Im S&P 500 abgeschmiert, für uns eine Chance: Warum diese 14 Nachzügler auf die Watchlist gehören

Die Wall Street ist manchmal extrem kurzsichtig. Sobald die Quartalszahlen nicht den auf die Kommastelle genau den Erwartungen der Analysten entsprechen oder sich das makroökonomische Umfeld kurzfristig eintrübt, werden selbst hervorragende Unternehmen gnadenlos abverkauft. Die Herde rennt immer in eine Richtung.

Ein Blick auf die 12-Monats-Verlierer im S&P 500 zeigt genau das: Einige der besten Unternehmen der Welt haben in den letzten Monaten ordentlich Federn gelassen. Für Spekulanten ist das ein Weltuntergang. Für uns Langfristanleger, die wir über Jahrzehnte denken und stoisch Dividenden und Kursgewinne ansammeln, ist das oft ein Geschenk.

Hier sind 14 prominente Verlierer der letzten 12 Monate. Ich habe sie herausgefiltert und finde sie alle spannend. Schauen wir uns an, was diese Firmen eigentlich machen und warum sich gerade jetzt – fernab der Panik – exzellente Einstiegschancen bieten. Ich liebe diese abgestürzten Qualitätsaktien. Was hältst du von diesen Papieren?

Das Geschäft der Verlierer und wo die Chancen liegen

1. Builders FirstSource (BLDR) Das Unternehmen ist der größte US-Lieferant für Baumaterialien und Fertigbauteile (Dachstühle, Fenster) für den Hausbau. Die hohen Zinsen haben den US-Häusermarkt zuletzt abgekühlt, was den Aktienkurs drückte. Am 16. September erhöhte die Fed abermals trotz des Vetos von Präsident Donald Trump die Leitzinsen. Die Chance? In den USA fehlen strukturell Millionen von Wohnungen. Sobald sich der Zinsnebel lichtet, steht der Baustellenzulieferer bereit, den aufgestauten Bedarf mit enormer Profitabilität zu bedienen. Ich liebe langweilige Dinge wie Baustoffe. Sie werden eigentlich immer gebraucht. Auch der deutsche Zementriese Heidelberg Materials finde ich einen Blick wert.

2. Oracle (ORCL) Der Software-Dino ist ein Gigant bei Datenbanken und mischt stark im Cloud-Geschäft mit. Nach einem gewaltigen KI-Hype kam zuletzt die Ernüchterung, viele Tech-Titel gerieten unter die Räder. Doch das Geschäftsmodell ist dank extrem treuer Firmenkunden (B2B) unfassbar klebrig. Die wiederkehrenden Cashflows fließen verlässlich weiter. Doch hat sich Gründer Larry Ellison hohe Schulden aufgenommen und seinem Sohn beim milliardenschweren Kauf vom Filmstudio Warner Bros unter die Arme gegriffen.

3. Nike (NKE) Der unangefochtene Marktführer für Sportartikel leidet unter Kaufzurückhaltung in China und den USA sowie einem erstarkten Wettbewerb (z. B. durch Hoka, On). Nike war in den letzten Jahren oft zu teuer. Jetzt ist die Bewertung nach dem kräftigen Kursrutsch so attraktiv wie seit Jahren nicht mehr, und die Marke ist nach wie vor ein globaler Gigant. Ich habe das Ding im Depot und lecke meine Wunden. Ich denke, dass nach dem blutigen Absturz bald der Kurs drehen muss. Der Börsenwert entspricht nur noch dem 1,1-fachen Umsatz, das ist wenig. Ich denke, das ist zu wenig. Das KGV ist moderat, die Dividende muskulös mit 4,6%. Ich glaube, die Panik nach unten ist in der Übertreibungsphase.

4. Zoetis (ZTS) Die ehemalige Pfizer-Tochter ist Weltmarktführer in der Tiermedizin. Ob Haustiere oder Nutztiere – Gesundheit kostet Geld und wird selbst in Krisen bezahlt. Die Aktie kam durch allgemeine Marktrotationen zurück, doch der strukturelle Trend hin zum Haustier (das fast wie ein Familienmitglied behandelt wird) ist ungebrochen.

5. Pentair (PNR) Wasser ist Leben. Pentair stellt Wasseraufbereitungssysteme, Filter und Pumpen für Pools und die Industrie her. Das Sortiment ist umfangreich. Ein klassisches, eher langweiliges Geschäft – und genau solche Geschäftsmodelle lieben wir. Nachlassende Pool-Neubauten drückten den Kurs, aber das Wartungs- und Ersatzteilgeschäft sorgt für beständige Einnahmen. Das KGV ist auf 11 gesunken, das sieht nach einem guten Value-Wert aus.

6. Tractor Supply (TSCO) Die Einzelhandelskette für den ländlichen Lebensstil in den USA wird wieder Fahrt aufnehmen. Wer Hühner hält, Landwirtschaft betreibt oder Pferde hat, kauft hier. Das Unternehmen hat einen extrem tiefen Burggraben in ländlichen Regionen, wo Amazon und Co. schwächer sind. Eine wunderbare Zinseszins-Maschine, die nach einer Konsolidierungsphase wieder günstig zu haben ist. Der Retailer hat ein paar schwache Quartale. Weil die Verbraucher unter der hohen Inflation leiden, kaufen sie weniger.

7. Norwegian Cruise Line (NCLH) Die Kreuzfahrtgesellschaft hat nach der Pandemie enorme Schulden angehäuft. Sorgen um die Konsumlaune der Verbraucher brachten den Kurs zuletzt wieder unter Druck. Die Buchungslage ist langfristig jedoch stark. Wer an die anhaltende Reisefreude der Babyboomer glaubt, findet hier ein Turnaround-Potenzial. Ich habe Carnival im Depot. Und das Ding bleibt im Depot.

8. Lennar (LEN) Ähnlich wie bei Builders FirstSource leidet der zweitgrößte Hausbauer der USA unter der Zinssorge. Gerade gestern sind die Leitzinsen angehoben worden. Das drückt natürlich auf die Stimmung, Hypotheken und Finanzierungen verteuern sich. Von der Spitze hat sich die Lennar-Aktie fast halbiert. Lennar ist jedoch hochprofitabel, hat seine Schulden massiv abgebaut und generiert viel Cash. Wenn Amerika baut, baut Lennar – mit einem 12er Kurs-Gewinn-Verhältnissen (KGV) ein echtes Schnäppchen. Die Dividende 2,5%. Ich habe den Rivalen Toll Brothers im Depot, der steht trotz der Flaute um 150% im Plus. Und auch Toll bleibt in meinem Depot.

9. Rollins (ROL) Das Unternehmen hinter der Marke „Orkin“ bekämpft Schädlinge (Ratten, Termiten etc.). Das Geschäft ist absolut rezessionsresistent, wiederkehrend und hochgradig planbar. Die Aktie ist historisch immer teuer gewesen, weil das Geschäft eben bombensicher ist. Nun bietet der Kursrückgang eine seltene Gelegenheit, sich diesen verlässlichen Compounder günstiger ins Depot zu legen. Der Konzern ist etabliert: 850 Niederlassungen kümmern sich um 2,8 Millionen Kunden weltweit. Und der Cashflow wandert in Aktienrückkäufe, Dividenden und Deals. Einst begann das Unternehmen als Radiostation.

10. Netflix (NFLX) Der Pionier im Streaming-Markt aus Kalifornier war lange ein Highflyer. Doch seit 2 Jahren herrscht Sorge. Der Markt fürchtet eine Sättigung der Abonnentenzahlen oder Konkurrenz durch Disney und Amazon. Was jedoch übersehen wird: Netflix ist der einzige reine Streaming-Anbieter, der mittlerweile massive, freie Cashflows produziert. Jedes Quartal klingen Milliardenprofite in der Kasse. Im zweiten Quartal waren 3,4 Milliarden Dollar. Das ist alles andere als ein Sanierungsfall. Es handelt sich vielmehr um eine Gelddruckmaschine. Netflix ist mein zweitbester Wert im Depot.

11. Fair Isaac (FICO) Jeder Amerikaner kennt den „FICO-Score“, die Bonitätsbewertung, an der beim Haus- oder Autokauf kein Weg vorbeiführt. Auch wer eine Kreditkarte beantragt, braucht eine Bonitätskennziffer, die die Bank vorab überprüft. Es ist ein absolutes Monopol. Wenn die Kreditvergabe stottert, leidet der Kurs. Langfristig ist die Preissetzungsmacht dieses Unternehmens jedoch gigantisch. Klar gibt es neue Konkurrenz. Das hat dazu geführt, dass sich der Kurs vom Top mehr als halbiert hat. Bitte! Fair Isaac war lange Zeit zu teuer im Kurs, jetzt ist die Aktie wieder richtig attraktiv. Das KGV beträgt nur noch 18.

12. Lennox International (LII) Lennox baut Klimaanlagen und Heizsysteme. Auch das ist ein herrlich langweiliges Geschäft. Klimaanlagen gehen kaputt und müssen ersetzt werden – unabhängig von der Wirtschaftslage. Und der Klimawandel macht das Geschäft noch wichtiger. Die Aktie geriet durch eine schwächere Baukonjunktur unter Druck, aber das Ersatzgeschäft stützt langfristig. Das KGV ist unter 14.

13. Deckers Outdoor (DECK) Die Muttergesellschaft der Trend-Schuhmarken UGG und HOKA feierte Rekorde. Das Wachstum war in den letzten Jahren explosiv. Nun kühlt sich das Momentum ab, was die Wachstumsaktionäre in Panik versetzte und die Aktie ausverkaufte. Das KGV beträgt nun läppische 10. Wer auf starke Marken setzt, findet hier ein wesentlich gesünderes Bewertungsniveau.

14. KKR (KKR) Einer der größten Private-Equity- und Vermögensverwalter der Welt. Wenn die Zinsen hoch sind und weniger Firmenübernahmen stattfinden, flacht das Geschäft ab. Langfristig fließt jedoch immer mehr Geld in alternative Anlagen. KKR sitzt auf enormen Mengen an „Dry Powder“ (nicht investiertem Kapital) und ist bestens für den nächsten Zyklus aufgestellt. Ich habe KKR ins Depot genommen, die Insider kaufen auch die Aktie, besonders Anfang des Jahres 2026.

Bewertung im Überblick

Hier ist der schnelle Blick auf die Bewertungskennzahlen (geschätzte KGVs und aktuelle Dividendenrenditen, Stand Herbst 2026). Beachte: Qualitätsunternehmen wie Rollins oder Fair Isaac wirken optisch immer noch teuer, sind aber historisch gesehen in einem attraktiven Fenster. Andere wie Lennar oder Norwegian Cruise Line sind Value-Schnäppchen.

UnternehmenTickerKGV (erwartet)Dividendenrendite
LennarLEN~ 9,51,6 %
Norwegian Cruise LineNCLH~ 11,50,0 %
Builders FirstSourceBLDR~ 13,30,0 % (Aktienrückkäufe)
KKRKKR~ 14,51,5 %
PentairPNR~ 15,51,7 %
Deckers OutdoorDECK~ 16,50,0 %
Tractor SupplyTSCO~ 18,02,2 %
Lennox InternationalLII~ 21,01,4 %
NikeNKE~ 22,01,8 %
OracleORCL~ 26,91,3 %
ZoetisZTS~ 28,52,9 %
NetflixNFLX~ 29,00,0 %
RollinsROL~ 38,01,3 %
Fair IsaacFICO~ 45,00,0 %

Hinweis: Unternehmen mit 0,0% Dividende belohnen ihre Aktionäre oft durch signifikante Aktienrückkäufe (wie Builders FirstSource), was den Wert eurer Anteile ebenfalls stetig steigert.

Fazit: 

Lass dich von roten Vorzeichen auf 12-Monats-Kurs-Sicht nicht aus der Ruhe bringen. Aktienmärkte atmen ein und aus. Kauf Qualität, wenn sie niemand haben will. Leg sie ins Depot, reinvestiere die Dividenden und lass einfach die Zeit für dich arbeiten. Geduld zahlt sich aus.

Bleibt stoisch, Euer Tim

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Tim
1 Stunde vor

Danke Tim für deine Motivation. Habe tractor supply und Nike . Bleibe dabei und Dividenden w erden in den gleichen Wert reinvestiert.

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