An der Wall Street herrscht wieder einmal die pure Hysterie. Während Nvidia von Rekord zu Rekord eilt und Investoren jeden Kursaufschlag zahlen, wird Intel wie ein hoffnungsloser Sanierungsfall gehandelt. Die Stimmung rund um das US-Traditionsunternehmen ist auf einem historischen Tiefpunkt – relativ gesehen zur Konkurrenz. Doch genau hier beginnt die klassische Value-Chance: Wenn die Masse abwinkt, greifen antizyklische Anleger zu.
Der Markt vergisst die zweite Reihe der KI-Infrastruktur
Die landläufige Meinung lautet: Intel hat den KI-Zug komplett verpasst. Das ist kurzsichtig. Künstliche Intelligenz besteht nicht ausschließlich aus High-End-GPUs für das Modell-Training. Für jedes KI-Rechenzentrum braucht es gigantische Mengen an Server-CPUs, Speicherarchitekturen und Controllern – Bereiche, in denen Intel trotz harter Konkurrenz von AMD nach wie vor enorme Marktanteile hält.
Dazu kommt der nächste große Zyklus: Edge-AI. Wenn Inferenz-Berechnungen künftig direkt auf Laptops, PCs und Endgeräten laufen, führt kaum ein Weg an modernen x86-Architekturen vorbei. Intels neue Prozessorgenerationen mit integrierten NPUs zielen genau auf dieses millionenfache Mengengeschäft ab.

Der unterschätzte Burggraben: Eigene Fabs
Nvidia, AMD, Apple oder Qualcomm besitzen allesamt keine eigenen Fabriken. Sie sind komplett von TSMC und der geopolitisch hochgradig brisanten Lage in Taiwan abhängig. Intel hingegen baut mit gewaltigen Investitionen und Milliardenhilfen aus dem US CHIPS Act sowie europäischen Fördertöpfen eine westliche Foundry-Alternative auf. Somit will Intel das taiwanische Erfolgsmodell kopieren. Allerdings geht es hier schleppender voran, als zunächst gedacht. So wollten die Amerikaner eigentlich auch in Magdeburg eine Fabrik bauen, doch gaben sie die Pläne trotz hoher Subventionszusagen auf.
Nun fokussiert sich Intel auf 2 Standorte für die gigantischen Fabs: Arizona und Ohio, wie insgesamt 4 neue Halbleiter-Fabriken gebraut werden.
- Strategischer Wert: Die weltgrößte Wirtschaftsmacht USA kann es sich geopolitisch nicht leisten, Intel scheitern zu lassen.
- Investitionsspitze: Aktuell drücken die enormen Fabrik-Investitionen die Margen und den freien Cashflow. Sobald diese modernen Fabs (Intel 18A und folgende) jedoch produzieren und externe Aufträge annehmen, greift der Hebel aus sinkenden Investitionsausgaben und steigenden Einnahmen.
- Bewertungsdiskrepanz: Gemessen am Buchwert, den gigantischen Sachanlagen und dem strategischen Wert der Halbleiter-Infrastruktur notiert Intel auf einem Bewertungsniveau, das einem dauerhaften Niedergang gleichkommt.
Geduld schlägt Hype
Mr. Market reagiert wie gewohnt extrem: Was heute glänzt, wird bis ins Unendliche hochgejubelt. Wer eine Durststrecke durchläuft, wird abgeschrieben. Wer Intel heute kauft, bezahlt praktisch nichts für die Turnaround-Fantasie im Foundry-Geschäft und die massiven Chancen im KI-PC-Markt. Für Anleger mit einem Zeithorizont von fünf bis zehn Jahren bietet die Aktie genau das, was an den überhitzten Märkten kaum noch zu finden ist: eine massive Sicherheitsmarge bei einem unverzichtbaren Tech-Schwergewicht.
Großaktionäre bei Intel sind die USA (8,25%), Nvidia (4,1%) und die japanische Beteiligungsgesellschaft Softbank (1,65%) sowie der norwegische Pensionsfonds (1,17%).
Apropos Intel: Ich habe die Aktie im Depot. Und sie bleibt dort. Eventuell stocke ich die Position weiter auf. Ich habe fast 400 Stück im Wert von über 37.000 Dollar. Ich stehe 86% im Plus. Wenn man das aber vergleicht mit AMD, TSMC oder Nvidia ist die Performance extrem mager:

Das ist eine interessante Sichtweise auf intel, die ich seit Dekaden im Depot habe (und die mal ein guter Dividendenzahler war, bevor sich abgestürzt sind). Ich hatte sie längst abgeschrieben und wollte sie schon dauernd rausschmeißen als sie nach dem Einstieg der US-Regierung plötzlich wieder Lebenszeichen von sich gab.
Mit einem Mal war sie dann 500% im plus. Bei über 120 € habe ich dann mal 20 % verkauft. War bisher zufällig der peak. Seither ist sie wieder deutlich zurück gekommen. Sie schreiben immer noch Verlust, was mit den Investitionen zu tun haben wird. Ob die Labs nicht zu spät kommen und der Halbleiterboom nicht dann bereits wieder am Abklingen ist, muss sich erst noch zeigen. Eine Bewertung finde ich daher schwierig.
Elon Musk baut jetzt ja auch (darunter macht er es nicht) eine Terafab – das größte jemals errichtete Gebäude soll es werden.
Mich erinnert da zu viel an die dotcom-Blase, um zu euphorisch zu werden.