An der Wall Street liegen die Nerven blank. Am Donnerstag wackelte die Nasdaq, sie gab um 5,5 Prozent nach. der S&P knickte um 4,4 Prozent ein. Die Kurstafeln leuchteten also tiefrot. Es geht die KI-Angst um. Blocken die Demokraten nun den KI-Ausbau in den USA, das ist die große Frage nach ihrem Wahlsieg. Einige Gouverneure sind gegen den Bau neuer Rechenzentren. Sie machen sich Sorgen um das Grundwasser, den Energiebedarf, die Kosten etc.
In solchen Korrektur-Momenten schlägt die Stunde der besonnenen Langfrist-Anleger. Nach den jüngsten Erschütterungen und übertriebenen Untergangsszenarien rund um den Tech-Sektor sind die Bewertungen vieler Branchenführer auf ein Niveau zurückgekommen, das vor wenigen Monaten noch undenkbar schien.
Wer Vermögen aufbauen und über Jahrzehnte vom Zinseszinseffekt profitieren will, kauft nicht im Hype zu Rekordkursen, sondern nutzt genau solche Rücksetzer. Drei absolute Weltklasse-Unternehmen stechen dabei besonders hervor: Alphabet (Google), Meta Platforms und Nvidia.
Alphabet: Der unangefochtene Werbe- und Such-Monopolist
Alphabet wurde im jüngsten Ausverkauf abgestraft, weil der Markt kurzfristig die enormen Investitionen in Künstliche Intelligenz und Rechenzentren fürchtet. Doch ein Blick auf die harten Fakten zeigt ein Unternehmen von seltener fundamentaler Stärke.
- Bewertung (KGV): Das Kurs-Gewinn-Verhältnis hat sich spürbar normalisiert. Alphabet notiert inzwischen zu einem KGV im Bereich von 15 bis 19. Für einen globalen Plattformgiganten mit dominanter Marktstellung in der Websuche, bei YouTube und mit einer rasant wachsenden Cloud-Sparte ist das eine überaus faire, fast schon günstige Bewertung.
- Bilanz: Alphabet verfügt über eine regelrechte Festungsbilanz. Der Konzern sitzt auf einem Berg aus liquiden Mitteln und kurzfristigen Wertpapieren von weit über 90 Milliarden Dollar. Die zinstragenden Schulden sind im Vergleich dazu winzig. Das Unternehmen verfügt über eine massive Netto-Cash-Position.
- Cashflow: Trotz hoher Investitionsausgaben sprudelt der operative Cashflow unaufhörlich (jährlich rund 100 bis 120 Milliarden Dollar). Nach Abzug aller Ausgaben für Server und Chips verbleibt ein zweistelliger Milliarden-Freier-Cashflow, der das Geschäft krisenresistent macht. Zuletzt hat allerdings der Suchgigant einen negativen freien Cashflow eingefahren, weil die Ausgaben so groß geworden sind. Das hat Anleger verschreckt.
- Dividende und Rückkäufe: Alphabet ist ein verlässlicher Ausschütter geworden. Die Quartalsdividende von 0,20 Dollar je Aktie mag auf den ersten Blick eine geringe Rendite (unter 1 %) bieten, hat aber gewaltiges Steigerungspotenzial. Gepaart mit gigantischen Aktienrückkaufprogrammen im Umfang von 70 Milliarden Dollar sinkt die Zahl der ausstehenden Aktien kontinuierlich, wodurch der Anteil jedes einzelnen Aktionärs automatisch wertvoller wird. Zuletzt hat der Vorstand aber die Rückkäufe zurückgedreht, weil das Geld für Investitionen gebraucht wird. Ich habe die Google-Aktie im Depot und sie bleibt dort.
Meta Platforms: Cash-Maschine mit wiederentdeckter Kostendisziplin
Mark Zuckerbergs Konzern hat nach dem „Year of Efficiency“ bewiesen, wie schnell er die Hebel umlegen und gigantische Gewinne einfahren kann. Wenn Werbebudgets zyklisch schwanken oder der Markt wegen regulatorischer Sorgen zuckt, eröffnet das attraktive Einstiegschancen.
- Bewertung (KGV): Meta wird derzeit zu einem KGV von etwa 24 bis 26 gehandelt. Im nächsten Jahr liegt das KGV sogar bei nur 17. Angesichts von mehr als 3,2 Milliarden täglich aktiven Menschen auf Plattformen wie Instagram, WhatsApp und Facebook und einem zweistelligen Gewinnwachstum ist dieses Multiple bemerkenswert moderat.
- Bilanz: Auch Meta agiert finanziell aus einer Position der absoluten Stärke. Die Barreserven übersteigen die Verbindlichkeiten deutlich, was dem Management völlige Handlungsfreiheit gibt, selbst in wirtschaftlich stürmischen Zeiten Forschung und Entwicklung voranzutreiben.
- Cashflow: Die Familie der Apps ist eine reine Cash-Druckmaschine. Der operative Cashflow bewegt sich stabil im Bereich von über 100 Milliarden Dollar. Selbst nach Abzug der aggressiven Investitionen in eigene KI-Infrastruktur verbleibt ein enormer freier Cashflow. Im dritten Quartal drehte jedoch der freie Cashflow ins Rote aufgrund der hohen Ausgaben. Zuckerberg kann das aber jederzeit ändern, indem er die Ausgaben zurückfährt.
- Dividende: Meta zahlt eine reguläre Quartalsdividende von 0,50 Dollar je Aktie (2,00 Dollar im Jahr). Diese Dividende bindet nur einen Bruchteil des Gewinns und lässt üppigen Raum für jährliche Anhebungen. Ergänzt wird die Ausschüttung durch massive Aktienrückkäufe, die den Gewinn je Aktie Jahr für Jahr nach oben hebeln. Aber Zuckerberg hat nun die Rückkäufe eingestellt und frisches Geld eingesammelt, weil er wie ein Irrer in KI/Rechenzentren investieren will.
Nvidia: Das technologische Rückgrat der digitalen Welt
Nvidia war der Liebling der Bullenrallye und wurde in der Korrektur von vielen zittrigen Händen panikartig abgestoßen. Wer das Unternehmen jedoch rein als „überhitzten Hype-Titel“ abtut, übersieht die fundamentale Ertragskraft.
- Bewertung (KGV): Vor der Korrektur wirkte Nvidia mit KGVs jenseits der 60 extrem heiß gelaufen. Nach dem Kursrutsch und dem gleichzeitigen Anstieg der Nettogewinne hat sich das Forward-KGV auf rund 11 abgekühlt. Klar sind hierin hohe Ergebnisanstiege enthalten. Mal sehen, ob das gelingen wird. Für ein Tech-Unternehmen, das den gesamten Weltmarkt für Hochleistungsprozessoren mit 90 Prozent Marktanteil beherrscht, ist dies ein Einstiegsniveau, das die Chancen-Risiko-Relation deutlich verbessert.
- Bilanz: Nvidia hat keine Schuldenprobleme. Im Gegenteil: Das Unternehmen schwimmt in Liquidität. Die Bilanzsumme wächst rasant, und die Eigenkapitalquote ist grundsolide.
- Cashflow: Hier liegt das eigentliche Wunder von Nvidia: Operative Margen von über 60 Prozent und eine Bruttomarge nahe 75 Prozent verwandeln Umsätze direkt in reines Geld. Im Geschäftsjahr generiert Nvidia weit über 90 bis 100 Milliarden Dollar an freiem Cashflow. Das Unternehmen verbrennt kein Kapital, es generiert es in historischem Ausmaß.
- Dividende: Nvidias Bardividende ist mit wenigen Cents pro Quartal symbolischer Natur. Doch der eigentliche Mehrwert für Langfristanleger liegt im Kapitalrückfluss via Rückkäufe: Das Management kauft bei Kursschwächen aggressiv eigene Aktien im zweistelligen Milliardenbereich zurück und stützt so den inneren Wert der Papiere.
Warum jetzt der richtige Zeitpunkt zum Handeln ist
Große Vermögen an der Börse werden nicht gemacht, indem man Spitzenkurse jagt, sondern indem man erstklassige Unternehmen einsammelt, wenn die Stimmung kippt und Unsicherheit herrscht. Alphabet, Meta und Nvidia vereinen Merkmale, die im aktuellen Marktumfeld selten sind: Sie besitzen monopolistische Schutzgräben, schuldenfreie oder bargelddominierte Bilanzen. Sie sind in der Lage neue Rekord-Cashflows zu kassieren, wenn sie ihre Investments zurückfahren. Und ihre aktionärsfreundliche Ausschüttungskultur mit Dividenden ist zudem imposant.
Niemand kann vorhersagen, ob der Markt morgen noch einmal um zwei oder drei Prozent nachgibt. Doch wer in Tranchen kauft, die Positionen über Sparpläne aufstockt und einen Anlagehorizont von fünf, zehn oder zwanzig Jahren mitbringt, findet nach diesem Nasdaq-Beben genau die Qualität vor, die langfristig finanzielle Unabhängigkeit schafft.