Bau in jungen Jahren Dein Depot für die Rente aggressiv auf. Ideal sind ETFs. Plus Leserbrief


New York, 28. April 2018

Blogleser Stephan: Lebt und arbeitet hier in der Nähe. Er schreibt: „Der Münsteraner Aasee, 1 Minute von der Wohnung und 2 Minuten von der Arbeit. Es lässt sich hier gut aushalten :-)“


Sagen wir, Du bist 24 Jahre alt. Du verdienst 39.000 Euro. Wie solltest Du Dein Geld anlegen? Du hast nicht zu viele Ausgaben. Geld direkt auf das Sparkonto zu legen, macht keinen Sinn. Du möchtest schon eine ordentliche Rendite verdienen. Wo solltest Du investieren?

Wenn Du Schulden hast, würde ich diese aggressiv abzahlen. Du eröffnest ein Depot bei einem Discountbroker beziehungsweise Direktbank.

Du fängst an, jeden Monat ETFs stur zu kaufen. Du kannst Deine ETFs zu 90 Prozent in den Aktienmarkt, zu zehn Prozent in Anleihen aufteilen. Schau Dir alle sehr kostengünstigen Indexfonds/ETFs an. Geringste Kosten sind wichtig.

Vergiss den Konsum für Spaßdinge. Mache einen Bogen um das, was die Konsum-Herde macht. Sie kauft teure Autos, geht in luxuriöse Urlaube, kauft Mode ohne Ende und renoviert wie blöd. Schau nicht auf Facebook oder Instagram nach, was Dein Umfeld für teure Clown-Autos fährt oder Urlaube macht. Die Mittelschicht lebt extrem verschwenderisch. Das ist oft mehr Schein als Sein. Es kann Blendwerk sein. Die Masse muss bis 68 oder 69 arbeiten. An vorzeitigen Ruhestand ist nicht zu denken.

Habe es nicht eilig, ein Haus oder eine Eigentumswohnung oder irgendeine Art von Immobilien zu kaufen. Eröffne lieber ein Depot und investiere in Aktien. Kümmere Dich zuerst um das „Depot für die Rente“. Gib alles, was geht, hinein. Niemals solltest Du an der Börse zocken. Das geht meist schief. Es ist verlorenes Geld/verlorene Zeit. Fokussiere Dich ganz auf Dein „Renten“-Depot. Ich setze „Rente“ hier bewusst in Anführungszeichen. Es klingt langweilig. Es gibt Dir aber die Chance, es in die finanzielle Freiheit deutlich früher als die Masse zu schaffen. Nimm Dir ein Beispiel an dem Berliner Lars Hattwig, der es mit 44 in die Freiheit geschafft hat.

Warum der 90/10 Split zwischen Aktien und Anleihen? Viele Menschen legen ihr Geld zu konservativ an. Dafür erhalten sie nur minimale Renditen. Besser ist es mehr Risiko einzugehen. Daher machst Du 90 Prozent (oder mehr) Deines Depots in ETFs/Aktien.

Anleihen mit geringem Risiko sind in einem jungen Alter nicht der richtige Weg. OK, Du willst etwas von Deinem Geld in Anleihen mit niedrigerem Risiko als Sicherheitspuffer haben. Aber das meiste Geld sollte direkt in den Aktienmarkt fließen. An diesem Punkt in Deinem Leben ist es besser, eine höhere Rendite zu haben, weil Du mehr Zeit hast, mögliche Verluste auszugleichen. Du bist jung.

Du möchtest Deinem Depot einen Schub geben. Ich bin mir sicher, dass Du vorher schon exponentielle Kurven gesehen hast. Wenn der Zinseszins wirkt, kann das eine Sprungkraft entfalten. Es wird Zeiten geben (wie 2012 bis 2013), wenn Du 25 Prozent in einem Jahr verdienst. Es wird Zeiten geben, wenn Du nur zwei Prozent machst. Manchmal kannst Du sogar einen Verlust erleiden. Aber Du solltest den größten Teil Deines Geldes in den risikoreicheren Bereich geben, weil Du so früh wie möglich die 25-Prozent-Plus-Jahre erreichen willst.

Wenn Du durch das Leben in Richtung Früh-Ruhestand gehst, kannst Du den größten Teil Deines Geldes schrittweise in Richtung Anleihen umschichten. Das kannst Du machen, musst aber nicht. Es hängt von Deiner Risikotoleranz ab.
***********************************************************

Ich hielt diesen Leserbrief:

Hallo Tim,

zunächst einmal vielen Dank für die tollen Artikel in deinem Blog. Ich selbst hatte für mich in den letzten Jahren sukzessive ähnliche Vorhaben wie einen ETF-Sparplan, Autoverzicht und Arbeiten ohne Pendelzeiten umgesetzt, so dass dein Artikel mir sehr geholfen hat dem Ganzen (insbesondere im Hinblick auf radikalere Sparquoten) noch etwas Feinschliff zu verleihen. Die Perspektive auf frühere Unabhängigkeit war mir neu, finde ich aber genial.

Ich verfolge deinen Blog noch nicht lange genug, aber zumindest in letzter Zeit habe ich Hinweise auf eine geeignete ETF-Anlage (MSCI World zusammen mit Qualitätsaktien wurde genannt, mehr aber nicht) vermisst.

Ich selbst habe zwei Jahre als Mathematiker im Asset Management gearbeitet und mir ein ETF-Sparplan-Portfolio mit 70 % Aktien (MSCI World, Emerging Market, US Small Cap, …), 25 % Bonds (insbesondere High Yield) und 5 % Goldmienen aufgesetzt – zu Jahreskosten von 28 Basispunkten bei einem Online-Broker (flatex).

Außerdem möchte ich gerne die Methode des Rebalancings (sweet spot bzgl. Kosten/Nutzen: Quartalweise über vordefinierte zulässige Schwankungsbandbreiten je Assetklasse) empfehlen.

Ich denke mit einem Hinweis hierauf könnten die Blog-Leser neben ihrer Spar-Disziplin auch von einer solideren Performance mit weniger Volatilität profitieren.

Beste Grüße aus Münster und weiter so mit deinen Artikeln!

Stephan


tim schaefer (Author)

drucken


Gedanken zu „Bau in jungen Jahren Dein Depot für die Rente aggressiv auf. Ideal sind ETFs. Plus Leserbrief

  1. Skywalker

    Haha, ein sehr weißer Satz!

     

    Zitat: „Sagen wir mal so: Ohne Arbeit würde ich vermutlich bald zu einem seltsamen, sozial unverträglichen Kauz werden, mein Freundeskreis würde sich verkleinern, meine mentale Agilität würde schrumpfen und meine finanzielle Situation sich verschlechtern.“

     

    Quelle: http://grossmutters-sparstrumpf.de/gerd-kommer-den-zeitpunkt-eines-crashs-kann-man-nicht-zuverlaessig-voraussagen/

     

     

  2. Fit und Gesund

    also mein Freundeskreis würde sich auch ziemlich, wenn nicht ganz, verkleinern wenn ich die Anweisung gäbe, die Klospülung nur sparsam zu betätigen… hi hi…

    also darauf verzichte ich dann *lach*,

    so, jetzt such ich mir lieber mal erbaulichere Passagen, in der Hoffnung dass ich mir heute nicht noch den Mund mit Seife auswaschen muss….

  3. Bernd

    Cool Tim.

    Siehst du bei ETFs auch Risiken. Liquiditätsprobleme etc… bei einem riesen ETF wie dem World…Wo siehst du bei ETFs auch Aspekte worüber man nachdenken könnte,denn ich sehe momentan nur Vorteile.

  4. Hedonist

    Hallo zusammen,

     

    schade das ich nicht schon mit 20 die Dinge die ich heute weiss wusste.

    Immerhin habe ich es im Schnitt nach Ende meines Studiums geschafft, monatlich 500€ zu sparen. Am Anfang natürlich nicht, da waren es 200€ und 2017 ging es Richtung 1000€.

    2018 habe ich einen wichtigen Meilenstein geschafft indem ich über 50% von meinen Netto spare.

    2.000€ jeden  Monat in einen ETF zu packen ist schon eine geile Sache. Für mich zumindest, mein Umfeld spielt da bedingt mit. In den Augen von meinen „Freunden und Kollegen“ hänge ich nur noch daheim mit Netflix ab. Die Wahrheit ist natürlich ich lese viel, mache fast täglich meinen eigens zusammengestellten 3er Split Körpergewicht Training und bilde mich über online Kurse weiter. Jetzt wo es wärmer wird verlagert sich das Ganze auf den Balkon oder ich gehe halt an den See. Auf meine Freunde und Kollegen wirkt es so als wäre ich unglücklich oder so. Naja ich vergleiche es so: wenn man sein altes Haus abreisst, ist man natürlich nicht sonderlich Happy, es hängen viele Erinnerungen dran. Langfristig wird es einem im neuen Haus aber besser gehen. Es hat schliesslich gute Gründe warum man das alte abreisst. So ist es im Moment mit meinem alten Wertesystem.

    Emotionale Freiheit ist mindestens genauso wichtig wie finanzielle. Manchmal kommt man sich so vor wie im Film Inception. Ich meine die Stelle wo das Mädel (bekannt aus Juno) anfängt die Umgebung zu verändern, Strassen hochklappt usw. Daraufhin fängt das Unterbewusstsein an das Mädel wie einen Eindringling zu behandeln. Sie wird verfolgt, angerempelt usw.

    Emotionale Freiheit hätte ich mir auch in jungen Jahren gewünscht. Im Zweifelsfall sein Ding alleine durchziehen auch wenn es erstmal weh tut.

    Wenn jemand aus dem Raum Nürnberg/München kommt gerne Mail an: wuestenwiesel@gmx.de Freue mich auf Gleichgesinnte.

  5. Andrea

    Sparen ist auf jeden Fall gut, denn es trägt dazu bei, dass man in einigen Situationen des Lebens gelassener reagieren kann.

    Ob es so ausarten muss, dass man seine Freunde bittet, die Klospülung nur kurz zu betätigen, weiß ich nicht. Das finde ich peinlich und geizig.

    Die Geschichte von Lars Hattwig stand gestern auf vielen Nachrichtenseiten. Sicherlich schön, dass er seine finanzielle Freiheit erreicht, aber vielleicht die „emotionale Freiheit“ (= keine Freunde mehr?) gleich mit? Ob das so wünschenswert ist, bezweifele ich. Vielleicht einmal nach Studien schauen, in denen die Bedeutung eines sozialen Netzes beschrieben worden ist. Freunde sind sicherlich nicht nur ein Kostenfaktor.

    Also, ich spare auch gerne, aber meine Familie und Freunde sind im Zweifelsfall wichtiger als ein noch dickeres Depot.

    Ich finde es auch zweifelhaft, solche Gestalten als vorbildlich darzustellen. Das sind sie höchstens im Hinblick auf die Entschlossenheit und die Disziplin, nicht aber im Hinblick auf die vertretenen Werte.

    Ansonsten stimme ich mit Tim überein.

  6. tim schaefertim schaefer Beitragsautor

    @ Skywalker

    Finanziell frei zu sein, heisst ja nicht, den ganzen Tag im Bett zu liegen. Das wird gerne unterstellt. Es heißt, das zu tun, was Dir sehr viel Spaß macht. Du machst es nicht vornehmlich für Geld, sondern aus anderen Gründen. Du siehst es an Lars Hattwig. Er ist Meteorologe. Aber das Finanzchoaching macht ihm mehr Spass. Also macht er das.

    Wenn Du das Interview mit Herrn Kommer genau durchliest, fällt Dir auf, dass er eigentlich schon viel früher sich selbstständig gemacht hätte. Aber ihm fehlte das Geld dazu. Deshalb blieb er so lange im Angestelltenverhältnis (über 20 Jahre). Er hätte es viel schneller in die Freiheit schaffen können mit einer höheren Sparquote. Für mich ist er kein Vorbild. Zumal ich nicht mag, dass er seltsame BETA-ETFs empfiehlt. Die sind zu teuer. Und es gibt keine Garantie für eine Outperformance.

  7. Finanzmixerin

    Ich finde es irgendwie krass, dass nicht mehr Menschen auf den Gedanken „Finanzielle Freiheit“ kommen. Auch unter den Gutbezahlten ist das eher eine Seltenheit.

    Bevor ich durch Zendepot auf Aktien aufmerksam wurde, habe ich auch diese Möglichkeit nicht bedacht.

    Und wenn ich Leuten davon erzähle meinen sie, das sei nicht möglich, auch wenn man gut verdient.

  8. tim schaefertim schaefer Beitragsautor

    @ Finanzmixerin

    Die Leute haben keine Disziplin. Sie verstehen den Zinseszins nicht. Er wird unterschätzt. Und es lebt sich einfacher in der Herde mit dem absurden Konsum.  In der Herde ist es wärmer.

  9. June

    Guten Abend,

    so, nun habe ich mir doch Gedanken zu Tim’s Beitrag mit dem Immobilien gemacht und schon ist ein neuer Beitrag im Netz. Ich bin zu langsam 😉

    Deine Texte sind gerade sehr gut, lieber Tim.

    Wie viele hier wissen habe ich einige Wohnungen. Das macht mir ehrlich gesagt auch viel Spaß, auch wenn es manchmal Arbeit ist. Passives Einkommen sind Wohnungen aber in der Regel nicht.

    Heute z.B. habe ich für eine Wohnung die Nebenkostenabrechnung für meinen Mieter erledigt und dann gleich noch eine Mieterhöhung ab Juli geschrieben. Und schwupp waren 2 Stunden um. Aber auch sowas muss man ab und an erledigen, sonst hängt einen der Markt ab.

    Zum fundierten Vermögensaufbau gehören wie ich finde immer Immobilien und Aktien oder ETF’s. Gerade für den Anfang in jungen Jahren sind ETF’s so toll geeignet, da man schnell die Erfolge sieht.

    Was aber viele Menschen leider völlig unterschätzen, sind die privaten Ausgaben. Wer eine hohe Sparquote hat kommt eben auch schneller ans Ziel. Eine hohe Sparquote sollte aber nichts mit Geiz tun haben. Ob Lars seine Freunde wirklich zum Wasser sparen aufgefordert hat oder ob das nur eine grandiose Idee des Reporters war, um Lars den Stempel eines Eigenbrötlers aufzudrücken wissen wir nicht. Ich fand den Satz zumindest im Zusammenhang unpassend. Nichts desto trotz ich muss meine Freunde nicht zum Wasser sparen auffordern, wir haben den Wassersparer schon eingebaut. Und in einer normalen Toilette tut es auch ein Ziegelstein, wenn man unbedingt Wasser sparen will. Aber eine 60 % Sparquote schafft man auch ohne übertriebenes Wassersparen und Freunde vor den Kopf stoßen.

    Ich denke, dass es Fremde noch nicht mal wirklich wahrnehmen, das man so sparsam ist. Eine Kollegin hat mir die Tage gesag, wie toll sie es findet, dass ich immer so modisch und abwechslungsreich angezogen bin. Hüstel, hüstel ich habe mir verkniffen ihr zu sagen, dass ich nur ca. 50 oder 60 Kleidungstücke besitze und daher meist die selben Sachen trage.

    Die durchschnittliche Mittelstandsfamilie, ist weniger sparsam. Ich sehe das immer hier in der Nachbarschaft. Was man heute alles für die Kinder braucht ist wirklich phänomenal. Der Dreikäsehoch der Nachbarn hat jetzt eine Drohne. Und fliegt damit in alle Büsche, Bäume und Markisen, da der Knirps in dem Alter noch gar nicht die nötigen Fähigkeiten zum Modelfliegen haben kann. Aber Knirps und der Papa hatten alle männlichen Bewunderer auf ihrer Seite. Bis auf einen, und der lebt mit mir zusammen.

    Ein Arbeitskollege fährt gefühlt alle 3-6 Monat ein neues gebrauchtes Auto.

    Und ein anderer Bekannter würde gerne seine Stunden reduzieren, er verdient 6 stellig. Aber trotz des guten Verdienstes haben er und seine Frau es nicht geschafft so viele Rücklagen zu bilden, dass er es jetzt mal für ein oder 2 Jahre tun könnte. Mein Vorschlag, dass sie ja ihre Stunden im Gegenzug für diese Zeit erhöhen könnte oder die Familie ihr Sparpotenzial nutzt wurde empört abgelehnt.

    Irgendwie wollen Menschen immer alles, nur nicht auf irgendwas verzichten.

    Take care,

    June

  10. Michael D.Michael D.

    Ein kleines Gedicht zum Wochenende: 🙂

    Wenn die Börsenkurse fallen,
    regt sich Kummer fast bei allen,
    aber manche blühen auf:
    Ihr Rezept heißt Leerverkauf.

    Keck verhökern diese Knaben
    Dinge, die sie gar nicht haben,
    treten selbst den Absturz los,
    den sie brauchen – echt famos!

    Leichter noch bei solchen Taten
    tun sie sich mit Derivaten:
    Wenn Papier den Wert frisiert,
    wird die Wirkung potenziert.

    Wenn in Folge Banken krachen,
    haben Sparer nichts zu lachen,
    und die Hypothek aufs Haus
    heißt, Bewohner müssen raus.

    Trifft’s hingegen große Banken,
    kommt die ganze Welt ins Wanken –
    auch die Spekulantenbrut
    zittert jetzt um Hab und Gut!

    Soll man das System gefährden?
    Da muß eingeschritten werden:
    Der Gewinn, der bleibt privat,
    die Verluste kauft der Staat.

    Dazu braucht der Staat Kredite,
    und das bringt erneut Profite,
    hat man doch in jenem Land
    die Regierung in der Hand.

    Für die Zechen dieser Frechen
    hat der Kleine Mann zu blechen
    und – das ist das Feine ja –
    nicht nur in Amerika!

    Und wenn Kurse wieder steigen,
    fängt von vorne an der Reigen –
    ist halt Umverteilung pur,
    stets in eine Richtung nur.

    Aber sollten sich die Massen
    das mal nimmer bieten lassen,
    ist der Ausweg längst bedacht:
    Dann wird bisschen Krieg gemacht.

  11. tim schaefertim schaefer Beitragsautor

    @ Bernd

    Probleme sehe ich bei ETFs keine. Warren Buffett empfiehlt sie auch. Sogar seiner Frau legt er ihr per Testament ETFs ans Herz.

    @ June

    Ich lese sehr gerne Deine Kommentare.

  12. Ruben

    Ich denke Herr Kommer ist je nach Definition schon relativ lange finanziell frei und ich vermute er hat auch keinen ausschweifenden Lebensstil. Im Interview bei Großmutters Sparstrumpf hat er die nach finanzieller Freiheit strebenden Menschen trotz Hinweis auf Überzeichnung etwas arg als „Spassbremsen“ hingestellt, die miesepetrig durch die Welt gehen und auf alles verzichten, was ihnen Spass macht. Ich denke das Gegenteil ist der Fall, wenngleich es wie immer Ausnahmen gibt.

    Sein Hauptbuch ist nun auch schon über ein Jahrzehnt alt. Er hat darin meines Erachtens hauptsächlich recht gut zitiert und die Erkenntnisse zu ETFs und effizienten Märkten zusammengetragen. Darin war er wohl einer der ersten im deutschsprachigen Raum und hat viele Menschen erreicht. In der früheren Ausgabe, die ich gelesen habe, fand ich die ETF Empfehlungen relativ komplex. Auch von seinen jetzigen Smart Beta Strategien halte ich nicht sehr viel und ich denke er widerspricht sich da ein bischen selbst. Die wichtigste Botschaft, relativ günstig breit gesteut im Markt zu sein, passt aber für mich. Ansonsten muss es jeder für sich selbst wissen, wie komplex und mit welchen Produkten er sein Portfolio gestaltet.

  13. Gainde

    @ Ruben

    Auch der Kommer ist Finanzberater und muss dauernd was verkaufen bzw. sein Angebot erneuern und optimieren.

  14. Neuling

    Ich bin genau 24 und fühlte mich durch deinen Artikel mal wieder angesprochen. 😉

    Glücklicherweise verdiene ich etwas mehr als 39.000€ (Vorausgesetzt das ist das brutto-Gehalt).

    ich investiere immer noch fleißig jeden Monat und hab trotz erhöhter Ausgaben (Motorrad-Führerschein, kostet mich gesamt mit Kleidung etwa 3000-3500€)  immer noch meine Sparrate durchgehalten.

    Ein Dank geht hierbei an den Fiskus, der mir die kommende Woche einen 4-stelligen Betrag an zu viel gezahlter Lohnsteuer zurückgibt. Ein weiterer Punkt ist mein Nebenjob, mit dem ich dank Zuschlägen, die im April und Mai besonders hoch sind, auf einen netten zusätzlichen Verdienst komme. Der dritte Punkt geht auch noch an das Urlaubsgeld, welches in 2 Monaten ausbezahlt wird. Mit diesen 3 Einnahmen werde ich diese Kosten nahezu komplett stemmen können.

    Ich nutze diese Zusatzeinkommen also dafür mir einen privaten Wunsch zu finanzieren / gönnen und kann nebenbei meine Sparrate dennoch durchziehen.

     

    Schulden habe ich zwar auch noch beim Bafög-Amt, allerdings kann man das Geld erst frühestens 5 Jahre nach Ende der Regelstudienzeit zurückzahlen. Früher geht gar nicht. Daher bin ich auf dem Papier noch um 7600€ verschuldet. Mit meiner Sparmoral wird das allerdings kein Problem sein, das Geld zurückzuzahlen. Der Vorteil ist: wenn man nach 5 Jahren alles auf einmal zurückzahlt bekommt man auch noch einen netten Nachlass von ca. 23%. Damit spare ich mir auch wieder einen 4-stelligen Betrag und erwirtschafe dadurch eine super Rendite. Es gibt sogar Leute, die sich dafür extra einen Kredit aufnehmen, weil der Nachlass größer ist als die Kosten des Kredites.

     

  15. Ruben

    @Gainde: richtig!

    @Neuling: super, ich wünschte ich hätte schon in deinem jungen Alter schon deine Erkenntnisse gehabt. Dann kann ja nicht mehr viel schief gehen 🙂

    Mir gefällt Robert Kiyosakis Denkweise recht gut, er regt dazu an sich nicht zu fragen „kann ich mir das leisten“, sondern „WIE kann ich mir das leisten“. Die Frage beantwortest du zum Teil mit deinem Nebenjob. Die zu viel gezahlte Lohnsteuer und das Urlaubsgeld würde ich nicht dazurechnen, normalerweise hättest du die als zusätzliche Sparrate in der Tasche. Dennoch finde ich deine Denkweise „wie kann ich die zuvor gesetzte Sparrate immer aufrecht erhalten“ gut!

  16. Bembi

    Hallo Tim,

    Du bist ein sehr gutes Vorbild was finanzielle Freiheit und Lebens Einstellung betrifft.

    Meine Frage ist ob man auch mit Anfang 40 noch was erreichen kann?

    Gruß Bembi

  17. ZaVodou

    Mir gefällt Robert Kiyosakis Denkweise recht gut, er regt dazu an sich nicht zu fragen „kann ich mir das leisten“, sondern „WIE kann ich mir das leisten“.

    Mir gefällt die Denkweise der Minimalisten ganz gut. Die fragen sich: Brauche ich das überhaupt? Macht mich das wirklich glücklicher? Kann ich das mit „Nein“ beantworten brauche ich auch keinen Nebenjob.

  18. Nobbi

    Hallo Neuling,

    mit den Bafög ist nicht unbedingt so einfach. Ich hatte mir gedacht, dass man den Rabatt auf die Höchstrückzahlung von 10000€ bekommt.

    Leider wird der Rabatt aber nur auf die Tatsächlich ausgezahlte gesamt Darlehensumme gegeben. Bei mir waren dann bei Zahlung auf einen Schlag 8900€.

    Leider hatte ich das nirgendswo so richtig nachlesen können und war dann als der bescheid kam überrascht und musste dementsprechend noch ne kleinere 4 stellige noch zusätzlich umschischten. Übrigens lohnt es sich dann evtl. auch die Inflation gegenzurechnen und monatlich abzustottern. Ich wollte es aber einfach nur loswerden.

  19. David

    @June:

    Irgendwie wollen Menschen immer alles, nur nicht auf irgendwas verzichten.

    Super Satz, du triffst den Nagel auf den Kopf! Mit nur einem einzigen Satz beschreibst du nämlich, wie der Durchschnittsbürger denkt und weshalb er selten auf einen grünen Zweig kommt.

  20. AlexanderAlexander

    Manchmal frage ich mich, ob das Streben nach der Finanziellen Freiheit das Nonplusultra sein MUSS? Ich könnte heute mit dem Arbeiten aufhören und im Ausland locker leben. Ist das Ziel eher in Rente zu gehen, vorher die Stunden zu reduzieren, einen Job zu machen, der Spass macht und ein finanziell sorgenfreies Leben zu führen vielleicht die bessere Wahl? Ich bin inzwischen in dieser Situation und ziehe diese der absoluten Freiheit vor. Dafür fahre ich ein Clown-Auto und mache Clown-Urlaube. Ich könnte mir auch einen Halbtagsjob als Lagerarbeiter oder einen anderen Job vorstellen und könnte meinen Lebensstandard trotzdem halten. Diese Form der FF und Sicherheit bringt psychologisch enorme Vorteile. Vielleicht hat man mit 50+ eine andere Einstellung als mit 25 Jahren. Lieber arbeite ich etwas länger und gehe einen gesunden Mittelweg. Ich spare etwas weniger im Jahr und lebe jetzt schon etwas komfortabler, wobei ich damit nicht den schnöden Konsumrausch meine. Klar muss das jeder für sich selber wissen, aber am Ende ist die Frage eher die, was habe ich nicht gemacht in meinem Leben als die Frage, was man gemacht hat.

    Oft ist es besser, weniger an der Sparschraube zu drehen, denn die ist begrenzt, als an der Einkommensschraube zu drehen. Es kann durchaus leichter sein 200 € mehr Einkommen zu erwirtschaften als noch irgendwie 200 € zu sparen. Generiert man 1.000 € im Monat nebenbei, kann man doch auch 300 € mehr ausgeben (sind  3.600 € im Jahr, z. B. ein super Urlaub) und spart immer noch genug.

    Die Gefahr ist letztlich, das man das Geldausgeben regelrecht verlernt. Ich habe mir ein Ziel gesetzt und wenn ich das erreicht habe, dann spare ich nicht mehr und starte in die Verbrauchsphase. Das sollte man nicht aus den Augen verlieren. Mitnehmen kann man schließlich nichts. Man bekommt keinen Orden, wenn man als Reichster auf dem Friedhof liegt.

  21. Ex-Studentin

    @ZaVodou

    Die beiden Fragen treffen es sehr gut! Dieses Jahr hat bei mir ein großes Umdenken stattgefunden. Ich gebe nun für Kleinigkeiten mehr aus als vorher (netflix, spotify). Ich war die letzten Jahre sehr sparsam, weil ich vor allem die Frage „Brauche ich das wirklich?“ gestellt habe. Die Frage: „Macht mich das glücklich?“ ist aber genau so wichtig.

     

  22. Ruben

    @Zavodou: natürlich noch besser, meistens komme ich nicht über die von dir genannten beiden Fragen hinaus. 

    Scheinbar ist aber die Leidenschaft von „Neuling“ das Motorrad fahren und er hat die von dir genannten Fragen schon bejaht. „Wie kann ich mir das leisten“ kann dann aus finanzieller Hinsicht nur noch Einbußen aktiv durch noch mehr Arbeit begrenzen. Ich hoffe es kommt ihn nicht so teuer wie das 30 TEUR kreditfinanzierte Motorrad eines Kollegen von mir, welches er neben seinem Auto fährt. Ich gehe jedoch davon aus, das es günstiger sein wird und wünsche ihm viel Spaß damit.

    Für mich ist eine größere finanzielle Unabhängigkeit einfach eine Folge von weniger Konsum: http://www.3sat.de/mediathek/?mode=play&obj=67683

  23. Neuling

    Den Nebenjob habe ich hauptsächlich aus dem Grund, damit ich mehr Geld im Monat sparen kann. In manchen Monaten kann ich mit dem Nebenjob alleine über die Runden kommen. Das zusätzliche Geld aus dem Vollzeitjob investiere ich dann normalerweise komplett. Jeden Monat.

    Das mit dem Motorrad-Schein brauche ich nicht wirklich, aber ich will den Schein haben. Ich will das Fahrgefühl haben und ich kann mir gut vorstellen, dass es mir viel Spaß machen wird. Dafür nehme ich es auch in Kauf dafür 3500€ initial dafür zu zahlen und, falls ich mir ein Motorrad kaufe, nochmal ein paar tausend Euro mehr zu zahlen. Dafür habe ich kein Auto und lebe sonst recht sparsam. Ich will schließlich von meinen 48-50h, die ich in der Woche arbeite mir auch mal etwas gönnen, was mir Spaß bereitet.

    Das Urlaubsgeld und die Steuererstattung sehe ich als zusätzliches Einkommen, weil ich in meiner Sparrate  (genauer genommen eher einen Sparbetrag, den ich monatlich sparen will) diese nicht berücksichtigt habe. Dies habe ich bewusst nicht mitgerechnet, um für gewisse Dinge (wie z.B. den Motorrad-Führerschein) einen zusätzlichen Puffer zu haben, ohne meinen sparbetrag direkt zu gefährden.

    Ich mache mir auch sonst immer bewusst, ob ich eine Sache wirklich brauche oder wirklich haben will. Und in dem Fall ist es ein klares ja und ich bereue es auch nicht, so viel Geld dafür zu zahlen. Dafür spare ich halt woanders mehr als andere. Ich rauche nicht, trinke keinen Alkohol, gehe nicht in Clubs feiern, besitze kein Auto (mehr), lebe recht günstig. Andere Leute würden sich mit meinem Gehalt wohl ein Auto leasen. Da kenn ich so einige Fälle im Bekanntenkreis, die das gemacht haben, obwohl sie noch in Ausbildung waren…. 🙂

  24. KievKiev

    Ich komme gerade von einem tollen 2 tägigen Camping Urlaub zurück. Wir waren diesmal im Elsass und haben uns Colmar und Haute Koenigsbourg angesehen. Es war ein sehr schöner Urlaub. Kosten insgesamt: knapp unter 100€, wenn man das mitgenommene Essen nicht einrechnet. Ich habe auch einen kleinen Jogging Exkurs durch die Weinberge durchgeführt. Die Luft ging jede Nacht aus meiner Matratze, aber mit meiner Komfortszone und Yoga konnte ich das problemlos wegstecken. Ich habe allerdings gesündigt indem ich warm in der offenen Dusche geduscht habe. Das mache ich sonst nicht. Ich habe mich so auf Kosten anderer ein wenig bereichert. Aber nach ein paar Stunden Schlaf auf dem Boden und  8 Grad am Morgen möge man mir verzeihen.

    Der frugalisten Beitrag wirkt mir in der Zusammenfassung etwas konstruiert. Bei uns gilt das Motte Braun kann gehen gelb lass stehen. Das geben wir unseren Freunden als Hinweis mit auf den Weg zum Abort. Das war ein Scherz… ein schönes Wochenende!

  25. tim schaefertim schaefer Beitragsautor

    @ Neuling

    Du bist auf dem richtigen Dampfer. Du bist vielen Menschen um diese Erkenntnis reicher. Gratulation zum Gehalt.

  26. June

    @Tim und David,

    Danke:)

    @Bembi,

    mit Anfang 40 hast du noch fast 30 Jahre bis zur Rente, dass ist genug Zeit.

    Trau dich und fang einfach an.

    Take care,

    June

     

  27. Mike

    Hallo zusammen

    Interessante Beiträge, ganz generell in diesem Blog, vielen Dank Tim und alle die mitmachen.

    ETF ist für die meisten Leute die beste Strategie, man muss sich um fast nichts kümmern und fährt besser als 80-90% der Anderen (aktive Anleger).

    Das Beste ist, möglichst früh und möglichst viel in Aktien zu investieren, alle die unter 40 Jahre sind sollten m.E. 100% Aktien gehen egal wann. Wer >40 Jahre alt ist, sollte unter Umständen etwas vorsichtiger werden, wobei das auch abhängig ist davon, wann er mit Aktiensparen begonnen hat. Wer früh beginnt kann eigentlich 100% Aktien bleiben bis er stirbt. Wer später beginnt, muss etwas vorsichtiger werden.

    Fakt ist, niemand kennt die Zukunft, einzige Richtschnur ist, dass es zumindest die letzten Jahrhunderte immer stetig aufwärts ging, Aktien vor Immobilien und vor Bonds die beste Anlage waren. Die Wahrscheinlichkeit ist recht hoch, dass dies auch so bleibt für die nächsten 100 Jahre.

    Je kurzfristiger desto schwieriger werden die Prognosen, es gibt eine Wahrscheinlichkeit, dass wir trotz hohem Niveau nochmals 100 oder sogar 200% steigen, bevor eine Baisse oder Crash einsetzt. Es kann aber auch morgen ein Crash kommen, oder eine neue Baisse starten. Es kann auch die nächsten 3 Jahre seitwärts gehen, ich könnte 100 Szenarien aufzählen, jede hat eine gewisse Wahrscheinlichkeit, die aber niemand wirklich berechnen kann.

    Daher gibt es langfristig nur eine Strategie, und die ist regelmässig in Aktien zu investieren. Wer damit schlecht schläft, gerade in Zeiten wie aktuell wo die Börse schon sehr lange gestiegen ist, der hat m.E. 2 Möglichkeiten: Entweder etwas defensiver aufstellen (konservative nicht zyklische Branchen) oder etwas Cash aufbauen, um im Fall einer Korrektur wieder voll zu investieren. Das kann gut oder auch nicht gut gehen, viel verlieren wird man damit nicht, viel gewinnen aber wohl auch nicht, aber man schläft vielleicht etwas ruhiger.

    Je einfacher die Strategie desto eher hält man sie durch, m.E. das grösste Problem der meisten Privatanleger, sie ziehen es nicht durch!

    Lieber Gruss Mike

  28. Mike

    @June

    „mit Anfang 40 hast du noch fast 30 Jahre bis zur Rente, dass ist genug Zeit.“

    das ist richtig, aber sogar danach lohnt es sich noch, im Schnitt werden wir ja 85 und es ist auch schade, wer mit 65 in Rente geht, viel Cash hat und dieses uninvestiert lässt, es gibt sehr viele davon!

    Das Risiko kann man eh nie 100% kalkulieren, genau wie das Leben, niemand weiss wann er stirbt, es kann morgen sein oder in 100 Jahren…

  29. Michael

    Ich muss Alexander teilweise recht geben: Wenn man sich zu krass auf das Sparen konzentriert, verlernt man tatsächlich das Geldausgeben https://anotherblog.org/konzept-goennung-des-monats-oder-wie-ich-wieder-lernen-musste-geld-auszugeben)

    Ich würde in dem Punkt Clown-Auto (letztlich ist das ja doch größtenteils ein Statussymbol) allerdings widersprechen. Ich denke da gibt es gute Kompromisse für Geld & Komfort.

    und Freunde bitten, Wasser zu sparen…man kann es auch übertreiben!

    Gruß,

    Michael

     

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

bitte lösen Sie diese einfache Aufgabe (Spamschutz) *