Betrug gewähren, obwohl sie seit Jahren zig Strafanzeigen erhielt. Außerdem gingen die Beamten nicht den kritischen Meldungen in der Presse über den Betrug nach.

Der Bayerische Rundfunk hat eine gute Dokumentation über den Betrugsfall Wirecard gemacht. Ich verstehe bis heute nicht, warum die Staatsanwaltschaft in München ihren Job nicht gemacht hat. Die Strafverfolger erhielten massenweise Strafanzeigen. Und die Beamten haben nichts unternommen. Dabei ist es ihr Job. Es ist ihre Pflicht. Sie müssen Strafanzeigen und Hinweisen in den Medien gewissenhaft nachgehen.

Es stellt sich die Frage der Amtspflichtverletzung. Es war fahrlässig. Die Beamten nahmen meiner Ansicht billigend den Betrug in Kauf. Sie ließen die erforderliche Sorgfalt außer Acht. So wurden sie indirekt zu Helfershelfern eines der spektakulärsten Gaunerstücke Deutschlands. Der Schaden ist durch Ignoranz größer geworden.

Strafverfolger haben alle Werkzeuge zur Verfügung, um einen Betrug zu stoppen

Sie haben eigentlich alle Möglichkeiten zur Hand, um einen Schwindel aufzudecken. Die Staatsanwälte haben mehrere Abteilungen mit Spezialisten für Wirtschaftsstrafsachen in München. Sie können Razzien durchführen, Unterlagen beschlagnahmen, Telefonate abhören, Zeugen vernehmen usw. Sie können Auskünfte des Unternehmens anfordern. Besteht Fluchtgefahr oder Verdunkelungsgefahr, können sie U-Haft beantragen. Die Möglichkeiten sind enorm.

Wie kann man das verschlafen? Es riecht meiner Meinung nach Unfähigkeit, Korruption oder Faulheit. Mehr Möglichkeiten gibt es kaum. Vielleicht liegt ein Interessenkonflikt vor, weil Beamte mit Wirecard-Aktien gezockt haben? Oder verhinderten Politiker die Ermittlungen?

Der Chef der Wirtschaftsprüfer-Aufsichtsbehörde Apas, Ralf Bose, zockte jedenfalls mit Wirecard-Aktien, obwohl er jederzeit Insiderwissen erhalten konnte. Ich finde, das ist zumindest ein ethisches Problem. Womöglich sogar ein strafrechtliches Problem. Wie kann er das nur tun?

Zeitungen wie die “Financial Times” warnen seit Jahren vorm Betrugsfall Wirecard

Zeitungen wie die britische “Financial Times” (FT), das Handelsblatt und andere haben über den Betrugsfall Wirecard seit Jahren berichtet. Anstatt diese Berichte in der Presse mit unterstützenden Dokumenten ernst zu nehmen, ging die Staatsanwaltschaft gegen zwei erfahrene FT-Redakteure vor. Die Beamten stellten die Journalisten in die kriminelle Ecke und begannen Ermittlungen gegen sie. Wie absurd ist das? Die Presse liefert auf dem Silbertablett verdächtige Informationen und niemand will was davon wissen?

Der Wirtschaftsprüfer EY gibt ein schlechtes Bild ab. Und unser Bundesfinanzminister Olaf Scholz. Der Politiker schiebt alle Schuld von sich. Ich habe kein Vertrauen in ihn, die Behörden und die Wirtschaftsprüfer.

Die Krönung war, was die Börsenaufsicht Bafin gemacht hat. Sie verbot das Shortselling in Wirecard-Aktien. Damit half die Bafin indirekt dem gewerbsmässigen Bandenbetrug und Bilanzbetrug. Die Behörde unterstützte die Schwindler. Es war wie im Tollhaus. Leerverkäufer und Insider wollten die Bafin über ihre Kenntnisse informieren. Doch lehnte die Behörde Gespräche ab. Warum ignorierte sie so viele Warnhinweise?

Die Bafin hatte derart große Tomaten auf den Augen, das kann man sich nicht vorstellen. Sie ging gegen Leerverkäufer und Journalisten vor. Gegen die Boten der schlechten Nachrichten sozusagen.

Betrüger hauten ins Ausland ab

Während Staatsanwälte schliefen, setzten sich die Betrüger ins Ausland ab. Die Ratten verließen in aller Ruhe das sinkende Schiff. Ex-Vorstand Jan Marsalek ist über alle Berge. Er lebt in Freiheit – vielleicht auf einer schönen Insel unter Palmen mit Millionen Euro. Ich glaub, mich tritt ein Pferd. Wie blind kann man nur sein? Tausende gutgläubige Anleger verloren ihr Erspartes, sie vertrauten den Behörden, Wirtschaftsprüfern, Analysten, dass sie ihren Job machen.

Ein Privatanleger hat nicht die Möglichkeiten, ein Unternehmen wie Wirecard unter die Lupe zu nehmen, wie das ein Staatsanwalt, Wirtschaftsprüfer oder die Bafin kann. Daher müssen wir Anleger uns auf diese Organisationen verlassen können, dass sie ihren Job machen.

In diesem Video sprach ich über den Skandal:

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48 Kommentare
  1. Wirecard war ein Betrugsfall, ich frage mich wie man sich vor solchen Investitionen schützen kann.Über jede Firma wird mal schlecht in den Zeitungen geschrieben.
    ich war durch Glück nicht investiert, habe nie verstanden wie sie Geld verdienen und warum Mastercard und Visa diese Dienstleistung nicht selber anbieten.
    Dirk Müller ist auch ein gutes Beispiel, er hat ja behauptet alles ist sauber und ja er ist 10 mal mehr Profi als wir alle zusammen mit seinem Investment Team.
    Bei meiner Banco Espirito Santo Aktie habe ich schmerzhaft gelernt, traue keiner einzigen Regierung.
    Die Regierenden sagten die Bank ist sicher, verkauften dann ihre Aktien. Am Schluss wurde sie den bestehenden Aktionären weggenommen durch ne ausgliederung in die Bad Bank.
     
     
     
     

  2. An Josef: Durch eine gesunde Vermögensstreuung. Es kann immer mal etwas mit einzelnen Anlagen schiefgehen. Auch ohne Betrug. Wenn man sich ältere Beiträge in den üblichen Aktienzockerforen durchliest, dann war bei einigen Anlegern zu viel blinde Gier im Spiel. Es macht einen Riesenunterschied aus, ob man 0,1, 1, 10 oder 100 % seines Vermögens in Wirecard hatte.
     

  3. @Mark85, das Thema Vermögensstreuung hatte ich letztens schon angesprochen. Hir wurde dann argumentiert, dass Aktien alternativlos sind und alles andere nichts bringt.

  4. An Luigi: Grundsätzlich dafür, aber im Fall Wirecard hätte bereits eine breite Streuung innerhalb der Anlageklasse Aktien ausgereicht, um sich schadlos zu halten.

    Ich würde niemals jemanden bewusst finanziell betrügen, weil für mich gute Geschäfte nur welche sind, mit denen beide Seiten zufrieden sind, aber so sieht die Welt leider nicht aus. Diesbezüglich gefällt mir der Begriff der ,,hanseatischen Kaufsmannsehre”.

  5. @Josef:
    Dirk Müller ist keine gute Quelle für Handelsentscheidungen an der Börse. Insgesamt ist er ein eher unseriöser Crashprophet.

  6. Meine Vermutung: Der nächste Skandal wird Biontech sein, wenn die Insider rechtzeitig ihre Aktien abgestoßen haben.

  7. Johannes,
    Das kann sein. Ich denke an keinen Skandal. Vielleicht liefert BioNtech nach dem Impfstoff auch nichts mehr.
    Die forschen ja eigentlich an Krebs soweit mir bekannt ist. Könnte sein, dass die dann nur Geld verbrennen und langsam dahin siechen. Aber wer weiß, es scheinen ja ein paar kluge Köpfe da zu arbeiten. 
    -M

  8. @Biontech
    Zumindest haben sie ihr Domizil schon mal an einer Goldgrube, ob es selber eine wird werden wir sehen. Und es zeigt auch schön dass Migration Früchte trägt, das türkische Forscherpaar ist ein gutes Beispiel, das gerne von gewissen Kreisen unter den Tisch gewischt wird. Ich traue denen auch andere Erfolge zu, sie haben eine super Nische gefunden. Aber Garantie gibt es bei kleineren Biotech-Firmen nie, daher breit streuen. Dieses Geschäft ist halt extrem kapitalintensiv und der Impfstoff wird jetzt sicher gutes Cash in die Firma spülen für weitere Projekte.

    @Corona
    85jährige mit Vorerkrankungen auf der Kinderstation…
    https://www.20min.ch/story/kinder-erleiden-schwere-entzuendungen-nach-corona-419505110322

  9. Wirecard war schon eine harte Nuss, und das Ausmaß wirklich heftig. 
    Wichtig ist nur dass man genügend Diversifiziert, da tut so ein “Ausrutscher” nicht weiter weh

  10. “Meine Vermutung: Der nächste Skandal wird Biontech sein”

    Vermutlich richtig.

    Der Skandal: Schützt auch Verharmloser vor schweren Verläufen! 😉

    Daran dass wir in D Zukunftstechnologien oft versemmeln oder es schlecht reden sind wir ja gewohnt, bzw. ist ja eigentlich kein Skandal mehr…

  11. Lasst doch mal den Thorsti unser Finanzgenie über seine Erfahrungen mit Wirecard berichten. Er wusste ja was für ein Qualitäts-/Zukunftsunternehmen Wirecard ist und hat ja immer ordentlich nachgekauft auch bei Kritik war er unbelehrbar. Ein richtiger Finanzexperte eben.

  12. Sammy, du bist eine richtige Nervensäge.. was ist eig dein Ziel hier? 
    Du bringt keinen weiter. Vorallem dich bringt es nicht weiter. 
    Eig müsste der Tim dich sperren, dann hättest du mehr Zeit für die sinnvollen Dinge des Lebens…
    Gruß J.

  13. @ Joha

    Warst du etwa auch ein auweiacard Aktionär?
    Mich muss hier niemand weiter bringen ich kann selbst denken. Du bist noch nicht lange genug dabei um den Sinn dahinter zu verstehen 😉

  14. Sammy. Du hast sie doch nicht mehr alle :))
    Nee ich war nicht bei wirecard. Ich investier lieber in Square;)
     

  15. Das Problem an den Zeitungsartikeln war, dass die Behauptungen falsch waren. Frühere Behauptungen dieser Art führten zu Verurteilungen (SDK mit Haftstrafen, Zatarra). Letztlich passten sie aber in den Betrugsfall.
    Eine Rehabilitation wie sie der O. Scholz mit Danksagung ausführte ist allerdings ein Schlag ins Gesicht der Geschädigten. Aus folgenden Gründen : Für mich ist wahrscheinlicher, dass die Volatilität der Kurse durch solche Falschbehauptungen hochgetrieben werden sollte. Der Journalist war dann nicht nur Täter,
    sondern auch Helfer und vielleicht Opfer derjenigen , die ihm die dubiosen Excellisten und andere Konstrukte zuspielen, aber Wirecard nicht wirklich belasten
    konnten. Das Auf und ab der Kurse wurde ja dann auch bis zum letzten Augenblick zum Zocken genutzt. Auch von Mitarbeitern der BaFin. Da haben viele dicht gehalten, die Zeitung hat sich dagegen was Journalismus angeht bis auf die Knochen blamiert. Dass sie hinterher “irgendwie
    Recht hatten” rechtfertigt nicht die Mittel.

  16. @Thorsten
    Ich gebe zu es war schwer zu durchschauen. Die (deutschen) Medien und Politik haben Wirecard gedeckt. Nicht absichtlich aber aus Unwissenheit. Viele Anleger haben aber aus Gier nicht auf Warnsignale gehört!

  17. Das Problem Warnsignalen war, dass sie z.b. auch bei Tesla und anderen aufstrebenden Unternehmen bestanden. Ich erinnere mich  an Microsoft und Apple, deren Bankrott oder Niedergang medial vorbereitet wurde.
    Tesla wollte man mit Falschbehauptungen in den Ruin treiben. Konkurrenten , Leerverkäufer wer auch immer.
    Bei Wirecard konnte man denken, man sei gewappnet , nachdem die Prozesse gegen den Leerverkäufer Zatarra und die SDK gewonnen waren und BaFin, EY, KPMG immer wieder grünes Licht gaben.
    Man hätte den Schauplatz besser verlassen sollen bei so viel Wirbel. Bei guten Unternehmen kann man später wieder einsteigen, wenn sich der Lärm verzogen hat.
     Bei Tesla geht das Übrigens auf niedrigerer Flamme weiter : Kursziel 70$ für 2021 kann man lesen. Die Leerverkäufer werden Tesla wieder angreifen.

  18. @Thorsten – den Schauplatz besser verlassen bei so viel Wirbel
    Das ist richtig & wichtig. Immer wenn es “Verdachtsmeldungen” gibt, sollte der normale Privatanleger raus gehen. Steinhoff, Wirecard, Grenke usw usw. Da kann man besser ins Casino zum Wetten gehen. Dort stehen die Gewinnchancen fairer verteilt.
     

  19. Der Artikel ist sehr gut. Knapp und treffend.
    Ebenso ist es bei Gutachten zur Causa Wirecard. Gutachten die die BaFin oder die BRD entlasten sind langatmig und substanzlos. Gutachten die eine Haftung der BaFin bzw. BRD herausarbeiten sind kurz und prägnant!
    Für dieses massive Versagen der BRD gibt es nur eine Antwort: Entschädigung der in die Irre geführten Privatanleger. Warum nur Privatanleger? Die großen Institutionellen Anleger haben eigene Recherche- und Analyseabteilungen und sind nicht so sehr abhängig von der staatlichen Aufsicht.
    Dass die BRD den geschädigten Anlegern zur Haftung verpflichtet ist, ist inzwischen unter den neutralen Gutachtern und Beobachtern unbestritten. Dazu ein eindrücklicher Lese-Tipp: https://edoc.hu-berlin.de/bitstream/handle/18452/16639/benighaus.pdf?sequence=1&isAllowed=y
     

  20. “Die Regierenden sagten die Bank ist sicher, verkauften dann ihre Aktien. Am Schluss wurde sie den bestehenden Aktionären weggenommen durch ne ausgliederung in die Bad Bank.”
     
    … so läuft das (Börsen-)Spiel immer.
     
    Ich erinnere mich noch sehr gut daran, als 2000 oder kurz danach jemand von der Dt. Bank bei NTV ein Interview gab und “dringend” empfahl Telekom-Aktien zu kaufen, weil die ja wiedermal ein so phantastisches Unternehmen sein sollten… Am nächsten Tag kam heraus, dass die Dt. Bank ein größeres Paket Telekom-Aktien für einen Kunden verkauft hat. Das nenne ich “einen Markt schaffen”…
     
    In anderen Bereichen läuft es genauso:
     
    Fußball:
     
    Management: “Wir stehen 100%ig zum Trainer, er hat unsere volle Rückendeckung und steht keinesfalls zur Disposition.” Kurz darauf erfolgt natürlich der Rausschmiss…
     
    Politik:
     
    “Wir planen auf gar keinen Fall Steuererhöhungen, das ist auch gar nicht notwendig.” Kurz darauf wird natürlich irgendeine Steuer erhöht, ist aber “in Wirklichkeit” keine Erhöhung, da man ja irgendwo einen (natürlich viel geringeren) Ausgleich geschaffen hat…
     
    Solche Beispiele gibt es massenhaft.
     
    @ Wirecard
     
    Die Geschädigten tun mir wirklich leid und es gibt keinen Grund über Wirecard-Aktionäre herzuziehen. Diejenigen, die es dennoch tun, sollten lieber mal in ihr eigenes Depot sehen. Dort werden sich genügend Fehlinvestitionen finden.
     
    Vor Betrug kann man sich nur schwer schützen, das kann jeden treffen.
     
    Zu Wirecard habe ich mich ja sehr deutlich und lange vor dem Absturz geäußert, kann jeder in den entsprechenden Kommentaren nachlesen. Mein persönliches Kürzel lautete schon damals “WC”. Es wäre für mich nie ein “Qualitäts-Unternehmen” gewesen. Ein K.O.-Kriterium war schon das sehr schwache Management, ganz zu schweigen von den undurchschaubaren “Asien-Geschäften”.
     
    Doch wer sich mit diesen Aktien ruiniert hat, sollte nicht andere hierfür verantwortlich machen. Schuld ist er/sie ganz alleine. Mit einen vernünftigen Money- und Risikomanagement (Positionsgrößen!!!) wäre kein bedrohlicher Schaden im Depot, psychisch und ggfl. in der Familie entstanden.
     
    Auch ein “mentaler Stop”, z.B. bei -25% der Position, hätte das Schlimmste verhindert. Dazu muss man aber die Stärke haben, dann auch wirklich zu verkaufen. Man muss also zugeben, sich geirrt zu haben und den noch relativ kleinen Verlust einfach akzeptieren. Viele können das leider nicht. Sie hoffen weiter und reden sich selbst ein noch gar keinen Schaden erlitten zu haben, weil sie ja nicht verkauft haben… Im schlimmsten Fall wird auch noch nachgekauft (einmalige Chance…).
     
    Die Börse ist wie ein Geschäft. Will man zu den Gewinnern gehören, braucht man einen Plan mit klaren Regeln, an die man sich hält. So sind Gewinne auch reproduzierbar. Gelegentliche Verluste gehören dazu. Die Kunst ist einfach öfters zu gewinnen, als zu verlieren und hierbei die Gewinne laufen zu lassen und die Verluste möglichst klein zu halten. Klingt einfach, ist es aber in der Praxis offensichtlich für viele nicht.
     
    LG und allen einen “guten Rutsch”
     

  21. @42
    Absolut richtig. Selbst eine annähernde 50/50 Chance am Roulette rot oder schwarz, würde der kluge Investor nicht annehmen. Wieso dann bei Steinhoff, Grenke und Co es probieren. Das Börsenspiel ist kein Spiel 🙂 coinflips sind doch blöd, lieber eine 60/40 70/30 Chance, dann läuft es besser. Von 10 Investitionen sollten 6 gut sein, dann kann man auch 4 schlechtere ausgleichen. 
    -M

  22. @Johannes Bach,
     
    du glaubst wirklich der deutsche Staat wird für Anleger haften? Nun ja, manche glauben auch Zitronenfalter falten Zitronen. Der Staat wird sich, wie aus allem, raus mogeln. So, wie er es schon immer gemacht hat. Viel Spaß mit dem Prozessmarathon. Ich hab besseres mit meiner Zeit zu tun.
     
    Und ja, die armen Privatanleger. Die wussten aaaalle nicht, was da los ist. Genau, keine Woche verging ohne nicht eine Meldung rund um dubiose Dinge bei Wirecard. Spätestens nach dem KPMG Vermerk hätte jeder Privatanleger noch schadlos aussteigen können. Habt ihr aber nicht. Ihr Fanboys habt dem Braun zugejubelt anstatt die Lage zu analysieren. Warnungen gab es noch und nöcher.
     
    Ich möchte nicht mal, dass ihr entschädigt werdet. Denn dann wird der Staat genügend Argumente haben zu sagen: “Wenn sie von sich aus sagen sie können die Risiken nicht bewerten, dann dürfen sie die Aktien auch nicht handeln.” Die Bevormundung würde mal wieder voran schreiten, da der Staat nicht haften will und es keine 100%ige Sicherheit gibt, dass seine Behörde nicht noch mal einen Bock schießt. Also wird er es so machen, wie er es auch bei den Banken gemacht hat: Er hat Auflagen erlassen die der kleine Mann nicht erfüllen kann und seitdem darf er damit nicht mehr handeln oder muss gegenüber der Bank erklären, dass jede Haftung bei ihm liegt. Außer Bevormundung und Bürokratie mal wieder nichts neues. Schert euch fort und lernt daraus! Ihr hättet dem Staat auch nicht eure Gewinne gegeben, wenn die BaFin richtig gelegen wäre.
     
    Selbstverantwortung ist eine Lebenseinstellung und nichts für Jammerlappen.

    Schöne Grüße und ein gutes neues Jahr!

    Jan

  23. @Jan
    Kann ich nur unterstützen, unabhängig davon ob der Betrug ersichtlich war oder nicht. Der Staat hat die Aufgabe die Sache zu untersuchen, die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen, den Konkurs abzuwickeln und Aktionäre sollten entsprechend den Regeln entschädigt werden falls noch etwas zu verteilen ist. Das ist nun mal die Definition von Risikokapital. Wenn man dies aufhebt dann muss man das Rechtssystem neu schreiben.
    @Bitcoins
    Jeder Tag gehen anscheinend 1500 Bitcoins für immer verloren. Weil das Wallet nicht mehr zugänglich ist, selten durch Hacker häufiger durch Fehler der Anleger, die Hardware ist verloren das Passwort nicht mehr auffindbar resp. rekonstruierbar etc. Man kann dann nicht seine Bank oder Kreditkartenfirma anrufen und sagen man hätte ein Problem mit einer Transaktion oder seine Bitcoins seinen nicht mehr auffindbar, es gibt dann niemanden der dafür zuständig ist, man muss es abschreiben. Auch der richtige Umgang bezüglich Security wage ich mal zu bezweifeln dass viele das im Griff haben. 
    Warum dieses Beispiel, auch hier ist die Gier aktuell grösser als die Vernunft, wie bei Wirecard, und wenn etwas passiert wird dann gross gejammert und Verantwortliche gesucht. Es ist die Pflicht jedes Investors nur in Dinge zu investieren, wo er durchblicken kann und ein Restrisiko bleibt immer, sogar bei Betrug, es ist wie im normalen Geschäftsleben. Wenn etwas schief geht, muss es die Justiz regeln. 
    Bei Wirecard kann man sich ja einer Sammelklage anschliessen. Viel erwarten würde ich aber nicht, die Anwälte verdienen ihr Anteil unabhängig vom Erfolg, ob dann schlussendlich noch etwas für den Kleinaktionär rausspringt, ich wage es zu bezweifeln.
    Es gibt nur einen Schutz gegen solche Dinge und das ist Diversifikation. 

  24. Bei Wirecard konnte man vor allem EIN Phänomen erkennen: Gier frisst Hirn. Auch wenn ein Investment noch so rosig aussieht, sollte man eine alte Regel nicht vergessen: leg nie alle Eier in einen Korb – d.h. Diversifikation ist stets ein Muss!
    Neben den genannten skandalösen Versagern EY, BaFin, Staatsanwaltschaft und Apas ist für mich auch das Vorgehen der Deutsche Börse AG höchst fragwürdig!
    Man hätte Wirecard schon viel früher außertourlich aus dem DAX nehmen müssen. Misslungen sehe ich auch die Entscheidung über den Nachfolger Delivery Hero: kein Geschäftsvolumen in Deutschland; noch niemals einen Cent Gewinn erwirtschaftet; steigende Verluste sogar im Corona-Boom, kein Burggraben – aber in den Elite-Index aufgestiegen.
    Aber vielleicht ist das auch wegweisend für Deutschland: Pizzalieferanten statt HighTech und KI.
     
     
     

  25. Gier frisst Hirn trifft auf viele Anleger nicht zu. Es hört sich an wie “selber schuld”. Genau das ist aber nicht der Fall. Sie haben auf Bafin, KPMG, EY vertraut. Man könnte dann noch nachlegen und Gutgläubigkeit unterstellen. 

    Die Opfer des Telekomgepushe durch Prominenten M.Kr*g und ständige Bezahlwerbung zum Kauf waren auch nicht gierig behaupte ich.

    Irgendwo muss ein Grundvertrauen bestehen , wir sehen aber : nichts ist sicher. Es scheint so, dass man nur durch massive Diversifikation maximal geschützt ist.

    Enron, Nokia, General Electric, Wirecard,… vielleicht auch der Bitcoin nur leere Luft ?

    Bei Wirecard gab es  wenigstens funktionierende Geschäftsbereiche ( sind inzwischen verkauft worden ).Aber was bleibt bei Bitcoin wenn der Stecker gezogen wird oder durch einen gigantischen Betrug Kurse manipuliert oder ganze Wallets gestohlen werden. Da ist der innere Wert am Ende Null. Der Bitcoin ist eine reine Vertrauens- und Spekulationsanlage. Wehe des Vertrauen wird durch einen massiven Impact zerstört.

    Kann nicht passieren ?
    Das Undenkbare passiert dann,
    wenn sich alle sicher sind dass so was ja gar nicht passieren kann. Das haben die Anleger der Verliereraktien auch gedacht…

     
     

  26. @Thorsten,

    der KPMG-Bericht war desaströs und hätte jeden Anleger zum sofortigen Verkauf drängen müssen. Es ist eine Unwahrheit zu behaupten KPMG hätte Wirecard einen Persilschein ausgestellt. Das genaue Gegenteil ist der Fall. Ihr wolltet nur nicht hören und habt lieber der Interpretation des Vorstandes über den KPMG Bericht vertraut.
     
    https://finanz-szene.de/payments/wirecard-das-hier-ist-die-wahre-dimension-des-kpmg-berichts/
     
    So und nicht anders. Ihr hättet noch zwei Monate Zeit gehabt der Wahrheit ins Gesicht zu sehen und bei guten Kursen zu verkaufen. Das habt ihr nicht.
     
     Eine Lektion die ich schon früh lernte:

    “Höre alle, misstraue jedem.”

    Viele Grüße
    Jan

  27. An Thorsten: Ich bin auf eine chronologische Zusammenstellung der Wirecard-Ereignisse gestoßen: https://www.ft.com/content/284fb1ad-ddc0-45df-a075-0709b36868db

    Der große Knall im Juni 2020 kam nicht über Nacht. Erste warnende Meldungen gab es bereits einige Jahre zuvor und das Allzeithoch war Ende 2018.

    Eine gewisse Eigenverantwortung kann man den Anlegern nicht absprechen. Ich möchte keine Einzelaktien haben, weil mir der Auswahlprozess und spätere Beobachtungsaufwand zu groß wären.

  28. Ich muss Jan absolut recht geben!
    Mein persönliches Erleben mit Wirecard war im Mai 2020. Die Aktie war von 140 auf ca.85 Euro zurückgekommen und es schien mir reizvoll, mal einen deutschen Technologie- und Wachstumswert ins Depot zu nehmen.
    Aber schon bei den ersten Recherchen fiel mir auf, dass KPMG bei der Sonderprüfung davon sprach, dass das Unternehmen nicht kooperiere und mehrfach nachgefragte Unterlagen nicht beibringe.
    Da geht dann schon mal das erste rote Licht auf und man weiß: vorsicht, da stinkt was!

  29. Gerry genau da hat meine Arbeitskollegin 10.000 in wirecard investiert. Sie ist aktienneuling…. Am Ende kam sie mit 1000€ Verlust noch raus nach den ich ihr mal alles erklärt habe was ich über wirecard weiß.
    -M

  30. “Ein Privatanleger hat nicht die Möglichkeiten, ein Unternehmen wie Wirecard unter die Lupe zu nehmen, wie das ein Staatsanwalt, Wirtschaftsprüfer oder die Bafin kann. Daher müssen wir Anleger uns auf diese Organisationen verlassen können, dass sie ihren Job machen.”

    Was glaubt Ihr denn, was passiert wäre, wenn die Staatsanwalt die Sache früher aufgeklärt hätte?
    Richtig: Es wäre genau das gleiche passiert wie jetzt, nur früher.

    Was schließt Ihr aus dem Umstand, dass Privatanleger ein Unternehmen nicht genau unter die Lupe nehmen können?
    Richtig: Es ist für Privatanleger unklug in Einzelwerte zu investieren.

  31. Wer Wert auf die persönliche Bindung zu einzelnen Firmen legt und dem ETFs zu langweilig sind muss die Kröte halt schlucken. Und darf hinterher nicht jammern. Macht hier ja auch niemand.
    Ich hatte mit meiner reinen ETF Strategie incl. Dem unverzinsten Notgroschen eine Performance von exakt 10% (twror). Bin sehr happy damit. Mein Ziel ist aber auch ein möglichst großes Vermögen aufzubauen und sehe das investieren nicht als Hobby

  32. @ Sven
    so siehts aus!

    @Thorsten
    Du warst bei WC gierig ohne Ende. Wie oft hast du hier geposted habe wieder nachgelegt einmalige Chance Zukunftsunternehmen usw. Mit der selben Überzeugung wie alle deine anderen Finanzphanatsien die du hier täglich äußerst. Da habe ich kein Mitleid und der Staat muss keinem helfen! Gerade Leute die immer über den unfairen Staat ablästern. Keinen Cent würde ich an die gierigen WC Aktionäre verteilen. Das Risiko liegt zu 100% beim gierigen Aktionär.
     

  33. Wenn Bruno seine Firma gegen die Wand fährt hat er auch Pech. Wie schön es ist in verschiedene Firmen investieren zu können. 
    Allein MDAX ETF: 50 große mittelständige Firmen. Was soll da groß schief gehen? Ab und an ist ein verrecker dabei. Macht nix, die anderen laufen gut.
    World ETF ebenso mit viel mehr Firmen
    Stock Picking: Hey das gleiche in grün. Viele Qualitätstitel (sonst wäre stockpicking ja sinnfrei) kaufen und zurück lehnen. Ab und an geht was schief, macht nix.
     
    Guten Rutsch. Auf das im neuen Jahr mal 5 grade sind und man sich hier konstruktiv wieder hilft ohne den längsten 8====D …. ach das hatten wir schon 🙂 
    -M

  34. @-M 
    Die wird nicht an die Wand gefahren 😉 Aber wer so denkt der sollte es sein lassen mit einer eigenen Firma, es gibt immer ein Risiko. Pech würde ich es dann auch nicht sehen sondern ich hätte dann Fehler gemacht, so selbstkritisch sollte man auch sein, oder man sieht alles als Schicksal aber dann müsste man sich ja gar nicht mehr anstrengen wenn alles vorbestimmt ist. Für mich wäre mehr die Tragödie der Arbeitsplatzverluste, für mich persönlich ginge das Leben auch dann weiter, ich beziehe ja auch einen Lohn wie jeder Angestellte von daher ist das Risiko gar nicht so gross und abgesehen davon habe ich ja genau deshalb auch ein Depot aufgebaut, auf mehrere Pferde setzen.
    Ich habe mehr Fehler gemacht beim investieren, hätte ich Tim vor über 20 Jahren gehabt mit Buy & Hold stur und stetig Strategie, ich hatte mal 5000 EA-Aktien im Depot, die dann mit 60% Gewinn verkauft wurden. Heute wäre alleine diese Position 700k Wert.

    Ich wünsche allen ein gesundes und erfolgreiches 2021!

  35. Deshalb ist es klug, dein Kapital nicht nur in deine Firma zu stecken (es sei (denn du hast das 2. Amazon oder Tesla), sondern in andere Firmen zu investieren 😉 
    -M

  36. @-M ja aber ist natürlich limitiert, eine Firma die stark wächst braucht viel Cash. Aber Investoren oder Teilexit  wäre eine mögliche Option (IPO wäre ein Traum aber man muss realistisch bleiben). Es wird kein Amazon oder Tesla resp. das weiss man ja nie, viele Gründer haben alles in ihr Baby gesteckt das gehört einfach dazu.

  37. Ich habe mich letzte Woche von meiner “Lektion” Wirecard getrennt. Nach Gebühren blieben 4.52€ übrig. Und eine Lehre…
    Ich bin aber – trotz größeren Verlusten – dagegen, dass ich(wir) als Anleger entschädigt werden. Natürlich war das Betrug vom Feinsten – E&Y habens nicht gemerkt, KPMG war nicht in der Lage konkret aufzudecken – sie haben aber zumindest Zweifel angemeldet. Die BaFin hatte da imo keine Chance. Aber das werden Gerichte aufklären… 
    Kurz zurück zur Entschädigung: Das könnte man der Bevölkerung nicht verkaufen – da gibt jemand Wagniskapital und wird entschädigt weil die eigene Firma betrügt. Man wusste von Unstimmigkeiten und hats drauf ankommen lassen. Alles andere ist gelogen.

  38. Ich habe von diesen mysteriösen Machenschaften von WC etwa genau vor einem Jahr im Wartezimmer bei meinem Arzt gelesen, und da hat man ja bekanntlich sehr viel Zeit..
    Und ich konnte es einfach nicht glauben was da alles geschrieben wurde.. z.B als ein Journalist von der FT vieles aufgedeckt hat, dass da einiges nicht mit rechten Dingen zu geht usw..Daraufhin wurde er bedroht, verfolgt und auch von der Straße abgedrängt. Das klang wirklich wie im Film.
    Da war für mich WC wie ein rotes Tuch. Habe auch ein paar Freunden den Kauf von WC Aktien NICHT empfohlen und trotzdem wurde leider nachgekauft..
    Deshalb breit streuen und man kann besser schlafen. 
     

  39. Legt nicht alle Eier in einen Korb!
    Hatte auch eine kleine Position Wirecard hab dadurch rund 1% des Depowerts eingebüsst. Die Totaldividenden im Jahr 2020 entsprechen etwas mehr als 4% des Depotwerts. 
    Das Geschäftsmodel von WC klang interessant und das Wachstum auf dem Papier war gigantisch. 
    Das Jahr 2020 war Anlagetechnisch trotz WC interessant. Ich konnte dieses Jahr Einzelaltien zu Tiefstpreisen einsammeln.

  40. @Sven
    Richtig, aber es sich „fühlt sich doch gut an“ Einzelwerte zu besitzen und das verbriefte Recht auf Dividenden erst 🙂 

  41. Die Warnsignale bei Tesla sind da. Ob sie real werden, werden die nächsten Jahre zeigen.
    BioNTech hat nachgewiesen, in respektabler Zeit ein nachgefragtes Produkt entwickeln und verkaufen zu können. 

  42. Für 2021 wünsche ich jedem, dass es ihm gelingt, seinen persönlichen Serotonin-Spiegel auf angenehmen Höhen zu halten, wie auch immer man das hinbekommt. Spirituell, materialistisch, …  😉
     

  43. In Tims Blog tummeln sich eine ganze Reihe angenehmer Persönlichkeiten beiderlei Geschlechts, von denen man viel lernen kann. Vielen Dank für all die Inspiration.
     
    Deine motivierenden Artikel führen regelmäßig auf das Wesentliche zurück und helfen in ihrer matraartigen Form dabei, auf Kurs zu bleiben, Tim. Auch dir vielen Dank.
     
    Ich wünsche allen auch im neuen Jahr Glück, Zufriedenheit und viel Erfolg auf dem Weg zur (finanziellen) Freiheit (bitte beliebigen Begriff einsetzen 😉 ).

  44. @Freelancer
    Danke schön! Kann das nur zurückgeben.
    An alle angenehme Persönlichkeiten!
    Happy New Year
     

  45. @ Freelancer
    Und du stehst auf meiner Liste angenehmer Persönlichkeiten und stets lesenswerter Posts ganz oben. Danke für deine Kommentare und dass du dabei  bleibst.

    Allen, a happy new year, wobei das alte Jahr rein aktienmäßig in der Gesamtbilanz kaum zu toppen sein dürfte.

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