Was ist nur mit Apple los?


New York, 5. Februar 2013

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Die Erfolgsstory von Apple bekommt faule Stellen. Lieferprobleme, Gerüchte, chinesische Billigarbeiter, schlecht bezahlte US-Verkäufer, ein schwaches Quartal, ein stärkerer Rivale Samsung … und schon plumpst der Kurs. So pendelte die Apple-Aktie in den vergangenen zwölf Monaten zwischen 435 und 705 Dollar. Aktuell dümpelt das Papier am unteren Ende der Bandbreite bei 457 Dollar.
Seit dem Tod von Gründer Steve Jobs mehren sich die kritischen Stimmen. Kann der IT-Konzern ohne das Genie Steve Jobs so erfolgreich wie bisher weiter machen? Das ist die Schlüsselfrage, für die wir keine Antwort haben.
54 Milliarden Dollar Umsatz im Quartal – das schaffen die wenigsten Konzerne. Trotzdem sinken die Profite. CEO Tim Cook verfehlte jüngst die Prognosen, gab einen schwachen Ausblick.
Wie soll das Design noch toller werden, wenn es schon exzellent ist? Die meisten bahnbrechenden Innovationen sind beim iPhone wohl vorerst gemachten worden. Ohnehin kann jeder mittlerweile die Innovationen von Apple zügig kopieren. Kommen jetzt noch beeindruckende Neuheiten bei den Macs, iPads, iPhones? Ich glaube vorerst nicht.
Trotz aller Kritik spielt das Unternehmen in der ersten Liga. Die Erfolgskennziffern sind nach wie vor blitzsauber.
Die operative Marge beträgt 33 Prozent, die Nettomarge 25 Prozent, die Eigenkapitalrendite 38 Prozent. Welche Firma tütet schon bessere Renditen ein?
Nach dem Crash ist die Aktie mit einem KGV von zehn und einer Dividendenrendite von 2,3 Prozent fast ein Value-Papier geworden. In der Kriegskasse liegen Unsummen.
Ist die Aktie nun gut oder nicht? Ich weiß es nicht. Ich bin her- und hergerissen. Es gibt entweder Leute die Apple lieben oder hassen.
Viele Analysten und Profis waren in der Boomphase extrem optimistisch. Es ging jahrelang der Kurs wie im Wahn nur nach oben. Es war wie im Goldrausch.
Jetzt kehrt sich die Euphorie in eine Panik um. Der Kurs fällt wie eine heiße Kartoffel. Es gibt keinen Aktienrückkauf, keine Dividendenanhebung – das Management schaut einfach tatenlos zu. Mich macht das skeptisch.
Value-Anleger stehen Tech-Firmen grundsätzlich distanziert gegenüber, weil sich die Trends so schnell ändern. Es gehen fast alle Konsumelektronikfirmen eines Tages kaputt. Kennen Sie noch Grundig? Einst war der Blackberry ein Hit, jetzt ist das Handy ein Flop. HP, Sony, Nokia, Dell zeigen ganz klar, wie schnell es abwärts gehen kann. Die Erholung blieb bei den meisten angeschlagenen Ikonen aus.
Fazit: Im Apfel ist der Wurm.


tim schaefer (Author)

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Gedanken zu „Was ist nur mit Apple los?

  1. Peter

    Was den für ein Wurm. Du schreibst doch selbst das es eine Irre Cashmaschine ist. Ich denk die Apple Aktie baut Ihre Überbwertung ab (Wachstumsphantasie). Ich würde nicht mehr als 350 USD für die Apple Aktie bezahlen. 2003 für 10 USD das wäre etwas gewesen. Aber hätte man auch bis heute gehalten ?

  2. stevoxx

    Apple ist ein Opfer seines eigenen Erfolges geworden. Wenn sogar 12 jährige Mädchen auf Biegen und Brechen ein iPhone haben wollen und dafür 700 Euro auf den Tisch legen, dann kann man von einer bubble sprechen und der Wendepunkt ist erreicht. „Think different“ sieht anders aus.

    Mit Jobs ging der Visionär, der kreative Zerstörer im Schumpeterschen Sinne verloren. Tim Cook ist ein solider Arbeiter, kein Visionär und Zerstörer. Ohne interne disruptive Innovation ist Apple ein normales Unternehmen, nicht mehr und nicht weniger.
    Doch wie wir wissen, ist die Börse nicht rational, sie über- und untertreibt, wobei die Untertreibung noch aussteht, unabhängig von den ganzen Kennzahlen, die in der Tat noch immer beeindrucken sind. Aber das waren Sie bei Nokia bis vor Kurzen auch noch.

  3. Martin

    Lieferprobleme = temporär behebbar
    Gerüchte = ?
    chinesische Billigarbeiter = ja
    billige US-Verkäufer = Lohnerhöhung?
    ein schwaches Quartal = EPS war besser als erwartet
    stärkeres Samsung = ?, Marktanteil USA

    Amazon hat auch schlecht bezahlte MA. In Deutschland haben sie doch sogar auf Kosten der Arbeitsagentur Arbeitslose „auf Probe“ arbeiten lassen. Zumdem sehr viele befristet. Das spielt für den Aktienkurs aber wohl keine Rolle.

    Ich habe auch keine Ahnung, wie sich der Preis entwickeln wird.

  4. stevoxx

    Tim,
    vergleiche einmal den Verlauf einer bubble gemäß BCA und den Verlauf der Apple-Aktien. http://www.manager-magazin.de/pics/11/0,1020,1289311,00.jpg
    Die Korrelation ist sehr hoch…

    Dass man bei den Wahnsinnsmargen von Apple, den Schlangen vor den Geschäften usw. von einer irrationalen Übertreibung der Massen, einer bubble, sprechen kann, dürfte plausibel sein.
    Geschichte wiederholt sich nicht, aber sie reimt sich. (Mark Twain)

  5. tim schaefertim schaefer

    Apple bleibt ein Phänomen. Es ist wie eine weltweite Manie. Anhand einiger Zahlen kann man diesen Apple-Wahn erkennen.

    Jeden Tag verkauft der IT-Gigant 385.714 iPhones.

    Das iPhone ist derart bei Langfingern begehrt, dass es die Statistiken der Polizei durcheinanderwirbelt. Ohne das iPhone wäre in New York die Kriminalitätsrate gesunken, jetzt ist sie rauf. Lesen Sie diesen Artikel in der „New York Times“: Hier klaute jemand ein iPhone von einem Dieb. Anders ausgedrückt: Innerhalb weniger Stunden wurde das Handy eines Mädchens gleich zwei Mal geklaut.

    Apple hat so viel Cash auf der hohen Kante wie Konkurrent HP Umsatz macht.

  6. Günter

    Hi Tim,

    schwer zu sagen, wohin die Reise geht bei Apple. Im Jahr 2000 hätte auch kaum jemand gedacht, dass Nokia mal mit allen mitteln um Marktanteile kämpfen muss.

    Der Kursrückgang hat schon auch seinen Grund, denn viele sind offenbar der Meinung, dass die Wchstumsstory hier vorbei ist. Ob die Zweifler recht behalten werden oder nicht, kann natürlich nur zuverlässig von den Kaffeesatzlesern / Charttechnik-Sekten-Anhängern vorhergesagt werden 😉 (Vorsicht Ironie…)

    Für mich zumindest stehen zwei Dinge fest: weder die Apple-Produkte noch die Apple-Aktie sind für mich geeignet 😉

    Viele Grüsse

    Günter

  7. Torsten

    Hallo Tim,
    schon seit mehr als einem Jahr bin ich mir sicher, dass beim Apfel der Wurm drin ist. Wirklich neue und innovative Produkte kommen schon lange nicht mehr auf den Markt. Immer nur das xte Update eines bereits vorhandenen Produktes (iPhone XX) oder ein vorhandenes Produkt wird größer oder kleiner gemacht. Da fehlen aktuell tatsächlich die Ideen, die aber von der Konkurrenz reihenweise kommen. Und deshalb leidet Apple immer mehr unter dieser Konkurrenz, die zudem immer frecher wird und massiv Marktanteile klaut.

    Wenn nicht in Zukunft wieder mal ein richtiger Knall kommt, dann wird Apple über kurz oder lang seinen Kultstatus verlieren und ein Hardwarhersteller unter vielen Sein. Nokia lässt grüßen

  8. tim schaefertim schaefer

    @ Martin

    Jetzt mehren sich die Apple-Kritiker. Unter ihnen David Einhorn. Der „Hedgefonds-Star“ fordert, die 130 Milliarden Dollar in der Kasse an die Aktionäre zurückzugeben. Siehe hier:

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