Lieber Tim, liebe Community,
seit 2017 schreibe ich hier in regelmässigen Abständen über meine Reise. Der erste Leserbrief kam von einem 20-jährigen Informatiker aus Zürich, der 100’000 Franken Nettovermögen erreichen wollte. Heute bin ich 30 und mein öffentliches Investmentportfolio liegt bei 1,43 Millionen Franken.
Für diesen Leserbrief wollte ich aber nicht einfach die nächste Zahl in den Vordergrund stellen. Ich habe meine alten Beiträge und die Kommentare darunter nochmals gelesen. Darin steckt eine öffentliche Fallstudie: mit Ehrgeiz, Fehlannahmen, Wachstum und durchaus berechtigter Kritik. Genau das möchte ich heute reflektieren.
Stationen meiner Leserbrief-Reise
| Jahr | Alter | Was sich verändert hat |
| 2017 | 20 | Erster Leserbrief. Ziel: 100’000 CHF Nettovermögen. |
| 2019 | 23 | Kündigung des Bankjobs und Start in die Vollzeit-Selbstständigkeit. |
| 2021 | 24 | Erste Million Nettovermögen. Dazu kam die Verantwortung für ein Team. |
| 2024 | 27 | Heirat, neues Büro und die Einsicht: Zeit wird wertvoller als mehr Geld. |
| 2026 | 30 | 1,43 Mio. CHF im Investmentportfolio, Ready for Money und ein anderer Blick auf Freiheit. |
Die ersten Jahre und der Wunsch nach Freiheit
2017 schrieb ich am Ende meines ersten Beitrags:
„Mir geht es nur darum, dass man auch in jungen Jahren grosse Ziele haben kann.“ Leserbrief 2017
Diesen Satz unterschreibe ich noch immer. Mit 20 war mein Ziel klar und konkret: früh investieren, eine hohe Sparquote aufbauen und mir Optionen schaffen. Das war gut. Ohne diese frühe Richtung wäre ich heute nicht dort, wo ich bin.
Gleichzeitig sehe ich heute, wie stark ich damals Freiheit mit Leistung verwechselt habe. 2019, nachdem ich meinen Bankjob gekündigt hatte, schrieb ich:
„Work is love made visible.“ Leserbrief 2019
Der Satz beschreibt ehrlich, wie ich mich damals fühlte. Ich war voller Energie. Meine Hobbys wurden zum Beruf. Und ich hatte das Gefühl, endlich am richtigen Ort zu sein. Doch Leidenschaft ist kein Freipass für Dauerstress. 60, 80 oder gar 100 Stunden pro Woche mögen eine Zeit lang funktionieren. Langfristig brauche ich eine Arbeit, die ich liebe, Struktur, Grenzen und Menschen, mit denen man Verantwortung teilen kann.
Grosse Zahlen verändern den Blick
2020 schrieb ich über den plötzlichen Anstieg meines Einkommens und Vermögens:
„Geld wird dann zu etwas sehr Abstraktem, was man nicht mehr so gut einordnen kann.“ Leserbrief 2020
Das war keine Koketterie, sondern eine echte Beobachtung. Wer jahrelang jeden Tausender im Budget bemerkt und später grössere Bewegungen im Depot sieht, muss den eigenen Massstab neu kalibrieren. Heute trenne ich deshalb klarer zwischen Investmentportfolio, Firmenvermögen und privatem Nettovermögen. Diese Zahlen sind nicht dasselbe. Und sie sagen auch nicht aus, ob ein Leben gelungen ist.
Stand heute liegen rund 1,43 Millionen Franken in meinem Investmentportfolio. Bei einer rein theoretischen Entnahme von vier Prozent entspräche das ungefähr 57’200 Franken jährlich oder rund 4’767 Franken monatlich vor Steuern. Das macht Arbeit finanziell optionaler. Es ist aber kein Aufruf, mit 30 in den Ruhestand zu gehen. Für mich persönlich ist das auch kein Plan. Ich arbeite weiter, weil ich meine Projekte und Unternehmen gestalten möchte – und nicht weil ich gezwungen bin, jede Rechnung durch die nächste Arbeitsstunde zu bezahlen.
Mein Portfolio im Überblick
Die nächste Grafik zeigt die jüngste öffentlich dokumentierte Asset-Allokation. Der Kern besteht aus Einzelaktien und ETFs. Krypto, Edelmetalle und Liquidität ergänzen ihn. Die Werte sind gerundet und als Einordnung gedacht, nicht als Vorlage für ein fremdes Depot.

Bei den Einzelaktien verbinde ich langfristige Überzeugungen mit einem breiten ETF-Fundament. Nvidia, Alphabet, Apple und AMD stehen für Technologie und Halbleiter. Accelleron und ABB vertreten die Schweizer Industrie, Meta Platforms und Nintendo ergänzen die Auswahl. Die folgende Aufstellung zeigt ausgewählte grössere Einzelaktien, nicht das gesamte Depot. Die vollständigen Positionen bleiben auf meiner Depotseite einsehbar.

Das zweite Bild trennt Einzahlungen und Marktwertentwicklung. Diese Unterscheidung ist mir wichtig: Ein grosser Depotwert ist nie nur Rendite. Er entsteht aus Zeit, regelmässigen Einzahlungen, Risikobereitschaft und der Bereitschaft, auch in schwachen Marktphasen investiert zu bleiben.

Die Kritik war nicht nur Lärm
Wer jahrelang öffentlich dokumentiert, bekommt Zuspruch und Gegenwind. Einige Kommentare waren einfach hart. Andere haben bei mir etwas ausgelöst, gerade weil sie einen wahren Kern hatten.
„Demut ist nicht überall seinen Kopp drauf zu drucken.“ Kommentar von Jan, 2019
Damals ging es um die Frage, wie stark eine Person selbst zur Marke wird. Ich sehe das heute differenzierter: Sichtbarkeit gehört zu Medienarbeit, aber sie darf nicht der einzige Grund für einen Beitrag sein. Ein Text sollte auch dann etwas Wertvolles liefern, wenn man Name, Foto und Reichweite weglässt.
„Ab einem bestimmten Level darf so etwas meiner Meinung nach nicht mehr auftreten.“ Kommentar von Mattoc zu Schreibfehlern, 2020
Der Kommentar bezog sich auf sprachliche Fehler und die Professionalität meiner Inhalte. In der Sache hatte er recht. Authentisch zu sein heisst nicht, sich nicht weiterzuentwickeln. Gerade wenn Menschen einem Zeit und Vertrauen schenken, gehören saubere Recherche, gute Sprache und eine klare Trennung zwischen Information, Meinung und Werbung dazu.
„Jedes Jahr hier in diesem Blog was zu veröffentlichen finde ich etwas to much.“ Kommentar von Johannes, 2021
Auch das ist eine berechtigte Frage: Warum noch ein Rückblick? Ein neuer Beitrag darf keine Pflichtübung und kein weiterer Superlativ sein. Deshalb schreibe ich diesen Text nicht, um eine Zahl zu feiern, sondern um einzuordnen, was sich über fast zehn Jahre verändert hat und was nicht.
Was ich heute anders machen würde
Ich würde früher zwischen Motivation und Selbstdarstellung unterscheiden. Früher dachte ich: „Je offener ich alles zeige, desto mehr kann ich andere motivieren.“ Das stimmt teilweise. Aber Transparenz braucht Grenzen, Kontext und eine klare Absicht. Ein Depotstand ohne Weg, Risiken und Ausgangslage ist schnell mehr Vergleichsdruck als Hilfe.
Ich würde auch früher verstehen, dass Wachstum nicht nur nach oben geht. Unterwegs gab es Rückschläge, Fehler und Phasen, in denen ich zu viel gleichzeitig wollte. Meine Ziele wurden nicht bloss durch gute Aktienkäufe erreicht, sondern durch den Aufbau von Fähigkeiten, Einkommen, Geschäftssystemen. Und einem Umfeld, das mich gefordert hat.
Und ich würde mir selbst früher erlauben, Zeit als Erfolg zu sehen. 2026 ist für mich nicht das Jahr, in dem ich nach der nächsten Million suche. Es ist das Jahr, in dem ich bewusster entscheide, wo meine Energie wirklich wirken soll: im Team, in meinen Unternehmen, in meinem Buchprojekt und privat.
Vom Blog zum Buch
2026 ist mit Ready for Money* ein Projekt erschienen, das mich lange begleitet hat. Das Buch ist der Versuch, Erfahrungen aus Blog, Videos, Gesprächen und dem eigenen Depot in einen verständlichen Rahmen zu bringen. Nicht als Abkürzung zum Reichtum, sondern als praktische Orientierung für Menschen, die in der Schweiz ihre Finanzen selbst in die Hand nehmen möchten.



Der Buch-Launch im April war für mich deshalb mehr als ein Veröffentlichungstermin. In den Gesprächen wurde deutlich, dass vielen Menschen nicht die nächste heisse Aktie fehlt, sondern ein nachvollziehbarer Anfang. Einkommen, Sparen, Investieren, Vorsorge und Risiken gehören zusammen. Genau diese Verbindung wollte ich so aufschreiben, wie ich sie mir mit 18 Jahren selbst gewünscht hätte.
Ein Buch abzuschliessen, war eine gute Übung in Verantwortung. Ein schneller Post darf eine offene Frage stellen. Ein Buch muss stärker einordnen, Quellen sauber behandeln und den Leser nicht mit falscher Gewissheit zurücklassen. Das passt zu dem, was ich aus den kritischen Kommentaren gelernt habe: Reichweite ist kein Ersatz für Sorgfalt.
Begegnungen ausserhalb des Bildschirms
Die Reise findet heute nicht mehr nur im Kommentarbereich statt. Ende September spreche ich am Börsentag Zürich über die elf Jahre, die hinter dem heutigen Depot stehen. Der Titel des Vortrags lautet bewusst nicht einfach 1,4 Millionen. Im Zentrum stehen die Sparquote, Fehler, Risiken und die Entscheidungen, die hinter einer Zahl sonst unsichtbar bleiben.

Der Buch-Launch, die Treffen des Finanzrudels und solche Vorträge verändern auch meine Rolle. Aus einem Blog, den ich ursprünglich für meine eigene Dokumentation begann, ist ein Ort geworden, an dem Menschen Fragen stellen, widersprechen und ihre eigenen Erfahrungen teilen. Das empfinde ich als Verpflichtung, offen zu bleiben und nicht nur die Ergebnisse, sondern auch den Weg zu zeigen.
Wohin es mit AMAZINGTOYS geht
Bei AMAZINGTOYS denke ich heute weit weniger in einzelnen Verkaufsaktionen als in einem funktionierenden Gesamtbild. Aus einem Hobbyhandel mit Karten, Games und Merchandise ist ein Unternehmen geworden, das online, im Laden und an Events sichtbar ist. Die nächsten Jahre sollen nicht einfach mehr vom Gleichen bringen. Sie sollen das Fundament so stark machen, dass Wachstum nicht an einer Person hängen bleibt.

Das heisst für mich: Prozesse im Einkauf, in der Lagerlogistik und im Produktdaten-Management weiter vereinfachen. Wer schon einmal mit limitierten Releases, Pre-Orders und Sammlerprodukten gearbeitet hat, weiss, wie schnell aus einem kleinen Fehler Frust für Kunden und das Team wird. Gute Systeme sind deshalb für mich kein Backoffice-Thema. Sie entscheiden darüber, ob ein Shop zuverlässig wirkt und ob ein Team in hektischen Phasen ruhig arbeiten kann.
Der Laden in Zürich soll dabei mehr sein als ein Ort, an dem Ware über den Tresen geht. Ich möchte, dass man dort Beratung, Begegnung und Begeisterung für die Hobbys erlebt. Der Onlineshop, der Laden und die Messen haben jeweils ihre eigene Stärke. Zusammen sollen sie aber ein stimmiges Erlebnis ergeben. Wer online etwas entdeckt, soll sich im Store ernst genommen fühlen. Wer uns an einem Event kennenlernt, soll später auch digital einfach wiederfinden, was ihn begeistert hat.

Der Ausbau bedeutet auch, Verantwortung bewusster zu verteilen. Ich will nicht der Engpass sein, durch den jede Entscheidung laufen muss. Mein Ziel ist ein Team, das seine Bereiche kennt, Probleme früh anspricht und die gemeinsame Qualität mitträgt. Wenn das gelingt, entsteht nicht nur ein grösseres Unternehmen. Es entsteht ein Ort, an dem Menschen gerne arbeiten und zu dem die Community gerne zurückkommt.
Der Handel mit Sammelprodukten wird gleichzeitig digitaler und persönlicher. Preise, Verfügbarkeiten und Release-Fenster verändern sich schnell. Umso wichtiger wird Vertrauen. Nicht jeder Artikel muss immer sofort verfügbar sein. Aber wenn wir etwas anbieten, sollen die Informationen stimmen, die Kommunikation klar sein und das Erlebnis der Kundschaft den Anspruch rechtfertigen.
Entscheidend ist, dass der Kunde fair behandelt wird
Dieser Anspruch beginnt bei den kleinen, oft unsichtbaren Dingen: einem nachvollziehbaren Lagerbestand, einer realistischen Lieferinformation und einer Antwort, wenn etwas einmal nicht wie geplant läuft. Gerade bei limitierten Produkten zählt nicht nur, ob ein Artikel verfügbar ist. Entscheidend ist, ob sich jemand fair behandelt fühlt, auch wenn die Nachfrage grösser ist als das Angebot.
Mir ist ausserdem wichtig, dass AMAZINGTOYS nicht nur als Shop wahrgenommen wird. Viele Kunden bringen bereits Wissen, Geschichten und sehr persönliche Erinnerungen an ihr Hobby mit. Daraus entsteht im besten Fall ein Austausch auf Augenhöhe: Wir beraten, kaufen an, helfen beim Grading und schaffen einen Ort, an dem Anfänger ebenso willkommen sind wie langjährige Sammler.
Mein Blick nach vorn ist deshalb nicht: möglichst laut oder möglichst gross werden. Ich will AMAZINGTOYS robuster machen. Mit klaren Abläufen im Hintergrund, besseren Entscheidungen auf Basis von Daten und einer Community, die sich nicht wie eine Kennzahl anfühlt. Die beste Expansion ist für mich die, bei der die Qualität mitwächst und die Freude am Hobby erhalten bleibt.
Was gleich geblieben ist
Mein Investmentansatz bleibt einfach: regelmässig investieren, breit streuen und langfristig denken. ETFs bilden den Kern. Dazu kommen ausgewählte Aktien und Cashflow-Bausteine wie Dividenden, Zinsen und Optionen. Keine einzelne Position oder Schlagzeile soll entscheiden, ob ich nachts ruhig schlafe.
Mein Rat an jüngere Leser ist nicht: Macht exakt nach, was ich gemacht habe. Ausgangslagen, Einkommen, Risiken und Ziele unterscheiden sich. Fang an, dokumentiere deine Zahlen, investiere kontinuierlich in dich und dein Portfolio – und baue dir Zeit und Wahlmöglichkeiten auf.
Die nächste Dekade
Mein 20-jähriges Ich wollte finanzielle Unabhängigkeit. Mein 30-jähriges versteht darunter Freiheit: Nein sagen zu können, Verantwortung bewusst zu tragen und Zeit nicht dauerhaft gegen Geld zu tauschen.
Die 1,4 Millionen Franken sind ein Meilenstein, aber nicht der wichtigste Ertrag. Wichtiger ist, dass aus einem kleinen Depot, einem Hobbyshop und einem Blog ein Leben mit Team, Community, Familie und Neugier entstanden ist.
Danke, Tim, dass dieser Blog seit 2017 Raum für offene Zwischenstände bietet und allen, die kritisch, konstruktiv oder unterstützend mitgelesen haben.
Liebe Grüsse aus Zürich
Thomas, der Sparkojote