Warum es nichts bringt vor dem Crash die Reißleine zu ziehen


New York, 26. März 2012

Angenommen Sie würden einen genialen Börsen-Propheten kennen. Einer, der genau weiß, wie die Börse tickt. Er hätte Ihnen zur Jahrtausendwende gesagt, dass wir in den kommenden zwölf Jahren zwei heftige Rezessionen ertragen müssen. Und dazu eine der schwersten Finanzkrisen seit der Großen Depression uns heimsuchen wird. Was hätten Sie getan? Sie hätten wohl alle Ihre Aktien verkauft und würden Ihr Vermögen jetzt in Barmitteln horten.
Sie hätten im Jahr 2000 bei all Ihren Verkaufs-Transaktionen nicht nur die Transaktionskosten bezahlen müssen, sondern eventuell auch Steuern, die auf Ihre Kursgewinne angefallen wären. Im Rückblick betrachtet wäre das Bargeld keine gute Lösung gewesen. Denn mittlerweile hat sich die Börse trotz des Finanzdesasters erholt. Sie hätten wohl eine einstellige Rendite per annum erzielen können in den vergangenen zwölf Jahren mit Ihren Aktien.
Die „New York Times“ skizzierte dieses Gedankenspiel anschaulich anhand eines Rentner-Ehepaares. Autorin Tara Siegel Bernard ging der Frage nach, was wäre passiert, wenn die Rentner gewusst hätten, was für ein Finanzdesaster auf sie seinerzeit zurollt?
Es wächst auf dem Parkett so schnell Gras über die Sache. Das ist fast schon besorgniserregend. Die Kurse haben nun auf breiter Front zugelegt. Der Dow-Jones-Index arbeitete sich auf 13.200 Punkte vor. Bald wird der US-Index wohl neue Bestmarken bei über 14.000 Zählern knacken. So sieht es jedenfalls aus. In diesem oder nächsten Jahr kann das der Fall. So vermute ich es. Der DAX sowie andere Barometer haben sich unglaublich stark erholt.
Was lehrt uns diese volatile Phase an den Weltbörsen? All das Gejammere zählt nicht. Was Sie an der Börse tun sollten, ist Geduld haben. Verlieren Sie niemals die Nerven! Leute, die in Panik gerieten und in dem Börsen-Crash ihre Bestände verkloppt haben, stehen nun vor einem Scherbenhaufen. Klar gibt es Branchen, die brutal gelitten haben. Etwa die Finanzdienstleister. Aber die breite Masse der Titel hat längst wieder Fahrt aufgenommen. Es ist daher ratsam, sein Depot schön zu streuen und zu halten.
Was bei mir einen Sinnenswandel bewirkt hat mit Blick auf das Trading von Aktien, war ein persönliches Gespräch mit Charlie Munger. Der Vize-Chef von Berkshire Hathaway ist einer der smartesten Investoren unserer Zeit. Munger sagte mir, dass das Konzept des aktiven Handels nicht auf lange Sicht funktioniere, selbst die hellsten Köpfe scheiterten damit eines Tages.
Wer einen langen Atem hat, der hat jetzt diesen Trumpf im Ärmel: Nun befinden sich die Dividenden bei etlichen Unternehmen auf Rekordniveau. Der S&P-500-Index wirft rund zwei Prozent Dividendenrendite ab. Das ist ganz ordentlich. Für Sparguthaben erhalten Sie kaum Vergleichbares.
Aktuell liegt die Ausschüttungsquote im S&P 500 bei knapp 30 Prozent. Zum Vergleich: In den vergangenen Jahrzehnten erreichte die Ausschüttungsquote rund 50 Prozent im Schnitt. Mit anderen Worten haben die Unternehmen die Hälfte ihres Überschusses an die Aktionäre ausgekehrt und nicht 30 Prozent wie derzeit.
Insofern stehen die Chancen gut, dass sich die Rallye fortsetzt, es besteht nämlich Erhöhungsspielraum. Die Unternehmen horten jede Menge Cash, die Verschuldung der Konzerne ist auf einem sehr niedrigen Niveau. Die zögerliche Haltung der Manager mit Blick auf Aktienrückkäufe und Dividenden hängt wohl mit den Nachwirkungen des Schocks während der Finanzkrise zusammen.
Allmählich lockert sich diese Zurückhaltung. Es fließt nun wieder mehr Geld an die Aktionäre zurück. Die Entwicklung ist auch ein gigantisches Konjunkturprogramm. Die Aktionäre haben so mehr Geld in der Tasche. Denken Sie nur an die Apple-Aktionäre. Wie reich und erfolgreich die sich jetzt fühlen? Es ist geradezu phänomenal. Kurzum: Der Kapitalmarkt ist gut für die Wirtschaft, die Konjunktur und die Menschen. Halten Sie an Ihrer Strategie fest und lassen Sie sich nicht verrückt machen von den alltäglichen Schwankungen. Die Börse ist eine Gelddruckmaschine. Man muss nur wissen, wie man sie bedient.


tim schaefer (Author)

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Gedanken zu „Warum es nichts bringt vor dem Crash die Reißleine zu ziehen

  1. Investor

    Ein intressanter Aspekt findet sich in dem Buch „Überlegen Investieren: Warum sich die traditionellen Anlage-Strategien eben doch auszahlen“

    http://books.google.de/books?id=Ey5_1fcXA_0C&printsec=frontcover&hl=de&source=gbs_ge_summary_r&cad=0#v=onepage&q&f=false
    Seite 158 , Kapitel 10
    (nicht alle Seiten enthalten aber der Sinn des Artikels geht hervor)

    Hier wird gezeigt, dass die Baisse sogar ein Renditeturbo ist, wen die Dividenden reinvestiert wird.

    Sehr interessant und ein guter Grund für Buy and Hold 😉

  2. tim schaefertim schaefer

    @ Investor,

    danke für den Hinweis. Buy and Hold ist die überlegene Strategie, allein schon wegen der Steuer macht das Sinn diese Strategie zu erwägen!

    Viele Grüße
    Tim

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