Therapeutin und Bestsellerautorin Colette Dowling im Interview: Sie rät Frauen Karriere zu machen und zu sparen


New York, 24. Dezember 2017

Therapeutin Colette Dowling schrieb mehrere Bücher über Geld und Frauen. Sie rät Frauen in die Arbeitswelt zu gehen. Geld zu verdienen und Rücklagen zu bilden.


Ich setzte mich mit Therapeutin und Bestseller-Autorin Colette Dowling zusammen. Sie rät Frauen, zu arbeiten und Geld für den Ruhestand zurückzulegen. Sie hat ein sonniges Büro auf der 5th Avenue. Wir plauderten fast zwei Stunden miteinander.

Colette Rowling hat eine beeindruckende Karriere gemacht. Die Therapeutin schrieb mehrere Bücher über Geld und Frauen. Darunter „Maxing Out“. Ein Bestseller wurde „Der Cinderella-Komplex: Die heimliche Angst der Frauen vor der Unabhängigkeit„. Nicht nur in den USA stieß es auf großes Interesse, auch in Brasilien, Japan und Frankreich. Circa eine Million Exemplare verkaufte die New Yorker Autorin in den 1980er Jahren, sie lebte zehn Jahre lang komfortabel von den Einnahmen.

Im Prinzip sagt Dowling, dass zu einer Prinzessin ein Prinz gehört, der sie rettet. Im „Cinderella“-Komplex schrieb sie schon 1981 über den mangelnden Aufstiegswillen von Frauen im Beruf. Ihr Vorwurf: Viele hofften heimlich auf den Prinzen, der sie aus dem Büro „rettet“. Aber das Hoffen bringt wenig. Die Illusion wird massenhaft zerstört.
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Sie schrieben den Bestseller „The Cinderella Syndrome“, der in mehr als 20 Ländern verkauft wurde. Was war der Grund für den Erfolg?
Colette Dowling: Ich veröffentlichte es 1981. Damals war es ein Trend für Frauen unabhängig zu werden. Ich schrieb über meine eigene Erfahrungen. Ich glaubte, eine große Feministin zu werden. Ich lebte alleine, kümmerte mich um meine Kinder. Als ich begann, mit einem Mann erneut zusammenzuleben, ließ ich ihn alles erledigen. Er lehnte das ab. Er war jünger, hatte weniger Erfahrung als ich. Er fühlte sich beängstigt, für fünf Leute Verantwortung zu übernehmen, also für mich, meine drei Kinder und ihn selbst. Er fühlte sich aufgeschmissen. Er meinte, es sei nicht fair. Es war ein Schock für ihn. Ich dachte: „Er hat Recht. Es ist nicht fair ihm gegenüber.“ Ich schrieb einen Artikel für das „New York Magazine“. Er wurde die Titelstory: „Geständnisse einer abhängigen Hausfrau“. Die Story erhielt sehr viel Aufmerksamkeit. Ich erhielt einen Vertrag für das Buch „The Cinderalla Syndrome“.

Wie gingen Sie bei dem Buch vor?
Ich recherchierte, warum Frauen so konditioniert sind, zu fühlen, sie müssten von Männern abhängig sein, vor allem finanziell. Viele Frauen reagierten auf das Buch. Es war gutes Timing, es traf den Nerv der Zeit. Und zwar nicht nur in den Vereinigten Staaten, sondern weltweit. Frauen kämpften für mehr Freiheiten und Unabhängigkeit. Gleichzeitig wollten sie, dass sich jemand um sie kümmert. Sie wollten beides zur gleichen Zeit.

Welchen Rat geben Sie Frauen?
Habe einen Job, verdiene Dein eigenes Geld. Es ist ein Fehler, sich auf Männer finanziell zu verlassen. Damals scheiterte jede dritte Beziehung. Heute geht jede zweite Ehe in die Brüche. Frauen begeben sich in eine Abhängigkeit und dann stehen sie vor dem Nichts. Sie haben die romantische Vorstellung: „Wenn Du verheiratet bist, lebst Du für über 50 Jahre verliebt zusammen und alles ist in Ordnung.“ Das stimmt eben nicht. Ich munterte Frauen in dem Buch auf, zu arbeiten. Es ging ja nicht darum, keine emotionelle Abhängigkeit vom Partner zu haben. Natürlich sollte das die Frau haben. Wir haben das alle. Aber Frauen müssen erwachsen werden, für sich Verantwortung übernehmen. Du kannst nicht beide Dinge haben. Einerseits Feminist sein. Andererseits keine Verantwortung für Dich übernehmen. Es ist psychologisch selbstzerstörerisch. Das war die Botschaft des Buches. Frauen ringen noch immer, um die Antwort auf die Frage. Wobei sich viel gewandelt hat. Frauen kommen in die Wirtschaft. Allerdings sind in den Führungsetagen noch zu wenig Frauen.

Es gibt großartige Bücher, aber die verkaufen sich nicht.
Wenn Sie ein Buch herausbringen, bauchen Sie viel Aufmerksamkeit. Ich hatte Glück. Mein Buch wurde in der Sonntagsausgabe der „New York Times“ rezensiert. Es war ein Verriss. Er war eine Akademikerin von der Rutgers University. Sie schrieb, das Buch sei ein grausames, hasserfülltes Märchen. Sie sagte, ich würde Frauen schlecht behandeln. Ich war in einer Fernsehshow. 2000 Frauen saßen im Publikum. Es war dramatisch. Die Buchverkäufe gingen durch die Decke.

Die Psychologische Vereinigung befragte 3000 Erwachsene. Sie fand heraus, Geld ist der Nummer 1 Stressfaktor für die Amerikaner. Die Sorge überragt sogar Bedenken zu Arbeit, Gesundheit und Familie.
Ja, das ist ein Problem mit tiefen Wurzeln. Wir haben nicht mehr die ökonomische Stabilität in unserem Land. Vergleichen Sie uns mit Schweden oder Deutschland.

Wir haben in Europa ein größeres soziales Auffangnetz. Wenn jemand arbeitslos oder krank wird, gibt es mehr Hilfe.
Wir haben das nicht in diesem Umfang. Wir haben natürlich einige Dinge wie Social Security (staatliche Rentenkasse). Wenn Sie in den Ruhestand gehen, haben sie jahrelang Geld eingezahlt, das Ihnen dann zur Verfügung steht. Es reicht aber heutzutage nicht mehr aus, weil es mit den Lebenshaltungskosten nicht Schritt hält. Es gibt viele Probleme. Wenn Eltern Kinder bekommen, können sie nicht lange mit dem Baby zuhause bleiben, weil sie kein Gehalt mehr bekommen. Es betrifft Mütter und Väter. Schulkosten übernimmt nicht der Staat. Alles kommt aus dem Portemonnaie des Individuums. Wir hatten 2008 eine der schwersten Rezessionen. Das haftet in den Gedanken. Die Menschen sind verängstigt.

Sie haben eine „Hire-and-Fire-Mentalität“. Menschen verlieren schneller als in Europa Jobs.
Es gibt keine soziale Anteilnahme für den Mitarbeiter. Wenn der Chef den Job kürzen muss, verlieren sie ihn. Ich habe sehr viele junge Frauen in meiner Praxis in Therapie. Sie kommen aus dem College, sie haben gute Abschlüsse. Gerade in den Geisteswissenschaften haben sie Probleme eine Stelle zu finden. Die Eltern bezahlen alles. Sie sind froh, wenn die Kinder bald aus dem Haus kommen (lacht). Es ist hart. Das sind schlaue, ehrgeizige, junge Menschen. Sie kommen einfach nicht voran. Das ist erschreckend. Wenn jemand Elektriker oder Klempner ist, gibt es weniger Schwierigkeiten.

Ein anderes Problem sind Praktika, die sechs Monate lang nicht bezahlt oder kaum bezahlt werden.
Ein Praktikum machen viele meiner Patienten, wenn sie mit der Uni fertig sind. Es ist eine Ausbeuter-Mentalität, die einige Unternehmen haben.

Was würden Sie einem Patienten raten, der sich ums Geld sorgt? Manch einer kann traumatisiert sein, wenn das Haus in die Zwangsversteigerung geht.
Es ist schwierig eine Pauschalaussage zu treffen. Es hängt vom Individuum ab. Ich habe eine Patientin, sie wurde vor drei Monaten gefeuert. Es ist schwierig. Ich habe sie lange nicht gesehen. Sie kam jetzt nach der Kündigung in die Therapie zurück. Der Grund, warum sie gefeuert wurde, das fanden wir heraus, war, dass sie ihre Arbeit nicht, wie es verlangt war, machte. Ich helfe ihr. Sie muss das in Angriff nehmen, was sie im letzen Job versäumt hat.

Haben Sie generelle Vorschläge für Geldsorgen?
Generell würde ich sagen: Wenn jemand einen Job hat und dann zu glauben, alles ist ok, ist ein Fehler. Sie müssen stets anschauen, was sich Ihr Arbeitsumfeld verändert. Sie müssen sich umfassend informieren. Sie müssen kontinuierlich Ihre Fähigkeiten ausbauen. Insbesondere heutzutage mit der Technologie. Wenn Sie arbeiten, merken Sie, wie schnell sich Dinge ändern. Das kann wiederum zu Angst führen. Menschen bekommen das Gefühl, nicht mit der Zeit mithalten zu können. Ich empfehle Meditation. Warum? Leute haben Angst, was in der Zukunft alles passieren kann: „Was ist, wenn ich meinen Job verliere?“ „Was ist, wenn ich meine Wohnung verliere?“ usw. Sie können mit diesen Sorgen nicht ihre Arbeit machen. Ich bringe Menschen bei, sich auf das Heute zu konzentrieren und nicht diese vielen Ängste aufgrund der Zukunft zu haben. Wenn Sie lernen, zu meditieren, brauchen Sie sich nicht ständig Sorgen zu machen.

Wenn Ihr Nachbar Job und Haus verliert, werden Sie ständig daran erinnert.
Es ist Teil unserer Kultur. Wir gewöhnen uns daran. „Das ist eben so. Was kannst Du dagegen schon tun?“, denken sich die Leute. In anderen Ländern ist das nicht in diesem Ausmaß der Fall. Bei uns wird das als Sozialismus abgetan, wenn Sie anderen Menschen helfen. Die Idee, anderen zu helfen, wird hier als Kommunismus betrachtet (lacht).

Sie müssen aber dafür bezahlen.
Das stimmt. Sie bekommen aber etwas für das Geld, das sie ausgeben, zurück.

Ein anderes Problem ist die Rolle der Familie. Vor 100 Jahren gab es einen größeren Zusammenhalt. Heute gibt es in den USA mehr Singles als verheiratete Erwachsene.
Ich habe Patienten, die aus Indien stammen. Sie zogen vor langer Zeit hierher. Ich bin fasziniert, wie sich die gesamte Familie umeinander kümmert. Wenn jemand eine Verletzung hat, sind alle da. Es ist sehr fürsorglich. Wir hatten diese Ära früher. Früher halfen sich die Menschen mehr aus. Seit sich unsere Gesellschaft mehr urbanisiert, verschwindet das.

Uni-Absolventen haben oftmals hohe Schulden.
Ja. 200.000 Dollar sind nicht selten. Es demoralisiert. Absolventen fragen sich: „Wie kann ich die Schulden jemals zurückzahlen?“ Ich sage ihnen: „Sorge Dich jetzt nicht darum. Es gibt andere Dinge, um die wir uns zuerst kümmern müssen. Konzentriere Dich auf den Ausbau Deiner Fähigkeiten.“

Denken Männer und Frauen anders über Geld oder ist das ähnlich?
Es hat sich angepasst. Ich hasse es zu sagen: Grundsätzlich glaube ich, dass Männer besser mit Geld umgehen. Frauen haben noch immer die Cynderella-Einstellung im Hinterkopf. Frauen machen ihren Uni-Abschluss. Sie verdienen gutes Geld. Aber sie geben es aus, anstatt es zu sparen, um eventuell eine Wohnung später kaufen zu können. Sie kaufen viel mehr Dinge als Männer, etwa Schönheits-Dienstleistungen usw. Sie mögen das Reisen. Sie denken nicht daran: „Vielleicht sollte ich mein Geld investieren. Besser sollte ich mein Geld sparen und wachsen lassen anstatt es auszugeben.“ Ich glaube, grundsätzlich sind sich Männer eher bewusst, dass sie sich darum kümmern müssen. Es ist gewiss eine große Verallgemeinerung. Ich denke, so ist es aber.

Wenn Sie in ein Kaufhaus gehen, ist im Erdgeschoss die Damenabteilung und weit oben die Herrenabteilung.
Es sind Impulskäufe. Frauen machen das. Männer sagen sich: „Ich brauche einen brauen Anzug und eine Krawatte.“ Sie gehen in den Fahrstuhl und kaufen es. Frauen machen das anders. Frauen wollen von all den Dingen umrundet sein. Sie wollen in Versuchung geführt werden.

Gibt das Kaufen den Personen Selbstzufriedenheit?
Es gibt ihnen einen Rausch. Es ist kein echtes Selbstwertgefühl. Es ist nur ein kurzfristiges Gefühl, höher zu sein. Es geht schnell wieder weg. Ich habe Freundinnen, die jünger und etabliert sind. Sie haben keine Ersparnisse. Sie haben keine Investments. Sie denken nicht darüber nach.

Geben Sie ihnen einen Rat?
Ich sage ihnen: „Ich liebe meinen Job. Ich gehe aber zur Arbeit, weil ich das Geld brauche. Ich wünschte, ich hätte früher mehr Geld zurückgelegt.“

Es geht oft um Statussymbole. Menschen wollen akzeptiert werden. Sie kaufen ein größeres Haus, ein schönes Auto, machen teure Ausflüge.
Statussymbole sind nicht so wichtig in New York. Eher in den Südstaaten oder an der Westküste. Ich verallgemeinere erneut. Es gibt sehr viel Diversität in New York. Es gibt diese Dinge, wie viel jemand im Job leistet, wie schnell er in der Firma aufsteigt. In unserem Land besteht schon die große Sorge, was der Nachbar über Dich denkt. Und wie viel Geld Sie haben. Es ist schon abstoßend.

Was ist der tiefe Grund für das Angeben mit Statussymbolen?
Menschen sind nicht stolz auf sich selbst. Sie fühlen sich nicht substanzreich als Person. Sie meinen, nicht genug der Welt bieten zu können.

Haben Sie Patienten von der Wall Street?
Ja. Es ist möglich in der Branche sehr erfolgreich zu sein. Das sind junge Menschen. 30 Jahre alt oder so. Sie verdienen Unsummen. Nach einer Weile macht sich der Erfolg nicht mehr bezahlt. Der Ehrgeiz, weiter zu kommen, mehr und mehr zu erreichen, geht verloren. Die Leute fragen sich: „Wozu mache ich das?“ Ein Grund ist, dass sie keine Beziehungen haben. Sie können nicht heiraten. Sie arbeiten intensiv. Frauen laufen ihnen hinterher, weil sie so viel verdienen. Sie könnten fast jede Frau haben, die sie wollen.

Wechseln die Banker dann den Job, wenn sie unzufrieden sind?
Normalerweise behalten sie den Job. Sie möchten aber ihr Leben in eine Balance bringen. Sie suchen sich eventuell intern etwas, wo sie nicht 18 Stunden am Tag arbeiten müssen. Sie haben beachtliche Fähigkeiten. Sie suchen nach Wegen, wie ihr Job ihnen dienen kann, anstatt ein Sklave der Arbeit zu sein. Manchmal entscheiden sie sich Entrepreneur zu werden. Oder sie werden Consultant. Sie verdienen dann immer noch gut. Ich habe Fälle, die nicht in der Lage sind, eine bedeutende Beziehung zu haben. Manche wissen gar nicht, was sie fühlen. Sie sind wie abgeschnitten. Ich versuche, dass diese Leute langsam machen. Hypnose kann helfen. Wir suchen nach dem großen Ziel in deren Leben.

Das Bonussystem ist so ausgelegt, dass es stets um mehr geht.
Ja, der Bonus hat mit dem Umsatz, den diese Leute der Firma bringen, zu tun. Es ist alles zahlenbasiert. Es gibt nur Schwarz oder Weiß.

Leidet der Charakter darunter?
Ein guter Charakter ist wichtig. Wenn Sie nicht gut mit den Kollegen umgehen, kann es ein Problem geben. Dann meldet sich die Personalabteilung zu Wort und sagt: „Hier gibt es ein Problem.“

In ihrer Praxis hat die bekannte Autorin Colette Dowling vor allem junge Frauen, denen sie hilft, wenn es um die Karriere, Partner, Ausbildung, Geld etc. geht.


tim schaefer (Author)

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Gedanken zu „Therapeutin und Bestsellerautorin Colette Dowling im Interview: Sie rät Frauen Karriere zu machen und zu sparen

  1. Anna-Lena

    Vielen Dank für das Interview, Tim! Es ist schön, von den Erfahrungen älterer Menschen zu lernen. Ich denke, sie spricht viel Wahres, besonders glaube ich, dass langfristige, erfüllende Beziehungen sehr wichtig sind und sogar viel wichtiger als Geld. Es ist dann traurig zu hören, dass beruflich erfolgreiche Menschen niemanden in ihrem Leben haben, obwohl sie „jede Frau haben könnten“.

    Eine Sache muss ich aber noch anmerken: Sie sagt „Und zwar nicht nur in den Vereinigten Staaten, sondern weltweit.“, aber in der Sowjetunion z.B. war das überhaupt nicht üblich so zu denken. Das merke ich an meinen Großeltern und Eltern, weil Frauen in den Sowjetstaaten genauso immer gearbeitet haben, hohe Ausbildungen hatten, etc. Wobei ich den Sozialismus nun nicht als toll darstellen will, ich bin sehr froh, dass ich dort nicht aufwachsen musste. Ich will nur sagen, mir ist es fremd zu erwarten, dass ein Mann für mich sorgen müsste. Das kriege ich schon selbst hin 🙂 Meine Mutter sagte mir auch öfter, dass es wichtig ist, als Frau auf eigenen Beinen zu stehen, denn wer weiß, wie sich die eigene Beziehung vielleicht entwickelt? Deswegen ist es wichtig, dass man im Zweifelsfall auch alleine für sich selbst und seine Kinder sorgen kann.

    Frohe Weihnachten :),
    Anna

  2. tim schaefertim schaefer Beitragsautor

    @ Anna-Lena

    Ebenfalls schöne Zeit. Frohe Weihnachten wünsche ich Dir und allen Lesern.

    Ja, man muss für sich selbst sorgen.

  3. tim schaefertim schaefer Beitragsautor

    @ Mark85

    Sieht erholsam, friedlich und warm aus.

    Eine schöne Zeit wünsche ich.

  4. Maresa

    @ Anna-Lena – das ist eine interessante Anmerkung bezüglich „weltweit“; zu der Zeit als Colette das Buch geschrieben hatte, endete die westliche Hemisphäre am eisernen Vorhang – was dahinter los war, war dem Normalbürger (von beiden Seiten) jeweils unbekannt.

    Die Aussagen von Colette kann ich für den „Westen“ aber bestätigen, genauso habe ich diese Abhängigkeit erlebt – und erlebe es leider auch noch/wieder heute. Ich arbeite eng mit einer Russin aus St. Petersburg zusammen, die vor 5 Jahren nach Deutschland ausgewandert ist; sie hat dieselben Aussagen bezüglich dem Stand der Frauen in Russland gemacht wie Du. Die Russinnen sind gut ausgebildet, starke und stolze Frauen; eine große Rolle in der Politik und Wirtschaft spielen sie aber trotzdem nicht. (Aussage Kollegin:) „Es ist auch heute noch so, dass die Frau in Russland verheiratet sein muss um gesellschaftlich anerkannt zu sein – auch wenn sie das Geld nach Hause bringt, und Tag und Nacht arbeitet. Die Männer glänzen durchweg durch Faulheit und Dauerbesaufen, Frauen werden schlecht behandelt“.  Da ist die Welt also auch nicht besser ….

    Ich glaube, dass ich die Bücher von Colette nie gelesen habe; ihre Ansichten waren mir zu der damaligen Zeit zu extrem. Die frühen Aktivistinnen für den Feminismus habe ich abgelehnt, wie z.B. Alice Schwarzer. Vielleicht sollte ich das Cinderella-Buch heute doch mal lesen.

    Aber die Ansage kann ich vollumfänglich unterschreiben – Frauen sollen Karriere machen, eigenes Geld verdienen, und  sich auch selber darum kümmern. Trotzdem kann man sich auch fürsorglich um die Kinder kümmern; das eine schließt das andere nicht aus. Ich habe mit 40 Jahren nochmal durchgestartet; die Kinder waren groß – und für mich war klar, dass ich noch 25 Jahre arbeiten möchte/muss und deshalb eine Weiterbildung das beste Investment wäre. Ich hatte die Ziele damals nicht so ambitioniert gestellt – da wäre noch mehr möglich gewesen. Mit 50 habe ich dann auch noch den Bachelor draufgesetzt, und konnte mir die Arbeitsstelle aussuchen. Heute arbeite ich in der Automotive-Industry.

    Leider kenne ich aber keine Mutter und Ehefrau, die einen ähnlichen Weg nach der Familienzeit gegangen ist; vielleicht meldet sich jemand :). Meine Freundinnen 40+ und 50+ verstehen das nicht; keine arbeitet – schon gar nicht Vollzeit. Die meisten bedauern mich (weil ich soviel arbeiten muss ….?!?), manche beneiden mich ein klein wenig …; keine bekommt aber eine eigene auskömmliche Rente –  manche haben ererbtes Vermögen bzw. Immobilien, bei den anderen verdient der Ehemann.

    Diesen Blog von Tim finde ich super. So eine Möglichkeit hatte früher gefehlt; es war unmöglich, sich mit Gleichgesinnten auszutauschen,  zusätzliche Motivation und Informationen zu bekommen. Manchmal gab es eine Lektüre zu diesen Themen, das war es auch schon. Ein Buch von Bodo Schäfer war für mich das erste, das mich an die finanzielle Freiheit herangeführt hatte …. aber die erste Mio in 7 Jahren war halt so unrealistisch; hätte ich damals nur das Wissen und das Vertrauen von heute gehabt ….; so habe ich wertvolle Zeit verloren, um ein größeres Vermögen aufzubauen.

    Deshalb mein Rat – es ist nie zu früh oder zu spät, sich an die Tipps von Tim zu halten; aber nie verbissen – sondern mit viel Spaß und Freude am Leben (nicht an Sachen …). Das Leben ist einmalig und kann so einfach und schön sein.

    @ all – noch einen schönen Weihnachtsfeiertag und einen guten Rutsch ins neue Jahr.

  5. June

    Hallo an Alle,

    Ich wünsche euch einen wunderschönen 2. Weihnachtsfeiertag.
    Wir haben die Eltern meines Lebensgefährten besucht und sind jetzt auf dem Weg Nachhause. Allerdings sieht es nach viel Verkehr und Stau aus. Wir fahren leider noch ein paar Stunden. Die Zeit nutze ich jetzt u.a. für diesen Beitrag.

    @Maresa,

    Ich gehöre zu den Frauen, die immer gearbeitet haben. Zuerst Teilzeit mit kleinen Kindern und dann immer mehr Stunden. Mit 43 habe ich eine Fernstudium zur Bilanzbuchhalterin begonnen und dies auch abgeschlossen. Schon während des Fernstudiums hat mich mein jetziger Arbeitgeber abgeworben. Und mich sofort entsprechend bezahlt. Lange habe ich mir überlegt, ob sich noch ein BWL Studium positiv auf meine berufliche Situation auswirken würde, doch ich verdiene genauso gut wie meine Kollegen und Kolleginnen mit Studium. Ich arbeite bei einem Automobilzulieferer. Als ich mir 43 wieder die Schulbank gedrückt habe, waren so viele Menschen plötzlich der Meinung mir erzählen zu müssen, dass sich mein Engagement doch gar nicht lohnen würde. Das ich so viel Lebenszeit durchs Lernen verlieren würde und das ich gar nicht mehr so lange Arbeiten könnte um die teuren Schulgebühren wieder zu erarbeiten.

    Zum Glück habe ich mich nicht beirren lassen und habe mein Ding durchgezogen. Und ja es war teuer. Doch bereits nach einem Jahr hatte ich durch meine neues, höheres Gehalt die Kosten ausgeglichen, und ich habe auch vorher nicht schlecht verdient. Ich denke die meisten Menschen haben überhaupt keine Vorstellung wie viel mehr Geld die Investition in die eigene Bildung tatsächlich bringt.

    Toll, dass du das gemacht hast! Auch ich kenne keine Frau in meinem Umfeld, der nach der Familie nochmal Karriere gemacht hat. Allerdings sind die meisten Teilnehmer meines Fernstudiums auch durch die Prüfung gefallen. Und die, die es geschafft haben, haben sich leider nicht in die Industrie getraut, bzw. haben sich keine Führungsposition zugetraut. Vielleicht ist dies typisch Frau.

    Aufgewachsen und erzogen wurde ich mit dem typischen Frauenbild meiner Generation, gute Ausbildung, heiraten, Kinder bekommen, dann Teilzeit hinzuverdienen um Mann, Kinder und Haushalt gerecht zu werden. In meiner Familie war Abitur wichtig, man sollte studieren und für mich war nach dem Abi eine Ausbildung mit anschließendem Studium vorgesehen. Blöd nur, dass ich damals wenig Selbstbewusstsein hatte und den falschen Mann kennen gelernt habe, dem es am eigenen Ego kratzte, dass seine Frau studiert.

    Vor ein paar Wochen hatte ich die beste Freundin meiner Tochter zu Besuch, wir haben uns lange über Frauen, Geld, Karriere, Männer und Kinder unterhalten. Zum Abschied hat sie mir gesagt, dass meine Beispiel sie sehr geprägt hat. Und das sie, obwohl nur Besucherkind bei uns, immer mitbekommen hat, dass ich meiner Tochter die Eigenverantwortung für Ihre finanziellen Dinge gepredigt habe. Die junge Frau ist sich der eigenen Verantwortung für ihr Geld sehr bewusst. Karriere machen und eigenes Geld für die Rente sparen und notfalls unabhängig vom Partner sich und die Kinder nicht nur durchzubringen, sondern leben zu können. Jetzt denkt sie auch weiter, sparen ist nämlich gut aber wir haben uns auch über Investitionen unterhalten und sie wird sich jetzt weiterbilden.

    Schön jetzt eine Frau online zu kennen, die sich auch getraut hat spät Karriere zu machen.

    Take care,

    June

     

  6. Mattoc

    Info zum  steuerfreien Einkommen ab 2018:

    Der Grundfreibetrag steigt von 8820 Euro auf genau 9000 Euro. Erst ab dieser Summe müssen ledige Erwachsene ihr Jahreseinkommen versteuern. Bei Ehepaaren und eingetragenen Lebenspartnerschaften verdoppelt sich der Betrag auf 18 000 Euro.

    Dazu kommt möglicherweise der Kinderfreibetrag, der zum Jahreswechsel um 72 Euro auf insgesamt 7428 Euro ansteigt. Dieser Betrag ist bei Eltern pro Kind und Jahr zusätzlich steuerfrei.

  7. Ann

    Lieber Tim,

    danke für deinen inspirierenden Beitrag und dein tolles Interview. Wahnsinn wie schnell du das Thema „Frauen und Geld“ aufgenommen hast. Danke dir persönlich nochmal ganz herzlich dafür. Quasi ein Weihnachtsgeschenk 🙂 Danke …

    Passend für die Vorsätze für´s neue Jahr und ein Ansporn an alle Frauen. Ich habe mir mal den Spruch gemerkt „Jammern hilft nix“ . Nimm dein Leben selbst in die Hände und mach was raus. „Jeder ist seines Glückes Schmied“. In meiner Kindheit hatte ich immer den Ansporn fleissig zu lernen. Auf dem Land auf einem Bauernhof aufgewachsen war ich „nur“ die Tochter. Der erstgeborene Sohn war der Star. Aber meine Oma hat mir immer gesagt das jedes Kind etwas Besonderes ist. Egal ob Junge und Mädchen. Auch meine Eltern haben mich sehr unterstützt. Immer. Auch heute noch. Ich habe eine Ausbildung nach dem Abi gemacht und dann im Beruf gemerkt, hey was mein Chef kann, das kann ich doch auch – bzw. das will ich auch lernen. Hab studiert und hab nach dem Studium sogar ein Stipendium ergattert und ein tolles, arbeitsreiches und spannendes Jahr in England verbracht. Ich habe mir immer sehr große Ziele gesetzt und fleissig gearbeitet. Sehr mutig auch die Antworten der Frauen. Toll, mein Kompliment. Weiter so. Wenn man an sich glaubt geht alles. Egal wie alt man ist, man kann immer durchstarten. Nicht auf andere hören. Einfach machen. Auf sein eigenes Herz hören.

    Im Herzen wollte ich aber auch eine Familie und Kinder. Ich dachte ich hatte meinen Märchenprinzen. Zauberhafte Kinder, ein Mädchen, ein Junge und noch ein kleines Mädel. Die Kleine ist gerade drei Jahre alt geworden.

    Habe immer weitergearbeitet. Natürlich nur Teilzeit. Erst 19 Stunden, dann fast 25. Haushalt & Co auch … so war unsere Abmachung. Wäsche, Kochen, Putzen, Kinder, Hausaufgaben und und und … nachts aufstehen, jahrelang keinen durchgängigen Schlaf… Irgendwann bin ich aufgewacht. Nicht verheiratet, ich stand nie mit im Grundbuch drin. Auf meinem Namen lief nix. So war das eben. Hab aber mit bezahlt. Wie dumm ich doch war. Ich bin zu spät aufgewacht. Bin jäh gescheitert…. Bin aber wieder aufgestanden. Es hat ne Weile gedauert. Was war nur passiert. Warum war ich so dumm und naiv. Nun ja …

    Dank Tims Blog, Madame Moneypenny, Lucky Bitch, Finanzdiva und auch der „Liebesbotschafterin“ hab ich gelernt – viel über Finanzen und Geld und bin sehr stolz soviel tolle Leute kennengelernt zu haben. Es funktioniert. Sparen, Investieren, fest an sich glauben. Sparen wie ein Irrer, so wie Tim immer predigt. Toll. In Einfachheit leben. Versuchen mehr zu arbeiten, weniger ausgeben. Viel in der Natur sein. Eben andere Sachen machen. Besonders mit den Kids. Spass haben und nach vorne schauen.

    Viele haben irgendwann und irgendwie eine Bruchlandung hingelegt. Haben aber nie an sich gezweifelt, sondern den Blick nach vorne gerichtet. An sich geglaubt, gearbeitet, überzeugt davon zur richtigen Zeit an der richtigen Stelle zu sein. Schön, das es euch alle gibt. Eine tiefe, innere Motivation treibt mich an. Ich will es schaffen. Irgendwann ist alles wieder gut.

    Ich wünsche allen von Herzen einen schönen 2. Weihnachtstag und viel Erfolg, Glück und Liebe.

    Danke dafür 🙂

    LG Ann

     

  8. tim schaefertim schaefer Beitragsautor

    @ Ann

    Danke für Lesen und die sehr netten Worte. Alles Gute wünsche ich Dir und all den Lesern in 2018!

  9. Chris

    Schön, mal wieder was von und über Colette Dowling zu lesen. Ich habe in den 80/90ern alle ihre Bücher verschlungen und sie haben mir, damals am Anfang meiner Berufstätigkeit, viele wertvolle Denkanstöße gegeben.

    Das Thema Finanzen war immer sehr wichtig für mich und wir hatten schon früh den Plan, zum frühestmöglichen Zeitpunkt aus dem Berufsleben auszusteigen. Bei meinem Vater habe ich gesehen, wie ein unfreiwilliger Ausstieg aus dem Berufsleben den ganzen Ruhestand vergällen kann, selbst wenn die finanzielle Seite einigermaßen  auskömmlich bleibt. Aber so wollte ich gerade jenseits der 50 genug „f… you money“ haben, um über meinen Abgang immer selbst entscheiden zu können.

    Wir führten von Anfang an ein Haushaltsbuch und machten monatlich eine „Bilanz“. Dank guter Ausbildung und Berufen konnten wir uns einen angenehmen Lebensstandard bei guter Sparquote leisten.

    Mit 55/61 war es dann vor 4 Jahren so weit, bei meinem Mann leider auch aus Gesundheitsgründen. Wir hätten durchaus noch einige Jahre früher aufhören können, aber so lange hat es eben Spaß gemacht.

    Wir bereuen nix!
    Einen guten Rutsch allen Mitlesern!

  10. Maresa

    Hey June – das freut mich sehr, dass es doch ein Mädel gibt, das nochmals durchgestartet ist. Es gehört Mut dazu – der wird aber mehr als belohnt, da gebe ich Dir vollkommen uneingeschränkt recht. Ich könnte mir heute kein anderes Leben vorstellen; übrigens bin ich auch Bilanzbuchhalterin 🙂

    In meiner bäuerlichen Herkunftsfamilie war es aber nicht vorgesehen, dass Töchter das Abitur machen. Auf großen „Druck“ der Lehrer, dass das Mäderl unbedingt in die weiterführende Schule muß, wurde ich dann in eine Klosterschule zu den Zisterzienserinnen geschickt. Abitur war schädlich – und reduzierte die Heiratschancen erheblich (meinten meine Großeltern).

    Die Rechnung ging aber nicht auf: Ich habe recht jung sehr stark rebelliert (70er Jahre …; da kam dieses Weltbild nicht mehr gut an), dann mit 15 schon meinen Mann kennengelernt – das war ein einfacher Handwerker und kein Großbauer, wie er für mich vorgesehen gewesen wäre – und bin dann meinen eigenen Weg gegangen. Glücklich verheiratet sind wir aber auch heute noch …

    Gut dass sich die Zeiten geändert haben.

    VlG. Maresa

     

  11. Anna-Lena

    @Maresa

    Stimmt, du hast Recht. Das habe ich nicht berücksichtigt, dass die Menschen in der SU ja abgeschottet waren und man eher wenig über die Kultur des Anderen mitgekriegt hat. Über die Stellung vom Verheiratetsein weiß ich grade nicht genau, aber deine Bekannte wird auf jeden Fall Recht haben. Recht hat sie, dass der Alkoholkonsum bei der männlichen Bevölkerung echt stark ist. Die Lebenserwartung ist in Russland ja auch nicht so hoch 🙁 Ich denke, das ist einer der möglichen Gründe.

    Mit dem „Westen“ stimme ich dir zu. Wusstest du, dass meine Kindergärtnerinnen meine Mutter oftmals bei Seite nahmen und sich immer wieder verwundert äußerten, wieso sie eine Familie hat UND gleichzeitig arbeiten geht? Und warum sie so eine hohe Ausbildung hat? Das Lustige dabei war, dass einige dieser Frauen selber gar keine Kinder hatten und sagten, sie hätten sich auf ihre „Karriere“ konzentriert. Ich glaube, sie fühlten sich dadurch, dass meine Mutter das eben alles unter einen Hut gekriegt hat, angegriffen.

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