US-Banken schneiden gut ab, in Japan droht neues Desaster


New York, 14. März 2012

Wie geschmiert läuft die Börse. Der Dow-Jones-Index legte um 1,7 Prozent auf 13.177 Punkte zu. Der höchste Stand seit mehr als vier Jahren! Das wird auf dem Parkett gefeiert. Es herrscht Jubelstimmung. Passend zu dem wunderschönen Wetter. Ob S&P 500, Nasdaq oder DAX – alle Indizes schneiden mit fetten Zuwächsen ab. Und das, obwohl die Masse der Anleger noch gar nicht zurück ist auf dem Parkett. Es ist gar nicht auszumalen, was mit den Kursen passiert, wenn die Horde zurück an die Börse rennt.
Was treibt die Kurse an? Angetrieben werden die Kurse von den Gelddruckmaschinen der Industriestaaten. EZB und FED haben die Märkte mit ständig frischen Euros und Dollars überflutet. Die europäischen Banken können sich nun ihr Geld für 1,00 Prozent von der EZB leihen. Zu deutlich höhere Kreditzinsen reichen die Institute die Asche an die Verbraucher weiter (denken Sie nur an die teuren Überziehungszinsen in Ihrem Girokonto). Auch kommt die Industrie, wenn sie sich Geld bei den Banken borgt, nicht in den Genuss der super-niedrigen Rate. Von der Zins-Differenz können die Institute jetzt fürstlich leben – wären da nicht die Altlasten in den Bankbilanzen. Doch auch diese sind weitgehend bereinigt.
Am Dienstag haben die meisten US-Großbanken einen Stresstest positiv überstanden. Die Citigroup bestand den Krisentest allerdings nicht. Doch dürfte diese New Yorker Großbaustelle bald saniert sein. Einer muss halt immer der Letzte sein.
JP Morgan gab gerade bekannt, die Quartalsdividende um 20 Prozent auf 30 Cents zu erhöhen. Der Vorstand kündigte außerdem ein 15 Milliarden Dollar schweres Aktienrückkaufprogramm an. In den USA müssen sich seit der Finanzkrise die Banken Dividendenausschüttungen und Aktienrückkäufe von den Regulierern vorab genehmigen lassen. Die Behörden wollen sicher gehen, dass die Institute nicht zu viel ihrer Substanz ausschütten. Washington achtet mit Argusaugen darauf, dass im Falle einer neuen Krise alle stark genug sind, um diese ohne allzu große Blessuren überstehen zu können.
In Deutschland hingegen dürfen die Banken tun, was sie wollen. Solange nicht der Staat selbst unter den Großaktionären ist, hält sich die Merkel-Regierung heraus. In Berlin und Brüssel herrschte zu lange eine ignorante Laissez-Faire-Politik. Noch immer haben unsere Politiker und Behörden nichts aus dem Desaster vor vier Jahren gelernt. Das konnte man schön erkennen, als unser deutscher Bankenprimus erst munter Dividenden voriges Jahr auskehrte, um dann später festzustellen, dass das Eigenkapital nicht ausreichte. So unterschiedlich agieren nun mal Politiker. Die Amerikaner haben jedenfalls meiner Meinung nach die richtigen Schlüsse aus dem Desaster gezogen. Diese strenge Haltung nutzt im Endeffekt allen – einschließlich den Finanzdienstleistern selbst.
Präsident Barack Obama sagte kürzlich: „Ich lehne es ab, unseren Kindern Schulden zu überlassen, die sie nicht mehr zurückzahlen können.“ Natürlich liefen die Republikaner Sturm gegen diese Aussage. Zu Recht. Der Spruch des Staatsoberhaupts war mal wieder so ein Witz. Ich weiß nicht, wie Obama jemals den Schuldenberg abtragen will. Er wird es nie schaffen, die Last auf ein vertretbares Niveau zu reduzieren – selbst bei einem Wiedereinzug ins Weiße Haus nicht. Die Schulden explodieren unaufhaltsam. Auch im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt nehmen die US-Schuldenstände immer größere Ausmaße an, wie diese Grafik zeigt.
Politiker sind nun einmal dazu da, um tendenziell mehr zu verteilen, anstatt einzusparen. Wer den Spielregeln des Gebens nicht folgt, wird nicht wiedergewählt beziehungsweise der bekommt die Stimmen im Parlament nicht mehr zusammen, wie der Rücktritt unseres Kanzlers Gerhard Schröder 2005 gezeigt hat.
Dieses Dilemma des ständigen Geschenke-Gebens an das Wahlvolk ist weltweit zu beobachten. Wo das hinführt, zeigt Japan. Hier hat der Staat zu über 200 Prozent seines Bruttoinlandsprodukts mit Schulden überfrachtet. Eine gute Übersicht der weltweiten Verschuldung einzelner Länder finden Sie im „World Factbook“ des CIA. Japans Verschuldungsgrad ist unglaublich hoch. Das Kartenhaus ist hier noch nicht zusammengefallen, weil die landeseigenen Banken und Versicherungen wie verrückt die Staatsanleihen kaufen. Das System stützt sich also selbst. Mich würde es nicht wundern, wenn Japan eines Tages finanziell unter der Schuldenlast kollabiert. So wie wir das in Griechenland gesehen haben.
Vergangene Woche wurde der Opfer des Tsunamis und der Nuklearkatastrophe in Fukushima vor genau einem Jahr gedacht. Was viele bei dieser schrecklichen Katastrophe zu übersehen scheinen: In den kommenden vier Jahren liegt die Wahrscheinlichkeit eines neuen Erdbebens in Tokio bei beachtlichen 70 Prozent. So etwas könnte erneut unvorstellbares Leid bedeuten. Außerdem sind die wirtschaftlichen Risiken für ein solches Szenario kaum auszumalen für Japan. Daher kaufe ich keine japanischen Aktien, obwohl es dort viele Value-Werte gibt.
Ich lege meine Taler lieber in Deutschland und den USA in hochsolide Dividendenzahler an. Im DAX, MDAX, SDAX und Dow Jones ist fast jedes dritte Unternehmen spannend. KGVs unter 15 mitsamt Dividendenrenditen zwischen drei bis sechs Prozent, was will man eigentlich als Anleger mehr? Rein gar nichts! Zur Aktie gibt es einfach keine Alternative. Ende Gelände.


tim schaefer (Author)

drucken


Gedanken zu „US-Banken schneiden gut ab, in Japan droht neues Desaster

  1. Skeptiker

    Hallo,

    wen ich eins gelernt habe, dann das Prognosen (egal in welchem Bereich,solange Sie die Zukunft betreffen) ein Blick in die Glasskugel sind!

    Ob Aktienkurse, Wetter, Klimaentwicklung, Bevölkerungsentwicklung etc.

    Auch wen noch so viele plausible Zahlen, „Fakten“ (eher Meinungen) dafür sprechen können.
    Ist die Zukunft trotzdem noch völlig offen und mindestens genauso viel spricht dagegen

    Also ist der Satz:
    In den kommenden vier Jahren liegt die Wahrscheinlichkeit eines neuen Erdbebens in Tokio bei beachtlichen 70 Prozent.

    Ist so Aussagekräftig wie ein Horoskop.

    Dazu diese Reportage von YouTube:
    http://www.youtube.com/watch?v=P_Ky0GknAaM

    Und ganz wichtig, auch dieser Kommentar ist nur eine Meinung von vielen keiner kennt die Wahrheit über die Zukunft auch mit noch so vielen Dr. und Prof. im Namen 😉

  2. tim schaefertim schaefer

    Hallo Skeptiker,

    sehr guter Kommentar. Ich möchte nur hinzufügen, dass diese Studie mit der ermittelten Wahrscheinlichkeit von der Uni Tokyo entnommen ist. Das basierte keineswegs auf meinen Annahmen. Ich gebe Ihnen Recht: Solche Annahmen sind mit erheblichen Unsicherheiten verbunden.

  3. Matthäus Piksa

    Ojee, keine gute Prognose der japanischen Erdbebenforscher.
    Ich verstehe nicht, wie man bei solchen Prognosen an der Atomenergie festhalten kann, aber man muss ja nicht alles verstehen. 1995 gab es in Kobe schon einmal ein schreckliches Erdbeben in Japan. – 3 tektonische Platten knallen in und um Japan aufeinander. Es muss somit zwangsläufig krachen.

    Vor einigen Tagen sprach Renate Künast (Grüne) auf einer Podiumsdiskussion davon, dass man bei der Atomenergie nie von einer 100%-igen Sicherheit ausgehen kann. Es müsse nur, ich zitiere „eine Schraube locker sein“ und schon könne eine ungeahnte Kettenreaktion ausgelöst werden, die in einem Super-Gau endet.

    Ob so viel Panikmache angebracht ist, und ob sie wirklich das technische Know-How verfügt oder sich angelesen hat, um das astrein beurteilen zu können, ich weiß es nicht.
    Jedenfalls bleiben wir Deutsche mit unserer German Angst Kritiker Nr. 1 der Atomenergie.

    Auf der gleichen Podiumsdiskussion hieß es auch, dass die Energiewende noch ganz am Anfang stünde, Kilometer 1 eines Marathonlaufs.

    Jetzt wurde auch die Förderung der Solarenergie gekürzt. Unverständlich könnte man meinen, allerdings produzieren die Chinesen die Photovoltaik-Zellen viel günstiger, so dass die Förderung wirklich keinen Sinn mehr macht.

    Das sollte man im Auge behalten, bevor man blindlings in Solarworld&Co. investiert, weil man meint im Bereich Erneuerbare Energie bombensicher zu investieren. Die Konkurrenz ist hart. Generell gilt hier: Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste!

    Erst recht bei den unzähligen Saubere Energien-Fonds der Banken&Co. die bei diesem Modethema Anlagegelder und Provisionen abkassieren möchten und mit der Werbung, durch das ErneuerbareEnergienGesetz seien hohe Erträge quasi garantiert, Seriösität&Sicherheit vorgaukeln.

    Wie man bei der Solarförderung sieht, ist ein Subventionsgesetz schnell abgeschafft oder geändert.

    Ich frage mich außerdem, ob all die Häuslebesitzer bei der Installation der Solaranlangen auf ihren Dächern, meist günstig finanziert durch zinsgünstige KfW-Darlehen, auch berücksichtigt haben, dass solche Anlagen schnell veraltet sein können. Gut, wahrscheinlich gibt es eine Garantie, die Schäden abdeckt. Für die Altverträge gilt ja ohnehin, dass nachträgliche Gesetzesänderungen keinen Einfluss auf die Förderung haben. Klar, sonst würde der Gesetzgeber die Energiewende ja ad absurdum führen.

    Derweil melden alle Versorger in Deutschland, die großen Vier (EON, RWE, ENBW, Vattenfall), Umsatz- und Gewinneinbrüche.
    Zu hoch sind die Einnahmeausfälle durch abgeschaltete Atomkraftwerke, zu hoch die Abgaben durch die Brennelementesteuer und zu politisch die Frage der Energieversorgung in Deutschland. Es ist jetzt schon abzusehen, dass die Energiewende eine Herkulesaufgabe ist.

    Stoff genug jedenfalls um einen eigenen Energie-Blog zu füllen.

    Gruß Matthäus

  4. tim schaefertim schaefer

    Hi Matthäus,

    danke für den gelungenen Beitrag. Die deutsche Solar-Förderung hat viele reich gemacht, aber auch viele arm.

    Wie Du schon sagst, sind Subventionen ziemlich brisant. Denn sie können jederzeit auslaufen oder gekappt werden.
    VG
    Tim

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

bitte lösen Sie diese einfache Aufgabe (Spamschutz) *