Das Problem mit den Blasen an der Börse


New York, 23. April 2012

In Zeitabständen von sieben bis acht Jahren bilden sich Blasen. Die Börse ist wie ein Tango: Drei Schritte vor, zwei zurück. So begann Anfang der 1980er Jahre die Immobilien-Euphorie in Japan. 1987 wuchs an der Wall Street eine Bewertungsblase heran, die in einem fürchterlichen Crash („Black Monday“) endete. 1997 folgte die Asienkrise. Zwischen 1997 und 1999 wurden weltweit Technologie-Firmen zu abenteuerlichen Preisen gehandelt, dieser Dot.com-Wahnsinn endete im März 2000. 2007 fielen die Hauspreise in den USA wie ein Kartenhaus zusammen. Und so geht das Treiben der Horde immer weiter.
Ein paar Trendsetter genügen und schon rennt die Herde in eine Richtung. Smarte Anleger halten sich von solchen Blasen fern. Oder sie springen auf den fahrenden Zug und profitieren vom Momentum. Wobei es wohlgemerkt ein Kunststück ist, rechtzeitig vor dem Platzen der Blase den Absprung zu schaffen. Denn man weiß nie, wann die Fetzen fliegen.
Der New Yorker Wissenschaftler Stanley Milgram hat solche Massenphänomene untersucht. Milgram machte ein Experiment, bei dem drei Menschen in den Himmel blickten. Ein prozentual hoher Anteil der Passanten blickte ebenfalls in den Himmel. Hier finden Sie zwei kurze Videos, die an die Studien Milgrams anknüpfen.
Es stellt sich die Frage, was können wir tun, wenn wir eine Blase entdeckt haben. Nun scheint sich vermutlich eine Blase bei den sozialen Medien (Stichwort Facebook-IPO) zu bilden. Wer Puts auf solche Highflyer kauft, geht ein hohes Risiko ein. Denn diese Social-Media-Papiere können sich trotz absurder Bewertung durchaus nochmals verdoppeln. Insofern ist die Put-Strategie riskant. Alternativ können Sie darüber nachdenken, auf den fahrenden Zug aufzuspringen, wenngleich Sie ahnen, dass die Bewertung schon jetzt abenteuerlich hoch ist. Sie setzen mit dieser Kauf-Strategie darauf, dass der Wahnsinn vorerst weiter geht. Ob das sinnvoll ist, hängt von Ihrer Risikobereitschaft ab. Ich halte mich grundsätzlich von solchen Hype-Aktien fern.
Ein Bekannter, der bei einem großen New Yorker Hedgefonds arbeitet, erzählte mir von seiner spannenden Recherche: Vor grob zehn Wochen nahm er Puts auf deutsche Solar-Aktien unter die Lupe. Er wollte an dem weiteren Kursverfall von Konzernen wie SolarWorld mitverdienen. Er fand jedoch schnell heraus, dass ein neuer Kurssturz längst in den Derivaten eingepreist war. Die anderen Markteilnehmer riechen eben auch den Braten. Kurzum: Selbst wer Blasen erkennt, kann mit dieser Erkenntnis kaum Geld verdienen. Es ist eine Kunststück.


tim schaefer (Author)

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Gedanken zu „Das Problem mit den Blasen an der Börse

  1. Thomas

    Ich kann den Satz „Selbst wer Blasen erkennt, kann mit dieser Erkenntnis kaum Geld verdienen. Es ist eine Kunststück.“ nur so unterschreiben! Wie man aber mit Blasen erfolgreich Geld verdient hat z.B. John Paulson eindrucksvoll gezeigt. Leider (oder besser zum Glück?) stehen CDS nicht allen Marktteilnehmern zur Verfügung um sich gegen Ausfälle abzusichern oder auf die Insolvenz zu spekulieren. Deswegen sollte man als Kleinanleger wirklich davon fernbleiben!

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