Ein Massaker nach dem nächsten in den USA: 300 Millionen Waffen


New York, 18. Dezember 2012

Ständig kommt es in den USA zu Schießereien. Ich war selbst schon „betroffen“. Als ich zum Times Square auf eine Konferenz wollte, war die Straße mitsamt dem Hotel abgeriegelt – nach einem Schusswechsel mit einem Toten. Das war vor einem Jahr, ich denke noch heute daran.
Keine Sorge, New York ist gemessen an der Einwohnerzahl ein sicheres Pflaster. Es hängt mit dem strikten Waffengesetz zusammen, das Bürgermeister Michael Bloomberg in Gang gebracht hat. Das Tragen von Waffen ist strikt verboten. Wer mit einer Pistole in Manhattan erwischt wird, landet im Knast.
In anderen Städten und Bundesstaaten ist das anders. Etliche Texaner fahren mit einem Gewehr im Kofferraum zum Einkaufen.
Jetzt machte ein Massaker Schlagzeilen: Ein 20-jähriger mit einer Persönlichkeitsstörung erschoss 20 Kinder und sechs Erwachsene in einer Grundschule in Connecticut.
Alle paar Monate passieren in den USA solche Massaker. Es ist Alltag geworden. Im Juli hat ein psychisch Kranker in einem Kino in Colorado zur Mitternachtspremiere zwölf Menschen getötet und 58 weitere verletzt.
Mich wundert das nicht. Es gibt fast 300 Millionen Waffen für rund 300 Millionen Einwohner. Das ist der Wahnsinn. Die vielen Schussdinger sollen für Sicherheit sorgen, führen aber zum Gegenteil.
Es gibt einen logischen Zusammenhang: Wenn Waffen in einem Haushalt sind, kommt es häufiger zu Toten. Sind keine Waffen im Haus, sind seltener Tote durch Schusswaffengebrauch zu beklagen. Das leuchtet ein. Eines Tages ist eben jemand stinksauer, die Emotionen kochen hoch und schwups greift jemand zur Waffe. Es gibt depressive Menschen, Alkoholiker, Drogenabhängige, Verrückte, Kriminelle – sie haben einen einfachen Zugang zu Gewehren.
9.100 Amerikaner werden jedes Jahr durch Schusswaffen getötet. Weitere 17.000 töten sich selbst mit ihnen. 680 Menschen sterben aus Versehen jedes Jahr. Davon werden 100 beim Putzen der Waffen verletzt oder getötet.
Wer die Statistiken liest, wird schnell merken, wie verrückt das alles ist. Was soll der Blödsinn? Die geladene Pistole in einem friedlichen Einfamilienhaus mit Kindern, Frau, Gatten und Haustier soll Schutz bieten? Schutz vor wem oder was? Es soll die perfekte Familie sein? Die Schießeisen sind viel zu gefährlich. Anstatt zu schützen, richten sie blutige Schäden an.
In Deutschland gibt es vielleicht 30 oder 100 Todesfälle durch Schusswaffengebrauch. Vergleichen Sie: In den USA sind es 25.000 oder 26.000 jedes Jahr.
Meine Schlussfolgerung: Verbietet nahezu alle Waffen. Die Anordnung, die 300.000 Waffen in den Privathaushalten einzusammeln, wäre ein Segen (ich weiß, es ist nahezu unmöglich, weil die Menschen sie im Garten und auf dem Dachboden verstecken würden). Trotzdem muss etwas getan werden. Wie kann es sein, dass ein psychisch Kranker ein Maschinengewehr kaufen kann?
Nach jedem Massaker verspricht Präsident Barack Obama, etwas tun zu wollen. Bislang waren das nur leere Worte.


tim schaefer (Author)

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Gedanken zu „Ein Massaker nach dem nächsten in den USA: 300 Millionen Waffen

  1. Martin

    Vielleicht könnten erst einmal größere Kaliber und halbautomatische Waffen verboten werden. Die zulässige Magazingröße könnte auch reduziert werden.
    Ich kenne mich mit Waffen nicht gut aus. Braucht man so ein AR-15 Gewehr mit 30 Schuss pro Magazin zur Selbstverteidigung?

    In Manhattan habe ich mich im Urlaub auch recht sicher gefühlt, aber meine Freunde wollten z.B. auch lieber kein Bier in Brooklyn trinken gehen.

  2. Matthäus Piksa

    Nach dem Schulmassaker an der Columbine High School vor ca. 10 Jahren hat Michael Moore genau diese Waffenvernarrtheit der Amerikaner thematisiert und einen beeindruckenden Dokumentarfilm gedreht: Bowling for Columbine

    Seit dem wurde viel diskutiert, schärfere Waffengesetze waren bislang noch nicht die Folge.

  3. tim schaefertim schaefer

    @ Martin

    Ein Bier in Brooklyn – das ist kein Problem. Im Jahr 2011 gab es „nur“ rund 200 Mordfälle. Das sind wenige, wenn man die Einwohnerzahl bedenkt und die Toten aus den vergangenen Jahren.

    @ Finanzielle Freiheit mit Dividenden Blog

    Ich fühle mich sicher. Sehr sicher.
    Mit dem starken US-Dividenden-Depot solltest Du den Urlaub unbedingt machen.

    @ Matthäus

    Oh stimmt. Das Problem ist: Es handelt sich um ein riesiges Geschäft. Der Lobbyismus ist einflussreich. Zudem haben die Amerikaner eine liberale Auffassung, wenn es um den Waffenkauf geht. Zum Teil sprechen sich Familien, deren Kind von einem Waffennarr erschossen worden ist, für den freien Waffenbesitz aus.

  4. Matthäus Piksa

    @Tim

    Vor einigen Monaten habe ich mir eine Statistik zu den amerikanischen Kriminalitätsraten angesehen.

    Ergebnis:

    Die Kriminalitätsrate in Amerika ist seit Jahrzehnten relativ konstant!

    Die Statistik, irgendeiner Bundesbehörde, war in die verschiedensten Delikte unterteilt. Es gab hier und da mal ein paar Ausreißer, nach einer gewissen Zeit stabilisierten sich die Werte aber wieder.

    Da die Statistik, ich meine sogar fast 100 Jahre zurückreichte, kam ich zu dem Schluss, dass Amerika heute genauso sicher ist wie noch vor 100 Jahren. – Es geht um die Quote. In absoluten Zahlen gab es allein wegen der wachsenden Bevölkerung in absoluten Zahlen überall Steigerungen.

    Übrigens: Ich habe mir die Statistik, die du oben zu der Info, in Amerika würden jährlich 9.100 Menschen erschossen, verlinkt hast, angesehen.

    Ergebnis:
    Die Mordrate fiel von knapp 10 von 100.000 Menschen, die erschossen werden, im Jahr 1993 auf unter 5 von 100.000 im Jahr 2010!

    Das bedeutet, dass in Amerika immer weniger Menschen durch Schusswaffengebrauch getötet werden, trotz steigender Waffenzahlen.

    Das soll kein Plädoyer für Waffen sein.
    Allerdings stimmt die Formel: „Mehr Waffen=mehr Schusswaffenmorde“ einfach nicht.

    Fazit: Amerika ist ein sicheres Land! Die, im Vergleich zu anderen Ländern zugegebenermaßen hohe, Mordrate durch Schusswaffengebrauch, sinkt seit Jahren!

  5. Matthäus Piksa

    Eine kleine Korrektur:

    Die Mordrate fiel tatsächlich von knapp 10 von 100.000 auf unter 5. Allerdings werden hier alle Methoden (Rate of homicides per 100.000 people – any methods) angeführt.

    Die Zahl der durch Schusswaffengebrauch Getöteten (Number of gun homicides) blieb im Untersuchungszeitraum 1998-2009 mit knapp über 9.000 im Jahr 1998 und knapp über 9.000 im Jahr 2009 relativ konstant. Sagen die Zahlen.

    Das Selbe gilt für die Quote (Rate of Gun Homicide per 100,000 People). Diese blieb im Untersuchungszeitraum 1998-2009 ebenfalls konstant. Es wird noch ein Vergleichswert aus dem Jahr 1993 angezeigt, der eine Rate von über 7 ausweist. Im Vergleich zu diesem Jahr hat sich die Mordrate durch Schusswaffengebrauch also halbiert…

    Trotzdem: Das Ergebnis meiner Analyse bleibt. Mehr Waffen, 2002: ca. 250 Mio. im Vgl. zu 2012: ca. 300 Mio. führten nicht zu einer gefährlicheren Gesamtsituation.

  6. tim schaefertim schaefer

    Der New Yorker Bürgermeister Michael Bloomberg setzt sich wie kaum ein anderer für eine Eindämmung des Waffenbesitzes in den USA ein. Ich habe großen Respekt vor ihm. Hier ist ein neue Initiative Bloombergs zu sehen:

  7. Matthäus Piksa

    @Tim

    Ich bin tendenziell Waffengegner und fühle mit den Familien mit.

    Wir werden sehen, ob die mächtige Waffenlobbyorganisation „National Rifle Association“ hier mitmacht.

    Übrigens: Am gleichen Tag gab es China ebenfalls einen Amoklauf in einer Grundschule. – Trotz Internet- und Informationszensur schaffte es diese Meldung auch bei uns in die Zeitungen.

    Der verrückte Täter soll aus Angst vor dem Weltuntergang gehandelt haben.

    Unterschied Amerika-China: Während in Amerika das ganze Land trauert und führende Politiker mitfühlende Reden halten, versuchen chinesische Behörden das Ereignis totzuschweigen.

  8. tim schaefertim schaefer

    @ Matthäus

    danke. Das Video ist echt witzig. Einfach die Kosten rauf für die Munition. Das wäre die Lösung. Wenn eine Kugel 5.000 Dollar kostet, wird es sicherlich weniger Tote geben. Einfach eine Munitionsteuer einführen wie beim Tabak und Alkohol.

    Sollen sie all die idiotischen MGs verkaufen – aber ohne Munition.

  9. Matthäus Piksa

    @Tim

    Ja genau, Steuererhöhungen auf Munition dürften ein probates Mittel sein, um Verhaltensänderungen herbeizuführen.

    Außerdem muss damit nicht an dem in der Verfassung verankerten Recht Waffen kaufen und besitzen zu dürfen gerüttelt werden.

    Davon mal abgesehen: Die Kurse der Waffenhersteller, wie hier Smith&Wesson, sind jedenfalls, wenn auch auf hohem Niveau, zurückgekommen. Die Anleger flüchten also aus diesen Werten, weil sie befürchten, dass die nun von Obama einberufene Kommission zur Erarbeitung von Reformvorschlägen, Verbote vorschlagen könnte.

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