Insider decken sich ein: Wo die Chefs jetzt Millionen investieren

An der Wall Street gibt es eine alte Börsenweisheit, die Peter Lynch einmal so schön formulierte: „Insider verkaufen ihre Aktien aus vielen Gründen, aber sie kaufen sie nur aus einem: Sie glauben, dass der Kurs steigen wird.“

Niemand kennt das Unternehmen besser als der Vorstandsvorsitzende oder der Finanzchef. Sie sehen die Auftragsbücher, sie kennen die Margen und sie wissen genau, ob der Markt die Aktie gerade zu Unrecht abstraft. Wenn diese Leute ihr eigenes, hart verdientes (oder als Bonus erhaltenes) Geld in die eigene Firma stecken, dann sollten wir hellhörig werden. Es ist das ultimative „Skin in the Game“.

Ein Blick auf die aktuellen Daten von Insiderkauf.de zeigt spannende Bewegungen. Es wird wieder gekauft – und zwar teilweise im großen Stil.

DAX und Co: Hier greifen die Manager zu

Besonders auffällig ist die Aktivität bei der Commerzbank. Hier gab es laut den Daten gleich mehrere Transaktionen mit einem Gesamtvolumen von über 1,1 Millionen Euro. Wenn bei einer Bank, die jahrelang Sorgenkind war und sich nun neu aufstellt, die Insider so massiv zugreifen, ist das ein starkes Vertrauenssignal. Sie wetten auf die eigene Turnaround-Story. Zumal es hier auch ein Übernahmeversuch durch die italienische Unicredit gibt. Es steht zudem womöglich ein neuer Stellenabbau bevor.

Aber auch im Tech-Sektor gibt es Bewegung: Bei SAP wurden Aktien im Wert von über 1,3 Millionen Euro von Insidern erworben. Europas größter Softwarekonzern hat ambitionierte Cloud-Ziele. Und das Management scheint davon überzeugt zu sein, dass die aktuelle Bewertung das Potenzial nicht voll widerspiegelt. Aber: Es besteht bei SAP die Sorge, dass die KI dem Softwareanbieter die Butter vom Brot nehmen kann. Inwieweit solche Sorgen gerechtfertigt sind, keine Ahnung. Jedenfalls gehen die Insider auf Shoppingtour.

Weitere nennenswerte Käufe in Deutschland sehen wir bei:

  • Rheinmetall (ca. 356.000 €) – Rüstung bleibt ein heißes Thema.
  • Münchener Rück (ca. 197.000 €) – Der Rückversicherungs-Riese ist eine Cashflow-Maschine.
  • Deutz (ca. 162.000 €) – Ein interessanter Wert aus der „Old Economy“, der sich neu erfindet (Notstromanlagen, Drohnen, E-Antrieb). Ich habe den Wert im Depot.

Blick über den Teich: US-Insider schlagen zu

Auch in den USA, meinem Heimatmarkt, schlafen die Vorstände nicht. Hier fallen besonders die Käufe bei Lamb Weston Holdings (Kartoffelprodukte/Pommes) mit rund 2,4 Millionen Dollar auf. Ein defensiver Konsumwert – wird hier eine Unterbewertung gesehen? Die Aktie ist derweil im freien Fall.

Ebenfalls spannend: Abbott Laboratories und International Paper sehen Insider-Käufe von jeweils 3 Millionen Dollar. Das sind keine Kleinbeträge. Das ist Überzeugung.

Was bedeutet das für uns Privatanleger?

Sollten wir blind hinterherlaufen? Nein. Ein Insiderkauf ist keine Garantie für steigende Kurse. Manchmal kaufen Vorstände auch einfach nur, um dem Markt „Mut“ zu signalisieren, wenn der Kurs im Keller ist. Oder sie haben schlichtweg eine viel längere Haltedauer im Kopf als der durchschnittliche Anleger. Ich kaufe ja bekanntlich Aktien, um sie nie mehr herzugeben. Das ist zumindest mein Ziel.

Aber: Es ist ein hervorragender Filter für die eigene Watchlist. Wenn ich sehe, dass bei einem soliden Unternehmen wie SAP oder einem Value-Play wie der Commerzbank die Leute, die am Ruder sitzen, ihr eigenes Geld investieren, dann schaue ich mir die Aktie genauer an. Beide Aktien habe ich übrigens schon seit Dekaden im Depot.

Du kannst Unternehmen analysieren, die Bilanzen prüfen und Geschäftsmodelle bewerten. Aber ignoriere nicht, was die Insider tun. Sie zeigen uns oft, wo der wahre Wert liegen könnte.

Schau Dir die Liste selbst an und mach deine Hausaufgaben.

Viel Erfolg an der Börse! Buy and Hold!

Dein Tim

PS: Hier zeige ich dir mein gesamtes Depot:

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Marco
30 Sekunden zuvor

Hallo Tim,
International Paper habe ich seit zwei Jahren in meinem Depot.
Gruß Marco

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