Die Nachrichtenbilder von der Straße von Hormus sind erschütternd. Öltanker brennen, die wichtigste Schlagader der globalen Energieversorgung ist verstopft. Der Krieg im Iran scheint nicht schnell zu enden. Im Gegenteil: Es kann ein Flächenbrand entstehen. Heute ist ein US-Armeetankflugzeug im Irak mit 6 Insassen abgestürzt. Die Zahl der Toten in dem Krieg steigt und steigt. Auch ist eine Schule in Tehran von den US-Streitkräften am ersten Kriegstag mehrmals bombardiert worden, über 160 Menschen starben, hauptsächlich Kinder. Es ist grauenvoll.
Als Anleger sollte man rational und abgebrüht entscheiden. Es stellt sich die Frage: Panik oder Profit?
Wenn der Ölpreis Richtung 120 bis 150 Dollar schießt, rennen viele Privatanleger gierig den neuesten „Hot Stocks“ hinterher. Doch wir Value-Investoren wissen: Wer im Feuer kauft, verbrennt sich oft die Finger.
Hier ist mein Plan.
1. Jage nicht dem Preis hinterher – Setze auf die „Mautstationen“
Natürlich steigen die Aktien von ExxonMobil oder Chevron, wenn das schwarze Gold knapp wird. Ich habe beide im Depot. Vielleicht kannst du hier noch etwas nachkaufen. Aber das ist oft ein kurzfristiges Spiel. Ich schaue auch auf die Midstream-Unternehmen. Firmen wie Enterprise Products Partners (6% Dividende) oder Kinder Morgan (3,5%) besitzen Pipelines und Terminals. In Deutschland kannst du RWE oder Eon ins Visier nehmen. Beide Stromriesen zahlen gute Dividenden. Den Netzanbieter Eon habe ich schon lange im Depot. Ich besitze daneben den Hafebetreiber Eurokai, der verdient auch immer mit, wenn Schiffe be- und entladen werden.
Die Midstream-Unternehmen, Eurokai oder Eon mit seinen über 100.000 Strommasten funktionieren wie Mautstationen. Egal, wie hoch der Öl- oder Strompreis ist: Das Volumen, das transportiert werden muss, bleibt kritisch. Oft winken hier satte Dividenden, die wir direkt reinvestieren können.
Auch ist die Beteiligungsfirma von Warren Buffett, Berkshire Hathaway, gerade relativ günstig. Das Unternehmen hat unter dem neuen Chef Greg Abel ein Aktienrückkaufprogramm begonnen. Ich habe das Kult-Papier als Buffett-Fan natürlich im Depot. Es ist wie gemacht für die Krise, weil die Kasse proppenvoll ist.
2. Suche Unternehmen mit „Moat“ (Burggraben)
Ein hoher Ölpreis ist eine Steuer auf die gesamte Wirtschaft. Er trifft Konsumwerte wie meine Position in Target oder Logistikriesen hart. Aber genau hier trennt sich die Spreu vom Weizen.
- Suche nach Firmen mit Preissetzungsmacht.
- Unternehmen, die ihre gestiegenen Kosten einfach an die Kunden weitergeben können, haben einen tiefen Burggraben. Dazu gehören Alphabet, NVIDIA, Amazon, Microsoft, Moody’s, ASML, Lam Research…
- Wer einen starken Moat hat, übersteht auch einen zwei- oder dreijährigen Konflikt im Nahen Osten.
3. Die beste Rendite: Weniger verbrauchen
Es klingt unsexy, aber es ist pure Mathematik: Die sicherste Methode, vom steigenden Ölpreis zu profitieren, ist es, weniger davon zu konsumieren. In meinem Buch über finanzielle Freiheit, an dem ich arbeite, predige ich Frugalismus nicht aus Geiz, sondern aus Effizienz. Optimiere dein Leben. Dann belasten dich steigende Heizkosten oder die Pendlerkosten nicht so heftig wie andere Haushalte, bei denen es schon vor dem Krieg spitz auf Knopf stand. Erhöhe also sofort deine Sparquote, wenn möglich. Dieses gesparte Geld wandert in den depressiven Börsenmarkt, während andere über die Benzinpreise fluchen.
Jeder gesparte Euro ist ein Euro, der für dich arbeitet und den Zinseszins-Effekt befeuert.
4. Bleib bei deinem Plan (Buy and Hold)
Die Geschichte lehrt uns: Krisen kommen und gehen. Wer 1973, 1990 oder 2008 in Panik alles verkaufte, hat die anschließenden Erholungen verpasst. Mein Portfolio, inklusive meiner Waldinvestments wie Rayonier oder Weyerhaeuser oder der Eierproduzent Cal-Maine, ist auf Jahrzehnte ausgelegt, nicht auf die nächsten paar Monate Kriegsnachrichten. Bäume wachsen weiter, egal was in Hormus passiert.
Mein Fazit für dich
Lass dich nicht von den brennenden Bildern zu emotionalen Fehlkäufen verleiten. Ja, Energie wird teurer bleiben. Ja, der Iran-Konflikt ist eine ernste Bedrohung für die Weltwirtschaft. Es ist grauenvoll. Aber für uns bedeutet das:
- Ruhe bewahren. 2. Qualitätsaktien mit Dividende halten bzw. ETF-Sparpläne laufen lassen 3. Sparquote hochhalten.
Die Welt wird auch nach diesem Krieg noch Energie brauchen. Sorge dafür, dass du bis dahin die Anteile an den Firmen besitzt, die sie bereitstellen.