In unruhigen Zeiten, wenn die Inflation hartnäckig bleibt und geopolitische Spannungen die Schlagzeilen dominieren, rufen Anleger nach dem sicheren Hafen: Gold und Silber. Doch anstatt sich physische Barren in den heimischen Tresor zu legen, die keine Dividenden abwerfen und nur Geld kosten, blicken einige auf die Produzenten – die Minenbetreiber.
Aber Vorsicht: Der Bergbau ist ein hartes, extrem kapitalintensives Geschäft. Es kostet Milliarden, ein Loch in die Erde zu graben, und die operativen Risiken sind gewaltig. Für uns Langfristanleger und Value-Investoren bedeutet das: Wenn wir in diesen Sektor investieren, dann nur in absolute Qualitätsunternehmen mit starken Bilanzen, guten Cashflows und im besten Fall einer ordentlichen Dividende.
Ich habe in meinem Depot einen Explorer, der Silberminen errichtet. Das ist aber hier in meinem Blog zu riskant, um das Geschäft vorzustellen. Beim Bau wird viel Geld verbrannt. Solche Firmen müssen massiv in Vorlage treten – und hoffen. Hier sind die solideren Kategorien und Aktien, die man sich als Value-Investor im Edelmetallsektor genauer ansehen kann:
1. Die soliden Giganten (Newmont & Barrick)
Wenn man in Minen investiert, ist Größe oft ein Vorteil. Große Konzerne haben ein diversifiziertes Portfolio an Minen weltweit, was das Risiko eines Totalausfalls (z. B. durch einen Streik oder politische Unruhen in einem einzelnen Land) minimiert. Goldaktien bieten aufgrund ihres Produktionswachstums mehr Aufwärtspotenzial als der Besitz von physischem Gold.
- Newmont Corporation (NEM): Der größte Goldproduzent der Welt. Newmont hat durch die Übernahme von Newcrest seine Position weiter gestärkt und besitzt Minen in relativ sicheren Jurisdiktionen (Nordamerika, Australien). Das US-Unternehmen aus Colorado zahlt traditionell eine solide Dividende, die an den Goldpreis gekoppelt ist.
- Anfang 2019 kauften die Amis den Rivalen Goldcorp. Im Mai 2023 rissen sie sich die australische Newcrest Mining für 17,8 Milliarden Dollar unter den Nagel. Nach einer Kursrallye beträgt das Buchwert-Vielfache beträgt knapp 3,0. Die Dividende 0,8%. CEO Tom Palmer hat nach den Großzukäufe kleinere Assets verkauft, um die Kasse zu füllen und Schulden zu tilgen. Jetzt ist die Bilanz fast frei von Schulden. Daneben kauft er Aktien zurück.
- Barrick Gold (GOLD): Der ewige Rivale von Newmont. CEO Mark Bristow hat in den letzten Jahren hervorragende Arbeit geleistet, um die Schulden abzubauen und die Effizienz zu steigern. Barrick konzentriert sich auf sogenannte „Tier 1“-Minen – also riesige Vorkommen mit langer Lebensdauer und vergleichsweise niedrigen Förderkosten. Der 2,3-fache Buchwert (KBV) scheint nicht ausgereizt zu sein. Es gibt 3,4% Dividendenrendite.
- Barrick Gold aus Toronto will das wertvollste Goldminenunternehmen der Welt werden. Der Barrick-Kurs ist gegenüber Rivalen zurückgeblieben, was reizvoll ist. Das KBV ist niedriger, die Dividendenrendite höher. Stark ist dabei das Portfolio, Barrick betreibt Minen auf 5 Kontinenten. Es hat enorme Goldreserven, was eine langfristige Produktion sicherstellt. Der Vorstand investiert in fortschrittliche Technologien, um effizienter zu werden. CEO Mark Bristow steckt viel Geld in Dividenden und Aktienrückkäufe.
2. Qualitätsaktie mit Fokus auf Sicherheit
Geopolitische Risiken sind der Feind des Bergbaus. Was nützt die reichste Goldmine, wenn die lokale Regierung plötzlich die Steuern verzehnfacht oder die Mine verstaatlicht?
- Agnico Eagle Mines (AEM): Dieses Unternehmen aus Toronto ist bei vielen institutionellen Anlegern extrem beliebt. Der Grund? Agnico operiert fast ausschließlich in geopolitisch extrem sicheren Regionen, vor allem in Kanada, Australien und Finnland. Das Management gilt als eines der besten der Branche, die Bilanzen sind sauber und die Ausführung der Projekte ist in der Regel fehlerfrei. Auch werden die Aktionäre nicht ständig durch die Ausgabe neuer Aktien verwässert. Ich habe mit dem Top-Management schon vor einigen Jahren in New York gesprochen – es war beeindruckend.
3. Der Value-Geheimtipp: Royalty- und Streaming-Unternehmen
Wenn ihr meinen Blog lest, wisst ihr, dass ich Geschäftsmodelle liebe, die hohe Margen und wenig operativen Aufwand haben. Genau hier kommen die „Streamer“ ins Spiel. Sie betreiben keine eigenen Minen. Stattdessen geben sie den Bergbauunternehmen Vorabkapital für den Bau einer Mine und erhalten im Gegenzug das Recht, einen Teil des zukünftig geförderten Goldes oder Silbers zu einem extrem niedrigen Festpreis (oft weit unter dem Marktpreis) zu kaufen.
Diese Unternehmen bieten die beste Kombination aus steigenden Edelmetallpreisen und Schutz vor der Inflation der Bergbaukosten (da ihre Kaufpreise fixiert sind).
- Franco-Nevada (FNV): Der absolute Goldstandard unter den Streamern. Das Unternehmen hat keine Schulden, extrem hohe Margen und zahlt verlässlich steigende Dividenden. Franco-Nevada ist ein wunderbarer Zinseszins-Motor im Edelmetallbereich. Und die Risiken scheinen klein. Über diese Aktie habe ich schon häufiger berichtet.
- Wheaton Precious Metals (WPM): Wer mehr Silber im Depot möchte, ist hier richtig. Wheaton war ursprünglich auf Silber-Streaming fokussiert, hat aber mittlerweile auch viel Gold im Portfolio. Die Margen sind astronomisch hoch, da sie das Silber für wenige Dollar pro Unze beziehen und zum Marktpreis weiterverkaufen.
Fazit für Langfristanleger
Minenaktien sind zyklisch und extrem volatil. Sie sind keine „Buy and Hold forever“-Werte im klassischen Sinne wie eine Johnson & Johnson oder eine Procter & Gamble. Sie eignen sich höchstens als kleine Depotbeimischung (vielleicht 3 bis 5 Prozent des Portfolios), um das Depot gegen Extremszenarien abzusichern. Der Gold- und Silberpreis kann sinken, dann geraten die Minenbetreiber unter Druck.
Wer ruhig schlafen will, greift statt zu hochspekulativen Explorern lieber zu den Royalty-Unternehmen wie Franco-Nevada oder zu den absoluten Branchenführern wie Newmont, Barrick oder Agnico Eagle. Bleib geduldig, achte auf die Bilanzen und lass dich nicht von kurzfristigen Preisschwankungen verrückt machen.
Weiterhin viel Erfolg an der Börse!