Viele Anleger rennen an der Börse Hypes hinterher. Gerade, was „in“ ist, wird gekauft. Derzeit sind es KI-Spezialisten und Hyperscaler sowie Krypowährungen. Es besteht dabei die Gefahr, dass du zu viel bezahlst.
Während Schwergewichte wie Nvidia durch reale Gewinne untermauert sind, gelten viele kleinere KI-Startups, die bisher nur Cash verbrennen, als hochgradig blasenverdächtig. Es gibt Parallele zur Dotcom-Zeit: Die Technologie bleibt, aber viele Firmen verschwinden.
Man kauft nicht mehr, weil das Unternehmen profitabel ist, sondern weil man hofft, es morgen einem „noch größeren Narren“ teurer zu verkaufen (Greater Fool Theory).
Kleine defizitäre Firmen kaufe ich nicht. Lieber alte traditionsreiche wie eine Eierfarm, Forstbetriebe, Krankenversicherung oder Parfümhersteller. Wer an der Börse langfristig Vermögen aufbauen möchte, sucht Qualität: Unternehmen, die krisenresistent sind, stetige Gewinne abwerfen und ihre Aktionäre großzügig am Erfolg beteiligen. Hier kommt der absolute Adel der Wall Street ins Spiel – die Dividendenkönige (Dividend Kings).
Um diesen elitären Status zu erreichen, muss ein Unternehmen eine extrem harte Anforderung erfüllen: Die Dividende muss seit mindestens 50 Jahren in Folge jedes Jahr erhöht worden sein. Das bedeutet, diese Unternehmen haben Ölkrisen, die Dotcom-Blase, die Finanzkrise 2008 und eine globale Pandemie nicht nur überlebt, sondern in all diesen Zeiten ihren Cashflow so gesteigert, dass die Aktionäre Jahr für Jahr mehr Geld auf ihr Konto überwiesen bekamen.
Warum Dividendenkönige so attraktiv sind
Bevor wir uns die besten Einzelwerte ansehen, lohnt sich ein Blick darauf, was diese Aktien so besonders macht:
- Der Zinseszins-Effekt: Wer die steigenden Dividenden reinvestiert, profitiert massiv vom Zinseszins.
- Eingebauter Inflationsschutz: Durch die jährlichen Erhöhungen wächst das passive Einkommen oft schneller als die Inflation.
- Qualitätssiegel: Kein Unternehmen kann 50 Jahre lang die Ausschüttung erhöhen, ohne über ein krisensicheres Geschäftsmodell und einen tiefen „Burggraben“ (Wettbewerbsvorteil) zu verfügen.
Die besten Dividendenkönige im Fokus
Unter den knapp 50 Unternehmen weltweit, die diesen Status aktuell innehaben, stechen einige durch ihre enorme Marktstellung, Zuverlässigkeit und ihr Dividendenwachstum besonders hervor.
1. Procter & Gamble (P&G)
P&G ist der Inbegriff des langweiligen, aber extrem profitablen Unternehmens. Mit Marken wie Pampers, Gillette, Ariel und Head & Shoulders stellt der Konzern Produkte her, die Menschen jeden Tag brauchen – völlig unabhängig von der konjunkturellen Lage.
- Stärke: Extreme Preissetzungsmacht und Markenloyalität.
- Dividenden-Historie: P&G erhöht seine Dividende seit 69 Jahren in Folge.
2. Johnson & Johnson (J&J)
Der Gesundheits-Gigant aus New Jersey ist ein Paradebeispiel für finanzielle Stabilität. Johnson & Johnson ist eines von nur sehr wenigen Unternehmen weltweit, das ein AAA-Kreditrating besitzt (besser als die US-Regierung, auch Microsoft hat ein glänzendes AAA-Rating). Nach der Abspaltung der Konsumgütersparte (Kenvue) fokussiert sich J&J nun auf die margenstarken Bereiche Pharma und Medizintechnik.
- Stärke: Enormer Free Cashflow und ein stark diversifiziertes Portfolio an Patenten.
- Dividenden-Historie: Seit 63 Jahren verlässliche jährliche Steigerungen.
3. Coca-Cola
Es ist kein Zufall, dass Coca-Cola eine der größten Positionen im Portfolio der Investorenlegende Warren Buffett ist. Das Unternehmen verkauft nicht nur ein Getränk, sondern ein Lebensgefühl – und das in über 200 Ländern weltweit. Durch das Franchise-System (Abfüllung wird oft von Partnern übernommen) hält Coca-Cola die eigenen Kosten niedrig und die Margen hoch.
- Stärke: Eines der stärksten Vertriebsnetzwerke der Welt und immense Markenbekanntheit.
- Dividenden-Historie: Steigert die Dividende seit 64 Jahren ununterbrochen.
4. Lowe’s Companies
Während die Konsumgüterhersteller oft nur moderate Dividendensteigerungen vornehmen, glänzt die US-Baumarktkette Lowe’s durch starkes Dividendenwachstum. Die Duopol-Stellung mit Home Depot in den USA sorgt für stetige Gewinne, angetrieben von einer alternden Bausubstanz in Nordamerika, die ständig renoviert werden muss.
- Stärke: Hohes jährliches Dividendenwachstum, nicht nur reiner Erhalt der Zahlung.
- Dividenden-Historie: Gehört mit 61 Jahren ununterbrochener Steigerung zu den beständigsten Zahlern auf dem Markt.
Schnellumfrage: Die Favoriten auf einen Blick
| Unternehmen | Ticker | Sektor | Erhöhungen in Folge |
| Procter & Gamble | PG | Basiskonsumgüter | > 65 Jahre |
| Coca-Cola | KO | Basiskonsumgüter | > 60 Jahre |
| Johnson & Johnson | JNJ | Gesundheit | > 60 Jahre |
| Lowe’s Companies | LOW | Zyklischer Konsum | > 60 Jahre |
Worauf Sie beim Kauf achten müssen
Auch bei Königen ist nicht alles Gold, was glänzt. Eine Aktie nur wegen ihres Titels zu kaufen, kann ein Fehler sein. Achte auf diese zwei Kennzahlen:
- Ausschüttungsquote (Payout Ratio): Diese Kennzahl zeigt, wie viel Prozent des Gewinns für die Dividende aufgewendet wird. Ein Wert über 80% kann gefährlich sein. Ein gesundes Unternehmen zahlt idealerweise zwischen 40% und 60% seines Gewinns aus, um noch genug Kapital für Investitionen übrig zu haben.
- Dividendenwachstum: Eine hohe Anfangsrendite (z. B. 5%) nützt wenig, wenn das Unternehmen die Dividende jedes Jahr nur um winzige 0,5% anhebt. Ein Unternehmen mit 2% Anfangsrendite, das die Ausschüttung jährlich um 10% steigert, ist auf lange Sicht oft die bessere Wahl.
Beachte: Dividendenkönige sind selten Raketen, die sich innerhalb eines Jahres im Wert verdoppeln. Sie sind vielmehr das stabile Fundament eines Portfolios, das dich nachts ruhig schlafen lässt und Jahr für Jahr für einen verlässlichen, wachsenden Geldstrom sorgt.
Ein anderer Dividendenkönig: Warum Abbott Laboratories ein echtes Basis-Investment ist
Mir hat ein Follower die Abbott-Aktie ans Herz gelegt. Die Sekretärin Grace Groner hat 1931 nur 180 Dollar in insgesamt 3 Abbott-Aktien gesteckt. Die Dividenden hat sie dann immer wieder zurück in die Aktien gesteckt. Daraus wurden über 7 Millionen Dollar. Dank des Zinseszinses. Groner, die bescheiden lebte, hat eine Stiftung gegründet.
Auch hier gilt: Wer an der Börse langfristig Vermögen aufbauen will, braucht keine heißen Tipps oder riskanten Zockereien. Was wirklich zählt, sind Geduld, Zeit und Unternehmen, die krisenresistent sind. Wenn wir über den ultimativen Zinseszins-Motor sprechen, landen wir unweigerlich bei den Dividendenkönigen – jenen elitären US-Konzernen, die ihre Ausschüttung seit mindestens 50 Jahren in Folge Jahr für Jahr anheben.
Eines dieser Unternehmen, das oft im Schatten der großen Tech-Giganten steht, ist eben dieses Paradebeispiel für ein solides „Buy & Hold“-Investment: Abbott Laboratories.
5. Was macht Abbott Laboratories so besonders?
Abbott (Kürzel: ABT) ist ein amerikanischer Gesundheitskonzern mit einer beeindruckenden Historie. Seit über 135 Jahren gibt es das Unternehmen, seit sage und schreibe 100 Jahren wird ununterbrochen eine Dividende gezahlt – und seit 54 Jahren in Folge wird diese jährlich erhöht. Wer hier investiert, kauft sich einen echten Cashflow-Garanten ins Depot.
Das Geheimnis von Abbott liegt in der extrem breiten Aufstellung. Das Unternehmen ruht auf vier massiven Säulen, die es robust gegen Konjunkturschwankungen machen:
- Medizintechnik (Medical Devices): Hier ist Abbott unter anderem führend bei Herzschrittmachern und Stents. Der absolute Wachstumstreiber ist aber das FreeStyle Libre – ein Sensor zur kontinuierlichen Glukosemessung für Diabetiker, der das lästige Fingerstechen überflüssig macht. Ein Milliardenmarkt, der durch die weltweit steigenden Diabetes-Zahlen stetig wächst.
- Diagnostik: Spätestens seit den Corona-Schnelltests kennen viele den Namen Abbott. Aber auch abseits von Pandemien verdienen sie verlässlich Geld mit Blut- und Laboranalysen.
- Ernährung (Nutrition): Von Babynahrung bis hin zu medizinischer Aufbaunahrung für Senioren oder Kranke (Ensure). Ein extrem stabiles Geschäft, das kontinuierliche Einnahmen bringt und hohe Margen.
- Pharma (Branded Generics): Abbott verkauft etablierte Medikamente, deren Patente abgelaufen sind, in Schwellenländern. Ein kluger Schachzug, da in diesen wachsenden Märkten der Markenname „Abbott“ für Qualität steht.
(Hinweis für Kenner: Das hochprofitable, aber stärker von Patenten abhängige Forschungs-Pharmageschäft wurde bereits 2013 erfolgreich als AbbVie abgespalten – ebenfalls ein exzellenter Dividenden-Zahler!)
Der perfekte Burggraben für geduldige Anleger
Warum passt Abbott Laboratories so perfekt zur Philosophie von mir, sprich timschaefermedia? Weil das Geschäftsmodell von einem unaufhaltsamen Megatrend profitiert: Demografie.
Die Weltbevölkerung wächst und sie wird immer älter. Ältere Menschen brauchen mehr medizinische Versorgung, mehr Diagnostik und spezielle Ernährung. Abbott liefert genau das. Es ist ein klassisches „Sleep Well At Night“-Investment. Du kaufst die Aktie, legst sie ins Depot und lässt das Management die Arbeit machen. So wie es die Sekretärin Groner tat.
Natürlich gibt es Phasen, in denen die Aktie nicht durch die Decke geht – etwa nach dem Abklingen des Corona-Test-Booms, wo sich das Wachstum erst wieder normalisieren musste. Aber genau solche Konsolidierungsphasen nutzen kluge Langfrist-Investoren, um Qualität günstig aufzusammeln.
Die Zahlen sprechen für sich
- Krisenresistenz: Egal ob Dotcom-Blase, Finanzkrise 2008 oder die Corona-Pandemie – Abbott hat die Dividende weiter erhöht.
- Wachstum: Es ist nicht nur eine „sichere“ Aktie. Durch Innovationen wie das FreeStyle Libre wächst der Konzern organisch und steigert seinen freien Cashflow kontinuierlich.
- Bilanz: Konservativ finanziert, starker Cashflow. Das gibt dem Management den Spielraum, sowohl massiv in Forschung und Entwicklung zu investieren, als auch uns Aktionäre reichlich zu belohnen.
Fazit: Geduld zahlt sich aus
Abbott Laboratories, P&G, Coca-Cola, J&J, Lowes – mit ihnen wirst du nicht über Nacht zum Millionär. Aber das ist auch gar nicht das Ziel. Das Ziel ist es, finanzielle Unabhängigkeit durch stetigen Vermögensaufbau zu erreichen. Ein Dividendenkönig wie Abbott, Coca-Cola, J&J, Lowes oder P&G schüttet verlässlich Geld auf dein Verrechnungskonto aus – Jahr für Jahr, immer ein bisschen mehr. Wenn du diese Dividenden über Jahrzehnte konsequent reinvestierst, entfaltet sich die volle Magie des Zinseszinses. Siehe Frau Groner.
Einfach stur weiter investieren, die Schwankungen aushalten und die Zeit für sich arbeiten lassen. Diese Aktien kauft man und am besten gibst du sie nie wieder her.