Warum die Reichen immer reicher und die Armen ärmer werden


New York, 4. Januar 2014

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Die Börse macht Menschen mit der Zeit reich. Es geht im Regelfall nicht schnell, sondern dauert Jahrzehnte. Wer das „Spiel“ verstanden hat, kann bequem enorme Vermögen aufbauen. Es muss einfach „Klick“ machen.
Es geht im Endeffekt nur darum, Wertpapiere von exzellenten Unternehmen lange genug zu halten. Das machen uns Deutschlands steinreichen Aktionäre vor. Wir Kleinanleger brauchen sie bloß zu kopieren. Es sind die Familien Quandt, Klatten, Hopp, Henkel, Piech, Porsche, Siemens… Keiner von diesen Familien tradet seine Positionen bei einem Discountbroker hin und her, sondern sie sitzen auf ihren Anteilen – über Generationen hinweg. Ich weiß, Nichtstun ist verdammt schwierig.
Die Börse macht vor allem diese Superreichen immer reicher. Die Armen werden immer ärmer, weil denen kein Geld zum Investieren bleibt. Ob in den USA oder Deutschland, die Schere zwischen Arm und Reich geht weiter auseinander.
Im vorigen Jahr legte das Aktienvermögen um 30 Prozent in den USA zu. Die Aktien-Milliardäre wurden also demnach um durchschnittlich 30 Prozent reicher. Der Anstieg des S&P-500-Indexes entsprach einem gewaltigen Plus, wenn Sie sich die wirtschaftlich rauen Zeiten einmal vor Augen führen. Es ist fast atemberaubend.
Ich kann mir kaum vorstellen, dass sich diese 30-Prozent-Sprünge so fortsetzen lassen. Der DAX kam um 25 Prozent voran. Das liegt weit über dem langfristigen Börsenanstieg, der wohl irgendwo bei knapp zehn Prozent p.a. liegt (vor der Inflation).
Die Arbeitslosen haben es nach wie vor schwer. Die US-Arbeitslosenquote rangiert bei rund sieben Prozent auf einem hohen Niveau, gut bezahlte Jobs bleiben Mangelware. Der weltgrößte Arbeitgeber ist Wal-Mart, der Einzelhändler bietet nur mickrige Löhne.
In Deutschland ging der Börsenboom an der Mehrheit vorbei. Es besitzen eben hierzulande zu wenige Menschen Aktien. Insofern gibt es beim deutschen Durchschnittssparer wenig zu feiern. Gut, Immobilien befinden sich im Aufwind, dafür stagnierte der Immobilienmarkt jahrzehntelang. Und für Festgelder, Sparbücher und Lebensversicherungen gibt es allenfalls Almosen.
Mein Foto: Millionäre in ihrer Villa am See, nahe Houston. Mexikanische Arbeiter schneiden fast täglich das Gras.


tim schaefer (Author)

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Gedanken zu „Warum die Reichen immer reicher und die Armen ärmer werden

  1. finanziell umdenken

    Der Schlüssel langfristig wohlhabend zu werden liegt meiner Meinung in der finanziellen Bildung. Wer diese einmal erworben hat, dürfte trotz aller überraschenden Ereignisse im Leben keine nennenswerten Geldprobleme mehr bekommen.
    Dadurch dass die Sicht auf Geldströme dann eine andere ist, geht man Geld schon im alltäglichen Leben ganz anders um. Bei den unnötigen Ausgaben, die es zu vermeiden gilt, geht es los. Aber auch das nachhaltige und langfristige Investieren, vor allem in Produktivkapital, ist dabei wichtig.
    Darüber hinaus sollte man schauen, ob man nicht noch zusätzliche – möglichst dauerhafte – Geldströme ausfindig machen kann.

    Die meisten „armen“ Menschen haben nicht die notwendige finanzielle Kompetenz und würden selbst bei einer Erbschaft oder einem Lottogewinn das Geld recht flott wieder verlieren.

    VG
    Lars

  2. dk

    Jap, kann da Lars nur zustimmen.

    Man schaut auf das eigene Geld und überlegt sich 10x, ob die eine oder andere Sache das Geld wert ist.
    Weiterhin habe ich gelesen, dass die Reichen genauestens wissen, wie viel und für was sie Geld ausgeben.
    Sprich, man führt eine Liste mit Ausgaben bzw. Einnahmen.
    Das mache ich auch schon seit einer Weile.
    Man hat einfach eine viel bessere Übersicht, für was man überhaupt Geld ausgibt und kann dann das Feintuning vornehmen. Auch die Monats-, Jahresentwicklung zeigt einem viel Potential auf.
    Also ich kann das jedem nur empfehlen.

  3. Kaspar Hauser

    Walmart beschäftigt aber nicht einfach Arbeiter, sondern „associates“. Bei Walmart ist jeder Mitarbeiter zugleich Teilhaber.

  4. Thomas D. S.

    zu d.k.:

    Eine eigene Buchführung sollte jeder Mensch bzw. jede Familie machen. Ich tue das seit Jahren und kenne meine Einnahmen / Ausgaben auf den Cent genau. Eine Excel-Tabelle ist in wenigen Minuten erstellt, Vorlagen findet man sicher auch im Internet.

    So weiß ich, dass ich in 2013 monatlich im 12-Monatsdurchschnitt 1567,23 € Ausgaben hatte. Klar dass man versucht, die Kosten zu drücken und die Einnahmen zu erhöhen. Man kann das noch ausbauen und in einer Chartgrafik verdeutlichen.

    Ich denke, das ist hilfreich um seine eigene finanzielle Situation besser einschätzen zu können.

  5. make

    Hallo,

    denke wir sollten die Kirche schon im Dorf lassen. Die Reichen werden hauptsächlich reicher auf dem Rücken der Armen. Die Reichen sind entweder Firmenbesitzer oder aber Anteilseigner (Aktionär) einer Firma. Diese drücken seit Jahren die Löhne bzw. sorgen über Leiharbeit, entsprechende Werkverträge oder Auslagerungen dafür, dass die Macht der Arbeitnehmerverbände ständig sinken. Klar auf dem Papier steigen die Löhne z.B. der IGM-Arbeiter jährlich um 3-5% aber Fakt ist auch dass die Jungen bei weitem nicht mehr so häufig diese Arbeitsvertäge erhalten. Wenn einer in Rente geht, wird diese Stelle nur noch selten 1:1 ersetzt sondern das ganze über Leiharbeit oder als Werkvertrag ersetzt bzw. ganz wegrationalisiert (Stichpunkt Automatisierung…). Ich sehe da ein Riesenproplem auf uns zukommen. Nomalerweise müsste Effizienssteigerung, Automatisierung etc. ja dazu führen dass das Volk weniger arbeiten muss, es führt aber eher dazu, dass die Gewinne der Reichen einfach stärker steigen und der einfache Arbeiter hinten runterfällt. Ausweg ist bestenfalls optimale Bildung aber auch das stimmt heute nicht mehr wirklich oder woran liegt es, dass massenweise Ingenieurdienstleister aus dem Boden sprießen? Es kann mir keiner erzählen, dass im Bereich Ingenieurwesen große Auftragsspitzen existieren, es ist vielmehr wieder eine Form des Lohndrückens. Ich persönlich habe noch Glück, als Ingenieur in einem Dienstleistungsberuf gelandet zu sein, der nicht so einfach wegrationalisiert werden kann und auch gut bezahlt ist, aber ich verfolge mit Schrecken, wie die Lebenshaltungskosten ständig steigen und der „einfache“ Mann als angestellter im Handwerksberuf(Bäcker,Metzger,Mechaniker…) kaum Lohnerhöhungen erhält bzw. diese von unsen „Politikern“ über die kalte Progression wieder weggenommen wird. Eigentlich wäre längst eine europaübergreifende Besteuerung von mindestens 70% auf Einkommen (Zinsen zählen dazu) höher 100000€ jährlich angebracht, oder aber eine 50-75% Steuer auf Zinsen nötig. Dies würde dem ganzen entgegenwirken. Versteht mich bitte nicht falsch, ich gehöre momentan zu den Glücklichen die auf der richtigen Seite stehen und vom System profitieren, dass auf Zinsen/Dividenden nur 25% anfallen, aber die sozialen Verwerfungen werden in spätestens 10-20 Jahren enorm sein und sind teilweise ja bereits jetzt zu sehen (Jugendarbeitslosigkeit Frankreich,Spanien,Griechenland etc.)

  6. Felix

    Im Prinzip stimme ich der oben gemachten Analyse zu.
    Nur, was folgt darus? Aus meiner Sicht gibt es zwei Möglichkeiten:
    1) Man ändert das System per Revolution. Das ist in verschiedenen Länder versucht worden. Den meisten Menschen ging es danach noch schlechter als vorher. Und ich kenne kein real existierendes System, das besser wäre als unseres.
    2) Man versucht individuell alles zu tun, um auf der Sonnenseite des Systems zu stehen. Dazu ist Bildung eine notwendige, aber keine hinreichende Voraussetzung. Besonders praktische (weniger akademische) und finanzielle Bildung sind von kaum zu unterschätzender Bedeutung.
    Wenigstens im Prinzip hat bei uns jeder die Chance durch eigene Anstrengung vom System zu profitieren.

  7. Turing

    @Thomas D. S.

    Ein Haushaltsbuch führe ich auch. Ich musste mich anfangs überwinden, mir Ausgaben zu notieren und abends da einzutragen, aber nach wenigen Wochen ist so selbstverständlich wie kaum etwas anderes. An normalen Werktagen brauche ich nicht einmal Notizen, weil ich mir die Ausgaben so merken kann.

    Wenn man das gut kategorisiert, dann erkennt man, wo man eventuell zu viel ausgibt oder wie viel man überhaupt ausgeben soll. Ich weiß genau, was ich fürs Bahnfahren ausgegeben habe und weiß daher auch, dass die Bahncard 50 nach wie vor eine nützliche Investition ist. Ich könnte auch sofort herausfinden, was ich bei McDonald's ausgebe.

    Ich brauche c.a. 1100 € pro Monat, mal mehr, mal weniger. Was ich nicht ausgebe, investiere ich in Aktien. In diesem Jahre nehme ich das 100000-€-Depot ins Visier und es sieht ganz danach aus, dass ich das schaffe. Wirklich unglaublich, was man nach etwas mehr als fünf Jahren im Beruf und viereinhalb Jahren Aktiensparen hinbekommen kann.

  8. make

    Felix, grundsätzlich stimme ich dir natürlich zu, dass es bei uns immer noch für jeden die Möglichkeit gibt vom System zu profitieren, zumindest besser als in anderen Ländern. Deine Schlussfolgerungen sind ebenfalls richtig, aber irgendwann wird es eben zu Punkt 1 kommen und davor graust es mir ehrlich gesagt. Solange der Mensch noch halbwegs von seiner Arbeit leben kann, solange wird es keine Revolution geben. Wird es aber irgendwann so, dass ein nicht unerheblicher Teil der Gesellschaft arbeitslos ist bzw. nicht genug Einkommen hat um halbwegs seine Grundbedürfnisse zu befriedigen, so ist der Weg zur Revolution nicht mehr weit, denn was hat derjenige dann noch zu verlieren. Klar kann man nun sagen davon sind wir meilenweit entfernt und für Deutschland stimmt das auch noch, allerings ist seit Eurobondseiten das Problem Ruck Zuck etwas vielschichtiger und in einigen Ländern sind wir bereits an dem Punkt angelangt(Griechenland,Spanien, tw. Frankreich-siehe die Straßenbrände um Paris von jungen Erwachsenen angezettelt um aufmerksam zu machen-, tw. Italien). Die Schulden werden über kurz oder lang (eher über kurz) auf Deutschland umgelegt werden und dies wird zu weiteren massiven Steuererhöhungen führen. Nur werden bereits heute mehr als das halbe Jahr nur für den Staat gearbeitet (Steuerlast) bis auch nur ein Euro im Säckel bleibt. Diese Rad lässt sich eben nicht beliebig weiterdrehen. Für unsere Kinder und Enkel wirds dann eben irgendwann nicht mehr reichen und das finde ich in einer zivilisierten und ständig weiterentwickelten Gesellschaft ehrlich gesagt einfach nur Schade. Eine Lösung des Problems sehe ich allerdings auch nicht, ausser wie gesagt eben, dass der Bereich Zinsen und Vermögen wieder verstärkt besteuert werden sollte und damit eine Entlastung der kleinen und mittleren Einkommen möglich wäre. Die Schere normaler Angestellter zu Vorstand ist erwiesenermaßen längst viel zu weit auseinandergelaufen. Problem dabei: Welcher Politiker sägt sich den Ast ab auf dem er sitzt. Schließlich gehören alle Politiker die etwas zum Entscheiden haben zu den obern 5% der Einkommensschicht

  9. tim schaefertim schaefer

    @ make

    Ich stimme in vielen Punkten zu.

    Ein „normaler“ Arbeiter bzw. Angestellter kommt nicht leicht über die Runden, zumal wenn diese Person eine ganze Familie zu ernähren hat. Die Verteilung des Wohlstands nimmt mitunter groteske Züge an.

    In den USA gehören den berühmten 1% (Superreiche) 35% des gesamten Wohlstands.

    Zw. 1979 und 2007 wuchs das US-Einkommen der Top 1% um 275%. Das Einkommen der Mittelschicht aber nur um 40% (siehe Wikipedia).

    In Deutschland schreit in manchen Regionen die Armut zum Himmel: In Dortmund fallen angeblich 26% der Einwohner unter die Armutsquote:

    http://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/armutsbericht-es-muss-mehr-geld-her-fuer-soziale-programme/9243072-2.html

  10. Markus

    @Make

    Allerdings zahlen die Reichen schon ganz ordentlich Steuern!
    Ein Großteil des Steuereinkommens wird über sie finanziert…
    Auch ist es schwierig zu definieren, wo den genau die Grenze für Reichtum ist….

    Ich sehe „Reichensteuern“ wie in Frankreich extrem kontraproduktiv.
    Die Mittelständler stärker zu besteuern führt nicht zu mehr Arbeitsplätzen, sondern kann Firmen mit harter Konkurrenz extrem belasten bis in die Insolvenz treiben. Natürlich muss man hier auch wieder zwischen Mittelständlern und großen AG`s differenzieren, die sich weltweit die günstigsten Steuerplätze aussuchen können.

    Lohndumping, Zeitarbeit usw. sind leider sehr unschöne Zeitformen.
    Das ist nicht korrekt und die Menschen müssen von ihrem Verdienst leben können! Wie gut ist natürlich sehr stark eine Auslegensfrage.

    Ein Interview für eine Zeitschrift hat in Berlin z. B. folgendes Bild ergeben:
    Ein Taxi macht im Schnitt 13 € Umsatz pro Stunde (davon gehen die ganzen Steuern, Reparaturen und Investitionen wieder weg). Ein Mindestlohn von 8,50 € (plus die SV-Beiträge für den AG) würde den Unternehmer dazu zwingen, die Hälfte seiner Leute zu entlassen.
    Allerdings der entscheidende Knackpunkt meiner Meinung, dass sehr viel unlauterer Wettbewerb im Taxibetrieb in Berlin stattfindet… Hier müsste man ansetzen. Allerdings ist unser Justizsystem in vielen Dingen überfordert und konzentriert sich lieber wegen 700 € monatelang auf Kleinkramm und mediale Hinrichtung. Das ist mal traurig!

    Leider sehe ich immer wieder das Bild:

    – Jammerer haben oft die dicksten & neuesten Handys
    – Sogar die Kinder und Kleinkinder haben extrem teure Handys
    – Viele „Jammerer“ haben das Prinzip von Ein- und Ausnahmen nicht im entferntesten verstanden!!!
    – Das geht von Handys, über Wohnungen, über Kredite, über Autos in alle Lebensbereiche. Das Thema Beziehungen und Scheidungen geht jetzt zu viel zu weit, aber es ist auch extrem wichtig.
    Wenn man sich nicht um seine Angelegenheiten kümmert oder sich anstrengt bessere Lösungen für sich und seine Familie zu finden, dann holen dich die unerledigten Dinge irgendwann ein…

    Das Thema Europa und die Staatsverschuldung ist natürlich wieder eine andere Nummer.
    Im Prinzip frage ich mich, ob unsere Politiker wirklich so dumm sind, oder ob die Pläne für Währungsreformen und Hyperinflationen einfach nur aus den Schubladen geholt werden müssen.
    Oder aber das System ist so verkrustet mit Lobbyismus und so vielen sich gegenseitig blockierenden Entscheidern, dass große Reformen gar nicht oder nur unter noch stärkerem Druck entstehen könnten…

    Ich denke das System und Zinseszinssystem ist auf „Neustarts“ angewiesen… Der viel zitierte und oft angegriffene Josephspfennig mit den daraus virtuell entstanden 28 oder wie vielen??? Erdbällen aus Gold ist noch argumentativ nicht sinnvoll auseinander genommen worden… Ich warte immer noch auf eine sinnvolle Gegenargumentation…

  11. Felix

    @ make
    Natürlich beklagst du viele Fehlentwicklungen zu Recht: Multis, die riesen Profite einfahren aber im jeweiligen Land kaum Steuern bezahlen (Apple, Google, …); Managergehälter, die das 300-fache eines Durchschnittslohns ausmachen, die Finanzindustrie insgesamt, die immer kompliziertere Produkte („Finanzinnovationen“) auf den Markt bringt usw., usw.
    Aber, so ist Marktwirtschaft. Alles wird probiert, getestet, ausgenutzt. Das bringt ständig Neuerungen hervor; das ist nicht bequem. Wenn ich mir anschaue, wie sich die Computerindustrie samt Internet entwickelt hat. Einige sind dabei superreich geworden, viele (die meisten) sind pleite gegangen. Insgesamt ist ein riesen Fortschritt für die Menschheit herausgekommen.
    Wäre so eine wirtschaftliche, technologische Dynamik auch möglich, wenn alle in so einer Art Beamtenstatus wären (sicherer Arbeitsplatz, weitgehender Kündigungsschutz, verlässliches Einkommen, …)? Ich glaube nicht! Das Leben, zumal das Berufsleben ist im Wesentlichen Kampf. Dabei bleiben auch viele auf der Strecke.
    Natürlich ist die Politik dazu da, die ja einen gigantischen Apparat unterhält, die schlimmsten Auswüchse des Kapitalismus zu unterbinden. Ich denke das geschieht ja auch. Die meisten Lockerungen der Agenda 2010 werden ja gerade von der GroKo wieder kassiert. Ob das gut für Deutschlands Entwicklung sein wird, wage ich zu bezweifeln. Wir werden wirtschaftliche Dynamik verlieren. Es werden gerade wieder die verstärkt arbeitslos werden, denen geholfen werden sollte. Also wird es nach Merkel wieder ein Umkehrung geben müssen, weil die Soziallasten mit einer lahmen Wirtschaft nicht mehr zu tragen sein werden. Gysi wird sagen, was er immer sagt, die Steuern müssen rauf.

    P.S.
    Die „Club Med“ Staaten sehe ich nur mittelbar als Opfer unserer Wirtschaftsordnung. Die habe Korruption, einen aufgeblähten, ineffizienten öffentlichen Dienst, exorbitante Staatsverschuldung, auch aufgrund überbordender Sozialtransfers, und nicht zuletzt, eine unfähige Politikerkaste, die sich hautsächlich selbst bedient.

  12. Turing

    Ich weiß nicht, ob etwas dran ist, dass es den Leuten schlechter geht als vor zehn oder zwanzig Jahren. Viele westdeutsche Jammerer wurden vor zehn Jahren aus ihrem Wolkenkuckucksheim gerissen; in Ostdeutschland schon zehn Jahre davor. Das Sozialsystem hatte viele Menschen zur Bequemlichkeit bewegt. Das Anspruchs- und Statusdenken in der Bevölkerung war der Reformbremsklotz schlechthin und ist es eigentlich immer noch.

    Ich habe gestern das Buch „Die Asozialen“. Der Autor lässt zwar ein paar unqualifizierte Bemerkungen zur Oberschicht und zum Neoliberalismus ab, aber im Großen und Ganzen ist das Buch eine hervorragende Analyse zur Unterschicht und zu den Problemen hierzulande.

    In Deutschland konzentrierte man sich jahrelang darauf, die Leute vor dem Abstieg zu bewahren. Bei der Einführung von Hartz IV war dann häufig das Gejammer darüber, dass wer jahrelang gearbeitet hätte, nicht auf einer Stufe stehen sollte wie jemand, die gearbeitet hätte. – Die Linken konnten dieses Statusdenken kanalisieren und große Demos veranstalten. Es wird für mehr Geld für Langzeitarbeitlose demonstriert, aber kaum für mehr Geld für Kindergärten, für Bildung, für Chancen. Jungen Leuten, die es aufgrund ihrer sozialen Herkunft ohnehin schwerer haben, wird vor den Kopf gestoßen; man sorgt sich lieber um die breiten Hinterteile der Altersgruppe 50+, die eigentlich viele Chancen hatten, aber selten nutzten.

    Deutschland war jahrelang ein Hochlohnland und viele Arbeiter bekommen noch ordentliche Löhne, z. B. bei Daimler am Band. Dort bekommt man teilweise mehr als ein Ingenieur. Über Geld verfügen diese Menschen, aber sie investieren nicht. Und selbst von nur zehn Prozent Tipps zur finanziellen Bildung beherzigen, ist das besser als nichts. Es rächt sich, dass die deutschen Gewerkschaften jahrelang gegen Belegschaftsaktien kämpften. Begründung: „Dividenden sind unzuverlässig.“ Ich finde die Begründung einfach geil. Es ist doch gerade der Sinn, dass Arbeitnehmer am Erfolg des Unternehmens beteiligt werden und in schlechteren Zeiten etwas zurückstecken. Hätten die Generation 50+ auch nur 10 % des monatlichen Einkommens in Aktien angelegt, wären sie heute steinreich. Haben sie aber nicht. In jungen Jahren, könnten Männer ohne Familie, sogar noch höhere Sparraten vorweisen. Ich habe eine Sparrate über 50 %. Stattdessen kaufen sich viele junge Männer Autos und betrinken sich ständig.

    Anstatt den Status zu halten, sollte sich der Staat darauf hinarbeiten, die Menschen dazu zu befähigen, ihre eigene Situation zu verbessern und sich selbst abzusichern. Wer jahrelang mit dem Versprechen glaubt, er könne nicht gekündigt werden oder sein Gehalt steige automatisch, der bildet sich kaum weiter. Der investiert auch nicht, sondern verkonsumiert alles. Und wer mangels Bildung den Designerprodukten der Versicherungen und Banken vertraut, ist hoffnungslos verloren.

    Der Staat und die Gesellschaft sollte finanzielle Bildung forcieren, anstatt dem Sicherheitsdenken Vorschub zu leisten.

  13. Turing

    Aber es gibt viele Arbeitnehmer, die sparen können und es nicht tun. Es bringt nichts, jetzt irgendwelche Personen gezielt herauszupicken, die es nicht können. Die wird es immer geben.

    Und speziell Westdeutschland hat in den letzten Jahrzehnten eine Menge an Wohlstand verschenkt. Man setzte auf immer nur auf Lohnerhöhungen, Arbeitsverzkürzung, Frühverrentung, Kündigungsschutzverschärfungen, anstatt die Menschen zu Mitaktioniären ihrer Unternehmen zu machen.

    Diese Politik müssen wir heute ausbaden. Auf der einen Seite haben wir alte Leute, die viel konsumiert haben und auf ihre hohen Rentenanwartschaften pochen. Auf der andere Seite haben wir junge Leute, denen nur schlechtere Verträge angeboten werden, die den Konsum der anderen ausbaden dürfen und heute mit geringerem Lohn auch weniger sparen und investieren können. Und der hohe Kündigungsschutz, eingeführt für die Alten, gilt als Einstellungshemmnis.

  14. Tino

    @finanziell umdenken, diese finanzielle Bildung war kein Bestandteil in meiner Grund- und Realschulbildung, selbst im Abitur nicht. Erst im Studium hatte ich mit BWL ohne Grundlagen Börse die erste Begegnung und aufgrund des fehlenden praktischen Bezugs war es quasi nur ein notwendiges Übel, aber noch keine sichtbare Chance. Wie Tim m. W. auch schon anmerkte ist hier auch heute noch nichts Sinnvolles im Bildungssystem in Deutschland verankert, m. E. gehören die ersten Grundlagen bereits in die Grundschule und sollten selbstverständlich im weiteren Bildungsweg ausgebaut werden. Wer das Produktivkapital früh begreift, Betonung früh, hat einen großartigen Werkzeugkasten frühzeitig an der Hand, um sein Leben vorteilhaft zu gestalten. Aber moralisch gibt es immer den Knackpunkt, dass es hier auch um eine Umverteilung von Geld geht. Es liegt auf der Hand, dass es nicht 40 Mio Buffetts in Deutschland geben kann. Diese Menschen werden häufig durch glückliche Umstände in diese Wissensportale hineingeboren und haben dadurch einen enormen Vorsprung vor denjenigen, die erst durch eigene mühevolle „Erleuchtung“ diese Potenziale erkennen, viele eben auch garnicht, aufgrund der Ausblendung in Standardbildungswegen. Der Schneeball kann halt in einer Lebensspanne nicht mehr so groß werden, wenn man erst mit 40 damit anfängt. Generationenverträge in cleveren Familien sind auch kein Standard und ein Sicherungssystem für den Bestand über Generationen sicherlich auch nicht selbstverständlich, weil es eben auch immer vom Einzelnen abhängt das zu erhalten.

    @dk, ja eine auf eigene Bedürfnisse zugeschnittene Excel-Tabelle als notwendiges Kontrollinstrument für kurz- und langfristige Finanzplanung, bereits wenige Einnahmen und Ausgaben kann kein Mensch mehr vollständig überblicken, selbst auf einen Monat gesehen, zu komplex. Nutzen sowas auch schon lange und für die Börse ist m. E. auch ein wichtiges Instrument, um seine Investitionen zu analysieren und daraus Schlüsse für Erfolg und Mißerfolg zu ziehen.

    @make, ich seh den persönlichen Burggraben auch als essentiell, wenn man nicht vom passiven Einkommen leben kann. Er ist wie bei einem guten Unternehmen dafür verantwortlich die Gewinnspanne möglichst hoch zu halten und/oder dauerhaft im Geschäft zu bleiben. Diesen zu schaffen hängt auch wieder mit Bildung, aber vor allem auch mit viel Kreativität, Ehrgeiz und Ausdauer zusammen, so meine Erfahrung. Von nix kommt nix. Der sog. Fachidiot hat evtl. nicht das nötige übergreifende Wissen und hat nur gelernt das Geld zur Sparkasse zu bringen, obwohl er eigentlich die besten Voraussetzungen für die finanzielle Unabhängigkeit hätte, aber da er nur dem Design von neuen Elektronikschaltungen nachgeht und evtl. niemals im Leben von Aktien etwas gehört oder gelesen hat (und wenn dann nur im negativen Sinne), wird er auch finanziell nicht umdenken. Sein Geldstrom ist ggf. auch noch unterdurchschnittlich trotz seiner außerordentlichen Fähigkeiten, weil er nicht das Prinzip von Angebot und Nachfrage als Machtinstrument erkannt hat. Der andere weiß evtl. um die Möglichkeiten, hat aber kein Kapital und auch keine Fähigkeit dauerhafte Geldströme zu erzeugen und verspekuliert seine Einmaleinnahmen aufgrund seiner Notlage (wie viele Arme sich auch an Lotto klammern). Die Sackgasse, selbst verschuldet oder durch widrige Lebensumstände kann jeden treffen. Man sollte sein eigenes Glück dementsprechend begreifen und dankbar sein.

    @Markus, ja die Jammerer kenne ich auch zur genüge „..die Milch ist schon wieder teurer geworden, wer soll das noch bezahlen?!“, achso? und Ihr habt schon wieder ein neues Auto? Wieso das denn?.. wenn die Milch so teuer ist, haha

    @Felix, das Argument der Gewerkschaft kann ich sogar etwas nachvollziehen, da unser deutsches Wirtschaftssystem nicht so stabil wie das amerikanische ist, aber letztlich sind die größten Unternehmen doch relativ zuverlässig was die Dividende betrifft. Ich hab mich zwar in jungen Jahren nicht ständig betrunken ;), aber nicht jeder hat das Temperament eines Buchhalters und völlig andere Interessen als die ach so schnöden Aktien, da blüht der Körper gerade auf, überall werden die Sinne betört durch Medien, Mädchen, Autos, sportliche Aktivitäten, deshalb sag ich hormongesteuert, Bildung könnte da sicher etwas entgegen wirken, aber nicht ausschalten.
    Die Rendite der klassischen Finanzprodukte hat sich ja erst in jüngster Zeit so richtig aufgelöst, Ich hatte vor einigen Jahren noch 4% auf 3 Jahre Festgeld bekommen. Das ist nicht schlecht, weil bombensicher, natürlich nicht vergleichbar mit 10% durch Aktien, aber aus meiner Sicht nicht grundlegend falsch, weil ein eiserner Sparer dadurch auch beträchtlich Geld anhäufen konnte. Jetzt stehen alle mit dem Rücken zur Wand. Bitter finde ich nur Leute, die garnichts von den Veränderungen mitbekommen haben und noch immer an das Sparbuch mit Bonusprogramm glauben, weil die Prozente auf die Jahreseinzahlung so doll aussehen und nicht mal der Taschenrechner für die Gesamtrendite bemüht wird.

    @Turing, ja! ich kenne auch Leute die Geringverdiener sind und trotzdem durch harte Arbeit beträchtliche Einnahmen (für ihre Verhältnisse) erzeugen und dann kommt es eben, das Geld wird einfach ausgegeben für Dinge über die ich nicht mal nachdenken würde. Es wird nicht nachgedacht ob sich eine Investition amortisiert, z. B. wechselt man 2x mal im Jahr die Energiesparlampe, nicht etwa weil die kaputt war, nein die war noch 10% sparsamer, hat nicht so kaltes Licht, zündet etwas schneller und dann denkt man am Ende sogar noch „Mensch, ich hab wieder echt gespart, hab die Birne doch im Angebot gekauft und jetzt spart die..“. Diese Leute bringen tatsächlich ihr hart Erspartes in die Spar(strumpf)kasse, ignorierten sogar Tagesgeldkonten, als es noch knapp 3% gab und Festgeldanlagen die hunderte bis tausende EUR für Nichtstun in ihre Taschen gespült hätten. Das ist für mich ein besonders großes Ärgernis, weil sowas wirklich nur an der Bildungsarmut von bestimmten Bevölkerungsschichten hängt, die sogar interfamiliär beratungsresistent sind. Hier könnte aus meiner Sicht viel mit Aufklärung und Weiterbildung getan werden. Es müssten noch nicht mal unbedingt Aktien im speziellen sein, sondern der selbstbestimmte, sorgfältige Umgang mit dem hart Ersparten bzw. eine Bewußtseinserweiterung für den schnöden Mammon.

  15. Frank / Berlin

    Ich habe in der Verwandtschaft einige dieser Jammerer die es aber früher gerne krachen ließen. Einer meiner Onkel konnte uns Kinder alle paar Jahre mit einem neuen Sportwägelchen beeindrucken. auch immer große Urlaubsreisen und z.B. den Kindern die komplette Hochzeit auf Barbados finanzieren war drin. (und das als normaler Facharbeiter).
    Heute ist er ein berüchtigter Jammerer, Nörgler und Heizkostensparer.
    Und wie sauer der wird, wenn mans ihm unter die Nase reibt…

    Wie sagte die Ameise: „Ei, hast Du im Sommer singen und pfeifen können, so kannst Du jetzt im Winter tanzen und Hunger leiden, denn das Faulenzen bringt kein Brot ins Haus.“.

    Hier eine besonders schöne und auch selbstkritische Darstellung aus Zypern.
    http://briefmarkenspiegel.com/web/2012/08/27/marke-der-woche-kalter-wind/

  16. Tino

    nur das Deutschland das Äsop-Original bevorzugt und den Takt in zukünftigen Musikstücken angeben möchte.

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