Buy on Bad News

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New York, Donnerstag, 15. März 2012

Schockierende Nachrichten können jeden Tag über ein Unternehmen hereinbrechen. Unglücke, Gewinnwarnungen, Qualitätsmängel, Rückrufaktionen, Milliardenklagen, Kartellstrafen, Rücktritte – das kommt immer wieder vor. So etwas sollte Sie nicht aus der Ruhe bringen. Im Gegenteil: Sie sollten sich das genau anschauen - vor allem dann, wenn der Kurs ins Bodenlose stürzt.

Denn die Meute verhält sich sehr emotional und stürmt aus dem Wertpapier. Aktionäre verlieren nämlich die langfristig guten Perspektiven schnell aus den Augen, wenn es schlechte Nachrichten gibt und schütten das Kind mit dem Bade aus. Nicht selten kriegen Sie in solchen Situationen Unternehmen zum halben Buchwert oder zumindest zum Substanzwert. Schlagen Sie nach dem Motto „Buy on Bad News“ zu.

Können Sie sich daran erinnern, als der Mediengigant News Corp in die Schlagzeilen geriet wegen des britischen Abhörskandals? Oder als die BP-Ölplattform „Deepwater Horizon“ im Golf von Mexiko 2010 explodierte und eine beispiellose Umweltkatastrophe auslöste? Längst haben sich beide Firmen wieder von der einstigen Katastrophenstimmung erholt.

Obwohl solche Geschichten ziemlich viel Geld kosten und das Image schädigen, kommen die Kurse meist viel schneller wieder auf das Ursprungsniveau zurück, als zunächst vermutet. Hören Sie nicht auf die Masse. Sondern hören Sie auf sich selbst.

Wer auf dem Höhepunkt der Finanzkrise den Mut hatte, Qualitätsfirmen einzusammeln, der hat jetzt wohl seinen Einsatz verdoppelt. Stellen Sie sich vor einem Einstieg immer die Frage: Handelt es sich um ein Dauerproblem oder um ein einmaliges Ereignis? Ist eine Firma von einem Dauerproblem behaftet, kann der Kursverfall munter weiter gehen. Dann ist ein Einstieg natürlich nicht ratsam.

Wenn es sich dagegen um ein einmaliges Ereignis handelt, sollten Sie zuschlagen. Vor allem sind Weltkonzerne ideal. Denn diese haben die Kraft, eine Krise zu meistern – eher als kleine Firmen. Microsoft, GE oder Goldman Sachs können einem Sturm besser standhalten, als eine Bude mit einer Börsenkapitalisierung von sagen wir 50 Millionen Euro.

Wenn Sie sich abgestürzte Standard-Titel unter den Nagel reißen, brauchen Sie natürlich Geduld. Warten Sie ab, bis sich die Wogen geglättet haben. Ein gutes Management kriegt nahezu alle Probleme in den Griff.

Wichtig ist es immer rational zu handeln. Wenn Ihre Lieblingsaktie einbricht, gilt es nachzudenken, warum? In einer solch schlechten Situation den Stecker zu ziehen, ist meist zu spät. Ohnehin würde ich nie in einer Baisse Aktien verkaufen. Handelt es sich um eine Qualitätsaktie, erholt die sich sicherlich wieder.

Grundsätzlich gilt: Je mehr Sie traden, desto weniger Geld verdienen Sie langfristig. Zu dem Dilemma der hohen Handelsaktivität gibt es zahlreiche wissenschaftliche Studien (etwa diese). Der renommierte Ökonom Gene Fama sagte einmal:

„Dein Geld ist wie ein Stück Seife. Je öfter du die Seife in die Hand nimmst, desto weniger hast du am Ende von ihr.“


Ja, ich weiß: Rationale Aktienkäufe sind ziemlich langweilig. Aber es bringt eben mehr Rendite.

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Anmerkung  von  Gordon Gekko    geschrieben 16.03.2012     
ok.
War es denn verkehrt, dass ich meine Siemensaktie, die ich für 65 Euro kaufte, bei 78 Euro verkaufte? Unter der Annahme, dass die Kurse ohne Rückschläge unaufhörlich weiter steigen, sicher. Wenn ich aber annehme, dass die Siemens bald wieder mal für 73 Euro zu haben ist, warum soll ich den Profit bis 78 und ev. höher nicht mitnehmen? Also nur liegen lassen, halte ich für nicht richtig und schon gar nicht bei den heute üblichen sehr geringen Transaktionskosten, die ja so gut wie keinen Einfluss mehr haben auf die Rendite.

Anmerkung  von  Tim    geschrieben 16.03.2012     
Website www.timschaefermedia.com

@ Gordon Gekko

Nun, jeder kann machen, was er will. Ich möchte hier keinem eine Strategie vorschreiben. Gratulation zu dem Deal mit Siemens übrigens. Das freut mich für Sie!

Studien zeigen, das Traden nichts bringt. Jedenfalls schneidet die große Mehrheit der Trader lausig ab.

Die einzige Strategie, die sich meiner Meinung nach lohnt, ist eben von langfristiger Natur. Das Rein- und Raustanzen vom Börsenparkett mag nur auf den ersten Blick profitabel erscheinen. Kein Mensch weiß nämlich, wie sich die Kurse kurzfristig verhalten. Es ist vergleichbar mit einem Glücksspiel oder dem Werfen einer Münze. Sie überlassen beim Trading Ihr Depot dem Zufall. Ich verfolge daher die Strategie des Investierens. Ich kaufe einen Anteil an einem Unternehmen und möchte langfristig von dem Erfolg des Unternehmens profitieren.

Hilfreich kann sein, über die Strategien der erfolgreichsten Investoren der Welt ein Buch zu lesen. Leute wie Sir John Templeton, Warren Buffett oder Peter Lynch. Die haben alle einen langfristigen Anlagestil verfolgt. Haben Sie schon mal von einem Milliardär gehört, der mit Daytrading sein Geld gemacht hat? Ich jedenfalls nicht.

Es ist der Zinseszinseffekt, der sich auf lange Frist entfaltet. Sie profitieren nicht nur von den Kursgewinnen. Indirekt auch von Aktienrückkäufen, Dividenden und den steigenden Konzerngewinnen etc.

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