Leserbrief eines angehenden Lehrers: Bis ich 30 Jahre alt bin, will ich mindestens 100.000 Euro im Depot haben

Hallo Tim,

es ist schon zwei Jahre her, dass ich einen Leserbrief geschrieben habe. Deinen Blog verfolge ich weiterhin regelmäßig. Dass du ein Waldhaus gekauft hast zur Selbernutzung und es auch als Airbnb vermietest, finde ich klasse. Gerne wäre ich zur Invest nach Stuttgart gekommen, hatte an dem Wochenende allerdings schon ein Fußballspiel angesetzt, weswegen ich das wohl auf nächstes Jahr verschrieben muss.

Ebenfalls habe ich mir fest vorgenommen, irgendwann in den kommenden Jahren einmal nach NY zu kommen und mit dir eventuell eine Runde zu quatschen, vorausgesetzt du hast darauf Lust.

Vor zwei Jahren, als ich dir das erste Mal schrieb, war ich noch in meinem Studium. Parallel habe ich einen Youtube-Kanal mit Musik geführt. Den Corona-Crash habe ich damals genutzt, um Stück für Stück Aktien zu kaufen. Mein Bausparvertrag wurde in der Zeit von mir gekündigt, um mit dem Geld in den Markt zu investieren. Leider habe ich von der Summe her etwas zu wenig investiert in den Monaten Februar, März, April. Der größte Betrag erfolgte von Sommer 20 bis Sommer 21 auf monatlicher Sparbasis. Einzelkäufe und Sparpläne.

Ich bin gut in BlackRock, Paychex, Waste Management eingestiegen

Über manche Aktien bin ich echt froh, sie gekauft zu haben. So konnte ich mir ein paar wenige Nike Aktien zu 67 Euro schnappen. Blackrock zu 490 Euro, Paychex zu 65 Euro und Waste Management zu 88 Euro. Gleichzeitig habe ich allerdings vor Augen, dass ich damals vor Union Pacific bei 98 Euro saß und Home Depot bei 150 Euro – allerdings ohne zuzuschlagen. Mit der Zeit lernt man, damit zu leben anstatt sich zu ärgern.

Mein Studium habe ich mit dem Master (Lehramt, Deutsch und Geschichte) abgeschlossen. Wohin es mich beruflich verschlägt, weiß ich gerade noch nicht genau. Aber ich bin ganz guter Dinge, dass man irgendwie immer seinen Weg finden wird. Als ich dir das letzte Mal vor zwei Jahren schrieb, hatte ich es geschafft, innerhalb von einem halben Jahr das Depot auf 20k zu bringen. Dieses Jahr im Januar bin ich der Sechsstelligkeit verdammt nahe gekommen, doch die Kurse spielten nicht so mit. Und wie es derzeit ist, wissen wir ja alle. Trotz stetigen Investierens ist mein Depot weniger wert als Anfang des Jahres.

Dieses Jahr kassiere ich 2000 bis 2500 Euro netto an Dividenden

Allerdings liegt mein Fokus auf Dividendenerträgen, weswegen mich das nicht allzu sehr belastet. Nachdem ich mich noch im Jahr 2017 über ca. 110 Euro Dividenden von E.on und Telekom meines Großvaters freuen konnte, werden es dieses Jahr wohl irgendwo zwischen 2000 und 2500 Euro netto sein. Die erhaltenen Dividenden werden reinvestiert und zusätzliches Geld aufaddiert. Bis ich 30 bin, möchte ich mein Depot sechsstellig bekommen, dazu habe ich noch rund 14 Monate Zeit. Das sollte klappen. Aus Dividendensicht wären 70 Euro pro Tag nett, das sind ca. 25k netto im Jahr. Damit kann man leben und ja gleichzeitig noch Geld durch sein Hobby oder einen Nebenjob einnehmen.

Parallel dazu habe ich angefangen, einen Blog zu starten, in dem ich über Aktien berichte, die einem im Alltag begegnen. Ich finde es spannend, die Augen offen zu halten und zu sehen, wo börsennotierte Unternehmen überall arbeiten. Das gibt einem die richtige Perspektive und hilft, seinen Investitionen stärker zu vertrauen. Erst kürzlich habe ich einen interessanten Consumer Staples Hersteller aus den USA in einem Einkaufszentrum in Hamburg durch eine Packung Chips entdeckt.

Außerdem kann ich dadurch meinem Schreibdrang nachkommen (als Deutsch-Master) und meiner Begeisterung für Finanzen. Beim Einkaufen gehe ich als durch die Gänge, um zu schauen, welche Produkte bei den Leuten gut ankommen (Persil, Lenor, Coca Cola,…) und welche eher weniger (Kellogg Cerealien …). Auch werfe ich immer einen Blick in die Einkaufswägen der anderen. Dauerbrenner sind meiner Recherche nach Coke, Pepsi, Monster, Milka, Fuzetea, Sagrotan. Schade, dass Mars nicht an der Börse ist.

Ich habe fast 100 Aktienpositionen

Noch kurz zu meinem Depot, falls es jemanden interessiert. Ich sammle gerne Aktien ein, weshalb ich knapp 100 Positionen habe. Diese im Blick zu behalten ist gar nicht so schwer, bei einer P&G, Blackrock oder Allianz muss man nicht ständig dahintersein, was ein Quartal macht.

Über Instagram werde ich gut versorgt mit News, Infos und aktuellen Dividendenerhöhungen. Jüngst erhöhte die United Health Group die Ausschüttung. Meine größten Positionen sind der S&P 500 Etf Dist. und der EM Etf Dist. Sie machen ca. 1/5 meines Depots aus.

Die größten Einzelpositionen sind absteigend Roche, Blackrock, Deutsche Post. Bei den Branchen bin ich stark in Healthcare, Consumer und Versicherungen investiert. Ich schaue, dass ich zu einem möglichst fairen Wert einkaufe, was ich z.B. bei Clorox und Post nicht geschafft habe. Daher sind diese beiden Positionen stark im Minus. Die aktuelle Phase an der Börse nervt natürlich. Doch ich hoffe auch, dass das noch eine Weile so bleibt und ich günstiger nachkaufen kann.

Dass der Krieg bald endet, wäre sowohl aus humanitärer Sicht für die Menschen vor Ort als auch aus monetärer Sicht für die Menschen weltweit wichtig. Hoffen wir, dass es so kommt.

Ich habe einen Youtube-Kanal und jobbe im Fitnesscenter

Zur Frage, wie ich in der Lage war, ein Depot von fast 100.000 Euro als Student aufzubauen: Ich habe bereits parallel zu meinem Studium seit sechs Jahren fast täglich an meinem Youtube-Kanal gearbeitet und Musik produziert. Seit mehreren Jahren arbeite ich in einem Fitnesscenter, auch parallel zum Studium und jetzt auch nach Beendigung dessen.

Gleichzeitig bin ich sehr sparsam. Früher habe ich das Geld oft für Klamotten und Feiern ausgegeben, rückblickend hätte ich schon sparsamer sein können in meinen Teenager-Jahren, aber da gehörte das Ausleben dazu. Ich denke, wer es schafft, in seinen 20er oder 30er Jahren die Sechsstelligkeit zu erreichen, braucht sich finanziell keine Sorgen mehr zu machen. Das ist mein Ziel.

Das ist mein Instragm-Profil: instagram.com/befranky

Vinc

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Bruno
3 Monate zuvor

Das Bild kenne ich nicht aber das ist wohl Poseidon, die Dame kenne ich aber nicht, Aphrodite ist es eher kaum…

Mir gefällt wie Du neben dem Studium dein Depot aufgebaut hast, das wird sich langfristig sehr auszahlen.

Tobs
3 Monate zuvor

Hey, sehr interessant, auch Dein Ansatz Unternehmen zu identifizieren und Dir einen breiten Basket wie einen Mini-ETF aufzubauen.

Es wird bestimmt noch genug Leute geben, die Dir raten, lieber ein wenig konzentrierter zu investieren. Aber darauf solltest Du nicht hören, sondern stur Deinem eigenen Temperament folgen. Vielleicht kommt das aber auch von selbst ein bisschen, wenn Du als Lehrer bald mehr verdienst und in größeren Packeten einkaufen kannst.

P.S.1: Ich kenn jemanden im öffentlichen Dienst, der mit Mitte 40 mehrfacher Millionär geworden ist, weil er sehr frühzeitig nach der Immobilienkriese angefangen hatte Immobilien wie Briefmarken zu sammeln. Ihn konnte da auch nix von abbringen als wenn er auf höhrerer Mission unterwegs war. 🙂 Du machst es mit Aktien. Das wird auch eine prima Sache!

P.S.2: Wusste ich nicht, dass Conagra auch eine “Chips-Tochter” hat; habe sie immer nur als Tiefkühltruhen-Belieferer auf dem Schirm gehabt. Sie standen häufiger auf meiner WL und waren mit dann im ein bisschen zu teuer.

Ralf
3 Monate zuvor

Sehr guter Weg, weiter so!

“Schade, dass Mars nicht an der Börse ist.”

Das wäre eine Top-Aktie! Würde ist sofort massiv kaufen. Einst wurde mir Wrigley aus dem Depot gebucht, weil die Familie Mars sich das tolle Unternehmen gekrallt hatte. War echt ärgerlich. Die wissen was gut ist.

“Dass der Krieg bald endet, wäre sowohl aus humanitärer Sicht für die Menschen vor Ort als auch aus monetärer Sicht für die Menschen weltweit wichtig. Hoffen wir, dass es so kommt.”

Leider sehe ich das nicht. Eher eine Art langer Ermüdungskrieg. Es ist zu viel Machtstreben, Hass und Ärger im Spiel. Ich sehe die größte Gefahr darin, dass versehentlich ein Querschläger in einem Atomkraftwerk einschlägt mit all den Folgen. Die häufige Ukraine-Kritik an D stört mich bei allem Verständnis für die schlimme Lage durchaus etwas. Wir können keine schweren Waffen liefern die wir selbst nicht haben und müssen auch eigene Nato-Verpflichtungen erfüllen. Auch kann man schwere Panzer aus dem Ausland eben nicht ganz so einfach ungesehen an die Frontlinie bringen. In mehrfachter Hinsicht ein schmaler Grat. Die Bundeswehr war schon zu Zeiten meiner Wehrpflicht kaputtgespart. Die Schweiz hält sich wie so oft eher zurück, vielleicht der klügere Weg?

@Dividenenaktien: An Dividendenaktien stört mich oft der eher mäßige langfristige Chartverlauf. Wie seht ihr das? Die Deutsche Post ist so ein Beispiel. Was bringt mir die Dividende wenn der Kurs in 10-15 Jahren nur mäßg steigt?

Paluma
3 Monate zuvor
Antwort an  Ralf

Ralf du bist doch nicht etwa beratend fürs Kanzleramt tätig. Bei deiner Kurzsichtigkeit könnte man fast darauf schließen.

Ralf
3 Monate zuvor
Antwort an  Paluma

Für den einen Kurzsichtigkeit, für andere Weitsicht oder ein Blick durch die Brille der Realität. Sehen Länder wie die Schweiz etwas differenzierter, vielleicht nicht völlig verkehrt. So oder so wird uns das Ganze noch lange auf Trab halten, auch wenn wir uns alle ein Kriegsende wünschen. Als Berater fürs Kanzleramt würde ich das Thema Aktiensparen und Deutschlandfonds forcieren.

Sparta
3 Monate zuvor
Antwort an  Ralf

@Ralph

Ob es weitsichtiger Realismus ist einen Autokraten gewinnen zu lassen, der mit Völkermord, Hungertaktik, Angst und Propaganda, neuen Flüchtlingswellen aus Afrika auch Europa bedroht…. und der Demokratie hasst???

Rein logisch betrachtet ist zu wenig zu liefern keine weitsichtige Strategie für jemanden, der westliche Demokratien für das bessere Lebensmodell für zukünftige Generationen hält.

Mar
3 Monate zuvor

Warum studiert man Lehrer, ohne Lehrer werden zu wollen. Es fallen gerade soviele Stunden der Schüler aus, weil keine Lehrer da sind. Da könnte er sich sinnstiftend einsetzen und der Gesellschaft einen Beitrag (zurück) geben. Schade. Aus meiner Sicht völlig daneben.

Daniel
3 Monate zuvor
Antwort an  Mar

Warum dann nicht selbst tätig werden statt es von anderen zu verlangen?

Vinc
3 Monate zuvor

Hallo,

danke fürs Veröffentlichen @Tim

@Tobs: Der Plan ist, künftig auch stärker in einen All Word Dividend ETF einzuzahlen. Woher der Cashflow am Ende ist ja letztlich alles, was zählt. Die Unternehmsfindung und alles was dazugehört, macht mir einfach Spaß. Die Kosten sind vermutlich ähnlich wie bei einem ETF, der im Jahr 0,22% abzieht. Das sind auch je nach Depotgröße mehrere Hundert Euro. Davon kann man einige Käufe machen. Geht dann mal eine Position flöten oder säuft ab, wie aktuell China, kann man das gelassen hinnehmen.
Conagra Brands zahlen aktuell 4% Divi, glaube höher als der historische Schnitt. Wäre eine Überlegung wert, aber recht hohe FCF Ausschüttung

@Ralf: Dividendenaktien: Die DP war vor 15 Jahren bei einem Kurs von ca. 25 Euro. Vor 10 Jahren bei 14,50 Euro. Zwei Mal gekauft und Durchschnittskurs von 20 Euro. Die aktuelle Dividende liegt bei 1,8 Euro pro Aktie. Das macht 9% Dividendenrendite aufs eingesetzte Kapital. Mehr an Cashflow als der Markt im Schnitt abwirft. Erwartete Steigerung der Divi ist 1,85 Euro nächstes Jahr. Sind schon 9,2% Rendite. Da kann der Kurs machen was er will mMn.

3 Monate zuvor
Antwort an  Vinc

@mar
Ich kann nicht für vinc sprechen, nur generell: Ein Studium als Selbstzweck, aus Interesse und wenn man was auf dem Kasten hat, auch ein supercooles und freies Leben. Gesellschaft zurückgeben ist ein guter Punkt. Anderseits Leben wir in einer zutiefst individualisierten Gesellschaft, in der in Abstufungen nur man selbst (und seine liebsten) wichtig ist. Für Solidarität ist in erster Linie der Staat zuständig.
Alles richtig gemacht und in guter Gesellschaft,vinc. Was mich etwas enttäuscht, für einen deutsch Master, was du auch betonst, schreibst du doch sehr seicht und ohne Anspruch. Wenn es Leser generiert ok, nur wunderlich dass es dir genügt. Gold luck weiterhin

3 Monate zuvor

Tolles Leserbrief Update! Beim Einkaufen die Warenkörbe anderer Kunden beobachten, das kenne ich nur zu gut von mir selbst *lach*! Immer schön zu sehen, wenn Menschen Markenprodukte “unserer” Unternehmen kaufen … während ich meist zur günstigen Hausmarke greife.

Bruno
3 Monate zuvor
Antwort an  Dividenden Markus

Ja und einige fehlen an der Börse leider, Mars mit ihren Produkten ist sicher häufig im Korb, gibt viele Unternehmen wo ich gerne noch hätte wie z.B. Ikea, Aldi, Lidl etc. aber dürfen nicht jammern, haben immerhin eine Auswahl von über 40’000 Unternehmen weltweit 🙂

3 Monate zuvor
Antwort an  Bruno

…oh ja, das stimmt! Auch LEGO oder Bosch fallen mir da spontan noch ein.

-M
3 Monate zuvor
Antwort an  Dividenden Markus

Haribo

42sucht21
3 Monate zuvor
Antwort an  -M

Haribo short.
Katjes long.

Tobs
3 Monate zuvor

@Baum:
Habe mir das Abo von The Market (NZZ) gegönnt.

Der Baum
3 Monate zuvor
Antwort an  Tobs

Lohnt sich aus meine Sicht, Teil der Redaktion mit, dass ich dich geworben hab. Vllt. bekomm ich Rabatt 🙂 die sind Recht nahbar.

Grüße Baum

Wolfi
3 Monate zuvor

Wow also mit nem Fitnesscenter Nebenjob 100k erreichen und das neben dem Studium und nichtmal 30 Jahre alt, dass kannst du gerne etwas genauer erläutern. Entweder du hast weltklasse Rendite mit Trades erzielt oder der Bausparvertrag war doch etwas üppiger und der eigentliche Grund warum dein Depot die Größe hat.

Vinc
3 Monate zuvor
Antwort an  Wolfi

Nene, keine Trades, meistens nur Käufe und Aufstocken und kein schnelles Handeln oder Verkaufen.
Im Coronacrash konnte ich gut investieren, Bausparvertrag war solide. Seit ich 14 arbeite ich mehr oder weniger immer, ganz klassisch Zeitung austragen, Küchenhilfe, Bar, usw.

imdonger
3 Monate zuvor

Das mit dem Deutsch-Niveau ist mir auch aufgefallen. Und dass er “als” statt “immer” schreibt, verortet ihn in der gleichen Ursprungsregion wie Tim 🙂
Eine Frage hätte ich noch an Vinc: wenn du schreibst “bei … muss man nicht ständig dahintersein, was ein Quartal macht” hört es sich nicht nach Buy & Hold an. Welche Exitstrategien hast du, verkaufst du, wenn die Dividende sinkt, wenn sie ganz gestrichen wird oder welches sind deine Kriterien?

Vinc
3 Monate zuvor
Antwort an  imdonger

Örtliche Vermutung stimmt ;P
Doch, damit wollte ich vielmehr zum Ausdruck bringen, dass Qualitätsaktien (auf Definition verzichte ich jetzt mal) eben keiner ständigen Aufmerksamkeit bedürfen. Frei nach Christian W Röhl Buy Hold & Check.
Verkäufe tätige ich in der Regel, wenn ich nicht mehr an das Geschäftsmodell bzw. den Erfolg glaube (Intel), mir Risiken zu hoch sind (Tencent) oder ich mich doch nicht so gut in der Branche auf dem Laufenden halten kann, wie angenommen (auch Intel; nach Buffett, investiere nur in das, was du auch verstehst.)

Chris
3 Monate zuvor

Hi! Toller Beitrag. Hast du auch einen Link zu deinem Blog? Weiterhin viel Erfolg.

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