Zypern: Bankraub der Bürokraten


New York, 26. März 2013

Ich finde der Deal in Zypern ist der Hammer. Der Staat greift einfach in die Konten der Menschen, bedient sich am Sparguthaben. Wer mehr als 100.000 Euro auf dem Konto hat, muss mit einem Verlust von bis zu 40 Prozent seines Guthabens rechnen.
Das ist ein Verstoß gegen die guten Sitten. Das ist wie ein moderner Bankraub. Nur dass der Täter Bürokraten sind, die mit der Krise völlig überfordert sind. Ein Staat sollte diesen Schritt niemals gehen. Es geht um Begriffe wie Vertrauen, Verlässlichkeit, Menschenwürde, Demokratie.
Problem ist aber: Unsere Politiker sind überfordert. Das Krisenmanagement ist ein Desaster.
Nehmen Sie unsere Bundeskanzlerin Angela Dorothea Merkel. Sie hat in ihrer gesamten politischen Laufbahn das Wort „Aktie“ nie benutzt, vermute ich. Da herrscht Schweigen im Walde. Ich habe in Gesprächen mit führenden deutschen Politikern Wissenslücken festgestellt, wenn es um den Kapitalmarkt geht. Das ist erschreckend.
Nach dem Debakel in Zypern ist das klassische Bankwesen am Ende, zumindest in Zypern. Wie dort das Vertrauen der Menschen wieder gewonnen werden soll, ist mir schleierhaft. Ich denke, die Insel wird in eine tiefe Depression fallen.
Solche Bankschließungen und Raubzüge kennen wir nur von Argentinien (1989, 2001), Ecuador (1999), Uruguay (2002), Brasilien (1990). Aber jetzt hat auch die EU bei einem Mitglied die Banken geschlossen. Über eine Woche sind die Türen schon zu. Das ist krass.
Die bislang längste Bankenschließung fand in Südamerika für fünf Tage statt. Die Zustände in Zypern sind also ein Weltrekord – echt der Wahnsinn.
Es dürfte nun die Angst in anderen Wackelstaaten wie Italien zunehmen. Wenn ab sofort die Politiker einfach in die Konten ihrer Bürger greifen können, ist jede Hemmschwelle genommen.
Erstaunlich ist, wie die Börsen trotz der Eurokrise munter nach oben marschieren. In den USA sind wir wieder nahe an neuen Bestmarken im Dow-Jones-Index. Während der Krise vor drei bis vier Jahren wäre der Dow Jones nach solch negativen Nachrichten aus Zypern glatt um 15 oder 20 Prozent in wenigen Tagen abgestürzt. Aber die Panik ist gewichen. Die Angst ist weg.
Die Wall Street läuft wie ein Schnürchen immer weiter nach oben. Woran das liegt? Die Menschen sind zuversichtlicher. Die Arbeitslosenquote sinkt in Nordamerika, der Häusermarkt erholt sich.
Außerdem gibt es keine Alternative zur Aktie. Wohin sollen sonst die Anleger ihr Geld tun? Sparanlagen rentierten mit Null Prozent. Staatsanleihen lohnen sich real nach Abzug der Inflation nicht. Spargroschen im Marmeladenglas sind der Inflation ausgesetzt.
Wo also hin mit dem Geld? Es bleibt im Endeffekt nur die Börse. Daher gehen die Kurse durch die Decke. Zypern hin oder her. Wen juckt das schon in den USA?
In Europa dürften sich jetzt die Reichen ein paar Gedanken machen, wohin sie ihr Geld transferieren sollen. Ich denke, wir werden zunächst einen stetigen Abfluss aus dem Euro sehen. Die Reichen suchen nach „sicheren“ Alternativen. Vermutlich wird mehr Geld nach Asien und Nordamerika fließen. Der Dollar klettert ja schon.
Aber vor der Inflation können Sie sich nirgendwo schützen. Papiergeld wird im Endeffekt über die Geldentwertung stetig weniger wert. Es ist vergleichbar mit einem heimlichen Banküberfall. Still und heimlich schwindet das Sparguthaben. Zwei bis drei Prozent Inflation richtet auf Sicht von ein paar Jahrzehnten einen massiven Schaden an. Daher sollten Sie Ihr überschüssiges Cash gut anlegen – in Sachanlagen, Immobilien, Aktien, Grundstücke, Kunst, Rohstoffe, Ackerland…


tim schaefer (Author)

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Gedanken zu „Zypern: Bankraub der Bürokraten

  1. Markus

    @Tim
    Die Zuversicht der Menschen würde ich nicht als ersten Grund für steigende Märkte sehen. Es ist viel eher die Alternativlosigkeit.

    Bankraub… na ja, Zypern hat eine Steuerparadies und hohe Zinsen geschaffen… Hohe Zinsen bedeuten normalerweise immer mehr Risiko. Auch ist ein Großteil der Anlagen ausländisches Geld. Der Durschnittsverdiener mit ca. 22.000 € Jahreseinkommen der Zyprioten wird sich sehr schwer tun über 100.000 € Sparvermögen aufzubauen…
    Der Bankensektor war ein Bubble, auch wenn er ich glaube 1/4 des BIPs ausgemacht hat.
    Die Frage ist für mich, ob es Enteignung ist, oder einfach nur eine nachgelagerte Besteuerung.

    Kredite und Bürgschaften ohne einen Eigenanteil oder Bereitschaft zu Zugeständnissen… Das entbehrt so ziemlich jeder finanziellen Logik! Sie wollten die Kredite und wollten keine Eigenleistung erbringen… Es ist bzw. wird trotzdem sehr schmerzhaft für die Bevölkerung. Ob eine Staatsinsolvenz die bessere Lösung gewesen wäre? Ich denke nicht.

    Nichtsdestotrotz hat man sehr viel Vertrauen zerstört, indem man an dem kleinen Zypern einen Beispiel gesetzt hat, dass man womöglich auch auf andere Staaten übertragen kann. Eine Staffelung der Abgaben je nach Höhe der Vermögen wäre evtl. gerechter.

  2. Matthäus Piksa

    @Tim

    Ich sehe das anders:
    Es stellt sich die Frage, wie viele der Zyprioten das Vermögen überhaupt erst deshalb anhäufen konnten, weil Zypern dem Euro-Währungsraum beigetreten ist, Stichwort „niedrige Zinsen+lockere Kreditvergabe“? Angeblich sollen die Bankbilanzen ja auf das 10-fache des nationalen BIPs angewachsen sein. Wohl nur durch ne lockere Kreditvergabe konnte es überhaupt erst so weit kommen, wie sonst?

    Insofern hätten die zypriotischen Politiker entweder dieser laschen Kreditvergabepraxis durch entsprechende Vorgaben Einhalt gebieten können oder alternativ eine vor Jahren eingeführte jährlich zu erhebende Vermögenssteuer im niedrigen einstelligen Prozentbereich einführen können, um Steuern und Einlagen für den Fall der Fälle einzusammeln. Das wurde sträflich unterlassen.

    Und warum dürfen dort russische Oligarchen ihr Geld waschen?

    Wenn sich schon die Masse, wie in Griechenland, Spanien und andernorts durch Kürzungen der Gehälter und Sozialabgaben und über ihre Steuern an den Euro-Rettungsmaßnahmen beteiligen sollen, dann müssen sich die starken Schultern entsprechend mehr beteiligen.

    Warren Buffet fordert ja ebenfalls seit Längerem eine Art „Reichensteuer“ in den USA.

    Problematisch sind solche Zypern-Aktionen nur deshalb, weil jahrelang nichts unternommen wurde und jetzt quasi über Nacht und unter Druck nach Lösungen gesucht werden muss.

    Vor dem Hintergrund jedoch, dass neueste Notenbank-Studien ergeben haben, dass es bspw. den Italienern und Spaniern gar nicht so schlecht geht wie wir immer dachten, zumindest den reichlich vorhandenen Millionären dort, sehe ich nicht, warum der deutsche Steuerzahler für die dortige Misswirtschaft aufkommen soll.

    Mit der Zypern-Aktion wären wir nämlich dort wo wir eigentlich immer sein wollten: Nationale Probleme im Wirtschaft- und Finanzsektor werden, so weit möglich, auf nationaler Ebene gelöst.

    Und nur im äußersten (volkswirtschaftlichen) Ausnahmefall wird, wenn die Gefahr besteht, dass sich finanzwirtschaftliche Probleme auch auf andere Staaten ausdehnen, der europäische (respektive deutsche) Steuerzahler bemüht.

    Ich denke, dass die Bundesregierung im Hinblick auf die im September stattfindende Bundestagswahl daher die entsprechenden Maßnahmen forcierte.

    Wer erst völlig über seinen Verhältnissen lebt und seine Banken als Melkkühe benutzt, der sollte nicht damit rechnen anschließend von den europäischen Steuerzahlern gerettet zu werden. Das zeigt die Zypern-Aktion der Troika. Der „Bankraub“ findet also nicht jetzt statt, sondern geschah quasi schon vorher durch jahrelanges Aufblähen der Banken. Kann sein, dass einige am Ende also wieder dort stehen werden, wo sie vorher standen: Wie gewonnen so zeronnen!

  3. Tobias

    Ich finde den Fall Zypern auch beängstigend. Ich denke, die meisten Europäer werden sich nun Gedanken machen, ob ihre Einlagen tatsächlich sicher sind.

    Ich bin ebenso wie du der Meinung, dass die Börsen aufgrund der momentanen mangelnden Alternativen zur Aktie stetig nach oben marschieren. Dies ist geradezu paradox. Weder die US-Haushaltskrise, die Italien-Wahl oder die Zypernkrise konnten den Anstieg der Indizes bislang stoppen.

  4. Finanzielle Freiheit mit Dividenden Blog

    Tim, ich baue mir wie Du weißt seit ca. 2 Jahren auch ein US&Kanada Dividenden Aktien Depot auf und hoffe mittelfristig, die richtige Entscheidung getroffen zu haben.

    Es wäre klasse, wenn auch Deutsche Aktienunternehmen von einer jährlichen Ausschüttung auf eine unterjährliche Ausschüttung umschwenken. Ich glaube das würde das Sparen in Dividenden Aktien noch mal viel interessanter machen.

  5. Martin

    @Tim: Es ist nicht der Staat, welcher in die Taschen der Bürger greift. Die Bürger haben den Banken Einlagen, also Kredite, gegeben. Nun sind die Banken pleite und das sogar mit Ansage. Jeder konnte selbst entscheiden, welcher Bank er sein Geld anvertraut. Anstatt die vollen Verluste zu realisieren hilft der zyprische Staat den spekulativen Sparern und erhöht dadurch seine Verschuldung. Es wurden Gewinne auf hochverzinsten Konten privat vereinnahmt und die Verluste nun
    teilweise vergemeinschaftet. Damit die Banken nicht hohe Risiken eingehen, um die höchsten Zinsen bieten zu können, muss die Sicherheit der Einlagen ein Wettbewerbsfaktor sein. Sonst würde ich mein Geld und sogar geliehenes Geld auch z.B. lettischen Banken zu höheren Zinsen geben und mich dann vom Staat retten lassen. Bezahlen sollen das dann die dummen Sparkassenkunden, welche durch die finanzielle Repression ohnehin konstant enteignet werden? Da bin ich eher für einen fairen Wettbewerb.

    Der Fehler des Staates lag in der Regulierung. Ein Klumpenrisiko in griechischen Anleihen war vermeidbar. Wenn die Bilanzsumme zum GDP so hoch wird, muss vorsichtiger reguliert werden. Wie kann man da ernsthaft als Worst-Case mit einer 100% Staatsrettung rechnen? Das geht doch gar nicht. Warum parken denn umsichtige Geschäftsleute ihr Geld zu negativen Zinsen in Bundesanleihen?

  6. Friedrich

    Hallo Tim,

    ich hab mal ne Frage.
    Wie verhält es sich in Zypern in folgenden Fällen, wie viel Geld bleibt dem Sparer?
    1.Fall: 150.000Euro auf dem Konto
    2.Fall: 90.000Euro auf dem Konto und 60.000Euro in Aktien (bei der gleichen Bank)
    3.Fall: 150.000Euro in Aktien

    Worauf ich hinaus will…
    Der Europäische Finanzminister hat das Model-Zypern als Richtungsweisend genannt.
    Was könnte einem Zyprioten passieren der sein Geld in Aktien angelegt hat?

    Vielleicht steht uns das in Deutschland auch bevor.
    Zählt Aktienvermögen auch in die „Geldmasse“?

    DANKE
    Friedrich

  7. ZaVodou

    Ich glaube, Tim Du hast Dich da in die Materie nicht richtig eingelesen, sonst würdest Du das ein wenig anders sehen.
    Eigentlich müssen die Zyperer froh sein, überhaupt noch was von ihrem Geld zu sehen.
    Die 10 Mrd., die da reingeschossen wurden wird die EU auch nicht wieder sehen. Auch fehlt eine einheitliche Steuergesetzgebung. Z, Zt. wirft ein Land dem anderen Land vor seine Bürger nicht genügend zu besetueuern.
    Letzten Endes wird es bei der EU so sein wie es in der BRD ist. Einige wenige reiche Länder zahlen für die wirtschaftlich schwachen Länder, so dass ein ähnlicher Lebensstandard gewärleistet ist. Dies wäre dann der Preis für den Frieden innerhalb der EU.

  8. Martin

    @Friedrich: hoffe Tim hat nichts dagegen:

    1. 100.000 sicher, Abschlag auf 50.000 in Abhängigkeit von der Bank
    2. 90.000 sicher, Aktien als Sondervermögen sicher
    3.auch sicher, Bankaktionäre der insolventen Banken verlieren aber alles

    Da nun die Last auf die Einlagengläubiger insolventer Banken und den Staat fällt, könnte der Staat in Versuchung geraten das sonstige Vermögen seiner Bürger anzuzapfen (Steuererhöhung, Abgaben) und dabei kann auch das Aktiendepot oder Immobilien betroffen sein.

  9. finanziell umdenken!

    Hi Tim,

    Grundsätzlich denke ich, dass man nicht auf Politiker warten sollte, sondern versuchen muss, das Heft (die Geldanlage) selbst in die Hand zu nehmen.

    Die offenkundigen Versäumnisse sollten aber dennoch auch immer wieder öffentlich genannt werden.

    Zur skandalösen Enteignung. Durch Diversifikation auf mehreren Ebenen kann ein großer Anteil des Risikos reduziert werden. Der Aufwand ist damit als Geldanleger zwar größer, aber ich denke es zahlt sich langfristig aus, selbst wenn man damit vorerst nur besser schlafen kann.

    VG
    Lars

  10. tim schaefertim schaefer

    Zypern hätte mit schlauer Politik besser geregelt werden können.

    Regel Nr. 1 ist in so einer kritischen Situation: Vermeide eine Panik.
    Regel Nr. 2: Sorge für Vertrauen.

    Unsere Politiker haben leider genau das Gegenteil getan.

    Bankschließungen und Enteignungen sind keine smarten Lösungsansätze.

  11. Markus

    @Tim

    Wie soll man smart und vor allem schnell den Menschen etwas wegnehmen, dass sich diese über Dekaden wegen zu lascher Politik aufgebaut haben???

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