Volle Kanne ins Depot zu sparen, ist mein Rat. Viele sagen: „Vergiss das Leben nicht.“ Zu Leben bedeutet nicht, dass es alles monetär rausgebabllert werden muss und dann geht automatisch die Zufriedenheit nach oben. Nein, es besteht kein kausaler Zusammenhang zwischen Ausgaben und Zufriedenheit.
Wie auch immer, das Sparen und Investieren ist verdammt wichtig. Warum? Manchmal ändern sich die Lebenswege. Du wirst entlassen, hast einen Burnout, Kinder kommen, Scheidung, Krankheit, Hochzeit… was auch immer. Dann ist es hilfreich, wenn man die Knete für solche Situationen hat.
Nein, extrem sparen braucht niemand. Aber jeden Monat etwas zurück zu legen, ist in fast jedem Fall sinnvoll. Auto Leasing, teuere Hobbys, große Wohnfläche, Luxusurlaub… Wenn am Monatsende nichts übrig bleibt, dann ist das in der Regel nicht vernünftig.
Ich kaufte das Grillhähnchen kurz vor Ladenschluss mit einem saftigen Rabatt
Dein Handeln und Verhalten prägt dein Mindset und dein Leben. Wenn du jahrelang das Verballern ohne Sparen zu deiner Lebensstruktur machst, brauchst du immer mehr, für weniger Ertrag/Sicherheit. Ich habe lange Zeit das Gegenteil gemacht. Gespart wie ein Verrückter. Das Grillhähnchen habe ich im Supermarkt kurz vor Ladenschluss als Schnapper gekauft – es war etwas ausgetrocknet, weil es den ganzen Tag unter einer Heizröhre schmorte. Ich wollte lieber Bank of America-Aktien kaufen. Ich habe in WGs gelebt, kein Auto, alles Second Hand etc. Mein Ziel war wirklich alles immer wegzusparen. Alles ging über 10 Jahre lang nur in die Bank of America-Position. Dann war ich auf einmal Millionär. Und dank des Zinseszinses später Multimillionär.
Geld ausgeben für Luxus fällt mir immer noch schwer. Obwohl das Depot von einem Rekord zum nächsten eilt. Im Sperrmüll habe ich Möbelstücke gefunden. Und ich trage noch heute Second Hand und hole gerne mein Essen über die App TooGoodToGo.
Wer nur moderat spart, erhält nur moderate Resultate
Hätte ich alles ausgegeben, wäre ich ein Habenicht. Hätte ich die goldene Mitte gewählt, wäre ich vermutlich nicht finanziell frei geworden. Bissl was ausgeben, bissl Spaß, immer eine moderate Sparmenge. Das kann man machen. Dann erzielst du aber keine extremen Erfolge. Nur mit extremem Tatendrang (Vollgas im Job, Sparen wie ein Irrer), kannst du extreme Resultate erzielen.
Ich wusste: Am unwahrscheinlichsten ist es, dass ich später sage: „Mist, zu viel Geld!“ Im Gegenteil. Wenn du mal dran bist am Reichwerden, willst du immer mehr haben, obwohl deine Zufriedenheit mit dem Wohlstand auch nicht zunimmt. Aber die Sicherheit nimmt zu und das Freiheitsgefühl. Das ist durchaus was.
Ein anderes Problem hatte ich: Ich wollte niemals an mein Erspartes dran gehen. Das Depot war ein Heiligtum. Irgendwas kommt aber irgendwann immer. Ich errichtete einen gedanklichen Burggraben um mein Depot.
Nur noch alles reinballern ins Depot, war mein Motto. Ich lebte knauserig – das war nicht doof. Ich fand das cool. Gut, ich habe für Sport viel ausgegeben. Ich habe zig Jahre lang jeden Lauf bei den New York Road Runners mitgemacht. Ich bin Marathons und Ultra-Marathons gelaufen und habe sogar einen Half Ironman absolviert nahe Boston, den Patriot Half. Beim Sport werden Glückshormone ausgeschüttet – das war manchmal wohltuend. Aber davon abgesehen, war ich nur am Sparen.
das sind ja meine liebsten Artikel im Blog.
Danke! Das freut mich.
Hi Tim,
lese gerade das Buch „Next millionaire next door“, das aktualisierte Buch von Thomas Stanley’s Tochter. Sehr gut und verständlich geschrieben. Schöne Sommerlektüre.
Bin über manche Statistiken zu US-Millionären erstaunt:
Fazit: Ohne halbwegs frugalen Lebensstil bzw. Bugdetierung schafft man mit einem durchschnittlichen Sachbearbeiter-Gehalt keinen Wohlstand, weil dann schlicht das Geld zum investieren fehlt.
Super Buch ist das. Ich habe die Edel-Edition im Regal.
„Ich kaufte das Grillhähnchen…“
Ganz „trocken“ geschrieben. Dachte, ich kannte schon alle deine Life-Hacks, aber den kannte ich noch nicht. Musste schmunzeln :-)
Ich empfehle dazu passend Early Retirement Extreme von Jakob Lund Fisker, Blog & Buch. Sehr inspirierend zu lesen, auch wenn man nicht unbedingt das Ziel aus dem Buchtitel anstrebt.
Von Jakob habe ich auch schon einiges gelesen. Er ist extrem, aber spannend jemand zu sehen außerhalb der eigenen Blase.
Die Alternative zum Sparfuchs: Eine Arbeit, die Spaß macht und gut bezahlt wird. Die ist kein Lottogewinn, sondern kann genauso gezielt angestrebt und erfolgreich erreicht werden ohne trockene Grillhänchen, gebrauchte Kleidung oder hässliche Möbel vom Sperrmüll.
Die Frage ist, welche Prioritäten und Ziele man sich als junger Mensch setzt: Verzicht durch sparen, um später (vielleicht) genug Geld zu haben oder Spaß an der Arbeit und gleich genügend Geld und ebenfalls sparen, aber ohne Verzicht.
Wenn mein Ziel beispielsweise Arzt oder Rechtsanwalt ist, brauche ich nicht Frugalist zu werden. Habe ich kein besonderes Ziel und bin mit dem Taxifahren zufrieden, sollte ich Frugalist werden.
Schöner „Retro-Artikel“ der wieder die Wurzeln des Blogs hier aufzeigt. Ich finde es auch gut, dass mit offenen Karten gespielt wird. Wirklich selbst „ersparter“ Wohlstand in einem klassischen Angestelltenverhältnis lässt sich eben nur mit reduzierten Lebensstil und gutem Gespür für notwendige Ausgaben gut erreichen. Aber selbst da ist oftmal Glück im Spiel.
Es gibt ja Gründe, warum die meisten Reichen eher aus der unternehmerischen Seite kommen.
Dennoch glaube ich, dass ab einem gewissen Depotvolumen das man in frühen Jahren erreichen muss/sollte, der Schneeball genug Zeit hat seine Zinseszins Kraft zu entfalten. Irgendwann ist der Eintrag ins Depot nicht mehr entscheidend, sondern der Markt und die Investitionszeit.
@Tim
„Ich kaufte das Grillhähnchen kurz vor Ladenschluss mit einem saftigen Rabatt“
Bist Du denn noch vegetarisch oder vegan oder wegen dem alten Grillhähnchen geworden? ?
Der Spruch mit moderatem Handeln gibt es moderate Ergebnisse ist eine Binse, aber tatsächlich glauben viele heute mit wenig Arbeit viel zu erreichen.
Ein Beispiel für „Mit wenig Arbeit kann man viel erreichen“ ist der erwerbslebenslange ACWI-ETF Sparplan.
Einmal aufgesetzt + autopilot und dann systematisch mehr Erfolg als die trader + dauerpicker.
Ich bin Vegetarier seit etwa 10 Jahren. Es war nicht das Grillhähnchen schuld, obgleich es sehr trocken war.
@Tim
Das 2. Fragezeichen war auch ein Zwinkersmiley am Handy.
@I want to believe
Prinzipiell kann man damit schon nette Summen innerhalb von ca. 4 Dekaden erreichen, aber mit der durchschnittlichen Sparquote von ich glaube ca. 11 % für Deutschland wird es für richtiges fire auch zu wenig sein, bzw. es ist dann eine zusätzliche Altersvorsorge… (klingt halt deutlich weniger spektakulär wie „frei“, was imaginär ganz weite Bandbreiten an individuellen geistigen Vorstellungen hervorruft).
Aufgrund der Multiples würde ich auch die langfristige, historische Rendite nicht vom aktuellen Zeitpunkt in die Zukunft fortschreiben, sondern die p.a. erwartete Rendite etwas tiefer ansetzen / erwarten.
Bei diesen Themen kommt wieder Leben in die Kommentarspalte.
Kosumunlust, kein Bedarf an Statussymbolen, eine starke postmaterialistische Ader und dazu der Wunsch nach finanzieller Unabhängigkeit, die einem viele Freiheiten ermöglicht. Eine gute Kombination, um mit hoher Spar- und Investitionsrate dank Börse ein Vermögen zu erzielen.
Mir geht es aber so, wie von Daniel weiter oben beschrieben. Nach 15 Jahren hat das Portfolio eine enorme Dimension erreicht, wird zum Selbstläufer, während die monatlichen Raten nur noch marginale Auswirkungen haben.
Gut, bis zur Altersruhe sind es noch 20 Jahre, da käme noch etwas zusammen. Geht mir ja auch wie Tim, ist der Investitionsmuskel erst erstarkt, lassen sich Gewohnheiten nur schwer beseitigen. Ich investiere mit Herzenslust.
Nachdem ich am Strand die zweite Runde „Die with Zero“ hinter mich gebracht habe, wird aber mehr und mehr gegrübelt. Gut, manch einer hier sorgt sich auch mit 70 noch um die Million, anstatt etwas daraus zu machen. Vernünftig erscheint das aber nicht.
Am Ende bleibt, was wir erlebt haben. Mit Familie, Freunden, bei Hobbies, Erkundungen, Reisen und Events. Das Geld (sprich das Depot) soll also seinen Zweck erfüllen. Weiter einzahlen müsste ich nicht mehr, wird trotzdem vor der Rente ein Millionenportfolio in heutigen Preisen. Und dann?
Mich interessieren hier eure Anstöße, Ideen, eigene Wünsche und Vorstellungen. Ich lasse mich da gerne inspirieren. Mit welcher Zielsetzung werden die Depots gepflegt?
Ja, die Erwerbsarbeit kann ganz toll und erfüllend sein. Mir fallen trotzdem auf Anhieb zehn Dinge ein, die ich lieber tue. Also Zeit für Geld. Arbeitszeitverkürzung, Sabbathjahr, Frührente. Da plane ich aktuell.
Die Phase mit bester Kombi aus Geld und Gesundheit hat bei mir begonnen. Mit 70 bekomme ich die Million nicht mehr weg.
Bei uns kostet eine 2,5 Zimmerwohnung in einem Pflegeheim für 2 Personen OHNE individuelle Pflege-, Therapie oder Arztleistung ab 5.200€.
Also ich kann mir vorstellen, dass man mit 70 die Million auch noch leicht durchbringen kann.
Siehe auch „Schauspieler Rolf Schimpf musste 2023 mit 99 Jahren sein Altersheim verlassen. Er konnte es nicht mehr bezahlen.“
Trotzdem ist das Geld mit 45 Jahren und Familie besser in eine 4-Tagewoche investiert.
Dann hat man mit 70 vielleicht 30% weniger, reicht auch noch.
Trotzdem, wenn man das zu früh macht ist es ein heftiger Schlag ins finanzielle Kontor.
Den Kindern kannste auch nur viel weniger finanzielle Starthilfe geben fürs Studium und so.
Danke für deine Antwort.
Eine kurze Recherche hat ergeben, dass in Deutschland ca 10% der über 80-jährigen stationär im Pflegeheim betreut werden müssen (oder wollen). Ich bin zwar nicht so strebsam wie Sparta, aber trotzdem guter Dinge, dass ich zu den anderen 90% gehören werde. Deine Mahnung behalte ich aber demütig im Hinterkopf.
Mein Alter hast du ganz gut getroffen, aber meine größten sind schon erwachsen aus dem Haus und stehen auf eigenen Beinen, auch wenn es gerne Zuwendungen von mir gibt.
Sollte Sohnemann in einigen Jahren finanzielle Unterstützung im Studium brauchen, sollte sie aus dem laufenden Einkommen möglich sein.
Die vier Tage Woche wäre also eher eine sehr persönliche Mission. Hatte ich auch schon als Freiberufler vor einer Dekade. War ein Traum.
Die Reduzierung auf bis zu 65% sagt mir aber aktuell nicht zu. Wie du sagst, haut zu sehr ins Kontor. Ich fange Mal gemächlich mit 90% an und nehme mir für die freie Zeit etwas konkretes vor. Hat hier jemand Erfahrungen?
Aber wie ist oder war das bei dir? Hast du Arbeitszeit reduziert? Welchem Zweck dienen deine Wertpapier am Ende? Muss ja ganz viel All World zusammengekommen sein. Neben der Siemens Healthineers und den Biotech Wetten.
Im übrigen gefällt mir dein Humor.
Auch wenn die Lebenserwartung bei 85 liegt, sollte man, wenn man so um sich schaut, eher mit 95 rechnen. Mit 70 wären das dann noch über 20 Jahre.
Da ist die Million, die man mit 70 unter frugaler Opferbereitschaft erreicht hat, nach Inflation schnell weg, will man ab 70 das Leben nicht in gebrauchten Kleidern, mit Sperrmüllmöbeln und trockenen Grillhähnchen verbringen, von eventuellen Pflegekosten gar nicht zu reden.
Wie inflationsgeschützt ist das Depot, ist auch so eine Gretchenfrage. Besser, die beste aller Ehefrauen heißt nicht Gretchen, dann fragt sie vielleicht nicht…
Wer die Million schafft, hat aber garantiert auch eine entsprechende Rente/Betriebsrente/Pension welche noch dazukommt.
So sieht’s aus. Zumal das Millionendepot gut gestreut im Welt-ETF bei 3,5%iger Entnahmerate ca. 3.000€ Brutto im Monat bietet. Mit Inflationsanpassung und lebenslang.
Mit 70+ würde ich mein Millionendepot allerdings nicht mehr ausschließlich im Welt-ETF belassen.
In diesem Alter bezeichne ich ein reines Aktien-ETF(auch wenn „Welt“) nicht mehr als „gut gestreut“.
Es sei den, ich hätte Lust auf trockene Grillhähnchen…
selbst mit sagen wir mal 20 % von 1 Million in einer sicheren Anlageklasse, würden wir hier immer noch von 200 000 Euro reden, die bei 2000 Euro monatlicher Entnahme immer noch ca. 8 Jahre reichen würde. Ohne die möglichen Zinsen gerechnet bei Anleihen oder Tagesgeld/Festgeld. die restlichen 800 000 wären davon noch völlig unberührt.
Ich weiß ja nicht, wie man mit 1 Million plus Rentenansprüchen nicht bis 100 klarkommen sollte.
Und vor dem Pflegeheim, kommt immer ambulant vor stationär, oder Tagespflege.
Und selbst 10 Jahre im Pflegeheim, bei 3500 Euro Selbstbehalt, was vermutlich dann ca. 1500 Euro nach Abzug der Rente wäre könnte man vermutlich locker mit 200 000 Euro klarkommen.
3000 Euro plus der Rente und der BAV.
Das reicht doch locker. Ich plane ab 500 000 Euro im Depot in Frührente zu gehen. Als Dividenden Investor denke ich passt das so.
Stichwort Rolf Schimpf. Annahmen (konservativ) 3 Mio Vermögen aus 222 Folgen mit je (zuletzt) ca. 20.000 Euro.
Fazit für Rolf Schimpf: Hätte er 3 Millionen Euro konservativ am Kapitalmarkt angelegt, hätte er selbst bei striktem Kapitalerhalt monatlich über 7.500 Euro zur Verfügung gehabt – was die Kosten für das Augustinum (5.700 Euro) problemlos gedeckt hätte. Selbst bei reiner Dividendenstrategie ohne Anteilsverkauf wäre dies mit ca. 6.000 bis 7.000 Euro knapp, aber potenziell möglich gewesen, sofern er keine weiteren großen Steuernachzahlungen oder Sonderausgaben hatte. Der tatsächliche Verlust des Vermögens deutet darauf hin, dass entweder kein solches Polster mehr vorhanden war oder die Kosten (ggf. inkl. Sonderpflegeleistungen) höher lagen als die erzielten Erträge im Alter.
Hätte er mal hier mitgelesen…
Danke Tim!
@Free
Investieren ist jetzt keine Herzenslust, sondern eher eine profane Gewohnheit.
Die Zielsetzung… früher war es mal die Million… inzwischen ist es nur das Gefühl von Unabhängigkeit oder als evtl. Option / Sicherheit / Wahlmöglichkeiten.
Wobei wir im Leben immer gewisse oder auch dann andere Abhängigkeiten & Rahmenbedingungen haben, egal was der Kontostand anzeigt.
Prinzipiell würden die Stoiker über die Anhäufung von Materiellen vielleicht ambivalent denken: Die 4 Prinzipien Weisheit (FOMO vermeiden), Mäßigung (Frugalismus), Mut (Risiken eingehen) & Gerechtigkeit (Vor- & Nachteile & Ethik) kann man Beispielhaft auch auf Vermögensbildung ummünzen und es ist nicht zwangsläufig notwendig für ein erfülltes Leben. Es ist nur ein Werkzeug und Reichtum liegt auch außerhalb der absoluten Kontrolle (auch wenn manche dies anders sehen möchten) und ich schon auch die Gestaltungsmöglichkeiten & Beeinflussbarkeit gerne sehe,… aber den eigenen Selbstwert schon lange oder noch nie davon abhängig gemacht habe.
Bin eher am Bio-hacken oder sporteln, aber auch hier wird mit Longevity eine Illusion geweckt, welche dem Stoiker mit Memento mori ein müdes Lächeln entlockt. ;-)
„Ja, die Erwerbsarbeit kann ganz toll und erfüllend sein. Mir fallen trotzdem auf Anhieb zehn Dinge ein, die ich lieber tue. Also Zeit für Geld. Arbeitszeitverkürzung, Sabbathjahr, Frührente. Da plane ich aktuell.“
Ich habe eher den Eindruck dass viele nicht Erfüllung im Beruf finden. Mittlerweile habe ich einen sehr sinnstiftenden Arbeitsplatz. Ist solide aber nicht überragend bezahlt. Aber sehr erfüllend. Die Arbeit kann anstrengend sein, gibt aber Sinn und Struktur. Zeit für Geld…. Mittlerweile gegen wir häufiger mal auf ein Konzert oder gut essen. Oder gönnen uns was. Die Millionen im Depot wofür? Ein kleines sechsstelliges Depot reicht mir. Nicht maximal sparen – sondern gezielt für das Leben sparen, das du tatsächlich führen möchtest. Dazu brauche ich kein Luxusauto oder maximale Zeit. Fitness und Freizeit gelingt auch mit Job. Ebenso Erlebnisse aller Art. Kohle ist gut. Sollte aber keine Ersatzreligion sein. Lieber mal mit den nicht so greifbaren Dingen beschäftigen wie Gott und Glaube. Auch wenn das heute nicht so modern ist.
„…gezielt für das Leben sparen, das du tatsächlich führen möchtest…“
Das Leben im Pflegeheim möchte man nicht führen, dafür zu sparen ist aber trotzdem keine schlechte Idee.
Ich habe im Dezember 2021 mit den invertierten angefangen, anfangs mit einzelkäufen, an Sommer 2022 stur mit Sparplan. Die 100k zu erreichen war phänomenal, die 150k so naja vom Gefühl. Aktuell sind 160k drin. Mittlerweile kommt aber immer öfters der Gedanke auf, die Spar Quote runter zufahren und sich mehr zu gönnen. Frugaler Lebensstil kommt und kam nie in Frage.
mein Tip: Wenn du bereits 160k hast, mach weiter und lass nicht nach.
Ich würd sagen, Verantwortung, auch finanzielle V, für sein eigenes Leben übernehmen und für das seiner zu gründenden Familie, bedeutet so bis 40-45 so Gas geben bei Ausbildung, Geld verdienen, Sparen + Anlegen. Danach braucht man eigentlich nicht mehr wirklich sparen. Durch Zinseszins hat man dann bis zur Rente sowieso ausreichend.
Das beutet nicht bis 45 keinen Spaß zu haben sondern sein Geld bewusst einzusetzen und Auto, Urlaube, Wohnen, Freizeit, unbewussten täglichen Konsum usw. eher günstig zu bestreiten und >35% wegzusparen und sich selbst zu bezahlen. Nach 20+ Jahren übernimmt der Zinseszins für einen das Sparen.
Manche Dinge gehen nur zu einer bestimmten Zeit. Aber zB während des Studiums einen HiWi-Job beim Prof zu machen ist intelligenter als nur von Eltern/ Bafög zu leben oder zu Kellnern. Anstatt einem Gap Yaer erst während/nach Studium/ Ausbildung zum Arbeiten ins Ausland. Anstatt dem Traumauto einen Corolla-Klasse zu fahren – das sind die Stellschrauben.
Wer mit 19 erstmal ein gap year benötigt weil das Abi so anstrengend war und dann mit 27 die Arbeitszeit reduziert weil der Job so wenig Freizeit lässt, täglich auf dem Weg zur Arbeit ein Belegtes + Monster kauft + 3x die Woche Lieferheld / Auswärts isst weil das Kochen so anstrengend ist, der wird auch ein nach außen hin schönes Leben haben aber finanziell eher anders unterwegs sein. Quasi die Kindheit fortführen.
Bis 45 ist nichtmal mehr ein halbes Jahr Zeit. Hab halt relativ spät mit Investitionen an der Börse angefangen. Vorher war die Priorität Eigenheim. Was eine sehr gute Entscheidung war. Gerade mit Kleinkind zu Corona war der Garten Gold wert. Das Eigenheim ist bis zum Ende der Zinsbindung in acht Jahren abbezahlt. Arbeitsweg ist unter 2 km und Dienstwagen ist vorhanden. Trotzdem können wir uns den Luxus von zwei weiteren Autos. Eins Hobby, das andere für die Frau. Zwei Selbstragende Eigentumswohnung sind auch noch vorhanden. Der Gedanke die Sparrate runterzufahren ist immer da, aber wie du schon beschrieben hast, macht es Sinn die nicht anzupassen. Plan ist die Sparrate mindestens solange nicht zu verringern, bis der Cashflow aus den Depot gleich der Sparrate ist.
Ich habe vor ca 5 Jahren die Entscheidung getroffen eine Immobilie an der Côte d’Azur zu kaufen und das Leben am Meer zu genießen. Ich arbeite weiterhin sehr viel und verdiene gut, mein Depot ist nicht mehr 7 stellig sondern hoch 6 stellig. Es reicht für meine Zwecke völlig. Der Ansatz von Tim ist völlig richtig aber unter Umständen etwas „too much“. Ich kenne Leute (ich weiß dass ich damit hier anecke) die mit Mitte 40 gestorben sind, also bisschen muss man schon auch ins Leben investieren.
Leute Leute, fürs Pflegeheim sparen würde ich euch nicht raten, als Hausarzt bin ich da viel zuwege. Das ist eine Endstation aus der noch kein Patient wieder rausgekommen ist. Die meisten Patienten leiden unter Demenz und diejenigen mit denen man sich noch gut unterhalten kann haben sämtliche Furcht vor dem Tod abgelegt. Ich nutze mein Depot und mache nur noch 20 h Sprechstunde die Woche und genieße meine hoffentlich noch lange gesunde Zeit mit Familie, Hund und Hobbys. Das ist garantiert gewonnene Lebenszeit. Das Depot sehe ich als eingefrorene Lebenszeit welche auch aufgetaut werden muss.
Stimmt. Im Pflegeheim ist es wichtiger, jemanden(Frau oder Kinder) zu haben, der sich um dich kümmert, um nicht ausschließlich auf die „pflegerischen Abläufe“ angewiesen zu sein. Das ist dort wertvoller, als Geld.
“…haben sämtliche Furcht vor dem Tod abgelegt…“
Wunderbar, wenn man das schafft.
Glaube man muss sich doch auch mal was gönnen, wenn man es sich leisten kann. Das Vermögen meines 65 jährigen Ich muß nicht maximiert werden – ein komfortabler Wert unter Berücksichtigung von Wohnsituation und Rente/ Betriebsrente ja; aber Leben/ Erlebnisse heute nicht vergessen.
Freue mich z.B. auf meine baldige Asien Reise mit der Familie.
Klingt vernünftig. In D ist leider mit zunehmender Gier auf Einkommen und Vermögen durch den Staat zu rechnen. Ich nenne Stichwörter wie Vermögensregister, Diskussionen ums Ehegattensplitting oder Elternunterhalt im Pflegefall. Ein gesunder Mix aus sparen und genießen scheint daher nicht verkehrt.