Deutsches Rentensystem: Willkommen in der Steinzeit


New York, 18. Juni 2013

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Unsere deutsche Regierung verschläft wichtige Reformen. Es geht unnötig Zeit verloren. Es ist traurig. Unsere Altersvorsorge muss dringend auf mehrere vernünftige Pfeiler gestellt werden.
Ein Mix aus kollektiver Umlagenfinanzierung und individuelles Sparen muss dringend in ein Gesetz gegossen werden. Ich schlage ein System auf drei Pfeilern vor. Erstens die gesetzliche Rente. Zweitens eine kapitalgedeckte Rente nach dem Vorbild der USA oder Australiens. Hier sollten Arbeitgeber helfen, individuelle Aktiendepots aufzubauen. Den Bürgern sollen hierbei große Freiheiten gelassen werden, wie sie sparen möchten. Die Finanzämter müssen steuerlich das Sparen fördern. Drittens sind weitere private Sparanstrengungen nötig.
Chile hat erkannt, das Rentensystem auf mehrere Säulen zu stellen, macht Sinn.
Die deutsche „Riester-Rente“ ist ein Witz. Teilweise werden hier intransparente Gebührenfresser unter das Volk gebracht. Dafür Steuergelder zu verschwenden ist unverantwortlich. Dass eine Versicherung Geld verdienen möchte, das erkenne ich an. Aber bitte fair und transparent. Warum wacht Berlin nicht auf?
Es ist gar nicht mal notwendig, über den Atlantik zu blicken. Lernen wir von unseren Nachbarn. Schauen wir in die Niederlande. Hier zeigt sich, wie ein Land seinen Bürgern ein vernünftiges Alterssicherungssystem zur Verfügung stellen kann. Die Dänen können es. Und viele andere Länder.
In Australien ist das Aktiensparen mit einem speziellen Depot für die Rente Pflicht.
Die FAZ hat gut erklärt, warum es Unsinn ist vor dem Aktiensparen für die Rente Angst zu haben.
Deutschland kann es nicht. Willkommen in der Steinzeit.


tim schaefer (Author)

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Gedanken zu „Deutsches Rentensystem: Willkommen in der Steinzeit

  1. nightyhawk

    Wenn die deutschen Politiker von den „Pfeilern“ Wind bekommen, passiert wahrscheinlich folgendes:

    1.) Staatliches Rentensystem
    2.) Zwangsteilnahme am Riester
    3.) Zwangsteilnahme am Rürup

  2. frank

    Hallo,
    Riester ist nicht nur schlecht. Ich verdiene wenig ( ich arbeite Teilzeit weil mich die steuerliche Progression mal am A.. kann)erhalte für jeden eingezahlten Euro einen Euro Zulage. Mit diesem Geld spare ich zu 80 % in einen Europa Aktien Fond und zu 20 % in einen Anleihefond an )
    Frank

  3. Thomas

    Andere Länder machen es vor

    Mit der Altersvorsorge ist es wie mit vielen anderen Dingen in diesem Land. Jedes Mal wird so getan, als ob sich die Politik damit in unbekanntes Terrain vorwagt und man erst Erfahrungen sammeln müsse, um daraus ein funktionierendes System zu entwickeln. Da gibt es zahlreiche Beispiele: Mautsystem, Einfahrsperren für Falschfahrer bei Autobahnen, Lebensmittelkontrollen bei Fleischskandalen, Kindertagesstättenplätze und eben die Altersvorsorge.

    Dabei haben wir um uns herum allein 26 Nachbarn (26 EU-Staaten). Auch dort gibt es Autobahnen und müssen Eltern ihre Kinder tagsüber unterbringen. Man bräuchte doch nur schauen, in welchem Land das System am besten funktioniert und es dann auf deutsche Verhältnisse anpassen.

    Statt dessen wursteln unsere Politiker (die heutzutage kaum noch wirklich aus der Wirtschaft kommen, sondern Politik studiert haben) und tun, als müssten sie etwas völlig Neues auf die „ganz plötzlich erscheinenden“ Anforderungen der neuen Zeit erfinden.

    Unglaublich, was hier für Chancen vergeben werden! Aus der Unfähigkeit der Politiker entsteht Altersarmut.

  4. Felix

    Hallo Tim,
    danke für den Link auf das System der Niederlande.
    M.E. ist das System der Schweiz vorbildlich. Es beruht auf drei Säulen: Die staatliche Rente, als Bürgerversicherung, in die alle einzahlen; es gibt keine Deckelung wie bei uns. Dann eine Betriebsrente über Pensionsfonds und eine steuerlich geförderte Eigenvorsorge. Letzteres ist bei uns Riester, halt anders.

  5. Markus

    Es wäre relativ einfach indem man von den stabilsten Systemen übertragbare Kopien installieren würde…

    Die härtesten Reformen hat seltsamerweise ein Sozialdemokrat mit der Agenda 2010 gemacht… Es wäre Zeit für eine weitere Agenda mit Punkten wie Steuervereinfachung (kalte Progression), Bildung, Pflege, Familienpolitik und einem liberalerem Rentensystem.
    Nur weiß ich nicht, ob eine Opportunistin, die dem Machterhalt alles unterordnet irgendwann mal große Weichen in diese Richtung stellt… Wünschenswert wäre es!

    Jetzt kommen ja dann irgendwann wieder die tollen Wahlversprechen, die nach der Wahl wieder vergessen bzw. doch nicht finanzierbar sind… Egal welche Partei nun gewinnt.

  6. Martin

    Das wäre wünschenswert. Die finanzielle Bildung der Bürger kann auch nur profitieren, wenn diese in Aktien aktiv investieren.

  7. Turing

    Meiner Meinung nach muss man sich von dem Gedanken trennen, dass ein großer Teil des Volkes sich kollektiv in die Hängematte legt und dies als „Belohnung für Lebensleistung“ ansieht. Es funktioniert nicht, wenn ein Drittel der Erwachsene keiner Erwerbsarbeit mehr nachgeht.

    Sämtlicher Wohlstand wird durch menschliche Arbeit geschaffen. Vergrätzt man die Angestellten und Arbeiter der Privatwirtschaft, dann funktioniert die umlagefinananzierte Rente nicht mehr.

    Deutschland sollte einen guten Schutz für Berufsunfähige. Ein Dachdecker wird eher berufsunfähig (kaputte Knie), während ein Büromensch sehr lange noch arbeiten könnte. Wer sich dennoch seine „Lebenleistung“ belohnen und gesund in den Ruhestand will, soll selbst vorsorgen.

    Viele Menschen wollen ohnehin nicht von einen Tag auf den anderen in den Ruhestand. Altersteilzeit wird gerne genommen. Man arbeitet dann vielleicht nur noch drei Tage die Woche und hat umso mehr Zeit für die Enkel.

    Rentner haben hierzulande leider viel zu viele Privilegien, die hinterfragt gehören. Rentner müssen nicht nur nicht arbeiten, sondern bekommen auch noch Seniorentickets und andere Vergünstigungen. Darüberhinaus haben Rentner den Vorteil, dass sie als Mieter indirekt bevorzugt werden. Ich sage nur: Bestandsschutz. Von den jungen Leuten verlangt man viel Mobilität, das heißt auch häufiger Wohnungswechsel. Neumieter sind die beste Gelegenheit für Vermieter, die Mieten – oft berechtigterweise – nach oben anzupassen. Rentner hocken aber noch Jahrzehnte zu günstigen Mieten in ihren Wohnungen und blockieren die Nutzung der Wohnung für sinnvollere Mieter. Wäre mehr Druck auf mietende Rentner, z. B. in München, dann würden viele Rentner dorthin ziehen, wo es günstige Mieten gibt. Das ist meist dort, wo es kaum Arbeitsplätze gibt. Eine Marktwirtschaft hätte das alles längst reguliert, aber die existiert ja auf dem Wohnungsmarkt nicht wirklich.

    Ich weiß, dass das Geschriebene Emotionen weckt; bei SPON müsste ich mir Pöbeleien gefallen lassen. Es ist aber nicht kaltherzig, sondern rational, vernünftig. Ich bin Utilitarist, d.h. ich lege den Fokus auf den Gesamtnutzen für die Gesellschaft. Und die Gruppe der Menschen, die einen Nutzen davon hätte, wenn man Gentrifizierung zulässt, ist größer als jene Gruppe, die von Gentrifizierung zum Umzug genötigt würde.

    Und gegen Rentner an sich ist es auch nicht gerichtet. Ich verlange nur, dass die Rentner den gleichen Druck ausgesetzt sind wie die jungen Leute. Der Druck wäre auch kein menschengemachter. Es wären die Umstände, die einen zum Umzug nötigen. Wenn der Rentner einen natürlichen Anreiz hätte, beispielsweise aus München wegzuziehen, dann wird er das auch in vielen Fällen machen, sodass sich der Wohnungsmarkt zugunsten anderer Mieter entspannen könnte, z. B. für Ingenieure. Wenn tausend Ingenieure ihre Fahrzeit zur Arbeit um 2 * 1 h täglich kürzen könnten, dann hätte das einen bombastischen Effekt für unsere Volkswirtschaft.

  8. Turing

    „Weiterhin schön die Versicherungsbranche reich machen.“

    Ich glaube nicht, dass Riester und Rürup Ergebnis des Lobbyismus sind. Die Politiker, die das einführen, waren wirklich aufrichtig blöde.

    Der Bundestag ist ein Abbild der Gesellschaft und viele Parlamentarier haben schlichtweg nicht die Kenntnis darüber, wie man investiert, worauf es ankommt. Und dann kommt ja auch noch das noch Starren auf eine einzelne Sache hin. Natürlich ist es gut und richtig, für das Alter vorzusorgen. Aber es ist nicht sinnvoll, Geld in einen Sack zu stecken, Altersvorsorge draufzuschreiben, dieses Geld aber bei einer drastischen Änderung der Lebenssituation nicht mehr anzugreifen. Riester ist starr: Man darf es nicht richtig kündigen, man erhält keinen Rückkaufwert. Es kann passieren, dass die Leute mit 35 Jahren 200 € monatlich in eine Riesterrente stecken, die mit 2 % verzinst, während gleichzeitig der Baukredit mit 5 % Zinsen getilgt wird.

    Mein Vater, der wenig Ahnung von Finanzen hatte, hat auf die Vertreter von Versicherungen und Sparkassen gehört. Er wollte mir eines Tages weis machen, es wäre vernünftig, mehrere 10000 Mark auf einem Sparbuch als Rücklage zu haben, anstatt möglichst viel davon in die Tilgung des Bausparkredites zu stecken. Das hätte ihn der Sparkassenvertreter so erklärt. Die Bausparkasse war die LBS.

    Wenn Politiker Gesetze machen, ob nun im Umweltschutz, im sozialen Bereich oder in der Gesundheitsfürsorge, dann sind sie zu fokussiert und verlieren den Blick für das große Ganze. Natürlich ist es richtig, dass junge Leute für das Alter vorsorgen, aber man darf ihnen nicht die Flexibilität nehmen, die doch viel wichtiger ist. Deswegen ist Riesterförderung Unfug. Natürlich ist es gut, wenn junge Menschen Häuser bauen, aber man darf ihnen nicht die Flexibilität nehmen. Daher ist die Bausparen Unsinn.

  9. Anonym UncleSam

    Ui SPON, ich schmeiß mich weg. Na da kann man nicht erwarten das Spock´s Weisheiten „Das wohl vieler wiegt schwerer als das wohl weniger oder eines einzelnen“ bei dem Thema Rente auf fruchtbaren Boden fallen.

    Es geht hier doch nicht mehr um die Rente sondern um Steuergerechtigkeit, das ist das Thema. Einkünfte aus Kapital vs Einkünfte aus Erwerbstätigkeit. Nur mich als jemand mit eher kleinen, mittleren Einkommen interessiert diese ganze Scheindiskussion doch gar nicht mehr. Da schau ich doch mal in die Lohnabrechnung und siehe da!! wenn ich den Arbeitgeberanteil zur Rentenversicherung auch noch beachte (wer wird wohl den Anteil letzten endes auch erwirtschaften?) so sieht das so aus das mehr als 3mal soviel Geld ins Rentenversicherungssystem geht als ich an Lohnsteuer zahle.

    So und jetzt mal im ernst ich als lediger habe 801 Euro Freibetrag. Kann ja jeder mal durch 12 teilen und sogar ganz ohne das rechnen^^ pi mal Daumen kommt man zum Ergebnis das nicht mal ein fünftel des Hartz IV Satzes von der Kapitalertragsteuer befreit sind. Das ist für mich der Fingerzeig von oben das ganz klar gegen eine freie kapitalgedeckte Altersversorgung aktiv vorgegangen wird. Ja ich sag nicht der verschlafene Michel. Ich sag aktiv dagegen vorgehen. „Steuergerechtigkeit“ pff Jetzt jammer ich nicht da mein Steuersatz nun doch unter 30% liegt und ich meine Steuer mache und überhaupt dann kauf ich halt auch die Deutsche Post und verrechne meine Verluste mit der FT. Wat solls, aber warum die Steuergerechtigkeit jetzt das Thema ist und ich jeden Monat das dreifache in den Schweinetrog der Rentenversicherung schaufle scheint wohl der Dummheit der Massen oder den Riesenverdiensten der Mehrheit, nur nicht meinem Verdienst geschuldet sein zu sein. Ich sag es immer wieder gerne, ich will keine Rente von euch ich begnüge mich mit dem Hartz VI satz, jetzt will ich raus aus der Rentenversicherung. Stellt meine Erträge aus Kapital bis 700 Euro jeden Monat Steuerfrei, und gut ist es. Ich freu mich schon wenn im ganzen Land nur noch ich und 100 Millionen Roboter arbeiten ich die restlichen 75 Millionen Rentner versorgen soll und meine Arbeitsleistung den Rentenbeitrag erwirtschaftet. Ne danke, die eine quäkt seit sie Bundeskanzlerin ist nur von wächstum, der andere schwadroniert mit seinen Genossen über Gerechtigkeit und die einzigen die mal dezent was von Maschinen und Robotern säuseln sind wer? Richtig, die Piraten.
    Ich fände es auch gerecht wenn die Harz IV Bezieher jetzt Einkommenssteuerpflichtig wären jeden Monat 100 Euro frei, ist ja eh mehr als ich Freibetrag vor der Kapitalertragssteuer habe.
    Warum zahl ich eigentlich noch ein, wohne in unserem Haus, mach mich krumm im Laden, danach zu hause, raff auch noch Geld auf die Seite, zahl Kapitalertragssteuer wenn ich mich auch für nüscht in die nächste Kreisstadt hocken kann und auch nur 400 Euro weniger habe.
    Steuergerechtigkeit. Lol SPON, schnautze halten, buckeln gehen bis 80, verrecken.
    So sieht der Plan für uns aus.
    Was sollen die Alten hier in der Pampa ne 3/4 Stunde auf den Sani warten wenn der Schlaganfall an die Tür klopft? Sollen wir in 20 Jahren die Afrikaner einfliegen damit ein paar junge noch ich den „Mehrgenerationenhäusern“ hausen? Ich wär für dezente Todpflege in Rumänien. Auf jedenfall würde ich auch für eine Metropolferne plädieren was die Lager angeht. SPON Gedankenwelten, Augustein etc (überspitzt) gesprochen. Also so klingt das wahrscheinlich für einen linken was Turing da sagt. Deshalb meinen Meinung der Aufschrei bei SPON.
    Man man man was bin ich für ein Sonnenschein heute. Muß an der Hitze liegen.
    mfg Gerechtigkeit, die kriegen doch nicht mal die Quellensteuer für Europäer die in Europa wohnen gebacken. So ich mach mir jetzt mal noch ein Bie auf. Zu heiß zum schlafen heute.

  10. Martin

    In Etwa 700€/Monat sind durch den Grundfreibetrag steuerfrei. Wenn es mehr wird, wird eben besteuert. Immerhin bezahlen wir auf Kapitalerträge noch keine Lohnnebenkosten, was manche auch gerne hätten. Wenn man Aktien nie verkauft und die Dividende gering ist, ist auch die Steuerlast nicht hoch (siehe z.B. Berkshire seit Jahrzehnten).

  11. Anonymus UncleSam

    Was das leben vom Kapitalertrag ja dann auch schwierig macht, so mit geringer Dividende und keinen Verkäufen aus Steuergesichtspunkten.
    Buchgewinne taugen ja irgendwie gar nicht zum runterbeißen. Oder soll ich dann einen Kredit auf die Wertpapiere aufnehmen? Hm bin ich besoffen 9 000 Euronen ist doch in etwa der Wert über den Lohnsteuer anfällt? Soll das heißen wenn ich nur 9 000 Euro einnahmen aus Zinsen und Dividenden habe fällt erst darüber Kapitalertragssteuer an? Bin ich vernagelt? Ich seh nur die 801 als lediger für mich? Na dann wenn dem so ist muß ich ja nur das Wunder schaffen von 9 000 Euro zu leben und einen Kapitalstock anzusparen mit dem ich 9000 erwirtschaften kann.
    Klingt nicht plausibel.

  12. finanziell umdenken!

    Es ist meiner Meinung nach wichtig, dass auf Alternativen hingewiesen wird, wie das Rentensystem in anderen Ländern gehandhabt wird. Ebenso sollte man an die Altersarmut erinnern, die als Folge des demographischen Wandels droht. Daher finde ich es sehr begrüßenswert, dass Finanzblogs immer wieder auf diesen Umstand hinweisen.

    Dennoch bleibt fraglich, ob die Regierung in Deutschland – in welcher Form auch immer – zu großen Änderungen bereit sein wird. Deswegen gilt das „Do it yourself“ – Prinzip, möglichst einen großen Anteil der eigenen Altersvorsorge selbst in die Hand zu nehmen.
    Auch dies ist eine Aufgabe der Finanz-Blogs mit ihren Alternativ-Ideen und Tipps möglichst viele Leute zu erreichen.

  13. Markus

    Liberalismus hat sicher viele Vorteile aber auch gravierende Nachteile.
    Wasserversorgung, Monopolismus, die letzten Renditepunkte rausholen indem man mal ein paar tausend Leute entlässt, unregulierte Bankenzockerei sind dann die extreme in der einen Richtung. Wie dadurch das letzte Drittel mehr Arbeit bekommt, wenn manche oben den Hals nicht voll bekommen, kann ich nicht nachvollziehen.

    Zu viel Sozialismus mit dem Resultat, dass manche Hartzler mehr bekommen als Geringverdiener schafft dagegen total falsche Motivationen und eine Schmarotzergesellschaft.

    Leistung muss sich lohnen, aber es muss auch sozial gerechtfertigt sein.

    Als Unternehmer finde ich Götz Werner von DM sehr gut. Zum Grundeinkommen kann man sehr gespaltener Meinung sein.

    Unendliches Wachstum in einer begrenzten Welt benötigt von Zeit zu Zeit Resets wenn man das Zinseszins-System beibehalten will.

  14. Markus

    Ein riesiger Punkt zum Thema Rente und Gesellschaft, wäre wieder ein Bewusstsein hin zur Familie.
    Ein Großteil sieht Kinder als Karierrekiller, als riesigen finanziellen Posten und als Belastung…

    Bei so einem Mehrheits – Bewusstsein, darf es einen eigentlich nicht wundern, dass Egoismus irgendwann eine Gesellschaft kaputt macht.

  15. Sepp

    Ich stimme „finanziell-umdenken“ zu. Jeder weiß oder kann wissen, dass die staatliche Rente nur eine Grundversorgung wird bieten können. Deshalb sollte man seine darüber hinausgehende Vorsorge auch selbst in die Hand nehmen.
    Der Staat wird's nicht richten, dafür sind die Interessengruppen viel zu stark. Es war von der Schröder-Regierung ja schon außerordentlich mutig den Rentenbeginn auf 67 Jahre zu setzen und eine zweite Säule zu etablieren. Prompt ist er abgewählt worden (natürlich auch wegen Harz). Merkel hat daraus gelernt und macht nur kleineste Schritte, wenn überhaupt, die niemanden wehtun. Schließlich scheint ihr das Wichtigste zu sein (wie weiland Kohl) möglichst lange im Kanzleramt auszuhalten.

  16. Sebastian

    @markus:
    Deinen Familiensinn finde ich prima! Meine Frau und ich haben früh geheiratet und schon während des Studiums Kinder bekommen. Mittlerweile sind wir zu fünft. Ab und an ärgert man sich schon über den miesen Stellenwert der Familie im Land.

    Um den Nachwuchs zu intelligenten, sozialen und mutigen Zukunftsbürgern zu erziehen, muß man reichlich Zeit, Geld und Nerven investieren.

    Höhere Kosten bei Miete, Lebensmitteln, Sach- und Bildungsgütern (NEIN, das Kindergeld wiegt das nicht auf!), dazu Familienarbeit statt Individualbespaßung und weniger Schlaf statt Freizeit.

    Dazu kommen Kleinigkeiten, wie der teure Urlaub in der Ferienzeit, während die Kinderlosen in die günstigen Zeiten ausweichen können, etc.

    Versteht mich nicht falsch. Ich bereue meine Entscheidung nicht im Geringsten (und jeder der Kinder und/oder eine intakte Familie mit (Groß-)Eltern hat, weiß auch warum), allerdings gibt es unter Gerechtigkeitspunkten eine Menge zu tun. Eltern sorgen schließlich für die Zukunft an produktiven Arbeitskräften, Steuer- und vor allem Rentenzahlern.

    Vielleicht sollte man sehr vermögenden Rentnern, die von einem nicht mehr zeitgemäßen System profitieren, wirklich mehr abverlangen.

    @frank:

    Ich sehe das mit Riester ähnlich.
    Bei drei Kindern bekommt meine Frau für jeden eingezahlten Euro ca. 1,40€ an Zulage. Da hier dann doch mal Kinderreiche im Vorteil sind, haben wir uns für den „Deal“ mit der ansonsten nicht gerade angesehenen Versicherungsbranche entschieden. Leider gewinnen dabei die Banken auf Kosten der Steuerzahler…

    Auch das bedingungslose Grundeinkommen, das Götz Werner populär gemacht hat, finde ich zukunftsweisend. Allerdings gibt es zu viele Vorurteile, als das es in naher Zukunft umgesetzt würde. Mal abgesehen davon, dass einem Großteil der Bürger die „Fantasie“ fehlt, sich eine solche Gesellschaft vorzustellen.

    Also müssen wir uns das „passive Grundeinkommen“ selbst schaffen :).

  17. ZaVodou

    Ich halte nicht viel davon, dass Arbeitgeber ihren Arbeiter auch noch bei der Altersvorsorge unterstützen sollen. Die Aufgabe eines Arbeitgebers sollte es sein, Arbeitsplätze zu fairen Löhne bereitzustellen. Und damit meine ich Löhne von denen jemand nach 8 Stunden Arbeit täglich seine Famile finanzieren kann und was für das Alter zurücklegen kann. Deutschland besteht nicht nur aus Großkonzernen, sondern aus vielen Klein- u. Mittelständigen Betrieben. Diese sind das Herzstück der deutschen Wirtschaft.
    Für die Altersvorsorge sollte jeder für sich selbst verantwortlich sein und nicht der Arbeitgeber. Der Staat sollte unterstützend eingreifen. Ich bin ja für das bürokratisch Einfachste und würde eine Erhöhung des Sparerfreibetrages befürworten. Riester/Rürup ist mir alles zu bürokratisch. 801 Euro Sparerfreibetrag bedeutet selbst bei Minizinsen von nur 2 %, dass der Staat lediglich eine Sparsumme von bis zu 40.000 Euro fördert. Das ist zu wenig für Alter. Bei „normalen“ Zinsen von 4-5 % wären es sogar nur 20.000 Euro. Das sind keine Beträge die im Alter eine Gewisse Sicherheit versprechen.

  18. Jan

    Leider traut sich niemand mehr an die Änderung des aktuellen Rentensystems heran. Leider ist es aber ein System was nicht mehr lange (ohne riesige Subventionen) funktionieren wird, da irgendwann auf einen Arbeiter ein Rentener kommt. In meinen Augen ist es unvermeidbar das gesetzliche Rentenalter anzuheben. Wenn darüer hinaus die Möglichkeit gegeben ist privat vorzusorgen (hier müssen sinnvolle Möglichkeiten geschaffen werden, wie z.B. Steuervergünstigungen auf Aktien) kann der Renteneintritt ja trotzdem früher geschehen.

    Als 1889 erstmals durch Bismarck die Rente ab 70(!) eingeführt wurde, lag die Lebenserwartung bei 40 Jahren! Heute müsste das Renteneintrittsalter also etwa bei 115 liegen. Sicher ein wenig ironisch aber ein kleiner Denkanstoß.

  19. ZaVodou

    @Jan
    Das Rentensystem wird doch schon heute subventoniert.
    Der große Knall kommt, weil keine Partei das Problem angehen will, weil die Einschnitte so hoch wären, dass sie die nächste Legislaturperiode nicht erleben würde.
    Das das Renteneintrittsalter heute nicht bei 115 liegen muss, liegt an der Produktivitätssteigerung. Ein Problem ist allerdings deren Umverteilung und daran hapert es schon seit Jahrzehnten. Nicht umsonst wird die Schere zwischen Arm und Reich immer größer, obwohl die sogar in Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern, noch moderat ist.

  20. Turing

    @Jan
    Und sicherlich hatte die damalige Rente auch ihre Berechtigung und zwar in der Form der Witwen- und Waisenrente.

    1. Frauen haben nicht gearbeitet und waren darauf angewiesen, dass der Mann ranschafft und auch an morgen und übermorgen denk. In der damaligen Zeit hätte man davon ausgehen müssen, dass der einfache Arbeiter alles versoffen hätte. Ein Verantwortungsbewusstsein für die Familie über den eigenen Tod hinaus war recht schwach ausgeprägt.

    2. Für Waisen und Halbwaisen gilt das gleiche.

    3. Und Männer, die halbwegs gesund lebten, hatten selbst noch etwas davon.

    Heute aber ist das alles völlig aus dem Ruder gelaufen und sehe nicht, dass die Rentenversicherung eine wirklich Akzeptanzberechtigung hat. Und gerade die einzige echte Versicherungsleistung, d.h. die Witwen- und Waisenrente, gerät unter Rechtfertigungsdruck. Leider. Es ist vergleichbar mit der KLV, die aus einem Versicherungsteil besteht und aus einem Sparvertragsteil. Eine Lebensversicherung wird selten wegen des Risikoteils abgeschlossen. Nebenbei bemerkt: Wenn Lebensversicherung, dann eine reine Risikolebensversicherung. Bevor niemand auf falsche Gedanken kommt.

  21. Markus

    Übrigens um mal die glänzenden Zinseszinsaugen etwas zu trüben, kann man sich die vorletzte Stiftung Warentest mit Langfristrenditen verschiedener Länder ankucken (Bücherei;-))…
    30 Jahre USA bei glaub so 9,8 % und in Euro gerechnet nur noch bei ca. 7 %.
    Wie gewaltig die Unterschiede von 2 oder 3 Prozent sind, sollte unseren „Hochrechnern“ ja bekannt sein. Schweiz war das beste Land für einen Euro Anleger aufgrund des Franken. Durch die Anbindung Euro kann es auch schon wieder Vergangenheit sein.

    Allerdings real und geometrisch gerechnet kommt natürlich so gut wie keine andere Anlageform hin.

    Obwohl ja auch viel auf Berkshire rumgepoltert wird, dass alles Vergangenheit ist, hat Sie fast alle meine Indexfonds seit Ende 08 langsam geschnupft. Mal sehen was 25 – 35 Jahre ergeben…

  22. Sebastian

    Ja, die Berkshire…. hier haben wir wirklich etwas für die Rente :).

    Klasse Beteiligungsgesellschaft (was da alles drin steckt) mit exellentem Management. Besser als jeder Fonds und das ohne Gebühren.

    Hier wird genau so investiert, wie ich mir das vorstelle, aber selbst nie hinbekommen werde ;).
    Warum versuche ich es dann? Sollte wohl meinen 10%-Anteil im Depot ausbauen. Diversifizierung hin oder her.

    Auch wenn es bei der schieren Größe immer schwerer wird, den S&P 500 zu schlagen, bin ich guter Dinge. Es wurde auch 2000 schon viel Häme ausgeschüttet….

    Die Langfristrendite von Aktien bekommt „so gut wie keine Anlageform hin“?
    Das halte ich für untertrieben ;).
    Tatsächlich bekommt es keine andere hin! 🙂

  23. Jan

    @ZaVodou
    Stimmt a hast du recht, ich wollte darauf hinaus, das es in einer 1 zu 1 Situation von Rentnern zu Arbeitern noch viel krasser wird.

    @Turing
    Der Vergleich mit 1889 war natürlich vollkommen überspitzt, es gibt viele Gründe warum es damals erst so spät eine Rente gab. Leider muss ich mit Mitte 20 sagen, dass 50% meiner Generation dieses Verwantwortungsbewusstsein schon bei einem selbst aufhört. Es ist leider wirklich so, egal was man verdient, am Ende des Monats ist es trotzdem Weg. So wird das leider nichts…

  24. Markus

    Wobei 4 Jahre natürlich keine Aussagekraft haben!
    Ich persönlich stocke Berks nur auf, wenn sie unter die 5 % fallen. 😉

    Ob Private Equity, Hedge Fonds, small cap & Value, Emerging Markets, Seltene Erden, Dividenden (o`higgens, low 1) mehr als die Indexrendite langfristig bringen kann man nicht klar sagen. Gerade PE und Hedge ist extrem schwer für einen Privatanleger seriös zu überblicken. Manche der Strategien, haben in der Vergangenheit ein Premium gehabt. Nach Kosten und Steuern ist eigentlich der wichtige und richtige Vermögenszuwachs. Inflation kann man bei so gut wie allen Anlageklassen abziehen.

    Ich hoffe eigentlich auf mind. 8 % reale, geometrische Rendite p. a. mit hoher Aktienquote und leichter value und small Übergewichtung + Emerging Markets. Ob es weniger oder mehr werden, sehe ich erst in 25 Jahre kontinuierlichem Investieren und Rebalancen.
    Durch ein paar Einzelaktien zum Spaß zum selben Zeitpunkt wie die Indexfonds gekauft, kann ich ja die EMT vs. Einzelaktien recht gut beurteilen.

  25. Anna

    Also ich für meinen Teil werde Berkshire gut im Auge behalten. Warren Buffett wird 83 Jahre, Charlie Munger ist noch ein paar Sonntage älter… Was kommt nach den beiden? Es sind ziemlich große Schuhe, die es auszufüllen gilt.

  26. Sebastian

    @Anna:

    Meinst du, die Nachfolger von Buffett und Munger, die sie persönlich auswählen und schulen und die wahrscheinlich die letzten Jahrzehnte den Geist des Value-Investments samt Arbeitsweise der „Mentoren“ aufgesogen haben, verscherbeln dann in Tradermanier die besten Beteiligungen (Transport, Versicherungen, Finanzen, Konsum) und vor allem die 100%-Unternehmen wie See´s?

    Na ja, möglich ist alles 😉 …..
    Einen Blick darauf werfen sollte man.

  27. Markus

    Ich denke eher, bei einer Übergabe und dem Kursrückfall ist es eine Zukauf-Gelegenheit.

    Ganz pauschal gesagt ist es etwa so, wie wenn man die aktuelle FC-Bayern-Mannschaft einem neuem Trainer übergiebt. 😉 Sie werden immer unter den ersten 3 mitspielen. :-)))

  28. Anna

    @ Sebastian
    Ich bin inzwischen schon im Rentenalter, es kommt also nichts mehr dazu. Deshalb muss ich auf die „Eier im Korb“ gut aufpassen. Was die Zukunft bringt, weiß ich natürlich genauso wenig wie alle anderen. Wenn das so wäre, könnte man doch noch ein lukratives Geschäftsfeld aufmachen … Lottozahlen, Börsenkurse …
    Es gäbe doch genug Leute, die daran glauben.
    VG
    Anna

  29. Markus

    @Anna

    Bei den pauschalen Aussagen hier, gehen viele von Ihrer eigenen Lebenssituation aus. Ein 30 jähriger wird anders und aggressiver investieren als jemand, der schon im Rentenalter ist. 30 jährige wollen ja evtl. 7 stellige Depotstände schaffen… 😉 Ob es klappt, steht auf einem anderem Blatt. Welche Krisen da auch noch in den nächsten Jahren und Jahrzehnten kommen mögen. Wenn es in China einen Bankencrash wie Lehman in den USA gibt, dann wird es interessant. Vor allem kommt noch dazu, dass alle entwickelten Industrieländer extrem verschuldet sind und seit 2008 alle Notenbanken Geld in den Markt pumpen…

    Jeder muss die für seine / ihrer Lebenssituation und Mentalität passende Strategie finden.

    Ich persönlich würde im Rentenalter Div-Aristokraten interessant finden. Allerdings auch nur mit einer Streuung über mehrere Assets.

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