Milliarden mit Burggräben: Warum Star-Investor Chris Hohn jetzt auf Schotter und Sand setzt

Grüße aus New York!

Wenn wir über die ganz Großen der Wall Street sprechen, fallen meist Namen wie Warren Buffett, Ray Dalio oder Ken Griffin. Doch ein Mann fliegt in der breiten Öffentlichkeit oft unter dem Radar, obwohl er die Branche zuletzt deklassiert hat: Sir Christopher Hohn (59). Mit seinem Hedgefonds TCI Fund Management (The Children’s Investment Fund) brach er 2025 einen historischen Rekord. Hohn erwirtschaftete in einem einzigen Jahr schier unglaubliche 18,9 Milliarden Dollar Nettogewinn für seine Klienten – der größte Jahresgewinn, den ein Hedgefonds jemals erzielt hat.

Wie macht dieser Mann das? Und noch viel wichtiger: Welche Aktien kauft er aktuell, um diesen Erfolg fortzusetzen? Ein Blick in die jüngsten SEC-Pflichtmitteilungen (13F) für das zweite Quartal 2026 offenbart spannende Umschichtungen in seinem gigantischen, knapp 53 Milliarden Dollar schweren Portfolio.

Die Hohn-Strategie: Extreme Konzentration und brutale Marktmacht

Während viele Fondsmanager ihr Risiko über hunderte Aktien streuen, fährt Hohn einen radikalen Kurs der extremen Konzentration ähnlich wie das der New Yorker Milliardär Bill Ackman macht. Hohns‘ gesamtes US-Aktienportfolio besteht derzeit aus gerade einmal 11 Positionen.

Seine Philosophie lässt sich auf wenige, aber harte Kriterien herunterbrechen:

  • Absolute Burggräben (Moats): Hohn sucht nach Unternehmen, die de facto Monopole oder Oligopole bilden. Ein Blick auf seine Top-Positionen zeigt das deutlich: GE Aerospace (über 33 % Depotanteil!), VisaMoody’s und S&P Global. Das sind Ratingagenturen, Kreditkartennetzwerke und Triebwerksbauer – Geschäfte, in die ein neuer Konkurrent praktisch nicht eindringen kann.
  • Preissetzungsmacht & Cashflow: Er will Unternehmen, die ihre Preise anheben können, ohne Kunden zu verlieren, und die massive freie Cashflows generieren.
  • Aktivismus & ESG: Hohn ist berüchtigt dafür, sich als aktivistischer Investor massiv in das Management einzumischen. Er fordert Effizienz, Aktienrückkäufe und zwingt Unternehmen oft dazu, strenge Klimaschutzpläne (ESG) umzusetzen.
  • Geduld: Er ist kein Daytrader. Hohn kauft exzellente Unternehmen und lässt den Zinseszins über viele Jahre für sich arbeiten.

Der Paukenschlag im Sommer 2026: Microsoft fliegt raus

Bevor wir zu den Käufen kommen, müssen wir über einen bemerkenswerten Verkauf sprechen. Hohn hat sich im zweiten Quartal 2026 komplett von Microsoft verabschiedet und alle verbliebenen 2,7 Millionen Aktien auf den Markt geworfen. Noch kurz zuvor zählte der Tech-Gigant zu seinen absoluten Kerninvestments.

Warum der Ausstieg? Das TCI-Management äußert sich selten öffentlich zu Einzeltrades, aber als Value-Investoren können wir die Motive erahnen: Die Bewertungen im Big-Tech-Sektor sind durch den anhaltenden KI-Hype extrem heiß gelaufen. Hohn hat hier schlichtweg Kasse gemacht und Gewinne aus einer fantastischen Kursrallye mitgenommen, weil ihm die Fallhöhe bei der aktuellen Bewertung offensichtlich zu groß wurde. Stattdessen hat er seine Position bei der Google-Mutter Alphabet (Klasse C) im gleichen Quartal um über 12 % massiv aufgestockt, aber auch die Suchmaschine wird gewiss teuer bewertet.

Die neuen Positionen: Lokale Monopole aus Stein und Schotter

Das Geld aus dem Microsoft-Verkauf hat Hohn nicht auf dem Tagesgeldkonto geparkt. Er hat stattdessen im zweiten Quartal zwei komplett neue Positionen in sein Depot aufgenommen, die auf den ersten Blick so gar nicht nach hochprofitabler Wall-Street-Magie klingen:

  1. Vulcan Materials Company (VMC): 2,45 Millionen Aktien (ca. 1,3 % Depotanteil)
  2. Martin Marietta Materials Inc (MLM): 1,32 Millionen Aktien (ca. 1,4 % Depotanteil)

Was machen diese Firmen? Sie betreiben Steinbrüche und fördern Zuschlagstoffe (Aggregates) wie Schotter, Sand und Kies, die für die Herstellung von Beton und Asphalt unerlässlich sind.

Warum kauft einer der besten Hedgefondsmanager der Welt Steinbrüche?

Hier zeigt sich die wahre Brillanz von Hohns Value-Ansatz. Das Geschäft mit Schotter und Sand ist das ultimative „Burggraben-Business“:

  • Der Transport-Faktor (Lokale Monopole): Steine sind extrem schwer und billig. Der Transport über weite Strecken per LKW ist so teuer, dass er den Wert des Materials schnell übersteigt. Die Faustregel der Branche lautet: Wer den Steinbruch in der Nähe der Baustelle hat, bekommt den Zuschlag. Das schafft lokale Monopole mit enormer Preissetzungsmacht.
  • „NIMBY“ (Not In My Backyard): Niemand möchte einen neuen, lauten und staubigen Steinbruch in seiner Nachbarschaft haben. Die behördlichen Auflagen und der Widerstand von Anwohnern machen es fast unmöglich, heute noch neue Genehmigungen zu bekommen. Die bestehenden Steinbrüche von Vulcan und Martin Marietta sind daher fast unbezahlbare Assets, die stetig an Wert gewinnen.
  • Der Infrastruktur-Rückenwind: Die USA investieren aktuell hunderte Milliarden in die Erneuerung maroder Straßen, Brücken und Autobahnen. Dafür braucht man gigantische Mengen an Asphalt und Beton – und damit den Schotter von Hohns neuen Depotwerten.

Ich habe übrigens für die Börse Stuttgart Anfang August eine Kolumne genau über diese Zementwerke geschrieben und das enorme Potenzial herausgearbeitet: „Baustoffe: Das Gold von Morgen. Ohne sie geht nichts!“ Mein Artikel erschien im Anlegerclub, bevor Hohns neue Zement-Investments publik geworden sind. Apropos Zement: Mein Favorit ist Heidelberg Materials, weil die Aktie sehr günstig im Moment ist. Die Anmeldung zum Anlegerclub (Börse Stuttgart) ist kostenlos. Und noch was: Vulcan Materials war eine der besten Aktien der Welt in den vergangenen 100 Jahren für Buy-and-Hold-Anleger.

Hier ist Hohns Depot auf einen Blick:

Mein Takeaway für uns Langfrist-Anleger:

Wir müssen Chris Hohns Depot nicht blind kopieren. Aber wir können von seiner Denkweise lernen. Erfolg an der Börse erfordert nicht, ständig den heißesten Tech-Trends hinterherzurennen. Echte Renditen entstehen, wenn man extrem profitable Unternehmen mit unüberwindbaren Wettbewerbsvorteilen (Burggräben) findet – selbst wenn deren Geschäftsmodell so „langweilig“ ist wie das Brechen von Steinen. Kauft Qualität, bleibt konzentriert und lasst den Zinseszins die harte Arbeit machen. Ich besitze deshalb die führenden Forstbetriebe (Weyerhaeuser, Rayonier), Eierfarmer (Cal-Maine), Schraubenverkäufer () und Tabakhersteller (Altria). Je langweiliger, desto besser inmitten des KI-Hypes.

Hier hat Chris Hohn dem norwegischen Pensionsfonds, er ist der größte der Welt, ein spannendes Interview gegeben. Eigentlich lebt er zurückgezogen, gibt selten ein Interview. Lange Zeit existierte kein Foto von ihm in der Öffentlichkeit:

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