Nike-Aktie nach Absturz: Ein gefundenes Fressen für Value-Anleger

Brennende Öltanker in der Straße von Hormus – der Iran-Krieg sorgt für steigende Ölpreise und eine große Unsicherheit. Wenn an der Wall Street Panik ausbricht und ein einstiger Börsenliebling gnadenlos abgestraft wird, schlägt die Stunde der wahren Value-Anleger. Genau dieses Szenario sehe ich aktuell beim Sportartikelgiganten Nike. Die Aktie hat nach einem heftigen Absturz massiv an Wert verloren. Kurzfristige Zocker haben das Handtuch geworfen. Binnen Jahresfrist hat die Aktie 25% verloren. Autsch. Überall hat die Aktie blaue Flecken bekommen. In meinem Depot sind 393 Stück. Ich gebe zu, dass ich zu früh begonnen habe, sie aufzustocken. Auweia. Aber irgendwann muss doch der Tiefpunkt erreicht sein. Womöglich sind wir nahe dran.

Denke daran: Wer wie ich auf Jahrzehnte hinaus denkt und sich nicht von Quartalsergebnissen aus der Ruhe bringen lässt, sollte jetzt ganz genau hinsehen. Ist der Kurssturz eine historische Einstiegschance? Um ehrlich zu sein: Genau kann man das nie wissen. Aber meine Intuition lässt mich hoffen. Schau dir den massiven Kursrutsch von Nike an. In der Spitze kostete die Aktie 179 Dollar, nun dümpelt der Kurs bei circa 54 Dollar.

Hier siehst du das Kursgemetzel. Es ist dramatisch. Quelle: Google

Warum ist die Nike-Aktie überhaupt abgestürzt?

Um die Chance zu begreifen, müssen wir verstehen, was schiefgelaufen ist. Die Börse hat Nike aus mehreren Gründen abgestraft:

  • Strategische Fehltritte: Unter dem ehemaligen CEO John Donahoe hat Nike sich zu stark auf den Direktvertrieb (DTC) fokussiert und langjährige Handelspartner (Wholesale) vernachlässigt. Das hat Regalfläche gekostet. Nun rudert der Vorstand zurück und geht mit dem Großhandel wieder enger zusammen.
  • Innovationsstau: Während aufstrebende Konkurrenten wie On Running (Schweiz) oder Hoka mit frischen Laufschuh-Konzepten Marktanteile eroberten, ruhte sich Nike gefühlt zu sehr auf seinen Retro-Klassikern (Jordan, Dunk*) aus.
  • Makro-Gegenwind: Die schwächelnde Konjunktur in China und die weltweite Inflation ließen die Konsumlaune sinken und die Lagerbestände anschwellen.

Das Ergebnis? Gewinnwarnungen, sinkende Margen und ein massiver Kurseinbruch. Aber: Das sind typische, vorübergehende Probleme, wie sie in der Geschichte fast jedes Weltkonzerns vorkommen. Es ist keine dauerhafte Zerstörung des Geschäftsmodells – zumindest sehe ich das nicht.

Warum die Aktie jetzt hochinteressant ist

Für langfristige Buy-and-Hold-Anleger bietet das aktuelle Bewertungsniveau eine exzellente Gelegenheit, sich an einem der besten Unternehmen der Welt zu beteiligen. Hier sind die Gründe:

1. Einer der stärksten Burggräben der Welt

Nike ist nicht einfach nur ein Schuhverkäufer. Das „Swoosh“-Logo gehört zu den bekanntesten Markenzeichen des Planeten. Nike ist tief in der Popkultur, im Profisport und im Lifestyle verankert. Eine Marke von dieser Strahlkraft baut man nicht in ein paar Jahren auf – und sie verschwindet auch nicht, nur weil der Absatz für ein paar Quartale stottert. Konkurrenten mögen aktuell coole Schuhe bauen, aber Nikes Marketingbudget und Athleten-Portfolio (von LeBron James bis Cristiano Ronaldo) bleiben unerreicht. Selbst die Deutsche Fussballmannschaft rüsten die Amerikaner aus.

2. Das Management-Comeback

Nike hat das Ruder bereits herumgerissen. Mit Elliott Hill wurde ein Nike-Veteran als CEO zurückgeholt, der das Unternehmen von der Pike auf kennt. Seine Mission ist klar: Die Beziehungen zum Fachhandel kitten, den Fokus wieder auf echte Produktinnovationen legen und die DNA der Marke wiederbeleben. Solche Turnarounds dauern, aber die Weichen sind gestellt.

3. Solide Bilanz und verlässliche Dividenden

Während Turnaround-Kandidaten oft hoch verschuldet sind, strotzt Nike vor finanzieller Kraft. Das Unternehmen generiert Milliarden an freiem Cashflow. Die Bilanz ist minimal verschuldet. Für uns Dividendenjäger besonders spannend: Nike zahlt nicht nur verlässlich seine Dividende, sondern steigert diese auch kontinuierlich seit über 20 Jahren. Hinzu kommen massive Aktienrückkaufprogramme, die den Wert der verbleibenden Anteile langfristig steigern. Auf dem aktuellen Kursniveau sichern sich Anleger eine attraktivere Einstiegsrendite als in den Hype-Jahren.

4. Die Bewertung ist endlich wieder fair

In der Vergangenheit mussten Anleger für die Qualität von Nike oft hohe Aufschläge zahlen. Kurs-Gewinn-Verhältnisse von 35 bis über 40 waren keine Seltenheit. Durch den Absturz hat sich die Bewertung normalisiert und liegt nun deutlich unter dem historischen Durchschnitt. Ein klassisches Value-Szenario: Man kauft ein Premium-Unternehmen zu einem fairen bzw. günstigen Preis.

Ein Blick auf die nackten Zahlen zeigt, warum die Aktie gerade für geduldige Dividenden-Investoren jetzt so attraktiv ist – aber auch, warum der Markt kurzfristig zögert.

Hier sind die Kennzahlen

  • Die Dividendenrendite (historisch hoch): Beim aktuellen Kursniveau von rund 56 bis 58 Dollar bietet Nike eine beachtliche Dividendenrendite von ca. 2,8 % bis 2,9 %. Für ein Premium-Wachstumsunternehmen wie Nike ist das ein historisch außergewöhnlich hoher Wert (in den Boom-Jahren lag die Rendite oft bei mageren 1 %).
  • Dividendenwachstum pur: Noch wichtiger als die Einstiegsrendite ist das Wachstum. Nike hat die Dividende erst im November wieder um knapp 3 % auf nun 1,64 Dollar pro Jahr (0,41 Dollar je Quartal) angehoben. Das Unternehmen steigert seine Ausschüttung nun seit 25 Jahren in Folge ununterbrochen. Nike ist damit im exklusiven Club der Dividendenaristokraten.
  • Das KGV-Paradoxon: Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) liegt aktuell bei scheinbar hohen 28 bis 34. Wer nur blind auf diese Kennzahl starrt, könnte denken: „Nike ist immer noch zu teuer!“ Doch das ist ein klassischer Denkfehler, den Value-Investoren ausnutzen. Das KGV ist aktuell nur deshalb so hoch, weil der Gewinn pro Aktie (EPS) im letzten Jahr durch den Umbau und die Rabattaktionen vorübergehend auf rund 1,70 Dollar eingebrochen ist. Wenn die Gewinne im Zuge des Turnarounds wieder auf das alte Niveau klettern, schmilzt dieses KGV rasant zusammen. Auf Basis der aktuellen Schätzungen beträgt das KGV 24.
  • Die Payout-Ratio (Ausschüttungsquote): Aktuell schüttet Nike rund 94 % seiner Gewinne als Dividende aus. Das klingt kurzfristig viel, ist aber der vorübergehenden Gewinndelle geschuldet. Dank eines massiven Cashflows und einer grundsoliden Bilanz ist die Dividende dennoch sicher.

Der Zinseszinseffekt als stärkster Hebel 

Hier kommt die klassische Buy-and-Hold-Magie ins Spiel: Wer sich heute die knapp 3 % Startrendite sichert und stoisch an den Aktien festhält, lässt den Zinseszinseffekt für sich arbeiten. Reinvestiert man die Dividenden kontinuierlich und wachsen Nikes Ausschüttungen künftig wieder mit den historischen Raten von 8 bis 10 % pro Jahr, schießt die persönliche Dividendenrendite auf das ursprünglich eingesetzte Kapital (Yield on Cost) im nächsten Jahrzehnt in zweistellige Höhen. Genau so baut man generationenübergreifenden Reichtum auf!

Fazit: Zeit für Geduld

Warren Buffett sagt gerne: „Kaufe wunderbare Unternehmen zu einem fairen Preis.“ Nike fällt nach dem Kurssturz genau in diese Kategorie. Die Probleme sind bekannt und bereits im Kurs eingepreist. Die Lösung ist in Arbeit.

Wer jetzt einsteigt, darf keine Wunder über Nacht erwarten. Es wird einige Quartale dauern, bis die neuen Produktlinien greifen und die Umsätze wieder kräftig sprudeln. Doch wer die Aktie jetzt kauft, sie ins Depot legt und die Dividenden reinvestiert, dürfte in fünf bis zehn Jahren mit großer Wahrscheinlichkeit froh darüber sein, Mut gehabt zu haben, als alle anderen in Panik verfielen. Ach ja, ich habe auch Adidas und Under Armour im Depot. Und halte am Trio fest. Eine Garantie kann ich freilich für nichts übernehmen. Denk ans Streuen und habe Geduld.

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12 Kommentare
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Domi
1 Monat zuvor

Ich habe es mir abgewöhnt in abgestürzte Aktien wie Intel, Adobe, Nike…. zu investieren. Bisher bin ich mit dieser Strategie zufrieden
Bin stattdessen in den Schaufelherstellern, Energieinfrastrukturunternehmen…. investiert.
Teilweise inspiriert durch Nikos Artikel auf Deinem Blog Tim.

I want to believe
1 Monat zuvor
Antwort auf  Tim Schäfer

Tim, das stimmt.
Allerdings war bei Nike die Krise selbst verschuldet, durch ein überhebliches Management. Banken in der Finanzkrise, Airlines während Corona waren beides extreme externe Gründe – das Geschäft und Management waren in Ordnung. Das finde ich schon einen wesentlichen Unterschied für eine Investitionsentscheidung..

(zu Netflix weiss ich nicht warum die damals kriselten).

Sparta
1 Monat zuvor
Antwort auf  I want to believe

@I want to believe

Hm, also ich habe damals 2011 im Januar (kann mich noch daran erinnern, da ich da auf den Kapverden war) mit Tim über Netflix diskutiert und da hatte ich noch so Schlagzeilen im Kopf mit der extremen Verschuldung von Netflix, die mich damals abgeschreckt hatte.

Aber gut, alter Hirn… evtl. im Archiv noch auffindbar.

Sparta
1 Monat zuvor
Antwort auf  Tim Schäfer

Hm, vielleicht setzt es aus… vielleicht auch 2016 oder 2017 im Januar… extreme Schulden oder extremes Cashflow-Verhältnis…
Der Artikel den ich gelesen hatte, war sehr pessimistisch und ich dachte dass ich darüber mit dir geschrieben habe.

Thilo Koch
1 Monat zuvor
Antwort auf  Tim Schäfer

Da niemand die Finanz-Glaskugel besitzt, passieren immer auch mal Fehler in der Auswahl der Wertpapiere. Solange aber die Gesamtrendite -wie bei Dir, Tim- so stimmt, ist das ja auch nicht so schlimm.

Für die Mehrheit der Leute, sind imho ETF die bessere Wahl.

Leonie
1 Monat zuvor

Ich finde ein KGV von 24 für NIKE auch noch viel zu hoch.
Nur mal als Vergleich: Schätzungen für KGV addidas 2026: 14,8, für 2029:9,85
Schätzungen KGV NIKE 2026:34,85, für 2029: 19

Da ist noch viel Luft nach unten, vor allem dann wenn es mit dem Turaround beim Gewinn nicht so klappt wie gewünscht.

Gurki
1 Monat zuvor

Wir sind mittlerweile auf dem Stand von vor 10 Jahren. Weiß ja nicht so recht. Wer damals investiert hat, hat quasi keinen Gewinn gemacht. Immerhin Werterhalt. Abgesehen von der Dividende. Bin gespannt was draus wird. Wird sicher etwas länger dauern…

I want to believe
1 Monat zuvor
Antwort auf  Gurki

Gurki, das stimmt.
Wenn daraus etwas wird, zB 80% höherer Kurs in 10 Jahren, dann freut man sich und ist besoffen von den grünen Zahlen in seinem Depot. Alles richtig gemacht fühlt man. Allerdings weil wir unseren Zeithorizont nicht betrachten. Wenn man den einbezieht, dann sind diese turnaround Dinger meistens ganz schlecht, außer man erwischt zufällig wirklich den tiefsten Tag.

Karsten
1 Monat zuvor

Der Burggraben basiert ausschließlich auf der Marke, auch große Namen können irgendwann mal uncool werden und aus der Mode kommen

Denn jedes der Produkte kann man sofort ohne jegliche Einbußen, durch das eines anderen Sportartiklers ersetzen.

Thilo Koch
1 Monat zuvor

Nike ist auf dem Kurs-Niveau sicherlich interessant. Aber warum in das fallende Messewer greifen ? Ich würde den turnaround noch abwarten …

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