Lebensmittel: Hauptsache billig war gestern. Öko ist heute


New York, 8. Juni 2014

bild

In Manhattan gibt es massenweise kleine Eckläden, wo Sie das Nötigste kaufen können. Einen Wal-Mart gibt es nicht in der Nähe. Es ist einfach zu wenig Platz auf der Insel zwischen dem Hudson und East River. Die großen Händler sind außerhalb. Auf der grünen Wiese sozusagen.
Heute war ich in einer Costco-Filiale in Brooklyn mit einem Freund. Sehen Sie mein Foto oben. Costco ist ein Gigant. Vergleichbar mit einer „Cash&Carry“-Filiale der Metro. Die Packungsgrößen sind enorm.
Der preisaggressive US-Discounter breitet sich weltweit aus. England. Kanada. Taiwan. Korea. Japan. Mexiko. Auf dem Eroberungsplan steht auch Deutschland. Ob es allerdings gelingen wird, Edeka, Lidl, Aldi & Co die Butter vom Brot zu nehmen, bezweifle ich. Zum einen ist der Preiswettbewerb in Deutschland enorm, sogar Wal-Mart holte sich eine blutige Nase und verließ Deutschland. Zum anderen sind die Deutschen sicherlich nicht begeistert von einer Mitgliedschaftsgebühr.
Der Costco-Vorstand hat jedenfalls die Albrecht-Brüder mit ihrem Aldi-Konzept zum Vorbild erklärt. Bei Costco dürfen allerdings nur Mitglieder einkaufen. Die Clubkarte kostet 55 Dollar im Jahr, sie ist Costcos wichtigste Gewinnquelle. Milliardensummen spült das Abo in die Kassen, 50 Millionen Mitglieder sind schon an Bord.
Allerdings ändert sich das Shoppingverhalten der Konsumenten. Ich glaube, die Billigheimer bekommen Probleme. Hauptsache billig war früher ein Motto. Mehr und mehr Konsumenten suchen nach nachhaltigen, ökologischen, ethischen Produkten. Das darf ruhig etwas mehr kosten. Die Supermärkte müssen sich also ständig anpassen, sonst bleiben sie auf der Strecke.
Ein Grund sind die sich häufenden Lebensmittelskandale. Das wachsende Übergewicht. Und das schlechte Gewissen. Zum kritischen Nachdenken tragen die Medien bei. Ich gebe Ihnen ein Beispiel. Diese sechsminütige Dokumentation – ganz ohne Worte, nur mit Musik untermalt. Sie beleuchtet Aufzucht, Schlachtung von Tieren mit dem anschließenden Konsum. Das rüttelt schon auf. Krass finde ich gleich zu Beginn wie diese Maschine das lebende Geflügel auf dem Boden aufgreift und später ausspuckt. Sie sehen in dem Video zum Schluss Leute in einem Costco-Markt an der Kasse:

Aus diesem Grund boomen Ökoketten. Es gibt mehr von ihnen. Whole Foods war ein Vorreiter in den USA, der Pionier bekommt Konkurrenz landauf, landab. Selbst Wal-Mart baut das Öko-Angebot aus. Kaum eine Kategorie wächst schneller. Öko ist „in“. Wer hätte vor zehn Jahren gedacht, dass Öko der Wachstumsmarkt schlechthin in der Branche wird? Öko ist wie das Internet. Es breitet sich rasend schnell aus.
Fazit: Öko = zurück zu den Wurzeln.


tim schaefer (Author)

drucken


Gedanken zu „Lebensmittel: Hauptsache billig war gestern. Öko ist heute

  1. Tom

    Hallo Tim,

    langfristig, nachhaltig…
    das naturgesetz verliert seine Gültigkeit auch nicht in der modernen Welt..
    schritte überspringen, verkürzen – geht auf die Dauer schief..
    diesen Lernprozess muss/sollte jeder mensch mal erfahren..

  2. Chris

    Also wenn der Öko-Boom noch entscheidend größer wird, dann werden Unternehmen wie McDonalds, Burger King, CocaCola, Pepsi, Walmart uvm. massive Probleme bekommen. Deren Geschäftsmodell ist nämlich nicht dafür gedacht, dass die Produkte schnell verderben oder nicht in ausreichenden Mengen produziert werden kann. Dann fehlt nämlich der Skaleneffekt von dem diese Unternehmen so profitieren.

    Ich ernähre mich bestimmt schon 2 Jahre „Öko“. Also nicht vegan oder vegetarisch, sondern einfach bewusst. Bspw. zahle ich lieber für ein geiles Steak 10€ und weiß das es vom lokalen Bauern kommt und kann mir die Kühe vllt vorher noch anschauen. Und sonst gibts halt nur Nudeln, Reis, oder Salat.

    Zu dem Thema kann ich den Film Food Inc. nur empfehlen. Gibts auf netflix.

    Cheers

  3. Matthias SchneiderMatthias Schneider

    So viel „Bio“ wie es heute schon in den Discountern gibt, gibt’s gar nicht. Inzwischen ist China schon der viert größte „Bio“-Hersteller. Da ist auch schon viel Abzocke dabei.

    Die Bio-Illusion: Massenware mit Öko-Siegel

    Ich selbst lebe seit ca. 30 Jahren vegetarisch aus ethischen Gesichtspunkten. Ich will keine toten, gequälten Lebewesen in meinem Stoffwechsel wissen. Bin aber kein Dogmatiker, esse „Bio“-Eier, konventionelle Käseprodukte usw.
    Vegan ist schwer auf dem Vormarsch, aber dazu bin ich (noch) nicht bereit. Ich liebe Milchprodukte und Süßkram.

    Hier noch paar Filme (Food Inc auch auf Youtube zu sehen):

    Als Einstimmung was Monsanto so anrichtet, mal diesen Ausschnitt über die Pastizide: Unkräuter die aus der Hölle kommen.

    Mit Gift und Genen

    Food Inc auf Youtube

    MS

  4. Roland Leuenberger

    Hallo Tim,
    Hammer beitrag. Mach weiter so. Ich bin aus der Schweiz, 51, und verwalte unser Familienvermögen nach Philip Fisher/Warren Buffett. Ich verfolge Deine Beiträge seit ca. 6 Monaten. Du bringst es wirklich auf den Punkt. Egal ob es jemand versteht oder nicht. Würde mich mal interessieren was Du Journalistisch sonst so machst.

    Lieber Gruss Roland

  5. tim schaefertim schaefer

    @ Tom
    @ Chris
    @ Matthias

    Ich bin hoffnungsvoll, wir Menschen lernen dazu. Und versuchen, Fehler zu vermeiden. Wenn wir die Regenwälder alle abholzen, alle Wale abschlachten, Flüsse, Böden + Luft verpesten, haben unsere Nachfahren keine so tolle Zukunft. Ich glaube, diese Einsicht setzt sich durch.

    Alles sollte eine Balance haben. Das ist ja bei Unternehmen ähnlich. Sie müssen alles ausbalancieren: Die Interessen der Aktionäre, Mitarbeiter und Gesellschaft (Umwelt, Natur etc.). Wenn es zu egoistisch in eine Richtung läuft, wie wir es vor der Finanzkrise z.B. gesehen haben, wird der Tanker neu ausgerichtet. Es kommt ein neuer Kapitän an Bord, es gibt Rechtsstreitigkeiten, Strafen der Behörden und irgendwann beginnt der Neuanfang.

    @ Roland
    Ich schreibe hauptsächlich für €uro am Sonntag und finanzen.net.

    Danke fürs Lesen. LG an alle

  6. Kayo

    Boah, das Ende vom Video ist ja Spitze !
    Macht so richtig deutlich, wofür wir die Natur und die armen Viecher so ausbeuten: Um richtig schön zu prassen, uns vollzufressen und fett und krank zu werden. Nach ein paar Jahren geht`s zum Arzt und der verschreibt dann Pillen gegen die Völlerei.
    Leute, ich brauch noch `n paar Pharmaktien …

  7. Jens

    Die Wachstumsraten bei Bio sind zwar hoch, aber von einem sehr niedrigen Nivaeu. Ob sich dieser Trend ewig so fortsetzt bezweifel ich. Bei immer mehr Menschen setzt sich die erkenntnis durch, dass Bio Produkte nicht automatisch gesünder sind. Im Bio Bereich geht es sehr viel um Ideologie, und alles was mit ideologie arbeitet geht selten gut.

  8. Olaf

    Erschreckend, das Video.
    Aber auch Bio ist mehr Schein als Sein.
    Man sollte vielleicht versuchen sein Eßverhalten grundsätzlich umzustellen und den Fleischverzehr sehr minimieren.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

bitte lösen Sie diese einfache Aufgabe (Spamschutz) *