S&P 500 durchbricht 7.000 Punkte: Warum sich Geduld an der Börse auszahlt

Die Wall Street blickt optimistisch in die Zukunft – und straft alle Crash-Propheten ab. Trotz globaler Krisen hat der S&P 500 ein historisches Rekordhoch erreicht. Was wir als langfristige Anleger daraus lernen können.

Wer in den letzten Wochen nur die düsteren Schlagzeilen verfolgt hat, dürfte sich aktuell verwundert die Augen reiben. Im Nahen Osten herrscht ein schwerer Konflikt zwischen den USA, Israel und dem Iran, die Straße von Hormus ist blockiert. Und der Internationale Währungsfonds IWF warnt mal wieder vor einer globalen Rezession. Und was macht die Börse? Sie klettert munter weiter.

Der S&P 500 hat an diesem Mittwoch ein neues Allzeithoch markiert und erstmals die magische Grenze von 7.000 Punkten überschritten. Damit hat der Index nicht nur die Verluste vom Kriegsbeginn Ende Februar komplett wettgemacht, sondern liegt sogar 2 Prozent im Plus.

Hier zeigt sich wieder einmal eine der wichtigsten Grundregeln an der Börse: Politische Börsen haben kurze Beine. Und wer in Panik verkauft, verliert.

Die Hoffnung auf Frieden treibt die Kurse

Der Markt schaut immer in die Zukunft. Aktuell preisen Anleger ein baldiges Ende des Konflikts ein. Auch wenn die jüngsten Friedensgespräche in Pakistan noch keinen finalen Durchbruch brachten, signalisiert die US-Regierung unter Präsident Donald Trump zunehmend Kompromissbereitschaft. Trump steht unter Druck, die Ölpreise sind massiv während des Krieges gestiegen, die Bürger sind über die steigenden Preise verunsichert und verärgert. Allein die Aussicht auf Entspannung hat gereicht, um die Börsenmärkte massiv zu beruhigen.

Der S&P 500 steuert nun auf die dritte Gewinnwoche in Folge zu – ein Kunststück, das wir zuletzt im vergangenen Oktober gesehen haben. Seit dem Tiefpunkt Ende März ist der Leitindex um satte 10 % nach oben geschossen.

Fundamental starke Zahlen statt nackter Panik

Während Makro-Ökonomen und Notenbanker wie EZB-Chefin Christine Lagarde sich über die „scheinbare Euphorie“ der Anleger wundern, schauen wir uns doch einfach mal die harten Fakten an: die Unternehmensgewinne.

Analysten erwarten das sechste Quartal in Folge mit zweistelligem Gewinnwachstum! Einige sprechen sogar von der besten Berichtssaison seit fünf Jahren. Solange die Unternehmen gutes Geld verdienen, folgen langfristig auch die Aktienkurse. Ein paar Beispiele aus dem Bankensektor gefällig?

Trotz der Sorgen um hohe Energiekosten durch den Ölpreisanstieg bleibt der Arbeitsmarkt in den USA extrem robust.

Eine breite Rallye – nicht nur Big Tech

Besonders erfreulich ist, dass diese Erholung nicht nur von ein paar wenigen KI-Giganten getragen wird. Auch der Russell 2000, der Index der kleineren Unternehmen, hat seit Ende März um über 12% zugelegt und notiert nur noch hauchdünn unter seinem Rekordhoch. Das zeigt: Der Aufschwung hat ein breites Fundament. Mehr als 80% der S&P-500-Unternehmen stehen heute höher als noch am 30. März. Das ist eine Leistung!

Fazit: Kurs halten, Dividenden kassieren, weiter investieren

Natürlich gibt es Risiken. Die Bank of America weist zu Recht darauf hin, dass die Auswirkungen der blockierten Schifffahrtsrouten auf die Inflation noch nicht vollständig ausgestanden sind. Bei einigen Konsumgüterherstellern wie General Mills oder Dollar General, die stark unter den Energiekosten leiden, notieren die Aktienkurse noch gut 20 Prozent im Minus.

Aber das Risiko gehört an der Börse nun mal dazu. Als Buy-and-Hold-Anleger lassen wir uns von kurzfristigen Krisen nicht aus der Ruhe bringen. Wer solide Unternehmen kauft, Krisen aussitzt und stur dabei bleibt, wird auf lange Sicht belohnt. Die 7.000 Punkte im S&P 500 sind dafür der beste Beweis. Und es werden auch 8.000, 9.000 und 10.000 Punkte erreicht werden. Da bin ich mir ziemlich sicher. Es ist nur eine Frage der Zeit.

Bleibt diszipliniert!

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Info
1 Tag zuvor

Aufgrund von Meldungen wie „Der S&P 500 (oder der DAX) hat dieses Jahr um X % zugelegt” bin ich von Einzeltiteln zu Indizes gewechselt. In meinem Depot spiegelten sich diese Meldungen zu den „Märkten” (z. B. zum Jahresende) nicht wider.

Hätte ich noch mein altes Depot mit Einzeltiteln, wäre dieses jetzt blutrot. Heute hat mein Weltindex ein weiteres Allzeithoch erreicht. Und das bei dieser geopolitischen Situation! Der Iran-Krieg und vor allem seine wirtschaftlichen Folgen sind noch lange nicht ausgestanden.

Hoffen wir für die Menschen vor Ort und in der gesamten Region, dass der Krieg bald endet.

Sven
1 Tag zuvor
Antwort auf  Info

Amen!
Stockpicking ist nur was für Profis meines Erachtens nach.

Gurki
1 Tag zuvor
Antwort auf  Sven

Nicht umsonst gibt es ja Statistiken. So auch von JP Morgan. Die sagen nämlich dass die Privatanleger zwischen 2001 und 2021 gerade mal 3,6% p.a. gemacht haben. Also dass sie nicht nur den Index nicht geschlagen haben, sondern nicht mal ansatzweise in die Nähe der Indexrendite gekommen sind. Wahrscheinlich ist das bei sehr vielen – auch die Leser hier – so. Nur dass viele private Investoren sich aber auch nicht mit dem Index vergleichen. Ich lese dann immer; „Wozu auch? Läuft doch“. Ja, ist halt fraglich wie es läuft.

Captn Obvious
1 Tag zuvor
Antwort auf  Sven

Das sehe ich nicht so. Ich bin kein Profi und habe mit vielen meiner Einzelwerte massive Gewinne. Bei Tim ist das genauso. Er ist Journalist und kein Hedgefond Manager. Wenn man sich an die Regeln hält, hat man auch als Normalo gute Chancen auf eine Outperformance.

slowroller
1 Tag zuvor
Antwort auf  Sven

Ich würde das nochmal unterteilen: aktives Trading ist etwas für Profis. Diese könnten hier einen Vorteil haben, wenn sie entweder mehr Informationen, günstigere Tradingkosten und/oder möglichkeiten haben Arbitrage-Gewinne zu realisieren.

„Stockpicker“ kann einfach der Buy/Holder sein, der wie Tim breit diversifiziert Aktien kauft und die liegen lässt. Damit ist man on the long run ähnlich aufgestellt wie ein ETF, auch wenn das immernoch große Vorteile hat.

Sven
4 Stunden zuvor
Antwort auf  slowroller

Ja dennoch braucht man dafür a) die Masse und b) das Durchhaltevermögen bei der Strategieanwendung. Wenn Leute sich 200€ vom Munde im Monat absparen, dann kostet es große Diszplin sich ein breit gestreutes Portfolio aufzubauen mit sagen wir 20 Einzelaktien.

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